Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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HWWindlern und Schriftstellern unterzeichnet ist. In diesen; UWM heißt es: ‘ " 1; v \ ' JWffc rni^ Ausbruch des Ktreges wurde die recht /zahm mtd. zu- MHMendredigierte „Staatsbürger-Zeitung" für die Dauer des Krieges militärisch unterdrückt. Fast gleichzeitig verwandelten sich ,Srarchsurter Zeitung", „Berliner Tageblatt" und die Blätter der- MNM Art m Regierungsblätter^ Das war kein zufälliges ZufsNENtreffen. Doch darüber wird nach Friedensschluß mehr zu ssWU fein.... soll die Aufmerksamkeit auf einen anderen Punkt gelenkt wriOen. Es erhebt sich die Frage: Soll den Gegnern des Blattes der Triür^ch gegönnt werden, daß die „Staatsbürger-Zeitung" endgültig Mr- Strecke gebracht worden ist? Machen wir uns klar, der Schlag galt nicht, dein Blatte, sonderri [ bei verhaßten Richtung, die es vertrat.. Die deutschvölkische, natiorrali Mittelstandsbewegung wollte man treffen und mundtot machen. DWe Erkenntnis sollte uns aufrütteln.und bewegen, dem gegnerischen Willen unseren Willen entgegenzusetzenund uns einer sv wertvollen Waffe, wie sie eine alte, bei ihren Lesern und Inserenten beliebte Tageszeitung darstellt, nicht, berauben zu lassen. Man bedenke, die „Staatsbürger-Zeitung" hat länger als ein halbes Jahrhundert, die deutsWölkische Fahne hochgehalien und für reines Deutschtum gekäMPft. Der Name „Staatsbürger - Zeitung" ' bedeutet ein . Programm. Die deutschvölkische und mittelständische Bewegung braucht wie das licke Brot eine eigene große Berliner Tageszeitung zum Kampf, zur Verteidigung Und zur .Werbung für ihre Ideale. Ohne eine eigene Tagespresse kämpfen wir gegen das uns gegenüber beliebte Totfl^veigeshstem einen fast Hoffnungslosen Kampf. Auch im Vorteil der Konservativen und Nationalllberalen liegt es, daß ihnen ein Bundesgenosse, wie ihn die „Staatsbürger-Zeitung" d a rst e l l t, erst a l t e n b l e t b t. Man hat auch mir den Aufruf zugeschickt und mich gebeten, einen „Betrag als Darlehn oder Geschäftsanteil" zu zeichnen. Ich bedauere, dieser Bitte nicht Nachkommen zu können. Denn obgleich in dem Aufruf das Wort „Antisemitismus" vermieden wßck, so handelt es sich, wie schon aus dem Anfang hervorgeht, um Bestrebungen, die sich gegen die Juden wenden, und man wird von mir nicht verlangen können, daß ich derartiges fördere. * Aus Oesterreich meldet die „Wiener Reichspost" folgendes: Einschränkung des Kerzen- und Oelverbrauches bei den Juden. Eine Verfügung des Militärkommandos. Das M i l i t ä r k 0 m m a n d o verlautbart'. Im Hinblick darauf, daß. hervorragende orthodoxe Rabbiner mit Rücksicht auf die Not der Zeit den Gläubigen Erleichterungen im Gebrauche von Kerzen und Oek zu religiösen Zwecken gestattet haben und daß ferner auch das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht eine Einschränkung deS Achteverbrauches zu rituellen Zwecken nahegelegt hat, wird fokWndes angeordnet: Der Lichteverbrauch zu rituellen Zwecken ist ans daS folgende Höchstmaß einzufchränken: 1. Zwei Lichte am BorbetDche , während des Gottesdienstes in den Militärshnagogen. 2.. Für alle Wohnungsgenossen ohne . Rücksicht aus die Farmlienangehörigkeit zwei Kerzen von einer halben Stunde Brenndauer für die Vorabende des Sabbats /Freitagabend) und der hohen Festtage sowie für die hohen Festabende selbst. 3. Eine Oel- und Kerzenflamme für die ersten dreimal 24 Stunden nach Sterbefällen in der betreffenden Familie. 4. Eine Oel- oder Kerzenflamme für >ie jedesmalige Wiederkehr des Sterbetages (Jahrzeit) für 24 Stünden innerhalb einer Familie im Hause oder in der Synagoge. > >. Das Anzünden der „Menora" (achtarmige Leuchter) an allen acht . Wenden des Chanukafestes nach den bestehenden Vorschriften im Äotteshäuse, jedoch nur ein Licht an jedem der acht Abende für alle. Wohnungsgenosten ohne Rücksicht auf die Familienzugehörigkeit in . )en Privathäusern. Das Militärkommando erwartet, daß die ' Wischen Offiziere (Gleichgestellten) sowie die jüdische Mannschaft strengstens darauf achten w e r d e n , daß diese Verordnung, die das religiöse Empfinden mitden wirtschaftlichen Bedürfnissen möglichst harmonisch in Einklang zu 'bringen bestrebt ist, a uch in i h rcn H au sh altun gen g e haue st e ingehalten werde. Eine recht erfreuliche Nachricht lesen wir in der „Nationalzeitung": Staatssekretär D r. Zimmermann über die Juden in Polen. Staatssekretär Dr. - Z i m m e r m a n n hat unlängst Mr. Lionel Markuß, den Vertreter der Jüdischen Armenheim-Gesellschaft -in New Aork, betreffs der jüdischen Hilfsaktion in Polen enrpfangen. Dabei äußerte sich der Staatssekretär folgendermaßen. Die deutsche Regierung betrachtet die Juden genau in demselben Lichte wie die Angehörigen irgendeiner anderen unter ihrer Jurisdiktion stehenden Rasse. Dies hat sie immer getan, im Kriege wie im Frieden. Und bei der Reorganisation Polens kann man versichert sein, daß keinerlei Unterschied in der Behandlung von Personen jüdischer Abstammung und solchen anderer Rasse gemacht werden wird und daß ihnen alle Rechte und Privilegien eingeräumt werden sollen, welche den Gesetzen der Menschlichkeit und der Unparteilichkeit entsprechen. * Sodann möge eine -Mitteilung unserer Korrespondentin M. B. hier ihren Platz finden: Eine Bewegung für j-ü d i s ch e V o l k s g e s u n d h e i t. In Petersburg ist lallt einer Mitteilung der „Rjetsch" soeben ein Komitee von bekannten Juristen, Aerzten und Männern des sozialen Lebens gebildet worden mit dem Ziele, eine Bewegung für die jüdische Gesundheitspflege anzubahnen. In den mannigfachen Begründungen wurde unter anderem hervorgehoben, daß die Juden in dem allgemeinen Bestreben der Erstarkung der Jugend. nicht Zurückbleiben dürfen und daß sie anderseits daran Vorgehen wüßten, angesichts der vielen antisemitischen Umtriebe. Weitgehende Pläne wurden sodann entworfen, wie die russische Judenheit für den Gedanken der Körperpflege durch Aufklärung in Wort uub Schrift gewonnen werden solle. Als Richtlinien für die Durchführung der gefaßten Grundsätze wurde die Einführung der hygienischen Fächer des Turnens, Schwimmens, der Jugendspiele usw. in den Schulplan der jüdischen Schulen festgelegt. Außerdem sollen freie Vereinigungen für die körperliche Fortbildung der Jugend sorgen, und ihr die Pflege der Leibesübungen zu einer Pflicht der Gesundheit und der Selbsterziehung machen. Möge diese Maßregel auch nicht aus Humanität diktiert sein, sondern dem Wunsche entstammen, die Juden kriegstüchtiger zu machen denn an eine Demobilisierung in der Zukunft glauben ja die Russen und unsere Gegner nicht im geringsten, wollen sie höchstens uns auszwingen —, so sind alle solche Versuche wohl zu begrüßen. Ein gesunder Geist kann nur in einem gesunden Körper ruhen, und wenn die künftige jüdische Generation in Rußland sich körperlich gut entwickelt, so ist auch auf eine gedeihliche geistige Entfaltung zu rechnen. * In Nr. 51 haben wir über das bevorstehende 50jährige Jubiläum der Firma Rudolf Moste berichtet. Im Anschlüsse daran bringen wir folgende ausführliche Mitteilung über die Tätigkeit der genannten Firma: Fünfzig Jahre Annoü c en- Exp ed i ti o n. Am 1. Januar des neuen Jahres blickt die weltbekannte Annoncen- Expeditron Rudolf Mosse auf ein Halbhundertj ä h r i g e s B e st e h e n zurück und darf damit einen Gedenktag begehen, der manchen Rückblick auch auf die Entwicklung des gesamten deutschen Handels und Verkehrs gestattet. Dieses Haus wurde von Rudolf Moste in einer Zeit begründet, da Deutschland seiner Festigung als einiges Deutsches Reich entgegenwuchs und sich auf kaufmännischem und industriellem Gebiet ein neuesstark nach vorwärts drängendes Leben zu betätigen begann. Der Presse siel damit die natürliche Aufgabe zu, diese Entwicklung zu begleiten und zu fördern, 'und