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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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über unsere Lage und die ihrige und in der Heuchelei, von dex sie sich nicht losmachen können, als gelte es in diesem Kriege, den Friedensstörer Deutschland zu vernichten. Noch ist frei« lich die offizielle Antwort der Ententemächte nicht erfolgt» aber was man bisher von den Aeußerungen offizieller Personen Rußlands gehört hat. die weiter den Krieg predigen, von den Erklärungen der französischen Sozialisten, die nach wievor Genugtuung seitens Deutschlands verlangen, dir diesem zu gewähren unmöglich ist. sowie endlich von den Andeutungen von englischer Seite, wird diese Antwort so lauten, daß es der Ehre Deutschlands nicht entsprechen kann, darauf einzugehen. Allerdings braucht man die Hoffnung, daß der Frieden nicht allzufern ist, noch nicht vollständig zu begraben, denn als ein nicht zu übergehendes Moment muß hervorgehoben werden, daß es unseren Feinden, im Innern recht schlecht zu gehen beginnt, daß England bereits anfängt, über große Not zu klagen, und daß diese grimme Not vielRicht ein Faktor sein wird, der unsere Feinde zur Selbstbesinnung treibt. - Endlich folgern die Optimisten aus Amerikas Erklärung auch den festen Willen dieser Großmacht, nicht weiter als Geldgeber auszutreten. Bleibt Amerika, das durch Munitionslieferungen nun nichts mehr zu verdienen vermag und das in seiner praktischen Voraussicht mit Schuldnern nichts mehr zu tun haben will, an deren Zahlungsfähigkeit es zu zweifeln beginnt, aus diesen praktischen, wahrlich nicht aus idealen Gründen, in diesem seinen Entschluß fest, so wird den Ententemächten wohl nichts anderes übriggbleiben, als ihre hohen Worte fallen und sich von nüchternen Erwägungen leiten zu lassen, die auf ihr eigenes Heil, ja auf ihr Bestehen gerichtet sind. So werden sie schließlich sich genötigt sehen, die Hand zum Frieden zu reichen unter Bedingungen, die sich weit von all den törichten, ja wahnsinnigen Forderungen entfernen, die sie durch ihre Presse bisher zu stellen beliebten. Sind aber der Eigensinn und das Trotzen auf ihre angebliche Macht und Ueberzahl, wie wir fürchten, bei diesen Halsstarrigen, ihre Gegner unterschätzenden Feinden stärker als alle' vernünftigen Erwägungen, so muß das Schwert entscheiden. Die Fortschritte unserer Waffen in der abgelaufenen Woche sind außerordentlich. In Rumänien sind viele wichtige Siege erfochten worden, die Zahl der eingebrachten Gefangenen und der Kriegsbeute ist sehr groß, und so ist die Hoffnung nicht ganz ausgeschlossen, daß diese unsere Erfolge endlich unsere Feinde über ihre Ohnmacht aufklären werden. So stehen wir am Anfänge eines neuen bürgerlichen Zeitabschnittes mit Befürchtungen und Hoffnungen, Befürchtungen für eine schwere Leidenszeit, die trotz aller Siege Deutschlands zu bestehen bleibt, Hoffnungen auf eine endliche verheißungsvolle und glückliche Lösung eines ungeheuren Krieges, ans einen Sieg unserer gerechten Sache. * Leider ist zu konstatierein daß in Deutschland der Antisemitismus recht stark gewachsen ist. Während sonst dje Judenmissionare von Liebe zu den Juden überströmten, veröffentlicht jetzt ein ehemaliger Missionsprediger/ Pfarrer Franz in Rheinsberg (Westpreußen), einen großen Artikel im .Reichsboten", in dem er ausführt, daß sich die Judenmission mit einem gemäßigten Antisemitismus (so nennt er Stöckers Standpunkt) recht wohl vertrage, lieber solche Aeußerungen könnte man ruhig hinweggehen; weniger ruhig darf man bei Ausführungen bleiben, die ein so hoch stehender lind allverehrter Mann wie Gusta v vi Sch m oll er in seinem.Aufsätze „Obrigkeitsstaat und Volksstaat" in der letzten Numnrer seines „Jahrbuches" veröffentlicht Hab In diesem Aufsatz setzt er sich mit Ausführungen auseinander,- .die.,vv»'ßeP Professoren H. Helbr.ück und H, Ppeuß gemacht worden HM. Auf den eigentlichen. Inhalt dieser. Polemik haben wir ffa» nicht werter einzugehen; aber die Bemerkungen, die er M Anschluß an die Polemik mit Preuß über Juden macht, darf ich meinen Lesern nicht verschweigen. Er sagt über . Er ist einer der Häuptlinge des Berlsiner kommunale» Freisinns geworden, der da, sozial auf semitischer Mil'- lionärbasis beruhend, unsere Hauptstadt mehr oder wenigrr beherrscht. Und es will mir immer Vorkommen, daß in Mcfn Kreisen, so tüchtig und ehrbar sie sind, der politische Horizont «Nd das politische Urteil doch zu sehr von dem einen GedarckenerWsti j sind: in ihren Kreisen sei eine solche Ueherlegenheit von JntellMNi I Charakter und Talent, daß es schädlich für Staat und GeseWtzas.j sei, daß ihr eng zusammenhÄltender Kreis die Universitäten, ütiS' Heer, das höhere Beamtentum noch nicht so unbedingt beherrsche > wie das bezüglich der Stadt Berlin und ihrer Verwaltung der Fr«, > sei. Bei den meisten, auch wohl bei Preuß, unbewußt, wirken derartige Stimmungen beeinfluffend. auf ihr politisches Denken. DM. große Ideal der politischen und rechtlichen Gleicht Berechtigung läßt sich nur in dem Tempo durchsetze«, älZdas Vo lk sb e w U ß t sei n sich dem Standpunkt des Gesetzes angepaßt hat. Seine Durchführung findet 'zeitweise natürliche HW? mungen, wo eine Minorität der Rasse, des Glaubens usiv. sich bei freier Zulassung rusch zur intoleranten Herrscherin des Staates bzw. der betreffenden Verwaltung, 'der einschlägigen Organe zu mache« weiß. Wie rasch haben die jüdischen Pr iw-atdozenie« und Professoren zugenommen! Wie rasch haben die Jude« es erreicht, daß an einzelnen Kliniken jahrelang nur jüdische Assistenten angestcllt wurden, wie bewahrheitete sich in manchen Fakultäten die Prophezeiung, daß der erste jüdische Ordinarius in zehn Jahren fünf und mehr andere Juden nach sich ziehe! Die Benachteiligung der Juden im preußischen Staatsleben ist heute fast schon dem Verschwinden nahe und macht bereits dem Gegenteil da und dort Platz. Ich finde diese Bemerkungen höchst bedauerlich, weil sie völlig fälsch sind. Wie kann ein so klar sehender Mann wir Schmoller sagen, daß von einer Benachteiligung der Juden im preußischen Staatsleben nicht gesprochen werden kan», angesichts der Tatsache, daß kaum ein einziger Jude mehr als Landgerichtsrat werden, geschweige eine höhere Stell« im richterlichen Berufe erlangen kann, keiner in der Staatsanwaltschaft angestellt ist, keine Regierungsbehörde eine« Juden als subalternen oder höheren Beamten hat, angesichts ferner des Umstandes, daß Inden im aktiven Heere nicht einmal Unteroffiziersstellungen bekleiden, daß ferner Juden die größten Schwierigkeiten haben, als Landwehr- oder Reserveoffiziere emporzukommen usw. Wenn Schmoller sagt, daß der erste jüdische Ordinarius in zehn Jahren fünf oder, mehr Juden nach sich ziehen werde, so möge er doch die preußische Universität nennen, in der dies der Fall ist. In Halle , gab es eine kurze Zeitlang zwei jüdische Ordinarien-; der eine" ist seit längerer . Zeit von seinem Amte zurückgetreten, der andere ist seit fünf Jahren Ordinarius in Berlin. Er hat noch keinM weiteren Kollegen erhalten, und soweit ich im AngerMickr übersehen kann, ist än keiner preußischen Universität Mehr als ein jüdischer Ordinarius vorhanden, an mehreren gar keiner. Und sollte wirklich ein Mann von so erleuchtetem Geiste wie Schmoller es für ein Unglück halten, wenn ein Jude, der durch seine wissenschaftliche Qualifikation zu dem Amte. NLeh Ordinarius geeignet ist und sein Fach würdig vertrittei«e» oder selbst vier Kollegen gleichen Glaubens findet-- Me Aeußerung Schmollers ist also in höchstem Maße zu beKagea. Zu diesem Wiederaufleben des Antisemitismus gehört' der Versuch, die tote „S t a a t s b ü r g e r - Z e i t u n g" nsieiW lebendig zu machen. Dazu fordert ein Aufruf aus, d«r-MM, Handwerkern, Beamten,, Lehrer.«, Professoren (wie dem HAtor der Technischen Hochschule in Charlottenburg), Pfarrer»-

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