Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 niedergelegt sind, von denen als ErstlingHa.rbeit seine „Studien über Wasserscheiden", - die 1886 erschienen, sowie das die Resultate verschiedener Reisen in Griechenland enthaltende Werk: „Der Peloponnes, Versuch einer Landeskunde aus geologischer Grundlage", hervorgehoben werden sollen. Auch die „Beiträge zur Kenntnis der griechischen Inselwelt" und „Dos Mittelmeergebiet" fanden große Beachtung. Philippsons Hauptinteresse -auf seinen wissenschaftlichen Reisen ist das geologische Studium der Erdoberfläche in ihrem Einfluß auf das Menschengeschlecht. Im Februar dieses Jahres führte Professor Dr. Philippson im „Berliner Tageblatt" eine Diskussion mit dem Berliner Botaniker Professor Dr. Otto War b u r g über die Eignung Palästinas für eine jüdische Massenkolonisation, die Philippson vom geologischen Standpunkt -aus verneinte. Die Ausführungen der beiden Gelehrten wurden seinerzeit aus der Tagespresse in die jüdischen Zeitungen übernommen. Philippson ist noch jung, er zählt erst 52 Jahre. Tie deutsche Wissenschaft darf noch viel von ihm erwarten. 22 Frankfttrt a. M., 15. Dezember. In der jüngst eröffneten Kriegsküche 23, Zeit 19, hatte fich auf Einladung Sonntag, den 3. d. M. eine größere Anzahl Herren und Damen zur Besichtigung des neuen Unternehmens eingefunden. Im Aufträge der Leitung begrüßte sie Herr Wolfgang Auerbach mit einer kurzen Ansprache, aus der wir das Folgende wiedergeben: Die neue Kriegsküche verdankt in erster Lime dem Komitee der vereinigten Wohlfahrtspflege ihr Entstehen. Sie ist wie die Kriegsküche 20 für den Mittelstand bestimmt und wird auch genau so wie diese geführt mit dem einzigen Unterschied, daß die Zubereitung der Speisen den jüdisch-rituellen Vorschriften entspricht. Jedes Bedenken, daß der Gast eine nur Minderbemittelten zukommende Wohltat empfange, fällt hinweg, da die Betriebskosten durch die Einnahmen gedeckt werden. Die Eröffnung nach verhältnismäßig kurzen Vorbereitungen ist dadurch möglich gewesen, daß die Leitung bei den zuständigen Stellen überall das bereitwilligste Entgegenkommen gefunden hat. Sv hat die Zenträlsammlung der Kriegsfürsorge einen namhaften Beitrag zu den Einrichtungskosten bewilligt und die Zentralküchenkommisston die Arbeiten mit Rat und Tat gefördert. Herr Auerbach schloß mit Dankesworten für alle, die dem Werke ihre Unterstützung geliehen haben. Insbesondere dankte er den Herren der Zentralküchenkommission und den beiden leitenden Damen der Kriegsküche 20, die in unermüdlicher Mitarbeit geholfen haben, die neue Kriegsküche nach dem bewährten Muster der ihrigen einzurichten. — Hierauf ergriff der Vorsitzende der Zentralküchenkommissiou, Herr T h o m a s, das Wort, um der Kriegsküche 23 ein gutes Gedeihen zu wünschen. Dabei betonte er, daß die Zentralküchenkornrnission volles Verständnis dafür habe, daß auch eine rituelle Kriegsküche hier in Frankfurt am Platze sei und ihre Leitung könne auch fernerhin auf wirksame Unterstützung seitens der Zentralküchenkommission rechnen. Während der Wirtschaftsbetrieb seinen Anfang nahm, besichtigten die Gäste den großen freundlichen Speisesaal, den Abholeraum und die Küche. Sie sprachen nachher der Leitung ihren vollen Beifall aus. Die Zahl der Gäste, die ihr Mittagessen in der Kriegsküche einnehmen und der Familien, die es abholen lassen, nimmt mit jedem Tage zu. §2 Bruchsal, 15. Dezember. Ein Daseinreich an Tugend und Segen, ist mit «dem Tode des Rabbiners Dr. Josef Eschelbach er s. A. zum Abschluß gelangt. Tie hervorragenden Punkte dieses Lebens und Wirkens hat die jüngste Nummer dieser Zeitung bereits dargestellt: Allein dieses Bild ist unvollständig ohne die Zeit, die der Verklärte in Bruchsal zugebracht hat, denn hier hat sich sein Wesen ausder zarten Knospe entwickelt. Er kam von seiner Ausbildungsstätte, dem Jüdisch-theologi-schen Seminar in Breslau, als er in Bruchsal das Amt des Bezirksrabbiners übernahm. Das war-im Jahre 1877. D-aß im Jahre 1879 — also nicht lange nach seinem Amtsantritt — -der neue israelitische Friedhof angelegt und 1880/81 die neue Synagoge der Gemeinde gebaut und eingeweiht wurde, schon das läßt auf die eifrige Tätigkeit des jungen Rabbiners schließen. Dankbar erinnern sich noch heute viele seiner Hörer und Schüler, wie er durch die Predigt und den NeLigivnsunterricht auf ihren Geist und ihr Gemüt gewirkt hat. Seiner hingehenden Mitarbeit und Förderung haben sich auch die Wohltätigkeitsvereine der Gemeinde erfreut. Denn ernste, volle, gewissenhafte Erfüllung aller seiner Berufs- Pflichten war ihm ein tiefinneres Bedürfnis, Ausfluß seiner lauteren Frömmigkeit und starken Liebe zum Judentum, dessen Schriften er fort und fort studierte und dessen Kenntnis er'durch Aufsätze förderte. Dabei hat er im Leben durch sein schlichtes, freundliches, gütiges Wesen gegen, jedermann sich ebenso die Herzen gewonnen wie seine Gattin durch ihre bezaubernde Liebenswürdigkeit und ihr aus reicher. Herzensgute hervoMühendes, rastloses, wohltätiges Wirken. Desgleichen hat er auch seinen anderen Bezirksgemeinden seine warme. Fürsorge angedelheu lassen. Doch weit über diesen Kreis hinaus ging sein Sorgen und Schaffen, es erstreckte sich über die Glaubensgenossen des ganzen Badener Landes. Er brachte uit Jahre 1888 die (Stirn* düng eines über ganz Baden ausgebreiteten Vereins zustande, welcher sich die Ausgabe stellte, armen, -unmündigen Waisen beizustehen, indem er ihre Erziehung durch geeignete Familien völlig übernahm oder ihren bedürftigen Müttern jährliche Erziehungsbeiträge zukommen ließ,, a-uch für ihre berufliche Allsbildung sorgte. Diesem Waisenverein hat er durch eine nimmermüde, umsichtige Werbearbeit und eine zwölfjährige vortreffliche Leitung 311 hoher Blüte verhol fen. ^Der Verein ist ein Kultuvwerk erstens Ranges und noch heute der ^tolz der badischen Judenheit, da er auf diese Weise jährlich weit mehr als hundert Waisenversorgt. Die Verdienste des Heimgegangenen fanden auch ihre gerechte Würdigung. Er wurde schon in die erste Synode der badischen Israeliten (1894) hineingewählt und dort zum stellvertretenden Vorsitzenden erhoben, was auch in der zweiten Synode 1898) der Fall war. Er gehörte auch in der Zwischenzeit dem Shuodalausschuß all. Außerdem verlieh ihm Se. Königliche Hoheit der Groß^ I Herzog zuerst (1894) das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen und dann bei seinem Weggange (1900) das Eichenlaub dazu. Bei diesem seinem Scheiden von Bruchsal nnd Baden nach 23jähriger Tätigkeit begleitete ihn das allgemeine Bedauern über seinen Verlust und die -war-lne Dankbarkeit für sein segensreiches Wirken. Diese Dankbarkeit ist nicht erloschen, sie senkt sich jetzt als liebliche Edelblume auf sein Grab, um ihren Duft fort und fort ausznströmen. „Das Andenken des Gerechten sei zum Segen." Grsterrnch-Angarn. l. Wien, 14. Dezember. Am 11. d.M. empfingen K a i ser K a r l und Kaiserin Zita die Hilldigung der Judenschast Oesterreichs durch eine Abordnung, in der die Kultusgemeinden der Hauptstädte und mehrerer großer Städte Oesterreichs vertreten waren, in den Alexander-Appartements der Hofburg. Oberrabbiner Dr. Gudemanu erbat sich und erhielt die Erlaubnis, mit bedecktem Haupte den althebräischen Segen im Namen der gesamten Judenheit der Monarchie über das Herrscherpaar aussprechen zu dürfen. Dann hielt der Präsidellt der Wiener Kultusgemeinde Dr. A l f r e d Stern eine huldvoll aufgenommene Ansprache, aus die S e i n c M a j c st ü t K a t s c r K a r l I. mit äußerst herzlichen Worten erwiderte, die in der Geschichte der österreichischen Jllden ewig denkwürdig bleiben werden llnd verheißungsvoll für eine glückliche Zllklluft sind. Eill ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Rümmer. Am 19. d. 9JL wird einer unserer besten Männer, Sigmund M a h e r , in vollster geistiger und körperlicher Frische — nur das Versagen des Augenlichts erinnert an sein hohes Alter seinen 85. Geburtstag feiern. 85 Jahre! Fürwahr, ein langes Leben ist dem Jubilar beschieden, währenddessen er rastlos in Wort und Tat der Allgemeinheit zu nutzen suchte und dies Ziel auch erreicht hat. Unvergessen sind den Aelteren unter uns seine Hingabe an die großen Fragen des wahren Liberalismus geblieben, sein mannhaftes Auftreten im. Gemeinde rat für die Interessen unserer Glaubensbrüder: als langjähriger Präsident der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union", als Begründer des „.Hilfsvereins für die galizischen Juden" wirkte er, der nicht etwa Privatmann war, sondern als Chef einem großen Geschäfte Vorstand, initiativ, begründend und fördernd nach allen Richtungen und aus allen Gebieten der rationellen Hilfeleistung für die armen, unterdrückten Stammesgenossen; er, der hoch Gebildete, nahm sich werktätig ihrer physischen und psychischen Erhebung an. Als zu seinem 80. Geburtstage seine Biographie „Ein jüdischer Kaufmann 1830—1911" erschien, in welcher er im Rahmen derselben die ganze soziale, kulturelle und geschäftliche Entwicklung speziell der Juden schilderte, ihnen zeigte, daß für uns trotz aller Hindernisse ein großer Schritt nach vorwärts getan wurde, und diese Phasen wahrend dieses langen Zeitraumes mit der abgeklärten Ruhe des Philosophen unb dem scharfen Blicke des Menschenfreundes und des großzügigen Kauf- . marines darstellte, hatte er vielleicht selbst nicht an die große Wirkung des Buches geglaubt, welche noch heute leider vergebens,