Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 da dasselbe vergriffen — andauert. Wir hoffen jedoch, keine Indiskretion zu begehen, wenn wir heute Sigmund Mayers zahlreichen Verehrern verraten, daß der unermüdliche Jubilar uns binnen kurzem mit einem neuen Werke erfreuen wird, welches zu den alten Vorzügen gewiß noch neue hinzufügen wird. Er aber schreite rüstig und gesund dem 90. Lebensjahre entgegen, fleißig und unermüdlich weiter, geistige Werte schaffend, getreu dem alten Spruche: „Raft' ich, so rost' ich!" ssrankreich. z. Paris (indirekt). int Dezember. Unter den ottomanischen Juden, die die französische Regierung als feindliche Ausländer aus dem Lande auszuweisen oder als Zivilgefangene zu behandeln verordnet hatte, befanden sich zirka 2000 Sephardim, Abkömmlinge dereinst aus Spanien ausgewiesenen Juden. Diese ihre „Zugehörigkeit" zum spanischen „Vaterland" bewahrte sie vor der Härte der französischen Maßregeln. Der spanische Botschafter in Frankreich bat nämlich die französische Regierung, diese sephardischen Juden, die „nach Sprache, Sitte und Geschichte eigentlich Spanier seien", nicht gleich den anderen feindlichen Ausländern zu behandeln und auf sie diese Maßnahmen nicht in Anwendung zu bringen. Die spanische Oeffentlichkeit, die für die „ehemaligen spanischen Bürger", denen gegenüber sich das spanische Volk für die einst begangene Mißhandlung in inniger Reue verpflichtet fühlt, wiederholt ihre Sympathien ausgedrückt hat, unterstützte auch in diesem Falle die Forderung des spanischen Botschafters. Nachdem die Bitte der spanischen Regierung bewilligt war, erhielt Brinnd von den Vertretern der spanischen Intellektuellen ein Dankschreiben für diese Gastfretlndschaft, die die französische Negierung den „ehemaligen Spaniern" entgegenbrachte, den „entrissenen Gliedern des spanischen Volkes, die in der Fremde leben" ttnd die trotz der langen Zeit „die Erinnerung an Spanien, seine Sprache und Sitte treu bewahrt haben". > , Von Aah und ffrrn. Die I ü d i s ch e B l i u d e n ü n st a l t f ü r Deuts ch l a n d v.'ranstaltet am Sonnabend, d?n 23. d. M., abends 6 Uhr, in den Räumen der Anstalt zu Berlin-Steglitz, Wraugelstraße 6/7, eine. Ehannkaseier, mit der eine Ausstellung von Blindenarbeiten verbündet? ist. Der Berliner Bildhauer Jakob PI e s;u er errichtet für das Ossi- . ziershenn in Falkenstein im Taunus einen Monumeutalbruunen, dessett -Entwürfe vom Kaiser zur Ausführung bestimmt wurden. Außerdem ist er mit dem Entwurf von fünf Hohenzollerttbüsten für den Retz r ä s e n t a it t e n s aal d e r I ü d i s ch e tt Ge m e i u d e beauftragt worden. Der älteste Berliner Eouptetdichter, N. I. A n d e r s, ist ' in diesen Tagen in aller Stille auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee beerdigt worden. Reben zahlreichen Theaterstücken hat Anders auch eine ganze Reihe von Romanen ttnd 'Novellen treröffentlicht. Anders' .hat ein Alter voll S3 Jahren erreicht. Er wurde bis zu seinem Tode treu von seiner Tochter I d a A n d e r s , der bekannten Uebersetzerin der Wiedscheit Satiren, gepflegt. - Unter großer Beteiligung wurde Alfred Schön seid, der Direktor des Berliner Thalia-Theaters, auf dem Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Er war ein begabter Eoupletdichter: viele seiner Gesangierte sind „Schlager" gelvvrden. von denen einige in entsprechender Umarbeitung auch ins Ausland getaugten. Der liebenswürdige tmd bescheidene Mattu, der ein Alter von nur 57 Jahren erreicht hat, erfreute sich in weiten Kreiselt großer Beliebtheit mtd Wertschätzung. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Warschauer. Frau Regina W : l l tt c r , die verdienstvolle Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins in Kattowitz, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser für ihre vielseitige Tätigkeit im Dienste der Organisation und Leitung der Kriegsfürsorge durch die Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille 3. Klasse ausgezeichnet. - Aus Gnesen wird uns geschrieben: Jtt der gemeinsanten Sitzung beider städtischen Körperschaften wurde Kommerzienrat R v g e w s k i znm Kreistagsabgeordueten tittd Justizrat T ü r t zuut Stellvertreter gewählt. Der von dein Jüdisch-Liberalen Jttgendverein in Posen für die dortigett jüdischen Soldaten am 19. d. M. veranstalteten Ehanuka-Feier gingen Gottesdienste in den beiden Gemeittdesynagvgen voraus, in deuett die Gemeinderabbitter Professor Dr. Bloch und Tr. Freiut a n n die Festpredigt hielten. Die jüdischen Soldaten waren dltrch die Kommandantur zu den Gottesdiensten eingeladelt. -- Getichtsassessor Nnterosiizier Martin Alterthnm beim Fnßartillerieregiment Nr. Ich Sohn der Frau Margarete Alterthum aus Bernburg in Anhalt, ist zum Kriegsgerichtsrat beim Thvrner Kriegsgericht ernannt worden.— Ztnn Rabbiner der Synagogengemeinde in Bielefeld, ist durch einstnnnngent Beschluß des Vorstandes tmd der Repräsentanten der Gemeinde Rabbiner Dr. Hans K r o n h e i tu (Düsseldorf) gewählt worden. Aus Hannover wird uns unter dem 12. d. M. geschrieben: Bei den heutigen Wahlen lxurde das seitherige Vorstandsmitglied Herr Bankier Simon K atz mit großer Majorität zutn e rstett Vorsteher der Synagogengemeinde Hannover gewählt. — Herr Komtnerzienrat Ivo Strauß in München, Vorsitzender des dortigen Kaufmännischen Vereins von 1873, hat seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinschaft erklärt. Eine - Anzahl von Vereins- Mitgliedern hat angesichts der Tatsache, daß Herr Kommerzienrat Strauß in einem Augettblick, in dem .von feindlicher Seite schwere Verleumdungen gegen die deutsche Jrtdenheit erhoben werden, die jüdische Gettteinschaft verläßt, die Erklärung abgegeben, daß sie dein Kaufmännischen Vereitt tticht mehr attzugehören wünschen, solange Herr Strauß dessett Vorsitzender ist. —- Tie Spenden emnahmen des Jüdischen Nationalfonds betrugen itn M onatNove ttt b e r 58 047 Mark. Anläßlich der Ehanukatage finden in den meisten Ländern besondere Santmlttngen zttguttsteu des Jüdischen Nationalsonds statt. Eine der letzten Auszeichnungen. tvelche weiland Kaiser Franz Josef I.: kurze Zeit vor seinem Ableben verliehen hatte, ist das Kleine Kreuz des Stefan-Ordens, dttrch welches Hofrat Tr. Ignaz B r t"t t t, Präsidettt der Bndapester Advokatenkatttmer, für die Verdienste, welche er sich als Vizepräsident der Bndapester Rettnngsgesellschaft erworben hat, ausgezeichnet wurde. Wie „Egyeulöseg" hierzu bemerkt, hat eine gleich hohe AuszerchntMig seines Wissens nur noch ein Jude, der verstorbene Reichstagsabgeordnete Dr. Julius Roseub-erg, besessen. - Das italienisch-jüdische Organ „Ve-ssillv Jsraelitico" richtete vor kurzem eine - Rundfrage an ungefähr 200 Senatoren tmd Deputierte, ob sie es für wünschenswert hielten, das; Italien bei der Friedenskonferenz die Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, wo sie ihnen heute vorenthalten wird, verlange. Fast alle der Angefragten sprächet! sich da- ' für aus und begrüßten lebhaft den Gedanken, daß Italien die Initiative , in dieser Sache ergreifen solle. Nur wenige drückten ihre Zweifel aus, |i ob die Zeit für einen solchen Schritt günstig gewählt sei.— „1/Archive i israelite“ regt in seiner letzten Nummer die Gründtmg einer „Caisse des Aumoniers israelitcs“ an. damit die Rabbiner itn Felde imstande sind, den armen jüdischen Soldaten, welche von Hause aus nicht unterstützt werdet! kötuteu, stets helfend zur Seite zu stehen. Der Gedanke ist auf fruchtbaren Boden gefallen- und der Oberrabbiner von , Frankreich, A lfred L evy. wird eine große Sammlung zu diesem --Zwecke veranlassen. — Tie Petersburger „Birschewyja Wjedourosti" teilen mit, daß tu der Wohnung Prvtopopows eine Beratung mit den Gehilfen des Ministers des Innern stattgefunden hat. Protopopow erklärte, das; die massenhafte Verbote des Aufenthalts in Petersburg, welche an die i ü d i s ch e tt Flüchtlinge ergehen, tt tt z tt lässig sind. Er schlug vor. fernerhin denjenigen jüdischen Flüchtlingen, die Gesuche einreichen, den Aufenthalt in Petersburg nicht zu verbieten, bis diese. Frage in allgemeiner Form ihre Lösttng finden wird. — Ein tut Eharkower „Jushttij Kraj" abgedruckter Befehl des Generals Brussilow vom 10. August 1910 (Nr. 1193) über das Verbot des Photograph-ierens im Gebiet der Eisenbahnen, Wasser- und Landwege der Südwestfront enthält unter Nr. 6 folgenden Satz: „Das Photographieren für den dienstlichen Bedarf tnnß vorzugsweise Militärpersonen des aktiven Dietrstes übertragen tverden und nur als Ausuahnte Zivilpersonen, aber nur russischen Untertanen, keinen Inden." „Mysl Zydvwska" nu-tdet: Jut Gebäude der Israelitischen Kuttusgemeinde in Lublin fand eine Beratung der Vertreter der israelitischen Bevölkerung der größeren Städte des österreichisch-ungarischen Okkupationsgebietes statt. Es wurden aktuelle Fragen besprochen und die Gründtmg eines zentralen israelitischen Komitees nach dem Muster des bestehenden christlichen Komitees beschlossen. Die Statuten für dieses Komitee wurden genehmigt. In den Vereinigten Staaten und in Kanada tverden binnen ktrrzetn jüdische Volksnniversitäten (Jowish People’s Universities) gegründet werden, die den Zweck verfolgen, für die jüdischen Massen ein Zentrum intellcttueüen Lebenes zu schaffen und nuf diese Weise ihnen die Möglichkeit zu bieten, mit ihren geistigen und sozial höher stehenden Stammesgenossen in Berührung zu kommet!. Verantwortlicher Redakteur: Albert Kap in Berlin-Pankow, Florastrasre 58. Veraiitwartlich für de» Anteigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck nnd Verlag von Rudolf Masse. nsäHsssa&aäi