Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- Seite 609 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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die Bemerkung machen kann, daß unter den Prager Kaufleuten, Wohl Geldwechslern und Bankiers, mit denen Goethe zu tun bekam, wiederum Juden figurierten. (Man denke nur an die Beziehungen Goethes zu dem bekannten Simon von Lärnel.) Nicht unwichtig. sind auch die folgenden Notizen: Im Jahre 1814 berichtet Goethe aus Gelnhausen: „Der übrige Raum (des alten Kaiserpalastes) ist meistens mit schlechten, teils einfallenden, von Juden besetzten Häusern besetzt, denn hier ist ein Asyl; die Insel war nicht der Stadt unterworfen." Aus Heidelberg, in demselben Jahre, berichtet Goethe folgendes Bemerkenswerte: „Bei Tisch erzählte man Geschichten von der Inden Lebenslust und ihrer Freigebigkeit gegen den Arzt." Am interessantesten ist die all letzter Stelle erwähnte Notiz. Seinem großen Berichte aus Frankfurt (20. Oktober 1S14) legte Goethe ein Publikandum des Frankfurter Rats über die Feier des ersten Jahrestages der Schlacht bei Leipzig bei. Darin ist unter anderem von dem Festgottesdienst in den christlichen Kirchen die Rede. Ta heißt es: „sowie feierliche Gebete iit der Synagoge der israelitischen Gemeinde verordnet sind". Auch bei den Sammlungen, die für die Armen, hauptsächlich für die Verwundeten oder die Witwen und Waisen der Gefallenen, bestimmt waren, wird ausdrücklich bemerkt: „den gleichen Zweck hat die Sammlung in der Synagoge der israelitischen Gemeinde". Gerade diese besonders zeitgemäße Remirriszenz darf wohl ausdrücklich hervorgehoben werden. Wenn auch beide Bücher es mit wesentlich anderen Dingen als mit der Geschichte der Jllden zu tun haben, so erkennt man doch auch aus obiger Zusammenstellung, wie derjenige, der sich mit der Geschichte -er Inden beschäftigt, auch fernliegende Werke nicht verschmähen darf; er muß nur zu lesen verstehen. c) Wilhelm Bode in Weimar, der nllch in den Kriegszeiten nicht aufhört, alljährlich mindestens mit einem Buche die Lesewelt zu beschenken, gewöhnlich einem solchen, das dem weimarischen Kreise gewidmet isthat wiederum eines verösfentlicht, das den Titel führt: Wilhelm Bode: „Der weiurarische Musenhof 1750—1781." Mit zahlreichen Abbildungen. Berlin. E. S. Mittler & Sohn, Berlin. Da Jndou bekanntlich nicht zunr Musenhof in Weimar gehörten, so möchte mancher meinen, daß hier kein Platz wäre, dieses Werkes zu gedenken. Und doch kommt auch hier ein Jude vor. Gs ist der ehemalige Händler, der spätere Hofbaukier Elkan. Ich hatte in meinem Aufsätze „Goethe und die Inden" (Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, Band 1, Seite 322 und 359) aus die wenig bekannte Fassung des Verses in Goethes Gedicht „Auf Miedings Tod" hingewiesen, die lautet: „der Jude (ölkau läuft mit uranchem Rest." Der Vers wird in dieser Fassung auch von Bode zitiert; der Verfasser gibt diesem Juden hier den bisher unbekannten Vornamen Jakob. Ich hatte seinerzeit durch die Enthüllung jener in Fachkreiselt wohlbekannten, im allgemeinen aber unbekannten Fassung recht große Ilngelegenheiten gehabt durch die noch lebenden Angehörigen der Familie Man; vielleicht werden sie jetzt anderen Sinnes, da ein Weimaraner diesen Frevel öffentlich wiederholt. War also dieser ' Hinweis in unseren Kreisen schon bekannt, so dürfte folgendes unbekannt sein. Bode spricht Seite 388 von dem als Fabeldichter bekannten Weimarer Musäus und erzählt, wie dieser als Gelogenheitsdichter tätig war. Solche Hnldigungsgedichte für den Landesfürsteu zum Neujahr machte er z. B. sin den Küster der Stadtkirche. Nach dieser Mitteilung fährt Bode fort: „Ten altbiblischen Psalmenton schlug er an, wenn der Jude Elkan bei großen Festen der Landesherrschaft seine Mitfr-ende und Ergebenheit aus drücken wollte." Zur Ergänzung kann ich folgendes hinzusügen: In Musäus' nachgelassenen Schriften, herausgegeben von Kotzebue 1791, Nene Ausgabe Leipzig 1803, findet S. 84 bis 88 ein prosaisches Stück, das den Titel führt: „Bei der Geburt des Erbprinzen von Weinrar, ein Wort ans den: Herzen von Jacob Elkan, Hosjuden." Es ist ganz in biblischer Manier, aber unendlich schwülstig gehalten. Ter. angebliche Verfasser, Jacob Man, für den Musäus die Feder führt, spricht zuerst von seiner Furcht, daß nicht ein Prinz, sondern eine Prinzessin geboren werden könnte. Nun, da sich seine Hoffnung aus einen Thronerben erfüllt hat, erfleht er den Segen des Allmächtigen ans die Mutter, ben Sohn, die Großmutter Anna Amalia, denn auf die letztere unb auf Elkan selbst bezieht sich wohl folgende Stelle: „Die milde Fürstin, welche wohltätig annahm tijreit Knecht, den Fremdling am Tore vor seinen Brüdern und sicher wohnen lipß in ihres Palmenbanmes Schatten." So schwülstig und. inhaltlich unbedeutend auch der Glückwunsch ist, so ist er von Wichtigkeit dadurch, das; daraus hervorgeht, l. daß Elkan seine Aufnahme in - Weimar und damit die Zulassung der I n d e n i nt F ü x stent lt m der Anna Amalia verdankte, und 2. daß er wirklich Hofjude war, mögen seine christlichen Nachkommen auch darüber Zeter schreien. In Bodes Buch konuneu auch einzelne Erwähnungen Mendelssohns vor, obgleich man ja wohl weiß, daß dieser außer seinen brieflichen Beziehungen mit Herder nichts mit Weimar zu tun hatte. So heißt es S. 28 bei der Schilderung der Herzogin Anna Amalia während ihrer Bor Weimarer Zeit: „Man dachte auch daran, den weisen Juden Moses Mendelssohn nach Bramtschweig zu ziehen. Wenn das nicht gelang, nsw." Da Herr Bode eine Anmerkung seiner Behauptung nicht hinzufügt, so bin ich nicht in der Lage darzutuu, worauf sich diese sonst nicht beglaubigte Aeußernng gründet. Die übrigen Erwähnungen Mendelssohns sind nur Bekundungen seiner hohen Stellung irr der damaligen deutschen Literatur und geben keinen Anlaß zu besonderen Bemerkungen. L. G. * 6. Studiosus Lobet 1808. „Sonst ist hier ein jüdischer Student der Philologie Löbel, dessen Kettntttisse und Charakter Nemnann, der sein Freund ist, rühmt, und dem die erwähnte Stelle vermutlich anstehen, wie er gewiß für dieselbe taugen würde." Die vorstehenden Worte finden sich in einem Briefe des deutschen Dichters Adelbert von Chamisso an Rosa Maria Barnhagen, die Schwester des bekannten K. A. Barnhagen von Ense. Der Brief, ungedrucktes Original in der Königl. Bibliothek Berlin, Varnhagensche Sammlung, ist undatiert. Maria hat darauf geschrieben: „am 22. November 1808 erhalten". Zur Erklärung der Stelle ist darauf hinzuweisen, daß Rosa Maria, die damals als Erzieheritt in Hamburg lebte — sie war vielfach in den Häusern reicher Juden beschäftigt Chamisso den Antrag gemacht hatte, rtach Hamburg zu kommen, nur gleichfalls in einem vornehmen Hause eine Erzieherstelle zu übernehmen. Der deutsche Dichter hatte, obgleich er damals stellenlos und über seinen Lebensweg ziemlich ttugewiß war, diesen Antrag abgelehnt und an seiner Statt seinen gleichfalls aus Frankreich stammenden Freurtd La Foye empfohlen. An zweiter Stelle nennt er den jüdischen Studenten Löbel. Wer ist das? Man möchte zunächst natürlich an August Neander deuten, den berühmten Kirchenhistoriker, der jüdischen Ursprungs war uud der mit Chamisso und dessen ganzen Kreise, besonders Neumann, eng befreundet war. Trotzdem darf «mit, ganz abgesehen von deur Namen (Neander hieß, solange er Jude war, Mendel, nicht Löbel), schon deshalb nicht an ihn denken, weil Mendel Neander bereits 1806 zmn Christentum übergetreten war ltnb weil er außerdem 1808 gar nicht in Berlin, sondern längst in Hamburg lebte, ja schon 1807 in Wandsbek seine erste Predigt ge- > halten hat. Wer also dieser Löbel ist, vermag ich durchaus nicht > zu sagen. L. G. In Galisirn und der IBuhonrina. Togebuchb lütter von Eduard Kauf m a n n.! rast des Lebens" ist die Ueberschrift des ersten und! letzten Kapitels meines Buches „Am nördlichen Kriegs-! schauplatz". . . Tarnow, Tebica, Bzeszvw, Laucut, Jaroj flau, Radymo - die Namen klingen ans, viele nachher, Erinnerungen ranken darum, einen sich 31t einem mächtigen Stück Geschichte. Vieles mahnt drantzen an die Vergangen-! heit. Zerschossene Häuser, verbrannte Hütten, zerstörte Judensynagogen . . . Gräber mahnen, mit Kreuzen, Doppelkreuzen, Judensymbolen . . . mahnen weithin über alle Ebenen. Eine i tiefe erschütternde Sprache sprechen diese Gräber, allmählich