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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-22 · Heft 51 (22.12.1916) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 51 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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itub tu Leipzig von mir ausgeltefert werden. Von dem Preise wofür , es der Verfasser dem Publico anbietet, lasse ich Ihnen beh der haaren; Bezahlung % abziehen und bin für die mir hiebey zu erzeigende , Freundschaft, durch angenehme Gegendienste mit Estime Ihrergebenster Diener Christian Friedrich Botz." - F. L i e b e r m a n n. 5. Z u (K v e t1) e u n b b i'e I u d e u. a) Selbst in Büchern, in detten man. nichts Jüdisches vermutet, findet man bei sorgfältiger Lektüre Notizen, die für unseren Zweck brauchbar sind. Diesen allgemeinen Satz kann ich diesmal erhärten durch Hinweis auf drei Bücher, die mir für ganz andere Arbeiten nützlich gewesen , sind und doch meinen Lesern eine kleine Ausbeute gewähren können. Das erste ist dem Frankfurter Maler Seekatz gewidmet?) Zunächst ist darauf hinzuweisen, daß dieser Maler, der vielen gewitz durch Goethes Schilderung in „Dichtung und Wahrheit" bekannt ist, wie man-aus neueren Forschungelt weiß, den Knaben Goethe in manchen seiner biblischen Bilder verewigt hat. Unter diesen biblischen Bildern beziehen sich die meistert, wentt auch einige neutestameittliche Stoffe behandeln, ans das Alte Testament. Die hauptsächlichsten sind: Joseph nnd die Frau des Potiphar, Joseph gibt sich seinen Brüdern zu erkennen. Das Urteil des Salomo, Verstoßung der Hagar, Abraham bewirtet die Engel, Jakob und Nahet, Kundschafter mit der Traube ans dem Lattde Kanaan, Simson nttd die Philister, Tobias und der Engel, Tobias von beut Fische überrascht. Leider sind dem prächtig ansgestatteten, wissenschastlich gründlich gearbeiteten und anziehend geschriebenen Buche, dein wir diese Belehrung verdanken, wenige dieser biblischen Bilder in Abbildungen beigegeben. Unter ihnen ist z. B. die Darstellung der Kundschafter mit der Traube aus dem Lande Kanaan viel zu klein, als daß tuan bestimmte Schlüsse daraus ziehen kann, und der Kompositionsentwurs „Jakob undRahel" hat so verschwimmende Figuren, daß turnt sich jedes Urteils enthalten muß. Dagegen sind bet einzelnen anderen jüdische Typen nicht zu verkentten. So trügt z. B. bei einem allerdings nentestantentlichen Bilde: Die Flucht aus Aegypten, Joseph durchaus jüdische Züge, während bei der Maria mit dein Kinde nichts davon zu spüren ist. Im allgemeinen darf utatt wohl sagen, daß der Maler sowohl bei altwie neutestamentlicheu Bildern das Morgenländische möglichst abgestreift hat; das ist z. B. der Fall bei der Illustration „Joseph und die Frau des Potiphar", wo Joseph durchaus als ein junger Mann des 18. Jahrhunderts erscheint. Ebenso bei den Tobias-Bildern. Dagegen kann matt in der „Verstoßung der Hagar" in Abraham recht wohl einen alten Juden ertennett. In den die Wirklichkeit und zeitgenössische Vorgänge darstellenden Bildern, z. B. Viehntartt, tvo Juden benutzt sein tcmnten, finden sich solche nicht. Daß ein Maler in der Mitte des 18. Jahrhunderts, namentlich in Süddeutschland, so viele Porträts er auch geschaffert hat, feinen Inden dar gestellt hat, ist selbstverständlich; es tvürde sich nur fragen, ob er itt seinen Genrebildern: Fahrendes Volk, Jahrmarkt nttd ähttlichen, tvo doch viele Juden verkehrten, nicht Gelegenheit genommen hat, charakteristische Gestaltet! vorznführen. Aber auch in diesen Fällen ist das dargebolette Material tticht derart, daß man bestimmte Schlüsse daraus ziehett kann. So wird z. B. aus dem „Groß-Gernauer Jahrmarkt" nur ein Ausschnitt von zwei Figuren gegeben, die hattptsächlich des Beleuchttmgsproblems tvegen abgebildet sind, nttd das „Fahrende Volk auf der Wanderschaft" stellt nur Strolche oder Vagabunden dar, die aller Welt angehören können. Wenn daher Seekatz jüdische Menschen im Grunde nicht darstellte, so hat er wenigstens von jüdischen Gebäuden einige Motive entlehnt. Ans S. 65 des Werkes, dem diese Miszelle gilt, lesen tvir: „Im Jahre 1758 stellt er den Tempel, itt dem der zwölfjährige Christus mit den Schriftgelehrten disputiert, vollkommen in gotischer Architektur dar, mit schmalen, Hoheit Spitzbogenfenstern nnb einer gotischen Gewölbetonstruktivn." Daztt heißt es in der Anmerkung: > „Vielleicht wttrde diese Borstelluttg von dein jüdischen Tentpel als einem gotischett Bau besonders durch den Umstand unterstützt, daß bei der Wormser Synagoge in der Tat an dem älteren romanischen Hauptbau ein solch gotisches Seitenschiff angebaut ist. Der Ban auf ber oben erwähnten Darstellung „Christus tm Tempel" konnte wenigstens ebenso wie der herabhüngende Messinglettchter Reminiszenzen-an die Wormser „Heidelberger turrstgeschichtliche Mhandlnngen." Herausgegeben. von Earl Reumann. und Karl Lohmeher. I o h. Conrad Seekatz, ein deutscher Maler des 18. Jahrhunderts. Sein Leben nnd seine Werke. Von Dr. Ludwig Bamberger. Heidelberg 1916, Verlag von Carl Winters Universitätsbuchhandlung. Synagoge wachrufen." Auf einer anderen Stelle, S. 108, wird vor! einem Esther-Bilde desselben Meisters berichtet. - Es heißt darüber: „Die Gestalt der ruhig dasitzenden Esther oder, des schleppetragenden Jungen, der mit .vorgeneigtem Oberkörper gespannt der Handlung entgegen sieht, oder auch der im Mittelgrund hinter dem Tisch sitzende Orientale zeigen deutlich den Fortschritt nach dieser Richtung (Befreiung von der Pose). In demselben Sinn hat sich die Architektur umgewandelt, ttnd statt der offenen klassizistischen Säulenhalle sehen wir nun in einen enger geschlossenen Raum in spätvenezianischem Geschmack, der trotz aller Details ruhiger und vornehmer wirkt. Nur der tief herabhängende Messingleuchter ist geblieben, den wir schon vott früheren Bildern, z. B. dem „Zwölfjährigen Christus iut Tentpel", aus dem Jahre 1758, her kennen, mit dem der Maler — wohl in Erinnerung an die schweren Messingleuchter der Wormser Synagoge, deren er ziemlich treu nachgebildet ist scheinbar das jüdische Milieu kennzeichnett wollte." Man sieht also, wie der Frankfurter Maler, der ja fein gottbegnadeter Künstler, aber immerhin ein bemerkenswerter Techniker war, ein Mann, der uns einigermaßen ehrwürdig dadurch erscheint, .daß er in Goethes Kreis verkehrte, an jüdischen Dingett nicht ganz achtlos vorüberging. }>) Auch in einem anderen Lüerte, das scheinbar gar nichts mit Juden zu tun hat, tverden solche gelegentlich genannt. In dem „Briefwechsel Goethes mit seiner Frau" nämlich, der nun zum erstentnal gesammelt imiicgt2), werden an ein paar Stellen Jüdinnen erwähnt. Im allgemeinen kann man wohl sagen, daß die gute Christiane in Weimar niemals einen Juden gesehen hat, und das Wort „Judenkrämchen", das sowohl in den Briefen der Frau Rät als in denett Goethes an Christiane vorkommt, hat int Grunde mit Juden nichts zu tun, sondern bezeichnet nur Waren, die von beliebigen Händlern gekauft waren, unter denen sich auch freilich häufig Juden befanden. Ein kränkender Nebenbegrifs sollte mit dem Worte gewiß nicht verbunden werden. Goethe schreibt einmal 1792, wobei eine Hoffnung ausgedrückt wird, die freilich nicht in Erfüllung ging: „Aus Paris bringe ich dir ein Krämchen mit, daß ttoch besser als ein Judenkrämchen sein soll." Einmal bettelt Christiane bei Goethe für ihren Brttder um eine Unterstützung ltitö begründet diese Bitte mit beu Worten (I, S. 109): „Weil er von dem Gelde von der Bibliothek noch sein Fähnichen (!) bei den Juden ztt bezahlen hat", oder sie berichtet (I, S. 145): sie habe in Marksuhl bei einem Juden für zwei Laubtaler Kattunhalstücher gekauft. Interessant ist auch eine Notiz aus Lauchstädt 1803, es seien fünf Familien Badegäste angekommen, darunter „auch zwei hübsche Judenntädchen", und aus demselben Jahre die Erzählung eines Ausflugs nach Naumburg, wo auf einem Keller gefrühstückt wurde: „tvohin viele Juden kamen, es wurde aber sich tugendhaft betragen und. nichts gelaust". Alle diese Juden, wenn man etwa die genannten Badegäste ausnimmt, sind Händler; von den wenigen literarisch gebildeten oder künstlerisch begabten jungen Männern und Frauen jüdischen Glaubens, die gelegentlich in Goethes Haus vorsprachen, nahm Christiane keine Notiz. Derjenige Künstler jüdischer i Abstammung, der itt bem Goethe-Hause wirklich intim wurde, Felix Mei?delsfohn-Bartvldy, erschien erst nach detn Tode der Frau Geheimrätin. Wohl aber hatte Christiane während der wenigst Male, wo sie böhntische Bäder aufsuchte, Veranlassung gehabt, in gleicher Weife wie ihr Gatte Damen jüdischer'Abstammung und jüdischen Glaubens zu sehett und zu sprechen. So werden an mehreren Stellen (Band II S. 209 ttnd 211) ein paar Jüdinnen, die schöne Marianne Saalmg ans Berlin, ttnd zwei vornehme Frauen aus Wien, Frait v. Fließ und Offenheimer, als Mitglieder der Gesellschaft genannt, in deren Kreise sich Christiane bewegte. Attsgiebiger sind die Briefe Goethes an seine Frau. So heißt es einntal (1797) ans Leipzig: „Ich erwarte hier den Juden Elkan, der mir Metten bringen wird und überhaupt sehr geschäftig ist." Im Register wird dazu 'bemerkt: „Eltän, Handelsmann in Leipzig"; im-weiteren Verläufe des Textes heißt es, daß die gebrachten Ketten bem Wunsche des Dichters wenig entsprachen. Merkwürdig ist auch eine andere Stelle aus Karlsbad 1812 (Band II, S. 225). Von dem hohen Kurse des Silbers sprechend, fährt Goethe fort: „Ich habe mich mit- Prag sin Konnektion gesetzt, mit nicht immer in den Händen der hiesigen Juden zu sein", wozu man. freilich -) „Goethes Briefwechsel mit seiner Fran." Herausgegeben von Hans Gerhard Gras. 2 Bände. 1. Band 1792—1806, II. Band 1807—1816. I Literarische Anstalt Rütten n. Loening, Frankfurt a. M. 1916.

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