Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- Seite 606 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- cm b eb e it f 1 i ch e •){ i ch tnng ge it o nt in e lt h ct 11 e. Das; die Basis aller Kriegführung die Munition ist, weiß jedes Kind, nicht aber so allgemein bekannt dürfte es sein, daß „die unentbehrlichsten Explosivstoffe der Kriegführung auf der Grundlage der Salpeterverbindungen ruhen, daß Salpeter eine Stickstoffverbindung ist und daß somit die Kriegführung im gewissen Sinne ein Stickstofsproblem darstellt". Salpeter ist bekanntlich ein vom Ausland importierter Stoff, der mit Ausbruch dieses Weltkrieges, da ganz Deutschland eine belagerte Festung wurde, nicht mehr zu beschaffen war. D u r ch R a t h e n a u ist „der S t i ck st o f f eine deutsch e P r o - d u k t i o n geworden; e i n W e l t p r o b l e m war g e - löst, die schwerste technische Gefahr des Krieges war abgewendet". Rathenaus Wirksamkeit beschränkte sich aber nicht allein auf die Schaffung dieser entscheidendsten Produktion der Kriegführung, sondern umfaßte auch alles, was in die Rubrik der Rohstoffe der deutschen Industrie gehört. Er ist nicht allein Schöpfer dieses gewaltigen Unternehmens, das dem ganzen Krieg eine andere Wendung gegeben hat, sonder n er ist auch Initiator d e s - selb e n. Einige Stunden bevor er vom Kriegsminister zur Beratung gerufen wurde, hat er sich selbst sorgenvoll an eine der berufenen Behörden gewandt. Er hat diese Behörde darauf aufmerksam gemacht, daß Deutschland keine genügenden Borräte habe, er hat dem Kriegsminister die ersten Vorschläge gemacht; ihm hat der Kriegsminister die Schaffung dieser Organisation übertragen, ohne ihm auch nur Bedenkzeit zu lassen. Er selbst mußte sich die anderen Hilfskräfte dazu aussuchen, er selbst mußte sich eine Statistik aufstellen, die von Fachleuten unmöglich gehalten wurde. Tenn es handelte sich hier u m u n - gefähr h ändert R o h st o ff e, die zur L a n d e s o e r t e i d i - g u it g it 11 e n t b c h r (t cf) sind, n n d die nicht i m I n laud e g e w o n n e n w erde n. Run mußte alles Unentbehrliche im Inlande erzeugt werden. Reue Erzeugungsnrethoden mußten gefunden werden. Schwer erhältliche Stoffe mußten durch leicht beschaffbare ersetzt werden. Tie drei außerpreußischen Kriegsministeriell mußten es zu diesem Zwecke Preußen überlassen, diese Organisation zu schaffen. Selbst dem Reichstage war es in den ersten Monaten nicht bekannt, daß es sich bei dieser Organisation Rathenaus „ ii ni Fragen handelte, v o n denen Krieg und , Frieden, Sieg und Niederlage a b h i n g e n." In! zwei Monaten war die ganze deutsche Industrie umgestellt, j der ganze wirtschaftliche Kreislauf umgestaltet. In vier kleinen! Zimmern im Kriegsministerium hat die Organisation bej gönnen, in kurzer Zeit wurden 60 Räume benötigt; zur Zeit! des Referats füllte die Abteilung eine ganze Straßenfront und, > so fügte der Referent hinzu, „sie wird die nächste vielleicht bald dazu haben". Im April 1915 konnte Rathenan dem Kriegsministerium den eingearbeiteten Apparat übergeben nnd demselben berichten, daß der ganze Bedarf gedeckt ist, was der Reichskanzler dann im Reichstage bestätigt hatte. So hat Rathenau in wenigen Monaten, ja in Wochen, etwas geschaffen, was kein Behördenapparat zu schaffen imstande gewesen wäre, u n d w a s kein Feindesland bis i e tz t na ch z u a h men vermocht hat. Durch Rathenau ist die englische Blockade wirkungslos gemorde n. Durch seinen Scharfblick hat Deutschland etwas gemacht, „woran England verzagte und Lloyd George scheiterte". . Den wirtschaftlichen Gewinn England gegenüber vermag selbst der Fachkundige nur annähernd zu berechnen. Es ist ein wirtschaftliches System ohne geschichtliches Borbild, das hinüberwirken wird in ferne Zeiten. Ein neuer Begriff des Wirtschaftslebens ist entstanden. Deutschland wird in Zukunft unabhängiger vom Ausland. Diese Organisation wird auch im Frieden nicht zu bestehen aufhören, sie wird den Kern eines wirtschaftlichen Generalstabes bilden. Rathenau entwirft auch den Plan einer kurzen wirtschaftlichen Mobilmachung der Zukunft. Daß aber ein solches Unternehmen so glücklich zur Ausführung gelangen konnte, und noch dazu in so kurzer Zeit und ohne Störung, das führt Rathenau auf vier Momente zurück. Erstens den frühzeitigen Beginn desselben, zweitens die einheitliche Leitung unter seiner Person, drittens den Idealismus der Mitarbeiter und endlich das Vertrauen des Kriegsministeriums zu ihm. Dieses unerschütterliche Vertrauen zu Rathenau betont auch der Kriegsminister in seinem Schreiben an Rathenau, welches dieser Broschüre als Anhang beigegeben ist. Dem Leser, dem die vielen hierin Anführungszeichen mitgeteilten Sätze Rathenaus als Eigenlob erscheinen möchten, bieten wir hier das im Anhänge abgedruckte Schreiben des Reichskanzlers. Es lautet; „Berlin, 15. Juli 1916. Sehr verehrter Herr Rathenau! In letzter Zeit habe ich mehrfach bei Erörterungen über unsere wirtschaftliche Lage Gelegenheit gehabt, wieder der ganz außerordentlichen Verdienste zu gedenken, die Sie sich durch die rechtzeitige und weitblickende Organisation der Rohstoffversorgung um das Vaterland erworben haben. W i r st ü n d e n nicht, wo wir stehen, ohne Ihren W e i t b l i ck. Ich habe Ihnen das schon einmal ausgesprochen. Da mir aber gemeldet wird, daß Ihre freiwillige Tätigkeit Angriffen und Mißdeutungen ausgesetzt war, stehe ich nicht an. Ihnen auch schriftlich noch zu sagen, wie hoch ich Ihre Tätigkeit bewerte. In besonderer Hochschätzung Ihr ergebener v. Bethmann Hollweg. Die anderen Zuschriften der Minister enthalten ähnliche Aeußernngen der höchsten Anerkennung. Mjs?el>m. 1. Zum hellenistischen I u d e n t u m i m 2. u n d 3. I a h r h u n d e r t. Am 20. November 1915 hat W. B o u s s e t der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften eine Untersuchung vorgelegt unter dem Titel „Eine jüdische Gebetssammlnng im 7. Buch der apostolischen Konstitutionen", die zunächst zwar den Einfluß der jüdischen Liturgie auf die altchristliche durch schlagende Parallelen nachweist, dann über allgemeinste Teilnahme jedes für die Geistesgefchichte seiner Bor- Jüdische Iugend in Losize.