Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-22 · Heft 51 (22.12.1916) · p. Seite 605

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 51 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
Seite 605 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229284--72755-3285216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

K'fjaik'ir luttben bnif färben Fall, bnfj cs datz Lbartleib des Armen ist, da er es selbst als Decke zu seinem Schutz braucht; es wehrt dein Verfall des Armen in die Abhängigkeit der Sklaverei; cs entzieht Aecker, Weinberge und Oelgärten der Privatbewirtschaftnng ini siebenten Jahr, damit die Armen des Volkes essen könnten; es dringt darauf, den siebenten Tag als Ruhetag zu feiern; es schützt Witwen und Waisen in ihrer Bedrängnis; es bewahrt den Armen davor, daß sein Recht gebeugt wird. Das soziale Verhalten, die soziale Rücksichtnahme gilt damit als selbstverständliche Pflicht für den, der Gottes Gebot beobachten will. Freilich ist dieses Ideal in Israel nicht restlos verwirklicht worden. Hart müssen.die Propheten über das -unsoziale Verhalten klagen, über Ausbeutung der Armen, über ungerechtes Verhalten gegendie Bedrängten, über Aneinanderreihung von Acker zu Acker und die damit verbundene Anhäufung von Besitz unter rücksichtsloser Ausnutzung der eigenen Machtmittel. Aber eben darunr enthält diese Predigt des Propheten die stärksten Antriebe zum Erweis fürsorgender Hilfe; sie entflammt und nährt das soziale Verantlvortlichkcitsgesühl. Was für goldene Worte enthält die gewissenerweckende Verkündung eines Amos, eines Hosea, eines Jesaias! Und darf ich hier daran erinnern, >vie dieser Sinn auch im späteren Leben des Volkes Israel von seinen Lehrern gepflegt worden ist? Ich möchte nur auf Moses Maimonides, diesen großen Weisen aus dem Mittelalter, Hinweisen und auf seine Sätze über die Wohltätigkeit, dessen wichtigste lauten: Die höchste Stufe der Wohltätigkeit ist die, daß jemand in solcher Weise unterstützt wird, daß er sich selbständig ernähren kann. Die dritte ich die, wenn der Wohltäter weiß, wem er gibt, aber der Arme nicht weiß, von weni er empfängt. Die fünfte ist die, daß jemand gibt, bevor er darum gebeten wird. Wir sehen, die alttestainentlichc Religion bietet in der Tat starke Motive und kräftige Antriebe zur sozialen Fürsorgearbeit und willigen Gebefreudigkcit. * Am Schlüsse der diesmaligen Uebersicht sei eines freudigen Ereignisses erwähnt, das in Friedenszeiten Anlaß zu großen Festlichkeiten geben würde, in dieser schweren Kriegsepoche aber nicht unbeachtet bleiben soll: Herr RudolfMosse feiert am 1. Januar 1917 das fünfzigjährige Jubiläum seiner Firma. Kurze Zeit nach dem glorreichen Aufstieg Preußens begründet, durch die glänzenden Zeiten, die für Deutschland nachher kamen, begünstigt, durch treue und talentvolle Mitarbeiter aus seiner nächsten Verwandtschaft und dem Kreise seiner Bekannten unterstützt, in allererster Linie aber durch seine vielseitige Kenntnis, seinen rastlosen Eifer, seinen genialen Blick gefördert, hat sich die von ihn: errichtete Annoncen- Expedition zu der vornehmsten und großartigsten dieser Art entwickelt. Sie hat das ganze Anzeigenwesen uingestaltet, damit unseren Zeitungen ein anderes Ansehen gegeben; sie hat mächtig zu der Förderung deutschen Handels und deutscher Industrie beigetragen, dem deutschen Namen und der deutschen Arbeit im Auslande Beachtung und Bedeutung verschafft. Wie Rudolf Moste durch Begründung des „Berliner Tageblatts" dem Zeitungswesen ein eigenartiges, wirkungsvolles, durch die ganze Welt verbreitetes Organ schuf, werden berufene Männer darzustellen haben. Was Herr Mosse als Mensch gewirkt, durch seine Beförderung jedes ehrlichen Strebens, durch seine großzügige Wohltätigkeit, durch die Ehrlichkeit und Festigkeit seines Wollens, durch selbstlose Hingabe an die Sache, deren Förderung allein ihm am Herzen lag, nie die Hervordrängung seiner Person oder das eitle Streben nach Ehren und Anerkennung, das wissen viele, danken ihin Tausende. Wir als Inden wollen uns seiner freuen, weil er stets ein aufrechter Bekenner seines Glaubens gewesen ist, für die Würdigung und Fortentwicklung des Jridentums gearbeitet und gekämpft, gespendet und gelitten hat. Besonders aber spricht die Redaktion dieser Zeitung dem verehrten Manne Dank und Verehrung aus. Denn er war und ist nicht nur Verleger dieses Blattes seit mehr als einem Vierteljahrhundert, sondern sein eifrigster Leser. Ein Mitarbeiter in dem Sinne, daß, wenn er auch nicht einzelne Artikel schreibt, er wichtige und bedeutsame Anregungen gibt und mit wirklicher Anteilnahme die Entwicklung der Zeitung verfolgt und fördert. Wir danken ihm von ganzem Herzen dafür, daß er in dieser schweren Kriegszeit den Umfang dieses Blattes in keiner Weise beschränkt, daß er zu allen Zeiten der Redaktion die vollste Freiheit gelassen, kein Opfer und keine Kosten zur Erhaltung des Blattes gescheut hat. Wir wollen diesen Dank nicht durch Worte und Glückwünsche, sondern durch das Gelöbnis betätigen, in seinem Sinne, mit Mannesmut, freier Auffassung, Wahrhaftigkeit und Beharrlichkeit mit ihm zusammenzuarbeiten und vereint mit ihm wirksam zu sein, zur Ehre des Deutschtums' und des Judentums! Lu den MILern. in Freund unseres Blattes, der mehr als zwei Jahre im Westen und Osten als Oberarzt tätig war, schickt uns die beiden Bilder ans Losize in Rußland. Das eine stellt die jüdische Jugend des Dorfes dar, das zweite zeigt Juden als Maurer. Der freundliche Spender dieser Bilder meldet, daß die letztgenannten Handwerker beim Ban einer Bade- und Entlausungsanstalt tätig sind, zu welcher der Arzt den Plan angegeben hatte, einer Anstalt, die an Stelle der früher dort befindlichen und ebenfalls mit zu renovierenden Mikwc errichtet werden sollte. Das große hinter den Arbeitern stehende Gebäude ist die Synagoge. Unsere Leser werden gewiß die beiden Bildchen mit Interesse betrachten. I,. G. £in löritrsg?ur IudruststlMIr. Von Tr. S. Ja mp et, Schwedt a. d. O. vr mir liegt ein kleines Büchlein, das durch seinen Titel „Deutschlands Rohstoffversorgung" jeden Nichtindustriellen so sehr fremd anmutet, daß eine jüdische Zeitung, die dasselbe als Rezensionsexemplar zugesandt erhielte, es kaum der Mühe wert finden würde, auch nur den Namen zu notieren. Und doch ist diese Broschüre, »veil sie einen Juden zum Verfasser hat, nämlich Walther Rathenau, für uns Juden so außerordentlich lehrreich, wie kaum eine Schrift, die über diesen Krieg geschrieben wurde. Gerade in diesen Tagen, die im Zeichen der „Judenstatistik" stehen und in denen ans höheren Befehl die jüdischen Mannschaften möglichst aus der kriegswirtschaftlichen Tätigkeit ausgeschaltet werden sollen, ist es außerordentlich interessant zu erfahren, was Deuschland, ja, wir dürfen wohl sagen, was die Zenralmächte auf dem Gebiete der Kriegswirtschaft und hauptsächlich aus dem Gebieteder Munitionsversorgung, einem einzigen Juden, nämlich dem genannten Verfasser dieses Schristchens, verdanken. Diese Broschüre stellt einen dem Drucke übergebenen Vortrag dar, den der berühmte Großindustrielle in einem Kreise von Fachgenossen gehalten und in dem er in sehr plastischer Form, die auch dem Laien den Inhalt verständlich macht, die Entstehung und Entwicklung der deutschen Rohstoffversorgung zur Darstellung bringt. Aus dieser Schilderung, die mit Genehmigung des Kriegsministeriums der Oeffentlichkeit übergeben wurde, erfahren wir, daßesdcrJ a; dcRathcnau gewesen ist, der gleich in den ersten Kriegsmvnaten ein Werk ins Leben gerufen hat, das, wenn es nur „zwei oder drei Monate später" entstanden wäre, | der Krieg dann eine ganzandere, und zwar s e h r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.