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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-15 · Heft 50 (15.12.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlin Potsdamer Straße 131 bei Justizrat Makower. E. M. Berlin, 12. Dezember. Die Beisetzung des langjährigen Direktors der Baruch-Auerbachschen Waisenerziehungsanstalt Professors Dr. Adolf Strelitz fand am 7. d. M. auf dem Friedhofe in Weißensee statt. An der Bestattung nahmen Vertreter der städtischen Waisendeputation, der Stiftungsdeputation der Stadt Berlin und der Waisenkommission der Jüdischen Gemeinde teil; der Vorstand und -die Ehrendamen der Anstalt waren anwesend. Vom Baruch- Auerbach-Verein, der die ehemaligen Zöglinge des Waisenhauses umfaßt, waren etwa 200 Mitglieder erschienen. Die jetzigen Zöglinge nahmen vollzählig an der Feier teil. Nach einem einleitenden Gesang des Anstaltschores hielt Rabbiner Tr. Warschauer die Gedächtnisrede, in der er hervorhob, daß der Verstorbene, der als erster jüdischer Oberlehrer zur Anstellung gelangte, sich vor einem Menschenalter bereitwillig in den Tienst der Erziehung jüdischer Kinder stellte und in dreißigjähriger treuester Pflichterfüllung Hunderte von Kindern zu tüchtigen Menschen herangebildet habe. Für den Verband ehemaliger Zöglinge „Baruch-Auerbach-Verein" dankte Rechtsauwalt Siegbert Loewh dem Verstorbenen für die verständnisvolle Förderung, die alle ehemaligen Zöglinge der Anstalt zu allen Zeiten bei ihrem einstigen Lehrer fanden. Mit einem Ehorgesang der Zöglinge schloß die Feier.- -Professor Tr. Strelitz war ein eifriger Mitarbeiter der Deutschen (iuterkonfessionnllen) Zentrale für Jugendfürsorge. Der Waisenkommission der Jüdischen Gemeinde gehörte er von 1906 bis 1915 an; er war Mitglied des Kuratoriums des Jüdischen Lehrlingsheims in Pankow und Vorsitzender der Wolf-und- Elara-Hagelberg-Stistung zur Erziehung jüdischer Waisen. 22 Berlin, 12. Dezember. Der Jüdische Frauenbund E. V. bittet uns uni die Aufnahme folgender au die dem Jüdischen Frauenbund augeschlosseneu Vereine gerichteten Mitteilung: Starte, äußere Hemmungen, hervorgeruseu durch immer neu hinzukommende Einwirkungen des Krieges, machen uns die Durchführung des Beschlusses, im Dezember eine Tel eg i e r t e n v e r s n m m l u n g des Jüdischen Frauenbundes in Hamburg abzuhalten, unmöglich! Wir danken den Vereinen für die große Bereitwilligkeit und/Opferfreudigkeit, die Tagung beschicken zu wollen. In einer friedlicheren Zeit werden wilden - t h e o r e t i sch e n Teil unserer Tagesordnung wieder zur Besprechung stellen. Wir hoffen! zuversichtlich, daß unsere angefchtvsseneu Vereine sich inzwischen mit der einschlägig'Ul Literatur über „Bevölkerungspolitik", soweit das noch nicht geschehen ist, eifrig beschäftigen und mit geschärften Sinnen Schäden überwachen werden. Geschieht das, so hat unsere Anregung auch einen Erfolg zu verzeichnen. Ter praktische Teil unserer Tagesordnung muß auch ohne Abhaltung einer großen Versammlung durchgeführt werden. Bestehende oderneu einzurichteude Kommissionen müsien in enge Fühlung zueinander trcten. Zusammenkommen. Beschlüsse fassen und durchführen. Bedeutsam jedoch erscheint die Lösung der Frage, lvi" die Neuwahl des Vorstandes und die Besetzung der Stelle einer I. Vorsitzenden vor sich gehen soll. Wir hoffen, unseren angeschlosseuen Vereinen auch darüber recht bald Vorschläge machen zu können. Wir bitten unsere auaeschlosseuen Vereine recht herzlich, mit ilus in eine festere Arbeitsgemeinschast zu treten, über die angeregten Fragen uns auch ihrerseits Vorschläge zu macken. Wir werden jeden Rat erwägen md für iedeu verwendbaren Vorschlag dankbar lein. Sidvnie Werner (Hamburab zurzeit Vorsitzende. Henriette M a v (Verliuh Sckriftleitnng. X. Beuthen (O.-S.), 8. Dezember. Am Mittwoch, den 22. November, tagte in G le i i tz der o b e r s ch l e s i s ck e R a b b i n e r v e r - band: es war die vierte Sitzung in diesem Jahre. Sehr anregend eingeleitet wurde die Sitzung durch das Referat des Tr. G v l d m au u sOpveln) über die Behandlung der Reliaionsphilosophie im Reliaionsunterrickt. Ta die Besprechung des Referates nach Erlediaung des geschäftlichen Teiles der Tagesordnung erfolgte, soll eine kurze Wiederaabe auch hier gm Schlüsse der Berichterstattung erfolgen. Ter geschäftliche Teil befaßte sich u. n. mit der Beziehung des oberschlesischen Rabbinerverbaudes zum Verbände der Spnagogeugemeindeu im Regierungsbezirk Oppeln und mit der Beziehung des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbaudes zuui Verbände der Teutschen Juden. Recht beachtenswert war die Anregung, für die Gemeinden Oberschlesiens eine Zeitschrift unter der Leitung des oberschlesischen Rabbinerverbandes zu begründen. Tie Vorarbeiten wurden einer Kommission übertragen. Bei der Zentralnusschußsitzung des Rabbinerverbaudes hat diesmal tnrnusgemäß Tr. I Halpernsvhn (Myslowitz) unseren Verband vertreten. Zu seinem Referate, an das sich eine lebhafte Besprechung anschloß, führte Dr. Goldmann ungefähr aus: Dieses Problem sei nur ein Teil der Fragen, welche die Behandlung der nachbiblischen Geschichte im Unterricht betreffen. Es sei unangüngig, den Schülern nur die Kenntnis der jüdischen Religionsphilosophen zu ermitteln, es müsse vielmehr ausschließlich darauf geachtet werden, auf die Jugend zu wirken. Ta stehe nun im Mittelpunkte die brennende Frage von „Glauben und Wissen". Hierbei könne aber die jüdische mittelalterliche Religionsphilosophie den Schülern eine befriedigende Antwort nicht bieten. Tenn während das Christentum den Fehler begangen, die geistige und weltliche Herrschaft des Glaubens über das Wissen erzwingen zu wollen, und so dem Glauben nur geschadet hat, sei die jüdische Religionsphilosophie in den umgekehrten Irrtum verfallen, indem sie in ihrer schrankenlosen Hochachtung vor allem Wissen die Religion zu ihrem Nachteil mit der Wissenschaft in Einklang zu bringen versuchte und so den selbständigen Eigenwert der Religion vernachlässigte. Bei der Erziehung der Jugend müssen die Begriffe Glaube und Wissen vorerst klar geschieden und dann die selbständige Grundlage und das selbständige Ziel jedes von beiden gezeigt werden. Tann würden Konflikte dieser beiden voneinander so verschiedenen Geisteshaltungen vermieden. Zur Gewinnung eines solchen Standpunktes aber leiste die iüdische Religionsphilosophie des Mittelalters keine Dienste. er. Magdeburg, 8. Dezember. Leutnant A r t h u r Gabb e, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, Sohn des Herrn Jsidor Gabbe, hier, starb am 18. November den Heldentod bei einem Sturmangriff an der Spitze seiner Kompagnie. Sein Feldwebel, ein Magdeburger, berichtet über ihn: „Stets vorbildlich in allen Lebenslagen, war er ein musterhafter Führer und Erzieher. Aufrecht und gerade wie sein Leben war auch sein Tod für das geliebte Vaterland. Ein echt deutscher Held ist in ihm dahiugeschieden. Seine kerndeutsche Neckengestalt, sein mutiges Draufgängertum wird für immerdtvr in den Herzen seiner Kameraden ein Denkmal lieben Gedenkens sein." Tie Nebersührung der Leiche des Bielbeweinten nach hier erfolgte am 8. Dezember und am Tage daraus die Beisetzung auf dein hiesigen jüdischen Friedhof. Tie Trauerfeier legte ein beredtes Zeugnis davon ab, welcher Wertschätzung der allzufrüh vollendete wackere Kämpfer und die Eltern sich erfreuten und erfreuen. Nahezu die ganze Gemeinde und zahlreiche christliche Mitbürger beteiligten sich an der Trauerkundgebung. Militärischersoits waren eine Abordnung von Offizieren und eine Kompagnie Soldaten erschienen. Herr R a b b i n e r T r. L n n g e verstand es nieisterhast, den Gefühlen der Trauer Ausdruck zu leihen. Nach einem stimmungsvollen Gebet schilderte der Prediger die Jugendzeit des Verblichenen, das innige Verhältnis des einzigen Sohnes und Bruders zn seinen Eltern und Schwestern, wie er in den Krieg zog, wacker und fest und als braver Soldat seine Pflicht tat. Als preußischer Offizier wie als deutscher Jude hatte er seine Feinde erkannt. Sinnigerweise zitierte der Redner den Vers Jesaja 14, 12: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern, wie bist du zur Erde zerfallet, du siegtest über die Völker." Zu der weihevollen Stiimnung, die sich alter bemächtigte, trug auch Herr Kantor d e H n a s durch die von ihm vorgetragenen deutschen Gesänge bei. Einen geradezu überwältigenden Eindruck machte es, als der schlichte Sarg von Soldaten unter Begleitung der Regimentskapelle („Ich halt' einen Kameraden") zu Grabe getragen wurde. Mit einem Gebete schloß die erschütternde Feier. L. Franks« rt a. M., 8. Dezember. Tie S u p p e n a n st a l t für i s r a e l i t i s ch e A r m e berichtete in ihrer gestrigen Generalversammlung, daß durch den Krieg die tägliche unentgeltliche Verpflegung von etwa 200 Personen auf über 600 gestiegen ist. Auch der Besuch von verschämten Armen gegen 20 Pfennig Vergütung für den Mittagstisch sowie die ärztliche Anweisung auf Krankenkost haben bedeutend zugenommen. Tn die laufenden Mittel der Anstalt für die vermehrten Ansprüche und die verteuerte und schwierige Anschaffung der Viktnalieu nicht ansreichen, so hofft die Verwaltung auf kräftige Unterstützung in ihrer schwierigen Aufgabe. Gesterrrich-Angam. Z. Wien, 8. Dezember. Ter Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitisehen Union" hat au Justizminister Tr. Klein ein Begrüßungs-.

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