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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-15 · Heft 50 (15.12.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 schreiben gerichtet, in welchem es unter Bezugnahme auf die Antrittsrede des Justizmiuisters u. a. heißt: „Mit doller Genugtuung hat uns diese Rede, die Verurteilung des von gewissenlosen Kriegsspekulanten geübten Frevels des Lebensmittelwuchers und der Preistreiberei, erfüllt. Durch unsere tägliche Arbeit mit den Leiden und Kümmernissen der unbemittelten Bevölkerung aufs genaueste vertrant, wissen wir die verheerenden Wirkungen des Kriegswuchers ganz zu ermessen. Auch nur verdammen mit tiefstem Abscheu dieses vaterlandsseindliche Treiben, und getreu unserem stets betätigten Grundsätze, daß unser Rechtsschutz niemals ein Schutz des Unrechtes werden dürfe, verdammen wir es doppelt, wenn es von Juden geübt wird. Auch wir wünschen die rücksichtslose Ahndung dieses Frevels mit der vollen Schärfe des Gesetzes ohne Ansehen der Person, des Standes und des Religionsbekenntnisses. Es muß eine scharfe Grenzlinie gezogen werden zwischen denen, welche die Pot des Vaterlandes zur Ausbeutung der Bevölkerung mißbrauchen, und jenen, die mit patriotischer Hingebung und Treue, mit Gut und Blut, ja oft mit dem Einsätze ihrer bürgerlichen Eristenz. zum Di ege unserer Waffen beitragen. Es muß aber auch ausgesprochen werden, daß diese Grenzlinie unheilvoll verschoben würde, wenn aus der Blasse der Kriegsspekulanten mir einzelne Gruppen herausgegrisfen. über andere dagegen in schlecht angebrachter Schonung der Schleier des Schweigens gebreitet würde. Ein solcher Vorgang widerspräche dem von Eurer Erzellenz neuerlich mit allem Nachdrucke betonten Grundsätze, daß Recht Recht bleiben i nüsse." Von Oah und fmt x°)iiiit Andenken an ihren verewigten Vorsitzenden, den im August d. I. verstorbenen Herrn Professor Martin Ph i l i pp s o n, veranstaltet die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums au: 27. Dezember, abends KJ4 Uhr, in der Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde Berlin, Große Hamburger Straße 27. eine Trauerkni'dgebung, in welcher Herr Rabbiner Prof. Dr. Bloch (Posen) die Gedächtnisrede auf den Verewigten halten wird. Der Vizefeldwebel und Inhaber des Eisernen Kreuzes Kaufmann Julius H o l z, Sohn des Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde Geheimen Sanitätsrats Dr. B e n n v H o l z wurde zum p r e u ß i s ch e n O s f i - z i e r ernannt. Geheimer Kommerzienrat Benno £ r e n st e i n hat der Stadl Berlin znm Andenken an seine kürzlich verstorbenen Dohne Fritz und Kurt 200 000 Mark 5prozentige Kriegsanleihe für eine Stiftung überwiesen, die besonders hilfsbedürftigen erblindeten Kriegern sowie deren Witwen ohne Unterschied der Konfession zugute kommen soll. Der Magistrat Berlin hat dieses Anerbieten mit Dank angenommen Dell Eharatter als Geheimer Danitätsrat haben erhalten die Danitütsräte Dr. Julius F r i e d e in a u n, Dr. Leopold sJJi a r c u f e, Dr. Leo D n l i n g e r. Danitütsräte wurden die Aerzte Dr. Artilr Bernhard, Dr. Leopold E o h ii, Dr. Arthur F r a e n k e l. Dr. Bernhard F r e u n d l i ch, Dr. Elp G u m p e r t, Dr. Fa tob G u ln p e r t, Dr. Diegmund H i r s ch - seid, Dr. Albert K eile r. Dr. Alfred K n v p s. Dr. Hugo dl e n - ni a n ll, Dr. Emil D i ln o n s o h n. Dr. Mar D t r a u z (Groß-Berlin). Am 10. d. M. beging Rabbiner Dr. D. Pi ct in Dtrasburg (Westprenßen) sein 2.7jähriges Jubiläum als Rabbiner. Der Jubilar erfreut iicl, einer großen Beliebtheit weit über die Grenzen seiner Gemeinde l'iualls. Er ist als geschätzter Redner in den Literatlirvereinen bekannt nlid hat sich alich schriftstellerisch ilm das Judentum verdient gemacht. Die Dpnagogengemeinde Dhhernfurth existiert nicht mehr. Der letzte Dtzherufurther lWeinbanm) ist vor kurzem gestorben: das einzige noch lebende Mitglied der Gemeinde, die Witwe Mannheim, ist, nachdem ihr Dvhn ins Feld gerückt ist, zu ihrer Tochter nach Wohlan gezogen. Tie Gemeinde steht daher einsam und verlassen da. Nun besitzt ue ailßer einer alten Dhnagege mit Heiligtümern und Gesetzesrolleu auch jenen alten Friedhof, auf dein im IN. Jahrhundert die Breslauer ihre Toteli begruben, als sie selbst noch keine Gemeinde bilden dursten. Ta hat der Vorstand der Breslauer Synagogenuen'.ciude hilfreich ciugegrifseu und beschlossen, sich fürsorglich der Toren anzunehmeu, mit denen die Geschichte der Breslauer Gemeinde aufs engste vertünpft ist. Bei der am 20. v. M. in Dresden stattgehabten Neuwahl sind die Herren Bankier Richard Mattersdorf als Borsteher, Arthur Eg er, Earl Metzer, Julius D a 1 i n g e r als Gemeindeverordnete wiedergewählt lvvrden. - Die Führer der Leipziger Antisemiten, Dr. phil. Pudor und Berlagsbuchhändler F r 11 f ch, dürfen nach Verfügungen des Generalkommandos ihre Veröffentlichungen nur dann verbreiten, wenn sie zuvor zur Begutachtung Vorgelegen haben. Hiergegen haben die Genannten verstoßen, indem sie Flugblätter vervielfältigten und versandten, ohne sie vorher zur Zensur vorzulegen. Das Landgericht „ verurteilte daher Pudor zu 105 Mark und Fritsch zu 150 Mark Geldstrafe. - Julius Sichel ans Nürnberg, im Hause Aron Hirsch und Dohn in Halberstndt, wurde das Königlich Bayerische Militärverdienstkreuz 2. Klaffe -mit der Krone und mit Schwertern am Bande für Kriegsverdienst verliehen. - - In den „Akademischen Kursen für Handelslvissenschaften- und allgemeine Fortbildung" in Essen wird der Dozent Rabbiner Dr. D a m n e I eine vierstündige Borlesung „Aus der Welt des Islam" (Religion, Kunst, Philosophie) halten. — Tie israelitische Gemeinde in Bad Homburg v. d. H. feierte das fünfzigjährige Bestehen ihrer Synagoge durch Festgottesdienste und eine Eriniierimgsseier im Kaiserhof. Rabbiner Tr. Winter, der zurzeit Fcldrabbiner in Polen ist, war zur Feier erschienen und hielt die Festpredigten. - Im Alter von 48 Jahren starb das wissenschaftliche Mitglied des Königlichen Instituts für experimentelle Therapie iu Frankfurt a. Bl. Dr. med. Jacob B e u a r i o, Oberstabsarzt der Landwehr, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. Aus Göppingen wird uns geschrieben: Dem Armeerabbiner der Bugarmee, Dr. T ä nz e r, ist von Dr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration . verliehen worden. In Antwerpen starb am 18. November Rabbiner Ultiitnmi. Er war ein verdienter Führer seiner Gemeinde, deren Liebe und Vertrauen er sich durch hervorragendes talmudisches Wissen und ideales segensreiches Wirken erwarb. Der Vorstand der Wiener .Ehewra Kadischa hat in einer am Mittwoch, den 29. November, unter dem Vorsitz des Präsidenten Dato Eohn stattgehabten Sitzung beschlossen, zum Andenken an Deine Majestät Kaiser Franz Josef I. einen Betrag von 100 000 Kronen zu widmen, dessen Zinsen für wohltätige Zwecke verwendet werden sollen. Aehnliche Widmungen sind auch von der israelitischen Knltusgemeinde und anderen jüdischen Humanitären Institutionen geplant. Ans Paris wird berichtet: Die am 16. November unter dem Präsidium des Barons E d m o u d v. N o t h s ch i t d tagende Generalversammlung der Israelitischen Wohltätigkeitsgesellschaft nahm den Kassenbericht des Herrn Georges Treyfus entgegen, aus welchem zu ersehen ist, daß die Einnahmen 583 825 Francs und die Ausgaben 728 338 Francs betrugen. Es ist somit ein Defizit von 145 013 Francs entstanden. Für die Unterstützung von Witwen und Waisen der Soldaten wurden 68 348 Francs ausgegeben. - Die von dem Lnbliner Magistrat durchgeführte Volkszählung hatte folgendes Ergebnis: es wurden gezählt 24 657 katholische, 33 460 jüdische, 329 evangelische und 247 orthodoxe Einwohner, also zusammen 58 720 Personen. Am 28. November hat die einzige hebräische Zeitung „Hazefirah" in Polen ihr Erscheinen eingestellt Trotz vieler Versprechungen war die Unterstützung der Zeitung durch ide jüdischen Kreise sehr gering. Ta die Abonnentenzahl nicht zunahm und die Geldmittel vollkommen erschöpft waren, sahen sich die Leiter und Arbeiter, die letztens sich mit einem ganz geringen Lohn begnügten, genötigt, das Unternehmen eiuzustelleu. Ein trauriges Zeichen der Zeit. .„Die Magd hat die Herrin verdrängt." Nicht Hebräisch, sondern Jiddisch, der gelbe Fleck des Galnt, soll auch ferner die Sprache der Juden sein! . Der Polizeipräsident rou Lodz erläßt folgende Bekanntmachung: „Ich habe dem Rcpräsentanlenkotteginm der Jüdischen Gemeinde in der Stadt Lodz N'ir die Heberollen der Jahre 1915 und 1916 die Vollstreckbarkeit verliehen. In den Fällen, in denen Gemeiudemitglieder ihre Beiträge für 1915 und 1916 nicht ordnungsgemäß zahlen, behalte ich mir geeignete Zwaugsmaßregelu gegen die Säumigere vor. Lodz, den 21. November 1910. Der Kaiserlich Deutsche Polizeipräsident. Loehrs." -- Ter russische Konsul von Kanada hat Mitteilung gemacht, daß alle russischen Untertanen, die sich in Kanada befinden, sich zum Militärdienst in Rußland stellen müssen. In einem Brief an die Nekrutiermigstiga in Toronto erklärt der Konsul, daß die russische Negierung alle diejenigen russischen Untertanen zur Verantwortung ziehen wird, die sich in Kanada befinden und sich nicht zum Militärdienst melden. Er erinnert auch an die Strafe, die in Rußland über diejenigen verhängt wird, die sich nicht melden. Der Konsul erklärt gleichzeitig, daß denjenigen, die sich der kanadischen Armee anschtießen werden, die Strafe erlassen und ihr Militärdienst ihnen angerechnet werden lvird, als ob sie in der russischen Armee dienten. Bcrantwort icher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratzc 58. ^verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Derkin-r?riedcnau Druck und Verlag, von Rudolf- Masse.

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