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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-15 · Heft 50 (15.12.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 15. Dezember 1916 80. Jahrgang Nr! 50 Der Gemrindebote. Br1l«se zur „Allgrmelnen Leitung de- Judentum-". korrelpondenren und Aachrichtm. Srutschland. E. R. Berlin, 10. Dezember. In der heutigen Sitzung der Repräsentantenversammlung gedachte nach Verlesung des Protokolls der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Minden, zunächst des Hinscheidens Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich, der ein Fürst der Liebe und Gerechtigkeit war und dem unsere Glaubensgenossen in der Donaumonarchie ihre nach jahrhunderte langem Druck erlangten Menschenrechte und Freiheiten zu verdanken haben. „Wir haben ans diesem Anlaß den jüdischen Gemeinden in Wien und Budapest ein Beileidsschreiben geschickt, und wie ich höre, ist von Wien die Antwort bereits eingetroffen. — In der Vollkraft des Mannesalters ist unser lieber Kollege Willibald L o.e w e n t h a l dahingerafft worden. Durch den Tod seines Vaters war er schon als junger Mann an die Spitze eines großen Geschäftes gestellt worden: die Handelsbeziehungen, die ihm hierdurch mit allen Ländern des Erdballs eröffnet wurden, haben seinen Blick geweitet und über alles Kleinliche erhoben. Er war ein modern gerichteter Mensch, zugleich aber auch ein überzeugnttgstrener Jude und gehörte zu der unter unseren Glaubensgenossen G. s. D. noch recht zahlreichen Klasse der Kauflente, die nicht ganz im Erwerbsleben untergehen, sondern die sich den Sinn für das Ideale erhalten und daraus wie ans einem Jungbrunnen immer neue Anregungen schöpfen und für die Gesamtheit leben und wirken. Die Erinnerung an ihn wird bei uns stets fortleben. In Liebe gedenken wir des Rabbiners Dr. Josef E s ch e l b a ch e r, der im Geiste des Friedens sechzehn Jahre in unserer Gemeinde gewirkt hat. In der Alten Synagoge, von der aus Michael Sachs und zuletzt Elchanan Rosenstein beerdigt wurden, war seine Bahre! ausgestellt. Bon dieser Stätte verkündete uns nach der Trauerrede! seines Amtskollegen sein Sohn, Dr. Mar Eschelbacher, herrliche Worte ' des Trostes, die wohl aus alle, die sie gehört, einen tiefen Eindruck ge- - inacht haben. Wir werden dem Verklärten ein ehrendes Gedenken be-; wahren. Seine Witwe hat uns ein Dankschreiben für die große Be-; teiligung bei der Beerdigung übersandt." Die Nachrufe wurden ' stehend angehört. Dann trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Herr Tr. Fritz R o e d e r hat.; der Altersversorgungsanstalt 2000 Mark geschenkt, der Inhaber der Firma S. Roeder durch Dr. Fritz Roeder 6000 Mark zur : Unterstützung je eines bedürftigen Studenten der medizinischen und juristischen Fakultät. Die Eheleute Joseph Krohn zur Erhaltung eines Erbbegräbnisses 3000 Mark. Herr Kommerzienrat Norbert Lebh zur Errichtung einer Norbert-nnd-Elise-Levy-Stiftnng für : die Altersversorgungsanstalt 36 000 Mark, zur Bezahlung des ’ Schenkungsstempels 1800 Mark. Herr Joseph G a r b a t y - R o s e nt h a l zur Verteilung an Kriegswitwen und Kriegswaiseu unserer Gemeinde 6000 Mark. Frau Dr. Jenny Lev instein an die Armen- ' kommission zur Verteilung an hiesige jüdische Kranke 300 Mark. - In ihrem Erbvertrag haben die Louis und I u l i e G e rsonschen Eheleute die jüdische Gemeinde zu Berlin als Universalerbin eingesetzt mit der Verpflichtung,- die besonders bezeichneten Zwecke zur Ausführung zu bringen. Der Zweck ist die Errichtung eines Kinderhospitals unter dem Namen Lonis-nnd-Inlie-Gerson-Ltiftnng mit der Maßgabe, daß in der Regel zwei Drittel der Kranken ans Kindern jüdischen Glaubens bestehen. Das Kinderkrankenhaus soll eine besondere Verwaltung haben und durch ein aus Damen und Herren jüdischen Glaubens bestehendes Kuratorium geleitet werden, dem angehören müssen ein Mitglied des Krankenhausvorstandes, ein Vorstandsmitglied des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin,! ein Mitglied der Familie Liebermann. Es ist der Wunsch ans-! gesprochen, das Kinderkrankenhaus im Anschluß an das Kranken-; haus in der Exerzierstraße zn bauen und die Pflege durch den; Verein für jüdische Krankenpflegerinnen ansüben zn lassen. Es sind zwei Eingaben des Herrn Willi und Dr^ Fritz v. Liebermann j eingegangen, die die Bitte aussprechen, sie bei der Erbschaft zu be-; rücksichtigen. Beide sind in den Testamenteil bedacht und haben ihr z Legat ansgezahlt erhalten. Sollten sie darüber hinaus bedürftig sein, so können sie aus der im Erbvertrage außerdem fonftituierteu Familieustiftnng von 200 000 Mark unterstützt werden. Der Gemeindevorstand halt die Eingabe nicht für angemessen. In den letztlvilligen Verfügungen sind noch ausgesetzt für die Armenkommission 5000 Mark, für den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand 1000 Mark zur Bekleidung und Unterstützung von jüdischen Schulkindern, auch wenn dieselben nicht die Schule der jüdischen Gemeinde besuchen, 1000 Mark für Ferienkolonien oder zu anderem die Gesundheit der jüdischen Schulkinder fördernden Zwecke, für die Altersversorgungsanstalt zur Stiftung einer Stelle, die den Namen der Stifter führen soll, 10 000 Mark, für das Reichenheimsche Waisenhaus 20 000 Mark. Der Betrag der Stiftung wird nach Abzug aller Legate und der Familienstiftung über eine Million Mark betragen. Herr Direktor Dr. Minden versichert im Namen der Versammlung, daß den hochherzigen Stiftern ein dauerndes Andenken bewahrt bleiben wird. Ans Antrag des Herrn Hugo Blankenburg wird die Vorlage bekr. Wahl eines Aeltestenstellvertreters vertagt und zur Vorbereitung der Wahl ein Ausschuß, bestehend aus den Herren B laschte. Gins b e r g, K a li s ch e r , L e w i u s k i, L o e weu berg, Mi u - d e n, S a ch s, T i e tz, gewählt. In die Friedhosskommission werden neu .gewählt die Herren Martin' Loese, Isidor Feibel, Siegfried Iacobsohn, Earl Loeser, Dr. Herrn au n Rosenthal, Konsul John M. Wiener, in die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten die Herren Albert Beer, Kommerzienrat Richard Friedländer, Dr. Oskar Salomon, Stadtrat Engen Panofsky. Als Mitglieder der Repräsentantenversammlnng in die Kommission zur Allswahl von Ehrenbeamten die Herren Dr. Minden. Zahnarzt Lipschitz, Oskar Tietz, Tr. Ginsberg, Oskar Loewenberg und Siegsried Sachs; in die Redaktionskommission die Herren Dr. Ginsberg, Dr. Kalischer, Dr. Blaschke. Subventionen iverden bewilligt dem Religionsverein Beth Zion einmalig zur Deckung des Tesizits 1500 Mark, dem Religionsverein in Schöneberg 16 000 Mark und 2000 Mark als außerordentlicher Zuschuß zum Ausgleich des Budgets, dem Religionsverein Osten 200 Mark für etwaige Reparatur, zahlbar nach Nachweis der Verausgabung weitere 200 Mark, der Religionsgemeinde Groß- Lichterfelde-Lnnkwitz zur Veranstaltung von Festgottesdiensten 500 Mark, dem Jüdischen Frauenbund, Ortsgruppe Groß- Berlin, für die dauernde Neberlaffung zlveier Betten im Wohnheim des Vereins 500 Mark: für die Kosten der Einweihnngsfeier der Synagoge Kottbuser User werden 2850,60 Mart nachträglich bewilligt. Der Verein Talmud Thora Knesheth Israel hat um eine einmalige Beihilfe von 1000 Mark gebeten. Der Gemeindevorstand hat dem Gesuch keine Folge geben können und beschlossen, für die Zeit vom 31. März 1016 bis zum I. April 1017 es bei der Subvention von 3500 Mark zu belasten. Droh der eindringlichen Rede des Herrn Professor K a l i s che r und der sachlichen Auseinandersetzung des Herrn L e!v i ns k i lehnt;- die Versammlung die Bewilligung der Beihilfe von 1000 Mark ab. Von Herrn E m i l P i n e n s war eine Interpellation betr. den schwachen Besuch des Ingendgottesdienstes an den Vorstand eingebracht worden. Herr Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld versichert, daß der Vorstand alles tun wolle, um den Besuch zn heben. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren Blaschke, Plotke, Kalischer, Türk, Lewinski, Wechselmann beteiligten, wurde beschlossen, in einer Kommission von Sachverständigen, bestehend ans Mitgliedern des Schulvorstandes und den Leitern der Religionsschnlen, über diese Angelegenheit zn beraten. Mit einem Dank des Herrn Pinens für das große Interesse, welches die Versammlung der Sache entgegenbrachte. schloß die öffentliche Sitzung. Zum Schluß sei noch mitgeteilt, daß in der geheimen Sitzung Herr Rabbiner Dr. Galliner in Eharlottenbnrg zum Berliner Gemeinderabbiner gewählt wurde. E. M. Berlin, 12. Dezember. Am 5. d. M. wurde Rabbiner Dr. Joses E s ch e l b a ch e r zur letzten Ruhe bestattet. Der Bedeutung und Beliebtheit des Entschlafenen entsprechend, gestaltete sich das Leichenbegängnis zn einer imposanten Kundgebung. Eine Trauerfeier in der Synagoge Heiderentergasse ging der Beisetzung voraus. Das

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