Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1916)
- Date
- 1916-12-15
- Page
- Seite 600 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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r>ö(> ein neues lieben beginnt, zum ^ebenslumbe.. Während die beiden | letzteren schnell vvrwärtskommen. muß Jacob zwei Jahre lang als i Laufbursche in einem großen Warenhaus sich mühsam quälen, benutzt j aber diese Zeit zu ernster unb gewissenhafter Arbeit. Dadurch, unter- ■ stützt durch Schlauheit und scharfen Perstand, leistet er dem Chef des Warenhauses außerordentliche Dienste, bewahrt ihn vor einem großen j Verlust und erwarbt für ihn ein außerordentlich wertvolles Grundstück! zu einem verhältnismäßig billigen Preise. Dadurch wird er ein wohl- ' habender Mann, kann mit seinem Freunde ein Geschäft eröffnen j und seine Geliebte heiraten. Die bisherige Inhaltsangabe zeigt 0uj nächst nur durch dem Namen des Helden, daß es sich um einen Juden j handelt. Dieses Jüdische aber tritt auch sonst häufig hervor, zunächst j dadurch, daß der Held bekennt, durch seine Verheiratung mit einer * Christin in der Gemeinde seiner Heimatstadt eine Revolution hervor-! zurufen, die aber als eine jüdische ungefährlich sein werde, ferner! dadurch, daß er, wenn auch nicht aufdringlich, jüdelt, daß er Aus-! drücke wie „nebbich", „Schlehmihl", „Revach" und andere braucht,! endlich dadurch, daß er häufig seine jüdischen Verwandten erwähnt! und verherrlicht und daß er häufig ein Loblied auf seine Heimat, j das gesegnete Be wichen, anstimml. Aber alle diese Erwähnungen und! durchaus harmlos, zeugen in keiner Weise von antisemitischer Gel simmng und sind durchaus nicht geeignet, eine judenfeindtiche Stimi imntcj zu erregen. Man kann sich au dem Scherz trotz aller seiner Unwahrscheinlichkeiten, aus die nicht im einzelnen hingewiesen werden soll, harmlos ergötzen, namentlich da die Darstellung recht flott ist, freilich mit Ausnahme der gesanglichen Leistungen, die meist auf dem | niedrigsten Niveau stehen, muß aber allerdings wünschen, daß der \ Dichter Karl Rößler, der durch sein erstes Lustspiel größere Erwartungen rege machte, durch fernere Leistungen einen wirklichen Fortschritt bekundet. Denn dieses Volksstück bedeutet gewiß keinen weiteren Schritt ans der Rnhmesöahn. L. G # ~ D r r rote Teufel. Roman von Maria Ianitschek. Leipzig, Verlag von B. Elischer Nachfolger. Ter merkwürdige Roman der hochbegabten Verfasserin würde in j diesem Blatte schon deshalb eine Erwähnung verdienen-, weil Frau! Ianitschek, obgleich Christin, in manchen ihrer Dichtungen Juden be- ■ handelt, teilweise verherrlicht hat, und weil sie auch mit einzelnen ' hübschen Beiträgen schon in dieser Zeitschrift vertreten war. Ein be-! sonderer Anlaß liegt aber deshalb vor, weil in dem neuen Buche! S. 195/19N eine merkwürdige Szene geschildert wird, in der König - Wilhelm vvi: England «Ende des 11. Jahrhunderts) in Rouen einige Juden, die zum Christentum üöergcgnngeu waren, auf Drängen ihrer Büter zwingen will, zu ihrer ursprünglichen Religion, von der sie! abgefallen waren, znrückzukehren, nicht etwa ans Borliebe für das; Judentum, sondern weil er das Geld, das ihm die besorgten! Familienhäupter allgeboten hatteil, gern ciustecken lvollte, bei einem : besonders halsstarrigen Juden, der ihm durch feine Kühnheit imponiert, voll biefem Verlangen allerdings absteht, trotzdem aber von deul Vater Geld erpreßt. Ich neune diesen Abschnitt absichtlich eine Szene, denn das Ganze zerfällt in eilte große Reihe solcher eiuzeliler Szenen, die, abgerissen, feinen rechten Zusammenhang darstellen. Bon dem Werke selbst kaim ich zu meinem Bedauern nicht viel Gutes sagen. Der große Fleiß hat der Verfasserin geschadet. Sie weiß zlr viel llnd besitzt llicht die Entsagllllg, das, was sie au§ emsigem Quellenstudium erlernt hat, zll verschlveigeu. Ein solcher Mangel an Entsagllllg wäre für ein historisches Werk ein Vorzug, bei einem dichterischem Erzeugnis ist er vom Hebel. Ter Historiker braucht sich nicht zll scheuell, die Wahrheit lmgeschminkt zll sagen, der Dichter dagegen hat die Pflicht, bei dem Leser Sympathie für den Helden zll erregen: statt dessell erzeugt die Verfasserin nur Grauen und Abscheu vor dem Wüstlillg und dem sinlllvsen Tyranllen, den sie in ihrem Buche schildert, unb verklärt nicht, obgleich sie es möchte, die gllten Regungen, die in diesem Verbrecher schlummern. * L. G. j zu D r. L ö w es D ö ch t e r. Roman voll L. G e r h a r d t. H.! Hassel Verlag, Leipzig 1916.! Ich bespreche dieses Buch, weil ich, dlrrch den Titel zu der Meinung! verführt, es handele sich um jüdische Persönlichkeiten, es bei dem Ver--! leger bestellt, von diesem erhalten lind gelesen habe. Freilich mußte j ich mich bei der Lektüre überzeugen, daß trotz des jüdisch klingenden z Namens nicht Juden, sondern durchaus nur Ehriften geschildert wer-! beit, ohne daß irgendwie ein Jude vorkommt.. Denn der Dr. Lölve, j die Hmlptperson, ist ein geborener Christ, ein früh verwitweter Arzt, der mit vier Kindern zurückblieb, zwei Knaben und zwei Mädchen, diese mit Hilfe einer hübschen gebildeten seinen Frau Genthe zu tüchtigen Menschen erzieht und schließlich, nachdem die beiden Söhne einen Bermf ergriffen und in diesem die ersten Proben ihrer Tüchtigkeit abgelegt, und nachdem die Töchter sich verheiratet haben, selbst in der Verbindung mit der genalmten Dame em zweites Eheglück findet. So könllte lnau sagen, es sei eigentlich ein Roman, der die Geschichte dieses Arztes gibt, muß aber hinzufügen, daß die Liebestämpfe, namentlich der einen Tochter, sehr breit geschildert werden. £b man es hier mit einem Erstlingswerke zu tun hat, ist mir nicht bekannt; in Kürschners SchriftstellerleZkon wird zwar eine Frau L. Gerhardt genannt, die sieh aber bisher nur als Verfasserin literarhistorischer Arbeiten bekauntgemacht hat. Ist es wirklich ein Erstlingswerk auf dem Gebiete des Romans, so kann man nur seine Freude darüber ausdrücken, daß ein jetzt erschienenes Werk nicht ein Wort vom Kriege enthält, sondern in friedliche Zeiten einführt, und daß die Dichtung höchst ehrbar, vielleicht sogar etwas philisterhaft geschrieben ist. Es ist ein Werk nach völlig alter Manier mit unendlich langen Reden, Briefen, Naturschilderungen und dergleichen. Aber es ist gesund, harmlos, gut geschrieben, und so mag man es als friedliche Lektüre wohl empfehlen. Proben eines starken Talentes bietet es nicht, aber es liegt mir fern, aus einem einzigen Werke eine Prophezeiung für die Zukunft einer Schriftstellerin zu geben. 1.. 0. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Kriegskalendcr. Hickls Wiener . jüdischer Volkskalender für das Jahr 5677 (1916/17). XIV. Jahrgang. Eigentum und Verlag: Jüdischer Buch- und Kunstverlag Max Hickl, Brünn. Nachdruck verboten. Brünn, Wien, Krakau, Berlin, Prag. Bibliothek für Volks- und Weltwirtschaft. Herausgeber: Prof. Dr. Franz v. Mammen. Heft 28. „Klarheit in der Ostjudenfrage." Tatsachen, Gedanken und Grundsätze von Dr. Erich Bischofs. Dresden unb Leipzig, Globus, Wissenschaftliche Verlagsanstalt, 1916. Preis 1,50 Mark. Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz. 5677 (1916/17). Annuaire lsraelitc pour la Suisse. II. Auflage. Verlag des Jüdischen Jahrbuchs, Luzern und Leipzig. Geschichte des Wilhelm-Ernst-Gymnastums in Weimar. Bon Otto Francke. Weimar, Hermann Bühlaus Nachfolger, 1916. Das Schwarzbuch. Von Zwi Cohn. Alle Rechte Vorbehalten. Geprüft und sreigegeben. Druck des „Lodzer Volksblatt", Lodz, 1916. Auch hebräischer Titel. 'Nur Erinnerungen. Bon Paul Lindau. Erster Band. Mit Bildnis. Stuttgart und Berlin, 1916. I. G. Cottn'sche Buchhandlung Nachfolger. Tr. Eduard Metis: „Religion und Politik im Judentum". Erschienen in „Nord und Süd", Dezemberheft 1916. 41. Jahrgang. Eine deutsche Monatsschrift, herausgegeben von Ludwig Stein. Der Jude. Eine Monatsschrift. 1. Jahrgang, Heft 8, November 1910. R. Löwit Verlag, Berlin-Wien. Sprkchlaal. Dringende Warnung v v r e i n e m gesährli ch e n Schwindler und H o ch st a p l e r. Mar L ö w e n st ein, geboren in Soest i. W., verheiratet in Gesecke (Westfalen), betrügt seit einem halben Jahre auf alle mögliche und unmögliche Weise meist j ü d i s ch e Kreise. Dabei bezieht er sich auf bekannte Kultnsbeamte und seine reiche Verwandtschaft. Er gibt sich selbst als sehr reich und begütert aus. B e s cf) r e i b ung: Größe ungefähr 160 Zentimeter (schlank). Gesicht: hohe Stirne mit etwas langer Nase und kurzer Oberlippe. Haar: kurzes, glattes, schwarzes Haar. Augen: dunkelbraun. Schnurrbart: klein, schwarz. Anzug: kleinkarierter Anzug, brauner Lodenüberzieher, schwarzer weicher Hut. Besondere Merkmale: Eine längliche Narbe auf der rechten Seite seiner Nase. Ich ersuche, diesen Schwindler sofort der Polizei zu übergeben. Armenpfleger S. M e y e r zu Aachen.