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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-15 · Heft 50 (15.12.1916) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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num sagen, unterhaltender Form vorzutragen. Auch auf Schillers : Whandlung des Themas wird eingegangen, dach widersteht der Ver° - faffer dem Reiz, nun etwa Schillers Dichtungen mit jüdischen Quellen; in Verbindung zu bringen, sondern halt an der allgemeinen Annahme! der Abhängigkeit Schillers von dem Fabeldichter Hyginus fest, weist aber in lichtvoller Weise die Unterschiede und die mannigfachen Aehn- - lichkeiten nach, die zwischen dieser Fassung und dem aus jüdischen; Quellen Bekannten bestehen. Bei den zwei hebräisch (unpunktiert) mit-! geteilten Erzählungen hätte ich und wahrscheinlich viele andere mit! mir gewünscht, daß der Verfasser eine wortgetreue Übersetzung beigegeben hätte. Dieser Wunsch soll aber durchaus keinen Tadel be-! deuten, denn die Abhandlung ist ja in einer gelehrten Zeitschrift er-! schienen. L. G. * Dr. Max Friedland, Altona: Moische Schla n m e s Kriegstagebuch (Reclams Universum, Kriegsausgabe 1916, Heft 45 bis 47, Seite 910 bis 912, 929 bis 930, 949 bis 950. Ganz anmutige Schilderungen eines im Schützengraben liegenden Juden, der bald gegen die Engländer, bald gegen die Russen sicht und sich über die Liebesgaben und die Gedichte eines Fräulein Eulalia freut und halb lustig, halb wehmütig, bald ernst, bald heiter sich über! Kriegsabenteuer und Gefühle ausspricht. Der lebendige Ansdruck der J Vaterlandsliebe und des Bewußtseins, daß man gerade in Kriegsi zeiten lerne, sich der Einfachheit zu erfreuen und aller der sogenannten ■ Segnungen der Ueberkultur zu vergessen, ist recht wohltuend. Die > vielfach vorkommenden hebräischen Ausdrücke geben dem Ganzen ein gutes Kolorit und sind durchaus nicht gewählt, um eine antisemitische Stimmung zu erzeugen. L. G. — Liebeszauber de r Romantik. Von Alfred Wien. Mit zahlreichen Bildnissen. E. S. Mttler u. Sohn, Berlin SW. Die Zeit der Romantik hat für die Juden dadurch ein besonderes Interesse, daß Frauen jüdischen Ursprungs so eng mit ihr verflochten sind, daß kein Buch über die Romantik au Dorothea Veit-Schlegel, Henriette Herz (obgleich diese innerlich aut wenigsten dazu gehört) und Rahel Lev in stillschweigend vorübergehen kann. In dem vorliegenden Buche handelt es sich freilich weniger um die geistigen Bestrebungen der genannten Epoche als, wie der Titel besagt, um die Liebe. Aber auch hier spielen die genannten Frauen eine Rolle; daher sind die der Dorothea Veit (Lucinde) und die der Rahel und ihren Leidenschaften gewidmeten Kapitel besonders ausführlich. Da der Verfasser nun aber die Grenzen der Romantik sehr weit zieht und Lenau noch mit hineinbegreift, so erscheint in unserem Buche auch die Freundin und Geliebte des letzteren, Therese Löwenthal, in einem besonderen Abschnitt; Grund genug, daß das Buch in einer jüdischen Zeitschrift behandelt werden kann und muß. Es ist dies ein — wie man dies bei der hoch angesehenen Verlagsanstalt gewohnt ist — trefflich ausgestattetes Werk. Es ist nicht nach neuem, d. h. ungedrucktem Material gearbeitet, hat aber die Quellen und die daraus geschöpften Darstellungen fleißig benutzt; nur aus dem Umstande, daß das Ganze nicht chronologisch, sondern nach inneren Zusammenhängen geordnet ist — Dorothea figuriert in dem ersten Abschnitt: „Liebesprobleme", Lenau in dem letzten: „Liebeszauber und Sinnennacht" —, kommt es, daß Personen, die innerlich nichts miteinander zu tun haben, auch zeitlich durch Jahrzehnte getrennt sind, in einem und demselben Abschnitt behandelt werden. So ist es doch etwas eigenartig, daß in dem Kapitel, in dem Lenau vorkommt, unmittelbar vor ihm Hölderlin behandelt wird. Dies geschieht aus dein Grunde, daß beide genannten Männer zuletzt dem Irrsinn verfielen. Freilich muß man dabei bedenken, daß Hölderlin etwa 40 Jahre vor Lenau von diesem Unglück betroffen wurde. Auch sonst läßt sich kritisch gegen diese etwas künstliche Zusammenstellung viel sagen. So muß man ja freilich Allgeben, daß Karoline von Günderode (gest. 1806) llnd Charlotte Stieglitz (gest. 1834) sich aus Liebesgefühlen den Tod gaben, die erstere aus wirklichem Liebeskummer, um einen verheirateten Mann zu ehelichen, von dein sie erwartete, er würde sich von einer ungebliobten! Frau scheiden lassen, und die zweite, urn den geliebten oder angetrauten Gatten durch einen großen Schmerz zunr Manne zu schmieden; aber gerade diese verschiedene Ursache des Todes trennt beide Frauen so sehr voneinander, daß ihre Zusammenstellung doch mehr als gewagt erscheint. Warum ferner in demselben eben an gedeuteten Kapitel Novalis und die beiden Frauen, die er nacheinander liebte, behandelt werden, läßt sich schwer einsehen; denn diese beiden Frauen starben allerdings früh, aber verfielen nicht den: Tode durch eigene Hand. Außer der Anordnung ist auch in der Darstellung manches zu tadeln. Für die schon angeführte Charlotte Stieglitz z. B. benutzt der Verfasser zwar einen Aufsatz, den ich vor vielen Jahren geschrieben habe, aber nur am Schlüsse des Ganzen, während er ihn für die. psychologische Begründung des ganzell Verhältnisses und als eines der Hauptmotive für ihren Tod hätte brauchen ulüssen. Sonst stimme ich seiner psychologischen Darstellung häufig zu, namentlich der von Clemens Brentano, doch glaube ich, daß die geschworenen Verherrlicher der Romantik ihn deswegen tadeln und ihn, wie auch mir es in gleicher Weise geschehen ist, als Philister schelten werden. Freilich gehören diese und ähnliche kritische Bemerkungen mehr in ein literarhistorisches Blatt als in ein jüdisches; aber in diesem durste die neue treffliche Erscheinung erwähnt und beurteilt werden, weil, wie gesagt, in dem Buche mannigfach und in reizvoller Weise von jüdischen Frauen gesprochen wird. L. G. i* Heinrich Sontheim. Ein K ün stle r leben. Von Leo Adler. 1916. Verlag von Karl Grüninger in Stuttgart. lieber den jüdischen Musiker Sontheim haben wir gleich nach seinem Tode Bild und Biographie gebracht. Nun liegt über den Verstorbenen ein ausführliches, liebevoll geschriebenes, gut ausgestattetes, mit manchen Bildern geziertes Buch vor. Uns interessiert besonders das Jüdische. Daraus ist hervorzuheben, daß Sontheim in seiner Knabenzeit mannigfach als „Singer" tätig war und daß sein Vater ans Glaubensbedenken den Knaben ungern zur Bühne gehen ließ. Im allgemeinen hatte der Künstler als Jude wenig zu leiden, er war vielmehr mannigfach an großen Hostheatern engagiert und erfreute sich der Gunst der höchsten Personen, dagegen blieb ihm Richard Wagner seines Glaubens wegen feindselig (vgl. S. 157), und auch der Kritiker Müller in Stuttgart verfolgte ifjn als Inden mit gehässigen Anwürfen (vgl. S. 64). Es mag hervorgehoben werden, daß Sontheim gerade in jüdischen Rollen, z. B. als Eleazar in der „Jüdin", einen ganz besonderen Erfolg erzielte (vgl. S. 68 sf.). Sontheim, der nach seinem eigenen Verzeichnis in 101 Rollen aufgetreten ist und auf 55 Bühnen nur in Deutschland und Oesterreich, niemals aber trotz lockender Anerbietungen im Auslande erfolgreiche Gastspiele absolvierte, erschien als 80jähriger noch einmal auf der Bühne und sonnte sich damals, wie während seines reichen Künstlerlebens überhaupt, an seinen Triumphen. Berthold Auerbach hat ihm ein paar anspruchslose Verse gewidmet, die diese kurze Anzeige beschließen mögen, schon aus dem Grunde, weil in ihnen auf das Auftreten in jüdischen Rollen angespielt wird. Sie lauten: Der Liebe schwermutvolles Leid, Des Sängers Schmerz und bittre Klage, Den Kampf der Freiheit gegen Tyrannei, Des Helden triumphierenden Gesang, Des unterdrückten Stammes Leid und Haß Hast du, der Herrscher in dem Reich der Töne, Gestaltet vor dem Aug' entzückter Menge Lebendig, wahr, in jugendlicher Schöne! L. G. * — Der Jüngling mit den Ellenbogen. Berliner Volksstück von Karl Rößler und L. Heller. Mit Musik voll Ernst Stephail. Dieses Volksstück, von dem, soweit mir bekannt, nur die Couplets mit Musik -erschienen sind, wird seit einigen Wochen im Deutschen Künstlertheater zu Berlin aufgeführt und verdient hier eine Besprechung, weil es bei einem Teil des jüdischen Publikums Mißbilligung gesunden hat. Ich glaube, daß diese Stimmung nicht gerechtfertigt ist, sondern daß jüdische Zuschauer, wenn sie nicht an Ueberempfindlichkeit leiden, sich das harmlose Stück, an dem die Musik freilich der schwächste Teil ist, übrigens auch an einer höchst bedenklichen Aneignung fremden Gutes leidet, ohne Schaden ansehen können. Freilich einen Fortschritt in der Tätigkeit des Hauptdichters Karl Rößler bedeutet das Stück nicht: der feinen Sittenkomödie ans vergangener Zeit, wie man „die fünf Frankfurter" wohl bezeichnen kam:, hat er hier eine grobe, von Unwahrscheinlichkeiten strotzende Sittenschilderung aus neuester Zeit entgegengesetzt, er hat sich aber, obgleich er in die Gegenwart führt, jeder Anspielung auf den Krieg enthalten. Jacob Neustätter kommt als armer Junge nach Berlin, verbündet sich gleich am ersten Abend mit einem jungen, hübschen Mädchen und einem frischen, jungen Mann, der nach einer bewegten Vergangenheit

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