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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-08 · Heft 49 (8.12.1916) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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S88 Salaschin zu fahren, daß Herr v. Trenk sich-erbarmte und sprach: „Schön. Wenn Sie uns etwas Mündvorrat besorgen, dürfen Sie mit." Noch eine kleine Weile, und Frau Malka saß mit einem Riesenkorbe, der beinahe die gesamten Schätze ihrer Speisekämmer barg, ans dem Auto. Steffeck mutzte erzählen, was er bruchstückweise imb sehr widerwillig tat. Viel lieber wäre er von der Partie des Herrn v. Trenk gewesen, der samt seinen Mannen sich mit derselben Geschwindigkeit in den Inhalt des Korbes vertiefte, mit der der Wagen nach dem Walde zurückjagte. Ascher und Noah erschraken nicht wenig, als sie vor dem sie verbergenden Stall ein Geräusch horten und eine dunkle Gestalt sich durch das Fenster zwängen sahen . . ein undeutlicher Korpus, der mit einem regelrechten Burzelbaum dicht vor ihre Füße fiel und flink wieder auferstand. Es war aber keiner der gefürchteten Kosaken, sondern nur Boas der Kantpr, der nach längerem Herrunlaufen in der Finsternis durch eine glückliche Fügung ihr Versteck gefunden und die Leidensgenossen, mehr ahnend als erkennend, munter anrief: „Rabaußai, laßt rrns Gaumel benschen . . . Zwei lange Labander jagten hinter mir her, aber sie purzelten über eine Deichsel; unterdes machte ich ein paar große Sätze — was ein richtiger Chasen ist, ist ein Leichtfuß — und huschte davon. Vorläufig wären wir den Halunken glücklich ans den Fängen." „Glaubt Ihr, daß wir jemals noch mit heiler Haut hier herauskommen?" fragte Noah bekümmert. „Warum nicht?" entgegnete der Kantor, „wenn Gott will, schießt ein Besen." „Ich wollte, ich hätte was anderes, womit ich schießen könnte," brummte Ascher, „wir müssen \m% nun unbedingt anschicken, zurück ins Haus zu gehen." „Noch nicht," bat Noah, „wer weiß, sie lailern uns vielleicht im Gehöft auf." „Niemand lauert," antwortete der Kantor trocken, „hätte ich wohl sonst unversehrt zu euch gefunden?" „Warten wir noch ein Weilchen," flehte Noah, „wenn nun das Haus umstellt wäre ..." „Dann gehören wir erst recht zu den anderen," begehrte Ascher auf. „Laßt uns wenigstens mittlerweile unseren Fund betrachten," rief Noah, der um jeden Preis Zeit gewinnen wollte, „ich brenne vor Begier, die Schrift des Rabbi Nehorai zu lesen." „Nein, das soll euer Rabbiner vor den Gemeindemitgliedern tun," entschied Ascher, „dort erwarten sie uns gewiß schon mit großer Sorge. Bleibt ihr oder kommt ihr mit? Die paar Schritte zum Hause wird uns wohl nicht gleich einer abmllrksen." Der Kantor, der ein beherzter Mann war, stimmte ihm bei. So schwangen sie sich, einer nach dem anderen, aus dem Fenster. Noah folgte zuletzt, zitternd; er sah hinter jedem Baum einen Russen, der sein Gewehr auf ihn anlegte. Aber seine Befürchtungen schienen überflüssig, das Gärtchen war menschenleer. Am Himmel dämmerte eine blasse Morgenröte. „Wie im Bene-Berack," murmelte der Kantor, „es ist Zeit, das Morgenschema zu lesen." Sie sprachen wirklich das Schema; denn sie hielten gerade ihre Morgenandacht, die um ihren Rabbiner gescharten Gläubigen in der Gemeindestube, als Ascher, Noah und Boas eintraten, und sie wurden von den Versammelten so freudig begrüßt, als man' wohl weiland die drei Männer aus dem Feuerofen in Israels Mitte empfangen hatte. ' „Wir haben es!" ries Ascher und schwenkte das gelbliche Blatt, alle Fragen nach seinem und der beiden Leidensgefährten Verbleiben und Ergehen mit dem bestimmten „Bitte zu verlesen!" abschneidend. (Schluß folgt.) Mchrremlcmk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Magd Maria Burg. Roman.von Ellyn Karin. Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. Henning von Melsted: Belgien in deutscher Kriegsgefangenschaft. Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. „November", ein Roman von Gustave Ftaubert. Mit sechs Lithographien von Ottomar Starke. Leipzig, Kurt Wolfs Verlag, .1017. „Antwort auf das offene Schreiben des Herrn Dr. Martin Bubev arr Hermann Cohen." Frallkfurt a. M. 1916, Verlag der „K. C.- Blätter". Volksbücher der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stistung, Heft 42. Karl Emil Franzos: „Ter deutsche Teufel." Mit sieben Bildern von Ludwig Berwald. Hamburg-Großborstel, Verlag der Deutschen Dichter- Gedächtnis-Stistung. „Geschichten aus Halbasien." Von Karl Emil Franzos. Mit einer Einleitung von Tr. Ernst Schultze, einem Bilde des Verfassers und acht Zeichnungen von Lndwig Berwald. Hamburg-Großborstel, Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stistung. Sprkchsasl. Gegen die Erklärung Stracks nmß ich darauf beharren, daß das Zurechtfinden im hebräischen Alphabet nicht so leicht ist wie der verehrte Verfasser meint, wie auch Elbogen in einer Besprechung des Buches betont; ferner bemerke ich, daß ich Widerspruch erheben rnuß gegen die Ueberfülle der rein hebräischen Worte. Strack hat sich zu eng an seinen Vorgällger, das Jüdische Wörterbuch von Spivak und Bloomaarden, angefchlossen, das nach freut Titel die „hebräischen und chaldäischen Eleniente der jüdischen Sprache" bieten will, aber in Wirklichkeit weit über dieses Ziel hinausgeht und, wie es in der Einleitung freimütig, gesteht, die Kenntnis des Hebräischen unter den Znrgonjnden überhaupt fördern will. Die Folge ist, daß bei Strack neben den schon besprochenen Buchstaben, wenn ich wiederum richtig zähle, Beth 181 hebräische Wörter unter 515 überhaupt. He 115 unter 308, Ktlph 106 unter 152 (!), Lamed 80 unter 253, M-ern 433 unter 683 (!), Nun 95 unter 211, Ajin 120 unter 201 überhaupt enthalten. Das ist für ein jüdisches Wörterbuch etwas viel und gibt von der jüdischen Sprache, deren Bestand Strack seststellen will (S. XV), ein falsches Bild. Für die hebräischen Annoncen jüdischer Zeitungen kommt nicht ein jüdisches, sondern ein hebräisch-talmudisches Lexikon in Betracht. Dasselbe ist mit gelegentlichen hebräisch-talmudrscheu Redewendungen in der Sprache der Rabbiner und rablnnisch Gebildeten der Fall, Die Nebersetznng von Apikomon durch „Jnbellied mit feierlichem Umzuge" findet zwar bei Löw eine Stütze („Festzug mit Dürsik"). Damit ist aber deuen nicht gedient, die in einer jüdischen Zeitung Polens etwa eine Beschreibung des Sederabends lesen und nun durch das Wörterbuch erfahren wollen, wie Apikomon, das vor dem Tischgebet gegessen wird, im Sinne des Gastgebers übersetzt wird. Für die polnischen Juden bleibt die Erklärung des Talmud Babli mit „Nachtisch" zu Recht. — Falsch ist die beibehaltene Erklärung von Chat» gadja. A. min cliad gadja ist nach Spivak-Bloomgarden „a narische oarschliderte Geschichte" („varschlidern" fehlt übrigens bei Strack). — Tie Erklärung von Jknhz, die Strack gleichfalls nicht aufgeben will, findet sich bei Spivak-Bloomgarden nicht, dagegen die richtige, daß Jknhz in der Nacht zum Sonntag eintritt. Schabbes zu Nacht ist nicht Freitag nacht. — Auch für die falsche Erläuterung des Tachamm- Fallens verweist Strack auf Spivak-Blooingardeus Wörterbuch. Doch heißt es dort ausdrücklich, daß man den Kopf zum linken Arm („Orem") niederbeugt, nicht zum linken Ohr. Wie sollte man das auch Physisch fertigbringen? Stern. Damit ist für uns die Debatte geschlossen. Die Redaktion. * Als Nachtrag zu meinen „Polnischen und russischen Dichtern und Erzählern" erwähne ich noch „Malta Schwarzenkops", Drama von Frau G. Zapolska. M. L a n d a u.

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