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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-08 · Heft 49 (8.12.1916) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
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liebet die Persönlichkeit dieses Wohl ersten staatlich bestellten. wahrscheinlich ans Vorschlag oder Wunsch der Wiener Kultusgemeinde, in welcher sein Bruder Simon als Redakteur der „Neuzeit", eines freisinnigen jüdischen Organs, sich großen Einfluß verschafft hatte, ernannten jüdischen Feldgeistlichen ist mir wenig bekanntgeworden. Er trug aus eigener Ermächtigung Kutte und Dreimaster wie die katholischen Geistlichen. Hebet die Agende seines Amtes konnte ich bisher nichts Genaues erfahren, so sehr es von Interesse gewesen wäre. Da in die kurze Dauer des italienischen Feldzuges von 1859 keinerlei Festtage fielen und die verhältnismäßig geringe Anzahl von Juden in den einzelnen Heereskörpern zu sonstigen gemeinsamen Gottesdiensten kaum Anlaß gab, so wird sich wohl seine Tätigkeit auf Krankenbesuche in Spitälern und aus den Schlachtfeldern sowie aus Beteiligung bei Beerdigungen beschränkt haben. Die Führung von Heirats- und Totenmatrikeln, wie sie jetzt nach dem Gesetze von 1869 unter Zusprechung eines Amtssiegels zu den Obliegenheiten eines Feldrabbiners gerechnet wird, kann Sznnto aus inneren Gründen nicht aufgetragen worden sein. Josef Ben Mayer Sznnto ist nach den wenigen Notizen, die ich dem Herrn Archivar Dr. P. Heinrich in Wien verdanke, am 12. Mai 1816 (wohl in Ungarn) geboren, starb als Mädchenpensivnatsbesitzer in Wien am 29. April 1873 und wurde auf dem Währinger Friedhose begraben. Im Jahre 1866 hat sich im Preußisch-Oesterreichischen Kriege freiwillig und uninteressiert der in Horzitz in der Nähe der böhmischen Schlachtfelder im Amte stehende, als homiletischer und belletristischer Schriftsteller bekannte und fruchtbare Rabbiner Dr. Adolf Ehrentheil der österreichischen Heeresleitung zur Verfügung gestellt und in der Soldatenseelsorge sehr verdient gemacht. Er kümmerte sich unmittelbar nach den Schlachten in liebevoller Weise um die Verwundeten, benachrichtigte ihre Angehörigen von deren Schicksal und sorgte für ihr Begräbnis. Es ist wohl ein Irrtum des Herrn Advokaten Dr. Leo Ehrentheil in Wien, wenn er, von mir um Notizen über feines Vaters geradezu mustergültige seelsorgerische Tätigkeit im Jahre 1866 aufgefordert, meint, er sei damals schon von der Regierung zum Feldrabbiner ernannt worden. Damals war sein liebevolles Wirken, das mir von Angehörigen in jenem Feldzuge Gefallener in Zuschriften, die ich noch besitze, warm gerühmt und geschildert wurde, rein freiwillig und ungebunden/ Später wurde Dr. Ehrentheil, als die Schaffung und Einrichtung eines Feldrabbinates für zukünftige Kriege in Oesterreich beschlossen war, als jüdischer Feldgeistlicher für den Mobilisierungsfall bestimmt. Er wurde von militärischer Seite nach Prag berufen und ihm die für den Kriegsfall (ich weiß nicht auf wessen Rat) angeschafften Utensilien gezeigt und für den eventuellen Gebrauch zugewiesen. Wie er mir im September 1874 bei meiner Ernennung zum Feldrabbiner in der Reserve (nach den bereits erschienenen organischen Bestimmungen für den Feldseelsorger der Israeliten) auf eine briefliche Anfrage nach der Uniform des Feldrabbiners schrieb, bestand „die k. k. israelitische Feldkapelle" aus einem mäßig großen Zelte für eine beschränkte Anzahl von Gläubigen und die Ausstattung aus 19 Gebetbüchern, ebenso vielen Psalmenexemplaren, Talessim und Tefillirn für Soldaten, einer runden seidenen Mütze ohne Schild und schwarzem Wolltalar nebst Taliß für den Feldrabbiner zum Gebrauche während des Gottesdienstes. Von einer Uniformierungsvorschrift war „aus Rücksicht für die israelitischen Bckleidungsgesetze" (Schaatnes und Chukosehem) abgesehen. Auf meine Vorhaltung, daß man nichtuniformiert im Kriegsfälle in Gefahr kommen könne, des Schutzes der Genfer Konvention verlustig zu werden, antwortete er, er halte es nicht für opportun, daß man sich um Herausgabe einer Unisormiernngsvorschrift an das Ministerium wenden sollte. Infolge dieser Unterlassung kam später in die Uniformierungsvorschriften der Feldgeistlichen in Oesterreich für die verschiedenen Konfessionen die' eigentümliche Vorschrift: „Die Feldrabbiner bekleiden sich nach den Vorschriften ihrer Religion." Später klagte mir ein Oberstleutnant, der alljährlich den Offiziersrapport der Reservisten und der Landwehr abzunehmen hatte, an welchem auch die Feldrabbiner teilnehmen müssen, daß ein Feldrabbiner außerhalb Prags alljährlich in einer Phantasieuniform erscheine, daß die Feldrabbiner aber keineswegs das Recht hätten, den Paradehut (Dreimaster) der katholischen Geistlichen zu' tragen. (Schluß folgt.) Lim Mahnung. Aon Scmitätsrat Dr. Scherbel in Liffa i. P. 3ohann Peter Hebel, der bekannte Dialektdichter und Volksschriftsteller, hat einmal gesagt, daß das Sprichwort „Einmal ist keinmal" das verlogenste aller Sprichwörter sei; denn wenn einer e i n m a l etwas tue. dann tue er es gewöhnlich zehnmal, ja hundertmal wieder, und es werde meistens von denen angewendet, die kein gutes Gewissen haben und etwas Böses vor sich selber rechtfertigen und bemänteln wollen. Ebensowenig wie alle Sprichwörter Wahrwörter sind, sind es alle Redensarten, die über die Juden im Umlaufe sind und im guten Glauben selbst von Juden weitergetragen werden, weil sie sogar für sie einen Schein von Berechtigung haben. Die landläufigste dieser Redensarten ist die, daß „jedes Land die Juden hat, die es verdien t". Dieses Wort ist schon durch seinen Urheber bekanntgeworden und hat sich über die ganze Welt verbreitet. Denn kein anderer hat es geprägt als Karl Emil Franzos, und weil er es ausgesprochen hat, hat man es auch immer für richtig gehalten. In einem Artikel „Tote Seelen" in der „Neuen Freien Presse" vom 31. März 1875 (wieder abgedruckt in „Halb-Asien", 2. Auslage, 1879), worin er das Treiben jüdischer Wucherer in Galizien geißelte, hat er dieses Schlagwort geschaffen und hat es den „Schlüssel zur neueren Geschichte der Juden" genannt. Aber das Wort, das zum geflügelten Worte geworden ist, hat weder den Antisemiten noch den Philosemiten gepaßt. Von beiden Seiten wurde dagegen zu Felde gezogen, und da der heutige Weltkrieg die Juden vielfach in den Vordergrund des Interesses gestellt hat, hat inan es wieder hervorgeholt und bei sich bietender Gelegenheit dem Lande, von dem man sprach, und den Juden in ihm den Stempel damit aufgedrückt. Aber wie der Weltkrieg eine Umwertung aller Werte geschaffen und in vielen Dingen die bisherigen Anschauungen über den Haufen geworfen oder auf den Kopf gestellt hat, so hat er auch den wahren Wert jenes Wortes von Franzos ins rechte Licht gebracht. Neuerdings habe ich das Wort mehrfach in dem Artikel „Polnische und russische Dichter und Erzähler über Juden" von Dr. Marcus Landau in Wien in unserem Blatte vorgefunden. In Nr. 38 sagt Dr. Landau bei einer Besprechung der Werke Gogols: „Wenn, wie gesagt wurde, jedes Land die Juden hat, die es verdient, so muß man, eine wie schlechte Meinung man auch von den russischen Juden haben mag, nach den Schilderungen Gogols (nämlich über die Korruption der Beamtenschaft, die niedrige Gesinnung, die Kriecherei vor Höherstehenden, die Bereicherungssucht und Trinksucht fast aller Klassen der Gesellschaft) sagen, Rußland verdient eben so schlechte Juden, wie es seine Herrscher,-Beamte und Adelige sind." Wenn auch Dr. Landau das Wort von Franzos ein wenig mit der ihm so trefflich stehenden Ironie aufgefaßt haben mag, es bleibt noch genug Ernst dabei übrig, und bei aller Achtung vor Franzos muß ich sagen, daß niemals von ihm ein Wort

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