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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-08 · Heft 49 (8.12.1916) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 581 (sequence 5)
Language
German
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seines Vaters genötigt, Lehrer zu werden. In der Talmud- Thora konnte er infolge des Widerspruchs des überfrommen Leiters Jsaac BernayS keine Stelle finden, er erlangte aber eine solche, nachdem er ästhetische Vorlesungen gehalten, am 1. Juli 1838 an der israelitischen Freischule, an der er bis zu seinem Tode verblieb. Er lehrte und erzog und zwar weniger nach geistlichen als nach allgemein ethischen Grundsätzen, geriet in Widerspruch mit seinem Kollegen Eduard Kley, setzte aber durch, daß er nach Entfernung seines Kollegen die Schule, selbständig nach seinen Grundsätzen leiten konnte. Er kämpfte gegen Orthodoxie und Jndifserentismus, eiferte gegen die Taufe und bemühte sich, die bürgerliche und soziale Stellung der Juden zu verbessern. Eine solche Verbesserung, so führte er in seiner Schrift „Die Sprachverhältnisse der heutigen Juden", 1844, aus, könne nur durch eine bessere Erziehung der Jugend geschehen, die sich hauptsächlich auf eine Vernichtung der jüdischen Mundart richten müsse, die den Juden in seinem Fortkommen auch als Handwerker und in seinem geselligen Leben hindere. Er brauchte dafür den schönen Satz: „Wenn wir teilnehmen aus innerem Triebe der Natur an deutschem Leben, wenn wir dieses deutsche Leben leben und weiterbilden, so sind wir damit Deutsche und bedürfen folglich keiner besonderen Erlaubnis dazu. Wir wollen es sein, wir leben demgemäß, und damit sind wir es." Er ging vielleicht in seinem Streben zu weit, indem er für Schließung aller jüdischer Schulen Plädierte und dafür eintrat. daß alle jüdischen Kinder in die allgemeine Volksschule geschickt würden, aber er bewies durch solche Vorschläge, wie sehr ihm das vollkommene Aufgehen der ins Deutschtum am Herzen lag. Ou diesem Zwecke begründete er 1845 mit einigen Gesinnungsgenossen die „Gesellschaft für soziale und politische Interessen der Juden". Er suchte in dieser die Gleichstellung seiner Glaubensgenossen zu erwirken, ihre soziale Trennung von ihren Mitbürgern aufzuheben und hoffte, durch die Revolution von 1848 seine Absicht verwirklicht zu sehen. Im Jahre 1854 übernahm Räe das Direktorat der Schule, an der er bisher als Oberlehrer tätig gewesen war, nachdem er den ihm angebotenen Posten eines Leiters des Frankfurter Philanthropins abgelehnt hatte. Er setzte durch, daß seine Anstalt in eine Simultanschule verwandelt wurde, die das Religiöse nicht in den Vordergrund stellte, die ferner das Recht erlangte, geboren wd'>> gestorben Juden auch christliche Schüler aufzunehmen und die reichere unb ärmere Schüler miteinander vereinigte. Neben seiner Tätigkeit als Schulmann, der auf seine Lehrer wie auf seine Schüler in gleichem Maße zu wirken verstand — ein Zeugnis dafür bietet das höchst anerkennende Gedicht seines ehemaligen Schülers Julius Stettenheim—,trat er auch als Politiker auf. Er begründete 1858 einen „Verein zur Beförderung der Gewissensfreiheit", der die Aufgabe hatte, die Hauptbestimmungen der Deutschen Grundrechte von 1848 im Leben zu verwirklichen. Der Verein wollte für die Zivilehe eintreten, die werktätige Liebe fördern, die Treue des gegebenen Wortes festigen, besonders auch Volksschulen einrichten, in denen der gesamte Unterricht frei von aller konfessionellen Färbung erteilt wurde. Zum Zwecke der Einführung der letzteren veröffentlichte Rve, der 1862 zum Mitglied der Hamburger Bürgerschaft gewählt worden war, im Gegensatz zum Entwurf der Schulbehörde, die die allgemeine Volksschule nicht billigte, einen Gegenentwurf (1864). Dieser suchte die gegen eine solche allgemeine Volksschule gemachten Einwürfe zu entkräften, indem er 1. auf die Durchführung jenes Systems in der Schweiz hinwies, 2. darstellte, daß das schäbige Aussehen der armen Kinder durch Stipendien und Austeilung von Kleidern vernichtet werden könnte, 3. die geringere Bildungsfähigkeit der Armen in Abrede stellte. 4. den sittlichen Tiefstand der Armen leugnete. Trotz der lebhaften Unterstützung. die die Ausführungen durch Diesterweg fanden, wurde sein Plan namentlich durch die Anstrengungen der Lehrer an den Volks- Die allgemeine Volksschule konnte in schulen durchkreuzt. Hamburg nicht durchgesetzt werden, auch die Aussetzung der höheren Bürgerschule auf diese Volksschule wurde nicht genehmigt. R6e hatte nur den Erfolg, daß die sogenannten Armenschulen ausgehoben und daß Englisch und Französisch in den Lehrplan seiner Anstalt ausgenommen wurden (1868). Wie in Hamburg, so versuchte Ree seine Gedanken auch im Reichstage des Norddeutschen Bundes und im Deutschen Reichstage — Mitglied des ersteren war er 1867, Mitglied des letzteren 1881/84, beidemal von seiner Vaterstadt gewählt — durchzusetzen. Aber auch mit diesen Bemühungen hatte er keinen Erfolg; er freute sich aber bei einer Reise, die er 1887 nach Paris unternahm, zu sehen, daß in Frankreich Schulen nach seinem Sinne eingerichtet waren.

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