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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-01 · Heft 48 (1.12.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 48 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde. In seinem Schwesternhaus unterhält er ein Lazarett von 50 Betten (Vereinslazarett Nr. 27), in dem 5 Schwestern tätig sind. Folgenden Anstalten hat er je eine Schwester als Oberin zur Verfügung gestellt: Gumpertzsches Siechenhaus, Kinderhaus der weiblichen Fürsorge -in Frankfurt a. M., Friedrich^Lnisen-Hospiz in Bad Dürrheim, Israelitisches Krankenhaus in Hannover und Israelitisches Altersheim in Aachen. Ferner ist in der Frankfurter Süuglingsfürsorge eine Schwester des Vereins ständig tätig. Von den Schwestern sind bisher 13 mit der Roten-Kreuz-Medaille, 17 durch Verleihung der Denkmünze der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. Tie Tätigkeit des Vereins kommt allen Konfessionen zugute. .= Nürnberg, 24. November. Oberbürgermeister Dr. G e ß l e r machte die Mitteilung, daß der kürzlich verstorbene Ehrenbürger der Stadt, Geh. Komrnerzienrat Ludwig Ritter v. G e r n g r o s , der schon zu Lebzeiten viel für die Stadt Nürnberg getan und unmittelbar vor seinem Tode noch eine Stiftung von 300 000 Mark errichtet hat, nach Mitteilung des Testamentsvollstreckers der Stadt einen großen Teil seiner wertvollen Bildersammlung vermacht und weiter bestimmt habe, daß der Stadt aus den noch vorhandenen Bildern seiner Smnmlnng mit Ausnahme der Iamilienbitder nach freier Auswahl weitere Bilder zur Verfügung stehen. Ferner hat der Verstorbene den Betrag von! 47 000 Mark für wohltätige und gemeinnützige Zwecke und 3000 Mark zur Verteilung an Nürnberger Arme ohne Unterschied der Konfession bestimmt. Geldznwendungen erhalten: 30 000 Mark der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Nürnberg, 1000 Mark der Verein für Ferienkolonien armer kränklicher Schulkinder tit Nürnberg, 1000 Mark der Verein Iugendhort in Nürnberg, 1000 Mark der Verein für Krankenpflege in Nürnberg, zurzeit Hallerwiese, 1000 Mart der Verein für Krankenpflege durch Niedorbronuer Schwestern in Nürnberg, 1000 Mark Lutherischer Hitssverein für weibliche Diakonie in Bayern E. B. (Pflege- und Krippenanstalt), 4000 Mark die Marimitian-Augenheilanstalt in Nürnberg, 2000 Mark nie freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Nürnberg, 2000 Mark die Blindenanstalt (Erziehungs-, Unterrichts- und Bersorgungsanstalt für Blinde) in Nürnberg, 1000 Mark das Erwpfsche Kinderspital in Nürnberg, 1000 Mark die Medizinische Gesellschaft und Poliklinik in Nürnberg, 1000 Mark der Verein zur Förderung der sittlichen Besserung entlassener Sträflinge in Nürnberg, 1000 Mark der Unterstützungsverein für verschämte Arme jeder Konfession nub Brockenhans in Nürnberg. Der Magistrat zollt der von bem Stifter neuerdings bekundeten edlen Gesinnung Anerkennung und Dank. Der Vorsitzende teilt noch mit, daß die städtischen Kollegien beschlossen haben, dem verdienten Ehrenbürger der Stadt eine E h r e n t a f e l zu errichten, deren Anfstellungsplatz noch bestimmt wird. Grltrrreich-Angarn. z. Wien, 24. November. Der Kriegsminister Freiherr v. Krobatin empfing kürzlich in Wien eine ungarische Deputation, die ihm namens der religiösen Jndenschaft Ungarns die Bittc unterbreitete, er möge den im Hinterlande befindlichen religiös-jüdischen Soldaten die rituell e Verpfleg it n g ermöglichen, intb Zwar durch folgende Verfügungen: 1. In Garmsvnplätzen mit jüdischen Soldaten großer 'Anzahl sollen für diese seitens der Militär- I behörde rituelle Küchen eingerichtet werden. 2. Wo dies unmöglich, mögen die rituellen Kultnsgemeinden beauftragt werden, die rituelle Verköstigung in eigener Regie zu besorgen. 3. Wo auch dies undurchführbar sein sollte, möge den einzelnen Soldaten das Menagegeld zwecks eigener Verköstigung ansgefolgt werden. Tie Deputation bestand ans den orthodoxen Oberrabbinern: königlicher Rat Koppel R e i ch (Budapest), Akiba Schreiber (Pozsony), B. Fischer (Eperjes),! Dr. Klein (Kismarton), Katz (Nyitra), I. Fellner (Beled), M. B ened-ikt (Szombakhely), A.Weitz (Jmwshnza) und N. S chlcsinger (Nagytapolesany): ferner aus den Gemeindevorstehern:! Leopold Freudiger de Ohnda (Budapest), Redakteur Leopold! Groß b e r g (Budapest), I. L. M a r t o n (Papa), Karl Paschk u s! (Csorna), I. Au s ch (Bonyhad) und I. P i n k a s (Soprou). Se. Exzellenz erwiderte auf die Ansprachen des Depnkationssührcrs königlichen! Rats Koppel Reich und des Sekretärs der Aktion Oberrabbiners! Dr. Klein ungefähr folgendes: „Tie Heeresleitung erachtet es als ihre! Pflicht, das sittlich-religiöse Moment beim Militär zu fördern und zu erhalten. Da ich auch konkrete Anträge gehört habe, so könnte ich! Ihnen eigentlich die Erfüllung der ersten zwei Punkte schon jetzt zu-! sagen, daß ich gegen diese prinzipiell nichts dagegen einznwenden habe, und ich werde dieselben in irgendeiner Form ermöglichen. Was aber den dritten Punkt anbelangt, nämlich die Ausfolgung des Menagegeldes an einzelne Soldaten, so kann ich dies um so weniger Zusagen, als ich dies erst vor kurzem für jeden gleichmäßig verboten habe. Im übrigen können die Herren überzeugt sein, daß ich ihr Verlangen mit dem größten Wohlwollen behandeln werde, lind auch die Erledigung werde ich baldigst vornehmen." Nach den begeisterten Eljenrufen, die diesen, Worten folgten, verabschiedete sich der Kriegsminister von der Deputation, indem er jedem einzelnen ihrer Mitglieder freundlich die Hand reichte. Die E r z h e r z o g i n A n g u ft e erschien in Budapest am. 12. November mittags in Begleitung ihrer Hofdame Anna v. Majthenhi zmu drittenmal in der Mensa des Israelitischer! Landeskulturvereins. Von den Präsidenten Baron Bela T i r ß t a y und Frau Dr. Armin N e u m a n empfangen, wurde sie in die bedeutend erweiterten Säle der Mensa geleitet, deren Gäste sie mit lebhaften Eljenrufen begrüßten. Frau Dr. Armin Neuman stellte der Erzherzogin die rührige, verdienstvolle Bizeprästdentin Frau Dr. Moritz v. D o m onh und die an der Ausspeisung der Studenten und Arrnen eifrig mitwirkenden Mitglieder des Ausschusses (Frau Jos. v. Wolfner, Baronin Beta Tirßtah, Frau Eman. v. Stein, Frau Dr. Wilhelm Meisels, Frau Tr. Jul. Frenkt, Frau Franz Prager) vor. Die Erzherzogin besichtigte Kriegsküche, Familienspeisesäle, Speisesäle der llniversitütsjngmd, Lesesüle des Kultusvereins und äußerte sich über alles Gesehene, namentlich über die modernen, hygienischen Einrichtungen der Küche, in Worten des Lobes. Erzherzogin Auguste trug ihren Namen in das Fremdenbuch ein und erklärte, die Mensa bald wieder besuchen zu wollen. .1. D. Krakau, 24. November. Der größte Judenfeind wird im jetzigen gigantischen Völkerringen gestehen rnüssen, daß die galizischen Juden von der Rnsseuinvasion am meisten gelitten haben. Tie Russen, die schlimmsten Feinde des Fortschritts unb der sozialen Gleichberechtigung, fanden in Galizien Gelegenheit, Pogrorns im großen Stile zu veranstalten und ihre barbarische Wut über die Juden nuszugießen, weil sie bis zürn Letzten Lebenshauch treu dem Staate und dein nunmehr verewigten Kaiser geblieben sind. Tausende Juden wurden von den Russen gräßlich ermordet oder nach Rußland verschleppt, und die zurückgebliebenen Familien, aller Habseligkeiten beraubt, fanden keine Möglichkeit, ihr Dasein zu fristen und ihre Kinder zu ernähren und zu erziehen. Diese tragischen Umstände sirrd der Aufmerksamkeit unserer Regierung nicht entgangen. Ter verstorbene Statthalter Galiziens, General v. Eolard, gründete außer dein katholischen und rnthenischen Komitee ein Landeskomitee für Rettung der israelitischen Kriegs- Waisen in Gatizien. In dieses Komitee, dessen Sitz Krakau ist, er-! nannte die Regierung die Elite der jüdischen Bürger. Zürn. Obmann wurde der um das Aufblühen Krakaus so hochverdiente Vizepräsident der Stadt Krakau Hofrat Sa re ernannt: zu Mitgliedern: der Präsident der Israelitischen Kultnsgemeinde Rechtsanwalt Tr. Sarnuel Dilles, der allgemein bekannte Vizepräsident der Israelitischen Kultusgenreinde und Vorsteher der Synagogengemeinde Tr. Rafael L a n bau, der Universitätsprofessvr Dr. Josef R o s e n blatt, der Rabbiner Dr. Thon, der Repräsentant der Krakauer Bne-Brith-! Loge, der bekannte Arzt Tr. Hermann H i r s ch und Frau Dr. W a r scha u er. Das Landeskomitee ist in zwei Sektionen eingekeilt, und zwar in die westgalizisthe Lektion mit deur Sitze in Krakau und ostgalizische Sektion mit dern Sitze in Lemberg. Die Lernberger Sektion repräsentiert als Stellvertreter des Hofrats Sare der Lemberger Advokat Dr. Emil Parnaß. Als Bureauleiter in Krakau fungiert Herr Ignatz Danzig er und in Lemberg Herr Rubenz a h l. Um einen Ausweis der Kriegswaisen zu erlangen, bildete das Landeskomitee im Sitze einer jeden Bezirkshauptruannschaft ein aus Vertrauensmännern bestehendes Landeskomitee. Die Zahl der bis jetzt angemeldeten Kriegswaisen beträgt zirka 5000. Das Hauptkontingent bilden die Kinder der Städte am Dunajec und San, wo viele Juden infolge ihrer Loyalität und ihres österreichischen Patriotisrnns von den Russen erhängt oder nach Rnßlarrd verschleppt rvurden. Die Erzieher der Kriegswaisen erhalten als Unterstntzungsbeitrag für je ein Kind 10 bis 15 Kronen monatlich. Diese Summen werden an die Lokalkomitees geschickt. Das Landeskomitee gründete dank der reichlichen Unterstützung des Wiener Vereines zur Rettung verlassener Kinder Galiziens mehrere Waisenhäuser, wie in Lemberg, Sarnbor, Gliniany, Rzeßow uud Bersdorf. Diese großangelegte Aktiva, deren

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