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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-01 · Heft 48 (1.12.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 48 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Grenze des Körperlichen und Geistigen; Unterschiede in. der Art zu sprechen, im Tonfall, Bewegung und Dialektik. Die Juden sind seit Jahrtausenden, „studierte Menschen" mit besonderen Fähigkeiten für die Abstraktion und haben daher eine geistige Beweglichkeit, die für anders geartete Hirne schwindelerregend ist. Das langsame Sichhineinarbeiten des Deutschen ist dem Juden fremd. Aus der geistigen Beweglichkeit der Juden hat man die Folgerung gezogen, daß sie nur praktisch und rationalistisch sind und deshalb keine Beziehungen zu dein idealistischen deutschen Geist haben können. Gegen einen in übler Bedeutung Praktischen Sinn der Juden sprechen die dreitausendjährigen Leiden, die sie um einer Idee willen getragen haben. Eben der Kampf für eine Idee macht den Inhalt der deutschen wie der jüdischen Geschichte aus. Diese Positiven Zusammenhänge lassen sich in drei Sätze zusammenfassen: 1. Die Deutschen haben im Mittelalter die ganze Kraft ihrer Nation der religiösen Idee der Aufrichtung des Gottesreiches in der Gestalt des heiligen römischen Reiches deutscher Nation geopfert. 2. Als das alte Ideal sich überlebt hatte, war es wieder eine religiöse Idee, die Reformation, deren Kämpfe auf deutschen Schlachtfeldern ausgefochten wurden, die das Schicksal der Deutschen bestimmte. 8. Die Deutschen haben als Volk ohne Staat und Rang in einer Art politischer Diaspora der Welt eine neue Geistesknltur geschenkt. Gerade dieses letzte Beispiel, daß ein Volk, welches sich in politischer Auflösung befindet, von innen heraus Grobes schafft, hat nur ein Gegenstück in der Welt -- die jüdische Geschichte. In dieser tiefen nationalen Deranlagung, die ganze Lebenskraft der Nation in die Dienste einer Idee zu stellen, liegt b;c ganze Größe der Gemeinsamkeit zwischen Deutschtum und Judentum. Aus jeder Epoche dentscher Geschichte gibt es Praktische Belege für die Verwandtschaft des deutschen mit dem jüdischen Geiste. Im Mittelalter konnte die Teilnahme der Juden an der christlichen deutschen Kultur nur eine Passive sein; sie verarbeiteten im Ghetto den deutschen Einfluß und nahmen die deutsche Sprache nach Polen mit, wo sie sie mitten in der slawischen- Welt bis auf deu heutigen Tag bewahrten. Mit der Reformation begann die Wechselwirkung beider Kulturen aufeinander. In keinem Volke hat der Rhythmus und der Gehalt der Bibel so.viel Widerhall gefunden wie im deutschen; die Bibelübersetzung bildet die Grundlage für die neue deutsche Sprache. Goethe, die Duelle der heutigen deutschen Kultur, ist in seiner größten Dichtung durch die Bibel aufs tiefste beeinflußt worden. Als weiteres Beispiel für die Wechselwirkung und zahllose geistige Verbindungen zwischen Deutschtum und Judentum ist Rembrandt anzuführen, der als Inbegriff deutschen Wesens gilt. Er wühlte auf der Höhe seines Lebens mit Vorliebe das jüdische Modell, mu an ihm zu zeigen, was innerliches deutsches Wesen ist. Ein Goethe-Wort soll noch angeführt werden, das der Dichter 1808 zur Zeit der größte»! deutschen Erniedrigung sprach: die Deutschen gehen ebensowenig zugrunde »v i e die Juden, weil beide Individuen sind. In dieseur Worte liegt das letzte, was über die Gemeinschaft des deutschen und des jüdischen Geistes zu sagen ist. Der größte Deutsche hat also die Seelen- und Schicksalsgemeiuschaft zwischen Deutschen und Juden anerkannt. Wir sind in Deutschland nicht nur zufällig zu Hause, sondern wir leben hier unter Menschen, mit denen wir verbunden sind, nicht nur durch äußere Tinge, sondern durch ilmerlichste Gemeinschast. - Die interessanten Ausführungen lvurden von der zahlreichen Zuhörerschaft mit lebhaftem Beifall ausgenommen. ### Berlin, 28. November. Bei der am 26. d. M. erfolgten Repräsentantemvahl der Berliner Jüdischen R e f o r m - gemeinde »vurden gewählt: als Repräsentanten die Herren Max Behr. Engen Blumenseldt, Dr. Heinrich Byk, Jnstizrat Emil M isch, Albert Ster n b e r g , Dr. Martin Wallach, Professor Richard W o l f f e n sk ein; als Repräsentantenstellvertreter die Herren Direktor L i p s ch i tz , Emil M a y , Eduard N e n m a n n , Sanitätsrat Dr. Julius Ritter, Otto Schlesinger, Philipp S ch l e s i n g e r , Rechtsanwalt Walter S i m o it. — Neumark i. Westpr., 24. Nooember. Unter überaus zahlreicher Teilnahme »vurde hier Frau Friederike H e n s ch k e zu Grabe getragen. Sie ist int Greisenalter von 80 Jahren sanft entschlafen. Bor ihren» Absterben äußerte sie den Wunsch, von Berlin nach hier gebracht und an der Seite des vor Jahren verstorbenen Ehegatten beigesetzt zu werden. Für den engeren Kreis ihrer Familie m\b der vielen Freunde ist der Verlust dieser ältehrwürdigeu Frau ein ungewöhnlicher. Beseelt von inniger Liebe zn unseren» Väterglauben hak die Verewigte, die aus achtbarem, religiösem Hause stammte, vorbildlich gewirkt. 61# - verstand es, in gemeinsamem Streben mit ihren» Mcmne, ihre Söhne und Töchter wahrhaft fromm zu erziehen, und dies geschah in vornehmer und würdiger Weise. Den Bedrängten und Bedürftigen stand...sie allzeit mit Rat und Tat helfend zur Seite; den Trauernden und /Gebeugten war sie bereit, Trost und Erleichterung zu bieten. Selbst bei Nichtjuden erfreute sie sich hoher Achtung und Wertschätzung, wie dies bei der Beerdigung in vollem Maße sich erwies. In den Worten des Trauerredners fanden die Verdienste der Entschlafenen warme Würdigung. W. Posen, 24. November. Auf Veranlassung der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft hielt der Berliner Nationalökono»»» Professor Dr. Franz O p P e n h e i rn e r in der Aula der Luisenschule hier einen Vortrag. „Die Hauptwurzel des Krieges" »var das Thema. Die Frage ist »vührend des Krieges in zahlreichen Schriften von berufenen und unberufenen Verfassern erörtert worden; es ist zweifellos die Frage, die jeder denkende Deutsche, der die Geschehnisse dieses Weltkrieges r»»it seinen gewaltigen Opfern nicht spurlos an sich vorüberziehen läßt, für sich oder int Gespräch mit Bekannten zu lösen trachtet. Für die 600 Zuhörer der gebildeten Kreise, die sich zum Vortrage eingefunden hatten, »var es ein Genuß, auch einmal den bekannten Nationalökono»»»en eine vollständig selbständige Beantlvortung der Frage geben zu hören, der sie vom Gedanken der zlviefachen Konkurrenz, der des Käufers »md des von dieser so ganz verschiedene»» des Verkäufers, aus.zu lösen trachtete. Daß er mit seiner Auffass»mg alle Zuhörer restlos befriedigte und sie zu Anhängern seiner Ueberzeugung »nachte, hat der Gelehrte ja zweifellos nicht erwartet; aber er hat, das konnte »»»an a»»s der allgemeinen Aufmerksamkeit, mit der sie alle seinen oft nicht ganz leicht faßlichen Geda»»kengängen folgten, ersehen, ihnen »»eue Anregungen gegeben, die sie zweifellos zu »veiteren» Nachdenken veranlassen »verden. Zum Schlüsse seines Bortrages fonimt Herr Professor Tr. Oppenheimer zu folgende»»» Ergebnis: Wenn es gelingt, die Bodensperre z»» beseitigen, dann hört die Uebersüllung auf den» Arbeitsmarkte auf, damit auch die Möglichkeit für den Verkäufer, den Mitbewerber' nuszuschließen. Tann herrscht der friedliche Wettbewerb, und da»nit ist auch die Hauptsache des Weltkrieges überhaupt beseitigt. Kriege, wie sie von den »nittelalterlichen Stüdtebünden geführt »vurden, sind danr» unmvglich. Mit der Bodensperre schlvindet der übertriebene Kapitalismus, bnntit schwindet die angreifende Tendenz i»n Innern und in» Aeußern. Te»n Vortrage folgte stürmischer Beifall. O. L. Dresden, 24. November. Durch Krankheit gezwungen, »nutzte Frau Kommerzienrat. Charlotte Elb das Amt der ersten Vorsitzenden des Israelitischen Frauenvereins, das sie mit seltener Hingebung und Treue zlvöls Jahre - vorher bereits Vierzeh»» Jahre die Kassengeschäfte — verwaltet hatte, nieder!egen. Daher »vurde an» 14. d. M. eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufe»», die an Stelle der Ausgeschiedenei» einstimmig Frau Bankier Gertrud M a t t e r s d o r f f »vählte. Frau Rabbiner Professor Dr. Winter gedachte der Verdienste der ersteren un» den Verein in beredten Worten u»»d gab den» allseitigen Bedauern über das Scheiden der verehrten Vorsteherin Ausdruck. -Iran Kounnerzienrat Elb »vurde unter Ueberreichung einer kunstvoll au-sgeführten Adresse zur Ehrenvorsttzenderr er»»annt. Tief ergriffen dairkte deren Gatte, Herr Kommerzienrat Max Elb, zugleich für sie und überreichte als Zeichen ihres beiderseitigen herzlichen Dankes der»» Verein 5000 Mark in eine»»» 4prozentigen Pfandbrief als Grundstock für eine ins Leben z»» r»»fende Gemeindepflege. 22 Frankfurt a. M., 24. November. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt a. M. (E. B.) hielt an» 15. d. M. seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, der Kassierer deu Kassenbericht. Die ausscheidenden Mitglieder der Verwaltung »vurden »viedergewählt. Nach de»»» Geschäftsbericht gehören de»»» Verein zurzeit 60 Schwestern und 12 Lehrschwestern an. Von den Schwestern sind zurzeit im ganzen 38 in der Verwundetenpflege tätig, davor» 16 int Feld und in der Etappe und 22 in Lazaretten des Heintatgebietes. Eine Schwester hat während des abgelausenen Berichtsjahres ständig in de»»» Frankfurter Lazarettzug P. 1 Dienst getan. Von den „Feldschwestern" sind 4 der Deutschen Sanitätsmission für Bulgarien zngeteilt. Der Verein versieht den gesamten Pflegedienst »nt

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