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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-01 · Heft 48 (1.12.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 48 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Wichtigkeit sich noch nach Jahrzehnten geltend machen.wird, hatte bis jetzt einen provisorischen Charakter, jedoch dank dem Statthaltereireferenten Hofrat Brückner, dem sämtliche Kriegswaisenkomitees unterstehen, der die Kriegswaisenfürsorge nicht bureaukratisch, sondern mit warmem Herzen und bürgerlichem Sinn auffaßt, wird unsere Aktion binnen Kurzem auf eine sichere Grundlage gestellt werden. Es sei noch bemerkt, daß außer dem Hofrat Sare der Präsident Dr. Rafael Landau die Seele dieser Organisation ist. Aber nicht nur dieses Arbeitsgebiet verdankt ihm seine Verwirklichung, sondern auf allen Gebieten des kommunalen und jüdischen Wohltütigkeitswesens sieht man ihn rastlos imfc opferwillig arbeiten. In den nächsten Tagen wird ein jüdisches Kinderheim gegründet, eine große jüdische bürgerliche Kriegsküche ist im Entstehen. Tie Massensrühstücksausspeisung der jüdischen Schulkinder, die reorganisierte Volksküche und viele andere Institute, die der Krieg geschaffen hat, das alles sind Leistlingen des Präsidenten Tr. Nafael Landau. Von MH und ffern. Die Berliner Schuldeputation hat Anträge an das Provinzialschulkollegium gerichtet, zu gestatten, daß jüdischen Lehrern, die darum bitten, die nötige Gelegenheit zur Vorbereitung auf die zweite Lehrerprüfung durch Uebernahme von Vertretungsstunden gegeben werde, und daß es in Zukunft genüge, wenn eine jüdische Lehrkraft ben Reli g ionsun terricht in einer Klasse (also drei bis vier Religiousstunden) erteile. - Ter Rannv - Julius - und- N o s a l i e - B o e h m - S t i f t u n g, welche dazu bestimmt ist, iirdischen Mädchen zur Erlangung eines Berufs behilflich zu sein, ist eine Kaprtalsvermehrung von 12 000 Mark Zugefallen. Zum 70. Geburtstage der Frau Nannh Boehm geb. Boehm, der Gattin des verstorbenen Stifters, haben 25 Angehörige der ftrau Boehm, Kinder, Enkel, Neffen und Nichten, der greisen Jubilarin 12 000 Mark aufgebracht, die ihr an ihrem Ehrentage überreicht wurden. Professor Tr. James I s r a e l hat die Operation, der er sich unterziehen mußte, gut Überstauden und wird voraussichtlich bald eine Erholmmlsreis-e antroten fönnen. - Am 22. November wurde in der Neuen Synagoge eine Anzahl jüdischer Mannschaften dlrrch Rabbiner Tr. Weiße auf die Rekrutenvereidigung vorbereitet. Zum Geheimen Medizinalrat wurde jüngst Herr Professor Tr. Falken heim in Königsberg i. Pr. ernannt. Herr Geheimrat Professor Tr. Hattenheim ist im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Mitglied des Zentralvorstandes und Vorsitzender der Ortsgruppe Königsberg i. Pr. Aus Posen loird ilns geschrieben: Zll Stadtverordneten aus sechs Jahre wurden gewählt: von den Wählern der zweiten Abteilung die Herren Iustizrat Michaelis Placzek, Kaufmann Adolf Simon, praktischer Arzt Dr. Mar Landsberg, Rentner Louis Kuttner: von den Wäblern der ersten Abteilung die Herren Kaufmann Simon A s ch . Kaufmann Georg I a f f ö , Justi n rat Samuel I a r c k i. Tie jüdische Gemeinde in Ostrvwo i. P. bat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Am 23. d. M. verstarb plötzlich nach eben vollendetem 00. Lebensjahre Herr Justizrat Voß, der fall 22 Jahre der Revräsentantenversannnlullg als Vorsitzender angehörte. Der Ver- ' ivia.ke, ein Sckwieaersolm des verstorbenen Rabbiners Dr. r -e u n d mi Görlitz, stellte sein Wissen und Können auch in den Dienst der Allgemeinheit und erfreute sich in hohem Maße der Liebe und Wertschätzung seiner Mitbürger. Rabbiner Tr. Graden witz in Tarnowitz ist vorn Kriegsministerium zum Feldgeistlichen ernannt ilnd mit der Seelsorge der jüdischen Hoeresangehöriaen einer mobilen Armee betrant worden. Zn diesem Zwecke begab sich Dr. Gradenwitz auf den Kriegsschallplatz. Mau schreibt uns ans Dresden: Zum Bestell der Zloecke des Vereins ,.£>eimatt>anf" wird in der Synagoge am 3. Dezember dieses Jahres ein zweites Konzert stattfinden. Neben dem Synagogenchor, seinem bewährten Leiter und seinem Organisten, den Herren Tr. Fautl und Mar Birn, wirken erste Kräfte mit: Königliche Hofopernsängerin Anka Horvat, Königlicher Kammersänger Fritz Vogel ström. Königlicher Konzertmeister Gustav H a v e m a n n. -- Alls Gera (Reuß) wird llns gemeldet: Die hiesige Israelitische Vereinigung beglückwünschte den Vaterländischen Frauenverein zur Jubelfeier seines 50jährigen Bestehens lind stiftete eine Slimme von 10 000 Mark zur Beschaffung von Heizmaterial für die minderbemittelte Bevölkerung in Gera und den Vororten für die kalte Jahreszeit. Einer der Senioren der Presseh Vertreter in München, Schriftsteller Adolf Oppenheim, der sich insbesondere auch mit den Standesfragen seiner Berufskollegen beschäftigte und der Vorsitzender der Krankenkasse des Vereins Münchener Berussjonvnaliften. war, ist im Alter von 72 Jahren > gestorben. — Anläßlich des Regierungsjubikäums des Königs von Württemberg wurde dem Bezirksrabbiner Dr. Stössel in Stuttgart das Wilhelmskreuz verliehen. — Dem „Berliner Tageblatt" wird aus München gemeldet: Der Kriegsminister empfing eine Abordnung der Münchener und Nürnberger jüdischen Gemeinden. Sie berichtete über die hochgradige Erregung, die die Anordnung der Judenzählnng sowie die Art ihrer Durchführung bei den Israeliten an der Front und in der Hermcvt hervorgerufen habe. Der Minister betonte, die Tendenz der Erlasse richte sich nicht gegen die Israeliten, sie wolle vielmehr den Anschuldigungen gegen dre jüdischen Heerespflichtigen entgegentreten. Der Minister stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß er bei den Soldaten keine Konfession, sondern nur die Pflichterfüllung kenne und würdige. Eine andere Auslegung und Anwendung des Erlasses werde er nicht nur im Interesse der Juden, sondern im allgemeinen vaterländischen Interesse nicht dulden. - Aus Straßburg i. E. wird geschrieben: Auf Grund der Kaiserlichen Verordnung vom 9. Oktober 1916, nach welcher während des Krieges statt durch Wahlen die Mitglieder der israelitischen Konsistorien durch den Herrn Statthalter zu berufen sind, wurden zu Mitgliedern des israelitischen Konsistoriums des Unterelsaß die bisherigen Mitglieder Justizrat Dr. G. Schmoll Straßburg) und Kaufmann Julius Kelin (Bischheim), ferner an Stelle eines Mitgliedes, dessen Mandat seit 30. April 1913 erloschen ist, Kommerzienrat Karl Kaufs mann (Straßburg) ernannt. Dem Konsistorium gehören außerdem an die Herren Oberrabbiner Dr. L e v h (Straßburg), Aron Weil (Straßburg) und Otto Adler (Straßburg). — Wie uns aus Kopenhagen mitgeteilt wird, betrugen die Spendeneingänge für den Jüdischen Nationalfonds im Oktober 48 466 Mark. Außerdem sind dem Jüdischen Nationalfonds zwei Vermächtnisse in Höhe von 40 000 Mark und 5000 Mark zugefallen, deren Realisierung nach einiger Zeit erfolgen wird. — Die „Wiener Jüdische Zeitung" beschwert sich sehr darüber, daß Dr. Mannes aus New Pork^ der als Delegierter des amerikanischen Hilfskomitees in Wien weilte, dort nur einige Stunden zubrachte, ohne daß er dabei Gelegenheit nahm, sich über die Notlage der zahlreichen aalizischen Juden durch Augenschein zu überzeugen. Deshalb appelliert das Blatt an die maßgebenden Vertreter der Judenschaft Amerikas, daß sie mehr Verständnis zeige für die schwere und ernste Lage der jüdischen Voltsmanen. - Auf eine Anfrage im englischen Parlament bat der Minister des Innern Mr. Sam u el geantwortet, daß sich in England 31 500 Männer im militärischen Alter befinden, die aus Rußland stammen. -. Das Zentralkomitee der Alliance Jsravlite Universelle in Baris bat in seiner Sitzung vom 4. Oktober monatlich 1400 Francs für Lebcnsmittelsendungen an jüdischrussische Gefangene in Deutschland bewilligt. -- Tr. Jakob Parnas, Dozent an der Universität Straßbnrg und langjähriger Assistent des Professors Hofmeister, wurde zum Professor der physiologischen Chemie an der Universität Warschau ernannt. Dr. Parnas ist 1884 in Galizien geboren. - Die Nnabhängigkeitsaruppe der jüdischen Jugend in Polen veröffentlicht einen A u f r u f, in dem die jüdische Jugend aufgefordert wird, ins polnische Heer einzutreten und sich dadurch dankbar zu erweisen für die tolerante Behandlung, deren sich die Juden in Polen stets zu erfreuen hatten. — Unter dem Titel „Jewiih Emancipation Bulletin" werden in New?)ork Dokumente und Nachrichten über die Lage der unterdrückten Juden (kteports and notice« cm the condition of the oppressed Jevvs) systematisch veröffentlicht. Tie gesammelten Dokumente beziehen sich hauptsächlich auf die Bedrückung der russischen und rumänischen Juhen. Als Manuskript gedruckt, wie diese Bulletins, ist auch eine kleine Schrift in New Port erschienen, die das Thema „Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland und die Judenfrage" behandelt. Der Verband de r rumänischen Jude n und die Liga d c r I uden aus R u m ä n i e n berieten in New Jork über die Lage der Juden Rumäniens. Es wurde beschlossen, ein Emigrationsbureau zu schaffen, um die Auswanderung der rumänischen Juden nach Amerika zu fördern und zu regeln. Verantwort icher Redakteur: Albert Katz ln Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Inn ge. Berlin-Friedenan. Druü nnd Verlag von Rudolf Masse.

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