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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-24 · Heft 47 (24.11.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 47 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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hat dieses Amt mit unermüdlichem Eifer und nie versagender Treue wahrgenommen. Neben seinem Berufe fand er Zeit, sich aus sanitärem Gebiete erfolgreich zu betätigen, insbesondere war er auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung ein unerlnüdlicher und begeisterter Vorkämpfer. — Frau Rosalinde K a n toro w i c z geb. Pauly war Mitglied des Vorstandes des Franenvereins „Volkswohl". Ihr warmes Herz, verbunden mit echt künstlerischem Empfinden, ermöglichte es der Entschlafenen, die dem Verein gestellten Aufgaben in dankenswerter Weise fördern zu Helsen. Namens der Aerzteschaft und gleichzeitig im Aufträge des Obergeneralarztes Dr. Rochis, als Vertreter der Aerztekammer und des Medizinalk-ollegiumS, des Ministeriums und der einschlägigen Königlichen Behörden, sprach Geheimrat Dr. W e r n i ck e. Warme Dankesworte widmete schließlich noch der Chefarzt des Posener Stadtkrankenhanses Professor Dr. R i ch t e r. Frau Berggruen-Krist e l l e r trug als Abschluß der weihevollen Stunde noch die Arie: „Weinet nicht!" vor, worauf die irdischen Hüllen der Heimgegangenen nebeneinander beigesetzt wurden. E. M. Hamburg, 17. November. Zwei Iahre Kriegsarbeit überschreibt die Kommission für das Wohlfahrtswesen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde einen Tätigkeitsbericht über die Zeit bis zum September 1916. Wir entnehmen den interessanten Ausführungen nachstehendes Material: Tie Wohlfahrtskommission hat in Zusammenarbeit mit der allgemeinen Hamburgischen Kriegshilfe ihre Wirksamkeit vor allem denjenigen zugewendet, deren Ernährer im Felde stand, um diese Familien nach Möglichkeit von der Armenpflege fernzuhalten. Die Arbeit der Kommission leitet ein Arbeitsausschuß, an dessen Spitze ein Mitglied des Gemeindevorstandes steht. Dem Verkehr mit den Hilfesuchenden dient ein eigenes Bureau im Gemeindehause. Es bestehen Sonderausschüsse für Miete, Lebensmittel, Bekleidung, Gesundheitspflege und Arbeitsnachweis. Zur Beschaffung der Mittel wurde ein Finanzausschuß gebildet, der 250 000 Mark aufbrachte, von denen 200 000 Mark bereits verausgabt sind. Der E r m i t t e l u n g s a u s s ch u ß greift in allen Fällen augenblicklicher Not ein: er hat bis jetzt rund 600 Fälle bearbeitet. Der Mietea u s s ch u ß prüfte 800 Fälle, von denen 700 Fälle, die eine Mieteforderung von etwa 200 000 Mark darstellen, erledigt werden konnten. Die L e b e n s m i t t e l a b t e i l u u g verteilt allwöchentlich Nahrungsmittel an die Bedürftigen durch ehrenamtlich tätige Damen und Herren; bisher wurden 14196 Erwachsene und 5818 Kinder mit Lebensmitteln versorgt. Zu den Feiertagen erhielten die Schützlingsfamilien noch besondere Zuwendungen wie Mazzoth linb österliche Lebensmittel. Aus Kosten der Wohlsahrtskommission wurden in den Küchen des Israelitischen Humanitären Franenvereins 1800 Personen monatlich beköstigt: in den Jüdischen Abendküchen, die von der Wohlfahrtskommission subventioniert wurden, wurden bisher 25 600 Portionen warmes Abendessen zu billigen Preisen verabfolgt. Die Gesamtausgaben der Lebensmittelkoinmission betrugen 60 000 Mark. Die Abteilung für Gesundheitspflege hat in zahlreichen Fällen ärztliche Hilfe geboten, ihre Haupttätigkeit galt jedoch den in den Hamburger Lazaretten befindlichen jüdischen Kriegsverwundeten. Der B e k l e i d u n g s a u s s ch u ß hat 850 Männer, Frauen und Kinder mit Kleidungsstücken versehen. Mit Hilfe anderer Organisationen wurden zu Chanukah 1914 849, im folgenden Jahre 259 Kinder beschenkt. Sehr segensreich wirkte die Abteilung für Arbeitsn a ch w e i s. Sie errichtete eine Strohflechterei, eine Bohnensortierstelle und eine Werkstätte für Tornister und Patronentaschen; gemeinsam mit dem Jüdischen Verein für Arbeitsnachweis und dem Israelitisch-Humanitären Frauenverein wurde eine Kriegsnähstube eingerichtet, die 835 Frauen Arbeitsgelegenheit gab. Schließlich wurden noch zur Ausrechterhaltung von Existenzen 60 000 Mark in Form von Darlehen gegeben. Bei allen ihren Unternehmungen hatte sich die Wohlfahrtskommission der Deutsch-Israelitischen Gemeinde der tätigen Unterstützung der Staatsbehörden und der „Hämburgischen Kriegs- Hilfe" zu erfreuen: auch mit den lokalen jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen wurde Hand in Hand gearbeitet. — Bad Elster, 17. November. In Nr. 179 des „Obervogtländischen Anzeigers" wettert Herr Schuldirektor Vorwerk in Elster gegen die orientalischen „Fremdlinge", die zu allen ihren bisherigen Schandtaten nun auch noch das Verbrechen begehen, in dieser Zeit der Knappheit aller Lebensmittel den braven Deutschen die besten und fettesten Bissen wegzuessen. Er erhebt in dem Blatt Protest dagegen, daß die reichen Leute Winterkurbüder besuchen, wo sie nicht - - bisher wenigstens -- der Rationierung der Lebensrnittel unterliegen. Wörtlich schreibt er, um daS Bad Elster vor einer Ueberflntung dieser orientalischen Genüßlinge zu schützen: „Wir wollen im oberen Vogtlande das Wenige, was zu haben ist, uns nicht noch weiter verteuern und wegessen lassen, die reichen Leute der großen Städte, die uns vielleicht durch ungeheure Kriegsgewinne ansgewnchert haben, meist nicht unserer Rässeangehören, nicht noch während des Winters auf unsere Kosten durchfüttern." — Diese Sprache nimmt sich in der Zeit des Burgfriedens, namentlich von einem Jugendbildner, besonders schön ans. LXD Bielefeld, 17. November. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Vaterländischen Frauenvereins veranstaltete am 11. d. M. der hiesige Zweigverein eine herrlich verlaufene Gedenkfeier. Nach einem auf die Bedeutung des Tages hinweisenden Begrüßungsgedicht unserer westfälischen Dichterin Johanna B a l tz, das von der Hilssschwester Gertrud C r u w e l l mit warmer Empfindung gesprochen wurde, gab die Vorsitzende, Frau Oberbürgermeister Stavenhorst, von hoher Warte aus ein umfassendes Bild aus der vielseitigen Tätigkeit des Vereins, zeigte, welch gewaltiger Baum aus dem kleinen Pflänzling geworden ist, wie aber trotz allem, was geschaffen ist und was heute geleistet wird, die Fülle der Aufgaben für den Verein noch unendlich sei. Mehr in die Friedensarbeit führte der Bericht von Fräulein Hammerschmidt über die Entsendung kränklicher Kinder in Heilstätten: eine Arbeit des Bielefelder Vereins, die dank der hochherzigen Stiftung des Herrn Kommerzienrat Hammerschmidl, eines Bruders der Vortragenden, seit langen Jahren zum Segen unseres Heranwachsenden Geschlechts getrieben werden kann. Frau Dr. C o b l e n z, die als dritte der Vorstandsdamen das Wort ergriff, gab in überaus klarer Weise eine umfassende Uebersicht über die Kriegswitwen- und -Waisenpflege, über das, was aus diesem Gebiet schon geschieht, und das, was noch seitens des Staates, der Gemeinden und der persönlichen Fürsorgetätigkeit geschehen muß, diese schwere Ausgabe und heilige Pflicht sozialer ausgleichender Gerechtigkeit zu erfüllen: Aufgaben, die nur durch den Zusammenschluß aller Kräfte gelöst werden können. In dankbarem Hinblick aus das, was in unserer Stadt durch die dem Vaterländischen Frauenverein überwiesene Oetker-Stistung, ferner durch die Dieterle- und Paderstein-Stistung schon geschehen ist, ließ die Rednerin ihre warmherzigen Ausführungen auskluigen in der Mahnung, mitznhelsen an der Erfüllung dieser Aufgaben. Nicht besser als durch treue Fürsorge an den Hinterbliebenen könne das Andenken unserer gefallenen Helden geehrt werden. — Es war eine Fülle geistiger Anregung, die der Versammlung in diesen Reden geboten wurde. J. A. Nürnberg, 17. November. Am 9. d. M. wurde Herr Privatier Salomon Rau, dessen vorbildlicher Tätigkeit im Interesse der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen hier schon öfters gedacht wurde, über 90 Jahre alt, zu Grabe getragen. Der Gemeindevorstand sowie die Vorstände der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine folgten dem Sarge des allverehrten Mannes. Herr Rabbiner Dr. Freudent h al hob mit trefflichen Worten hervor, in welch unermüdlicher Weise Salomon Rau seine Kraft und sein Wissen in den Dienst des Judentums und der hiesigen gemeindlichen Einrichtungen gestellt hat. Mehr als ein Bierteljahrhundert hat der Verblichene den Israelitischen Wohltätigkeitsverein in mustergültiger Weise geleitet und hat den Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Nürnberg ins Leben gerufen. Beide Vereine ernannten ihn bei feinem Ausscheiden aus dem Amt zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Er war auch derjenige, der die Bedeutung von jüdischen Krankenpflegerinnen richtig erkannte, und hatte die Freude, daß das Schwesterninstitut sich hier zu großer Bedeutung entwickelte. Auch die Kassengeschäfte der Alliance israelite hat der unermüdlich tätige Mann bis zum hohen Greisenalter mit großer Sorgfalt verwaltet. Bei zahlreichen Familienfesten, wie an seinem 70., 80., und 90. Geburtstage, sonne bei der Feier seiner goldenen und diamantenen Hochzeit durste Salomon Rau die Beweise der größten Verehrung von seiten der hiesigen Gemeinde entgegennehmen. Die Gefühle dankbarer Verehrung werden ihm treu bleiben, auch wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt. Er wird sortleben als Vorbild eines treuen itnb unentwegten Arbeiters für das Judentum und für jüdische Wohlfahrtspflege. — Frrlda, 17. November. Der Vorstand der Shnagogengemeinde zu Langenselbold hatte den Kaufmann H. für die Jahre 1915 bis 1917 im Hinblick auf die Vorschriften des Gesetzes vom 29. Oktober 1833 zur israelitischen Klassensteuer herum

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