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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-24 · Heft 47 (24.11.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 47 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 47 Berlin, 24. November 1916 > Vetlagt zur „SMgemtlnen Leitung de- Judentum-". SorrrlpondmMN und Kschrichtrn. SmtWsnL %%% Berlin, 21. Mvember. Die B-e rliner Jüdische G e - m e i n d e hat einen äußerst schmerzlichen, fast unersetzlichen Verlust zu beklagen. Der Gemeindeältestestellvertreter Herr Willibald L o e w e nt h a l ist am 18. d. M. plötzlich verschieden. Er befand sich, nach einem kurzen Aufenthalt bei seiner Tochter in Wien, auf einer Reise zum Besuche von Verwandten in Budapest, erkrankte aber unterwegs im Eisenbahnzuge und wurde im bewußtlosen Zustande nach Budapest in ein Krankenhaus gebracht, wo er, ohne die Besinnung wieder zu erlangen, am vergangenen Sabbat morgens verstarb. Mit ihm ist einer der tätigsten, edelsten und populärsten Männer der Berliner Judenheit von hinnen gegangen. Neben den nächsten Angehörigen trauern um den Verstorbenen ein großer Kreis von Bekannten und Freunden, viele Arme und Bedürftige, denen er ein treuer Helfer in der Not war, sowie zahlreiche Vereine und Mohlfahrtseinrichtungen, in deren Mitte er seit einer Reihe von Jahren hervorragend gewirkt hat. Wir behalten uns vor, das segensreiche Leben und Schaffen dieses um das Judentum wie die Allgemeinheit hochverdienten, nun für immer von uns geschiedenen Mannes in einem besonderen Artikel gebührend zu würdigen. E. M. Berlin, 21. November. Die als Mittelpunkt der Berliner öffentlichen und Privater jüdischen- Wohlfahrtspflege und Wohltätige keit begründete Zentral st elle für die Wohltätigkeitsan st alten der Berliner Jüdischen Gemeinde hat in ihrem letzten Geschäftsjahre sehr befriedigt gearbeitet. Es darf mit besonderer Genugtuung vermerkt werden, daß die Zahl der Anfragerl nach den Personalien von Bittstellern, die zum erstenmal um eine Beihilfe einkamen, gegen das Vorjahr nicht unerheblich abgenommen hat, ein Umstand, der wohl durch die Wiederkehr ruhigerer Verhält-! nisse im Handel und Gewerbe bedingt wird. Trotzdem wurden an die! Auskunftei der Zentralstelle noch 32 796 Anfragen gerichtet, und mit 30 886 Berichten über die Erledigung von Unterstützungsgesuchen wurde die Kartothek vervollständigt. Während das erste Kriegsjahr eine Vermehrung des Kartenmaterials um 3161 Gesuche von Personen brachte, die erstmalig um eine Unterstützung einkamen und deshalb in den Karten der Zentralstelle nicht verzeichnet waren, sind im zweiten Kriegsjahr nur 2017 Erstgesuche zu verzeichnen. Die Zahl der vorhandenen Kartenblätter beträgt jetzt 31299 Stück. Die Sonderäbteilung für Studierende, Künstler und Seminaristen umfaßt 850 Blätter. Sie erteilte 'im letzten Jahre 78 Arvskünfte rm>d verzeichnete 94 Berichte. Die Zahl der angeschlossenen Vereine ist auf 99 gestiegen, doch bleibt die Wirksamkeit der Zentralstelle nicht auf diese Organisationen beschränkt; sie steht vielmehr auch in engster! Fühlung mit der Zentralstelle für private Fürsorge in Berlin, ' Wilmersdorf und Schöneberg, mit den städtischen Stiftungsdeputationen, dem Bureau der Aeltesten der Kaufmannschaft und zahlreichen anderen Organisationen und Privatpersonen. Die Zentralstelle ist zum Mittelpunkt der Berliner jüdischen Wohltätigkeits- und Wohlfahrtspflege geworden, die niemand, der in der sozialen Arbeit steht, vermissen möchte. iA. Berlin, 21. November. Die -auf Grund des Beschlusses der Tagung deutscher Juden am 12. Dezember 1915 zu Berlin ins Leben gerufene Den tsch-Js ra el i t-isch- Osmani sche Un io n hat sich bekanntlich die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Juden und Osma-uen, die Verbreitung des Verständnisses für die Türkei sowie die Erleichterung der Nieder- - lassung von Juden -auf türkischem Gebiet im Anschluß >andie Landbevölkerung und im Rahmen der osman-ischen Staatsidee zum Zweck gesetzt. Nachdem bereits im ersten Halbjahre ihres Bestehens in verschiedenen Gegenden Deutschlands Ortsgruppen' der D. I. O. U. entstanden waren, macht der Ausbau der Organisation nunmehr seit Herbst 1916 bemerkenswerte Fortschritte. So fand am 10. Oktober nn Saale der Repräsentanten versammluu'g der Jüdischen Gemeinde zu Breslau unter dem Vorsitze des Präsidenten der Breslauer T ta dt der o r dnete n ve r samml i mg, Jnstizrat Dr. Heilberg., eine Konferenz von Vertretern der jüdischen Gemein-! den Schlesiens statt, welche die Bildung von- O x t s g r u p P e n sowie eines schiefischen Landeskomitees der D. I. O. U. beschloß. Diesem Komitee sind die Gemeindevorsitzenden und Rabbiner sowie die übrigen angesehensten Mitglieder der schlesischen Gemeinden beigetreten. Es wurde zunächst eine Werbeaktion -durch Verfon-dung eines Aufrufes ins Auge gefaßt. Am 29. Oktober wurde in Stuttgart von dem dortigen Ortskomibee der D. I. O. U. unter dem Vorsitz des Oberkirchenrats Dr. Krön er eine Versammlung veranstaltet, der auch Vertreter anderer württenrbergischer Gemeiirden beiwohnten-. Nach Anhörung von Referaten wurde ein Landeskomitee der D. I. O. U. für Württemberg ms Leben gerufen. Im Anschluß an diese Veranstaltung wurde für den 12. November in H eilb r o n n eine Versammlung mit Rechtsanwalt Dr. Gumbel -als Referenten anberaumt zum Zweck der Gründung einer Ortsgruppe der D. I. O. U. Arvch i>u den übrigen- Gemeinden Württembergs wird -die Bildung von Ortsgruppen vorbereitet. In Esse n wurde unter dem Vorsitze -des Rechtsanwalts Dr. A b e l anr 31. Oktober -eine besonders zahlreich besuchte Versammlung abgeh-alten, die eine Ortsgruppe ins Leben ries. Des weiteren fanden am 1. November im Sitzungssaal der Synagogengemeinde von Düsseldorf unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten» S-anitätsrat Dr. Meyer, am 2. November im Repväfientantenfaal -der Gemeinde von Aachen unter dem Vorsitz dos Kgl. Schulinfpektors Rabb. Dr. I -a u l u s, am 5. November in. der. Rheinland-Loge zu K ö l n a. Rh. unter dem Vorsitz des Justizrats Dr. Cal l mann Konferenzen der namhaftesten Mitglieder der betreffenden Gemeinden statt, w.elche die Bildung von Ortsgruppen und die baldige Ver-anstaliu'Ng von öffentlichen Werbeversammlungenbeschlossen. Eine solche fand -am 6. November unter dem Bor-sitz von Justizrat Wal lach in Duisburg statt. In den oben angeführten Gemeinden wird die Bildung eines Rheinlä n d i s che n P r o v inz i al - B e r b-a nd-e s der D. I. O. U. vorbereitet. Ueberall wird -auch die Werbung von Mitgliedern und die Zeichnung von- Spenden für den Fonds der D. I. O. U. in die Wege geleitet. Als Vertreter der Zentrale der D. I. O. U. und Referenten beteiligtensich an den -letzte Versammlungen, teils genrei'nf-am, teils einzeln, Kommerzienrat Ger so n S im on, Dr. A lf r e -d N o s s i g und Baumeister Martin F l a t o w. Die lei-tenden Ideen der D. I. O. U. fanden überall Verständnis und Beifall. In einer Reihe von Gemeinden sind die früheren Ortsgruppe n de r D e u t scheu Ko n-fer en zgem ein sch-aft der „Alli ance I s r a e l i t e Universelle" der D. I. O. U. beigetret-en. W. Posen, 17. November. Ein großes Trauergefolge erwies dem entschlafenen Geheimen Sanitätsrat Dr. Josef Paulh und seiner ebenfalls dahingegangenen Schwester, Frau Rosalinde Kantorowicz, die wenige Tage zuvor gestorben war, die letzten Ehren. Unter dem Trauerzuge, der sich vom Sterbehause nach dem israelitischen Friedhofe zu bewegte, sah man u. a. die wenigen noch vorhandenen Mitglieder des Vereins der Ritter des Eisernen Kreuzes von 1870/71. Es folgten Ratsboten mit mächtigen Kränzen als äußeres Zeichen der dankbaren Verehrung der Stadt Posen für den bewährten Chefarzt und Menschenfreund. Besonders zahlreich war im Trauergefolge die Aerzteschaft Posens vertreten, an ihrer Spitze Generalarzt Geheimer Medizinalr-at Dr. W e r n i ck e. Dem aus reichem Wirken abberusenen Geschwisterpaar widmete Gemeinderäbbiner Professor Dr. Bloch eine tief ergreifende Gedenkrede, in der er auch der hervorragenden geistigen Gaben gedachte, die die Geschwister ausz-eichneten, und denen sich bei beiden ein edles Menschentum segensreich verband, von dem eine seltene Fülle des Wohltuns ausging. Was sie im Dienste der sozialen Fürsorge allezeit hingebend geleistet haben, wird ihnen unvergessen bleiben. — Dr. Pan ly war von 1880 bis 1904 Mitglied der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde und hat als solches mit regem Interesse feines Amtes gewaltet. — Der Verein der Aerzte des Regierungsbezirks Posen rühmt in dem Entschlafenen einen Mann von tiefer wissenschaftlicher Bildung, von edler menschenfreundlicher Gesinnung und treuer unermüdlicher Hingebung an seinen ärztlichen- Beruf. Ter Magistrat der Residenzstadt Posen erwähnt in seinen: Nachrufe: Der Verstorbene, der von 1884 bis 1907 leitender Arzt im Stadtkrankenhause zu Posen war,

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