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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-24 · Heft 47 (24.11.1916) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 47 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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558 demonstrierte Lang zu wiederholten Malen in der k. k. Gesellschaft der Aerzte, in anderen wissenschaftlichen medizinischen Vereinen und erregte die Bewunderung der Kollegen. ,Hn einzelnen Fällen bedeuten die Erfolge geradezu Meisterstücke der operativen Kunst" (Mucha). Aus dem Internationalen Medizinischen Kongreß in Paris 1900 stellte Lang vor einem Parkett der berühmtesten Aerzte der Welt elf von ihm auf operativem Wege seit Jahren mit hübschem kosmetischen und funktionellen Erfolg geheilte Lupuskranke vor. Allgemeine Anerkennung und Bewunderung der zahlreich versammelten Kongreßmitglieder folgten der Demonstration, — sie hatten die Ueberzeugung gewonnen, daß der bisher als unheilbar gegoltene Lupus radikal geheilt werden kann. Gleichzeitig stellte Finsen (Kopenhagen) von ihm durch die „Lichtbehandlung" geheilte Lupuskranke vor. Sofort nach der Rückkehr aus Paris bemühte sich Lang, aus feiner Abteilung auch die Behandlung nach Finsen einzurichten, was ihm 1901 gelang. Der Tuberkulofenkongreß in Berlin 1910 gab der Bewunderung für die Tätigkeit Längs dadurch Ausdruck, daß Lang zum Vorsitzenden gewählt wurde. Bei der stets wachsenden Zahl der Heilung suchenden Lupuskranken, angeregt durch die zutage getretenen, bekanntgewordenen radikalen Heilungen, erschien es Lang dringend notwendig, eine besondere Heilstätte für Lupuskranke zu schaffen, eine Anstalt, in welcher alle für die Behandlung des Lupus in Betracht kommenden Methoden zur Uebung gelangen sollten. 1902 war er in Kopenhagen, um das Institut Finsen ju studieren. Lang verstand es, durch Demonstrationsvvrträge das Interesse hoher und höchster Kreise für seine Idee zu gewinnen. An ihre Spitze stellte sich der Kaiser mit einem Betrage von 10 000 Kronen zur Errichtung einer „Heilstätte für Lupuskranke". Erzherzog Otto und nach dessen Tode Erzherzogin Maria Josefa übernahm das Protektorat der Stiftung und Fürst Egon zu Fürstenberg das Präsidium des Kuratoriums, welchem Ministerpräsident v. Korber, die Minister des Kultus und Unterrichts v. Härtel, der Finanzen Böhm-Bawerk, der Statthalter Baron Kielmannsegg u. a. unmittelbar oder mittelbar sich anschlossen. Es dauerte nicht lange, bis die von Lang geforderte Summe von 300 000 Kronen beisammen war, und die provisorische Heilstätte wurde vorläufig als Pavillon und Baracke errichtet und 1904 eröffnet, ausgestattet mit allen, auch den modernsten Behelfen zur Heilung des Lupus. Diese Anstalt erfreute sich des Besuches nicht nur von Aerzten aller Kulturländer, welche gekommen waren, um zu lernen, sondern auch von illustren Laien, so u. a. des Kronprinzen von Dänemark. Auch Anerkennungs- und Aufmunterungsschreiben, u. a. ein eigenhändig geschriebener Brief der Herzogin von Cumberland, kamen in großer Zahl. Der große Andrang von Lupuskranken zur Heilstätte zeitigte bald den Gedanken, einen großen definitiven Bau auszusühren, und auch das hat Lang durch intensive, anregende Tätigkeit zustande gebracht. Er persönlich, obwohl der Spiritus reetor des großen Werkes, stand stets bescheiden hinter den Förderern und überließ gern anderen den Ruhm des erreichten Zieles. Und so wurden neue Kräfte geworben, neuerdings Kapitalien bis zur Höhe von mehr als einer Million Kronen herbeigeschafft. Die neue Heilstätte, ein Prachtbau in der Finsenstraße, wurde am 19. Juni 1914 eröffnet, auch das Lupusheim, eine Stätte für jene Lupuskranken, welche aus der Fremde kommen, ambulatorisch behandelt werden, aber nicht die Mittel besitzen, für ihren Unterhalt hier auszukvmmen. In Liebe, mit Verständnis und nimmer ermüdendem Eifer wurde Lang in seinem Streben und Wirken von seiner Gattin Frau Ernestine Lang tatkräftig unterstützt. Es war eine harmonische, glückliche Ehe und währte von 1877 bis zu Längs Tode. Mit wenig Wohlwollen — ich gebrauche den mildesten Ausdruck — verfolgten die nächsten Fachkollegen Längs dessen von reinstem Humanitätsgefühl getragenes Streben und Wirken. Um so erfreulicher aber war für Lang die von besserem Verständnis diktierte intensive, reichste Förderung und Unterstützung seines Projektes durch die höchsten und hohen Behörden, durch das Reich, das Land und die Gemeinde. Um der stets wachsenden Arbeit für die Lupusheilstätte und das Lupusheim gerecht zu werden, ließ sich Lang nach öOjähriger Dienstzeit als Primararzt pensionieren. Aber desto intensiver arbeitete er für die oben genannten Anstalten. Trotzdem seine Gesundheit schon länger als ein Jahr ins Wanken geraten war, erlahmte seine bewunderungswürdige Arbeitskraft erst wenige Tage vor seinem Tode. Am 13. Juli 1916 wurde Lang zu Grabe getragen. In einem Kodizill hatte er sich Grabreden verbeten. Selbstbewußt, aber bescheiden, so lebte er! auch nach seinem Tode wollte er in Bescheidenheit bleiben. Nur Rabbiner Dr. Bach hielt einen würdigen Nachruf. Die Leichenhalle konnte kaum die große Zahl der Freunde und Verehrer Längs fassen. Universitätspcofesforen mit dem Dekan Professor Tandler und dem Pedell an der Spitze, Fürst Max Egon zu Fürstenberg und Regierungsrat Dr. Adolf v. Bachrach, Fürstin Fürstenberg-Schönborn in Vertretung der Stiftung „Heilstätte für Lupuskranke", gemeinsamer Finanzminister Fr. v. Körber, Finanzminister Dr. R. v. Leth mit Gemahlin, Vertreter der Unterrichtsverwaltung, der Statthalterei, die Hosrüte und Professoren Weichselbaum, Siegln. Exner und Schaula, Professor Ehrmann, Koenigstein und Großmann usw. usw. — wer zählt die Namen? — und Abordnungen des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, Abordnungen der Pflegerinnen und Kranken der Lupusheilstätte, die Direktoren der Krankenhäuser. — Lang war ein schöner, wohlgestalteter, kräftiger, harmonisch gebauter Man, sein Auge freundlich, aber scharf blickend; sein üppiges Haar, in der Jugend dunkelbraun, wurde schon in frühen Jahren weiß. Im Verkehr sprach er bedächtig, langsam, im Vortrag fließend, überzeugend. An Auszeichnungen fehlte es Lang nicht: er war k. k. Hofrat, Ritter des Ordens der Eisernen Krone 3. Klasse, Kommandeur des Königl. Dänischen Danebrogordens, Inhaber des Königl. Preußischen Kronenordens 2. Klasse, der Goldenen Medaille, ivelche ihm der Internationale Tuberkulofenkongreß in Washington zuerkannte. Daß Lang teils Ehrenmitglied, teils Mitglied vieler in- und ausländischer gelehrten Gesellschaften war, braucht nicht ausdrücklich erwähnt zu werden. Daß Professor Lang von seinen Patienten, namentlich in der Heilstätte, zärtlich, kindlich geliebt wurde, dafür mögen die Verse sprechen, welche dankbare Patienten unter das wohlgetroffene Porträt des Professors Lang gesetzt, das sie ihrem Wohltäter gespendet und welches in einem Saale der Heilstätte hängt: „Fern von dem Lärm des Marktes, Nicht geizend nach billigem Lorbeer, Uebst du mit heiligem Ernst, still, was Das Herz dir gebeut. Die dein Wissen geheilt, deine Kunst dem Leben gewonnen, Segnen im heißen Gebet deine erlösende Tat."

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