Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- Seite 557 (sequence 5)
- Language
- German
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557 ausgezeichneten Präpariergeschicklichkeit von Hurtl zu anatomischen Arbeiten für daS Museum verwendet. Ebenso hat sich Lang im physiologischen Laboratorium Professor Brückers zur vollen Zufriedenheit dieses Gelehrten betätigt. Die engeren Studiengenossen Längs kannten sein hervorragendes Wissen, obwohl er mit demselben niemals prahlte, sondern stets bescheiden im Hintergrund blieb. Er gab den Assistenten der Arltschen Augenklinik Privatissima über physiologische Optik — ihn selbst aber wollte Arlt nicht zum Assistenten nehmen, weil er — Jude war, so Arlt selbst. In das 1865 eröffnete Rudolf-Spital trat Lang als Sekundararzt ein, wurde 1886 als Choleraarzt nach mehreren Orten Niederösterreichs geschickt und erhielt für sein Wirken dortselbst von der k. k. Regierung belobende Anerkennung. Nachdem Vater Lang seinem Sohne jegliche Unterstützung entzogen hatte, „weil ein Doktor sich selbst helfen müßte"', übernahm dieser die Stelle eines Fabrikarztes in Marienthal (Niederösterreich) und blieb daselbst zwei Jahre, bis er die Mittel erübrigte, sich seinen weiteren Studien, seiner Ausbildung widmen zu können. So konnte er ohne Nahrungssorgen bei Billroth 1869 als Operateur eintreten, dessen Lieblingsschüler er wurde. Als der Professor der Chirurgie in Innsbruck, Heine, sich an Billroth mit dem Ersuchen wandte, ihm einen Assistenten für seine Klinik zu empfehlen, empfahl Billroth Eduard Lang; aber erst, nachdem ihm Heine die Zusicherung gegeben hatte, daß die Konfession des Empfohlenen ihm in Tirols Hauptstadt keine Unannehmlichkeiten bereiten werde, ließ er ihn ziehen. 1870 bis 1873 blieb er in dieser Stellung, habilitierte sich als Dozent 1871 und wurde zum Extraordinarius für Syphilis und Dermatologie 1873 ernannt. Wie sehr Lang es verstanden hat, sich die Liebe und Achtung seiner Mitbürger zu erwerben und zu erhalten, zeigt seine Wahl zumGemeinderat Innsbrucks, als welcher er von 1880 bis 1883 zum Wohle der Stadt und des Krankenhauses wirkte. Zum Studium der Lepra besuchte Lang im Aufträge und von der Regierung subventioniert Norwegen, namentlich Bergen. Ein reiches wissenschaftliches Resultat war die Frucht dieser. Reise. Der Fleiß und die Arbeitskraft Längs waren bewundernswürdig. Als Leiter seiner Klinik und als Lehrer vollauf beschäftigt, arbeitete er intensiv wissenschaftlich. Früchte dieser Arbeiten sind in unvergänglichen Werken niedergelegt. Längs Lehrbücher wurden in allen Kulturländern ihrem Werte nach geschätzt, und sind Ausgaben in fremden Sprachen — Englisch, Spanisch, Russisch, Italienisch — wiederholt erschienen. *ft* Die Unterrichtsbehörde hat, den Verdiensten Längs Rechnung tragend, ihm, obwohl in Oesterreich der Jüngste seines Faches und an der kleinsten Universität wirkend, als Ersten seines Faches Titel und Charakter eines ordentlichen Universitätsprofessors verliehen (1886). Der Wirkungskreis an der kleinen Universität Innsbruck erschien dem weit ausblickenden Manne endlich zu klein, er sehnte sich nach einem großen Arbeitsfelde und bewarb sich um eine im Wiener Allgemeinen Krankenhaus frei gewordene Stelle eines Primararztes der Abteilung für Geschlechtskrankheiten. Das Dekanat der Universität Innsbruck begleitete das Gesuch unter anderem mit einigen sehr ehrenvollen Sätzen. Wie als selbstverständlich vorauszusehen war, wurde Lang die Stelle eines k. k. Primararztes im Wiener Allgemeinen Krankenhause verliehen, 1. November 1887. Ganz anders als die Innsbrucker Fakultät stellte sich die Wiener. Man sollte wohl denken, daß einem ordentlichen Universitätsprofessor einer österreichischen Universität, überdies einem anerkannten, im Jn- und Auslande hochgeschätzten Manne, welcher überdies durch Veröffentlichung gediegener Werke ein vollgültiges Zeugnis für seine Führerschaft in seinem Spezialsache dargelegt hat, die venia legendi an einer anderen österreichischen Universität ohne weiteres, auf seinen Wunsch, erteilt werde. In der Regel geschieht es so. Dem Professor Lang aber wurde zugemutet, er möge vorerst alle Bedingungen erfüllen, welchen sich jeder andere unterwerfen muß, der um eine Dozentur einkommt: Vorlegen von Arbeiten, Kolloquium, Probevortrag! Längs Abteilung im Wiener- Allgemeinen Krankenhause wurde bald als eine Musterabteilung geschätzt. Streng gegen sich selbst, hielt er ebenso auf genaueste Pflichterfüllung bei seinen Sekundarärzten, auf Disziplin bei dem Pflegepersonal und wohlwollendes, humanes Benehmen gegenüber den Kranken. Und nun beginnt Lang, trotzdem seine Abteilung ihn vollauf in Anspruch nahm, seine intensive Tätigkeit zur Verbesierung des Loses der Unglücksmenschen, welche von der schrecklichsten Hauterkrankung: Lupus — fressende Flechte — heimgesucht waren: einer Krankheit, welche nicht das Leben verkürzt, aber, da sie mit großer Vorliebe Gesicht und Hände befällt, die von ihr Befallenen furchtbar entstellt, gesellschaftlich unmöglich und erwerbsunfähig macht; einer Krankheit, die vorzüglich die arme Bevölkerung sich als Opfer aussucht. Lang inaugurierte 1892 eine radikale Behandlung und Heilung des Lupus, Entfernung der kranken Partien und Ersetzung des Substanzverlustes mit gesunder Haut — operativ-plastisches Verfahren. Die Resultate der neuen, radikalen Behandlung 4r.