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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-17 · Heft 46 (17.11.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 46 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Schützlingen ohne-weiteres weitergeben, daß sie vielmehr, wenn das auch eine große Arbeitstast bedeutet,, sich - wie es manche Organisationen, z. B. die „Zentrale für Private Fürsorge E.V." und andere — schon seit Jahren tun, genau die Bedürfnisse ihrer Schützlinge notieren, sie die Bezugsscheine beschaffen lassen und daraufhin versuchen, ihnen auf Grund der ihnen von Kausteuten und Privatpersonen zufließenden Geldmittel die notwendigsten Gegenstände zu beschaffen. Freilich wird dies bei Web- und Wirkwaren nicht immer möglich sein, da es an zahlreichen Gegenständen völlig fehlt. ### Berlin, 14. November. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kriegsfreiwilliger Dizelvachtnwister Ludwig Groß, Feldwebel Paul London, Beamter der Jüdischen Gemeinde, Grenadier Erich Falk, Unterarzt I. B l u m e n t h a l, Vizefeldwebel Bernhard Saalfeld, Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Curt Lindenberg, Kriegsfreiwilliger Wilhelm Stern (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Gefreiter Hans Prager (Thorn), Musketier Paul P rodet (Krotoschin), Landsturmmann Arthur M a n n h e i m e r (Hamburg), Unteroffizier Felix B e i f u ß (Frankfurt a. M.), Unteroffizier Albert Droppenheim (Posen), Oberjüger Wilhelm F r e u d e n t h a l (Dresden), Stabs- und Regimentsarzt Tr. Bauchwitz (Schwiebus), Kanonier Fritz Herz (Limburg), Musketier Karl Seelig (Minden i. W.), Oberstabsarzt Tr. Julius Kohn, Kriegsfreiwilliger Bernhard Katzenst e i n, Gefreiter Julius Pappenheimer, Unteroffizier Arthur Hahn (Frankfurt a. M.), Unteroffizier Julius P l a 111 (Düsseldorf), Sanitätsuuterosfizier Joseph Baer (Alzey), Unteroffizier Hugo Sondermann (Horn in Lippe), Ersatzreservist Herbert W e i n st e i n (Harburg), Moritz K a tz (Guxhagen), Unteroffizier Heinrich K a tz, Unteroffizier Ernst Eisenherz, Feldunterarzt Willi Perlstein (Kassel), Sanitätsunteroffizier David D a n ne it b a u m (Brilon), Meldereiter Bert hold P reiß (Oppeln), Bataillonsarzt Tr. A. P i n c z o w e r (Kattowitz), Unteroffizier Fritz Berlitz (Breslau), Dolmetscher Paul Elias und Wachtmeister Tr. Fritz E l i a s , Söhne des Herrn Tr. Elias (Hannover), Stabs- und Regimentsarzt Dr. Eugen Gerstle, Oberarzt Tr. Alfred W o l f f (Ludwigshafen), Unteroffizier Philipp Klei n (Köln), Gefreiter Jakob Rothschild (Randegg), Vizefeldwebel Norbert Berger, Gefreiter Sind. med. Rolf I s.a k o w i tz (Mannheim), Unteroffzier Adolf Hahn (Karlsruhe i. B.). Posen, 10. November. In der Nacht zu Dienstag, dem 7. d. M., ist einer unserer bedeutendsten Mitbürger, der Geh. San.- Rat Dr. Pa ll ly, ans deur Lebengeschieden —- lvenige Jahre, nachdem ihnr eigene Erkrankung den Verzicht ans Ausübung seines Berllfes aufgezivungen. Und dieser Verzicht tastete schwerer auf ihur als sein Leideil: beim gerade ihm war in den Jahren seiiil.es Wirkens Leben stets gleichbedent'end mit Arbeit, und seiner Klientel gegenüber aalt ihm die Erhaltung oder Wiederherstellung, der Arbeitsfähigkeit als höchstes Ziel ärztlicher Kunst. Vorbildlich war er in der Betätigung dieser Anschanuna nicht nur seinen Kranken., sondern ganz besonders seinen Berufsgenosseu, iunter denen er in seiner besten Zeit - noch ohne Titel und Würden - eine unbestrittene Führer - stellung inet t über die Grenzen unserer Stadt hinaus einnahm. Als Pauly sich diese Stellung schuf, waren neben den Universitäten nur einige besonders bevorzugte Städte, wie Frankfurt oder Hamburg, anerkannte Pflegestätten medizinischer Wissenschaft, und dem gewöhnlichen praktischen Arzte, -der es. unternahm, inoderne medizinische ErrmMnschaften in einer Provinzstadt wie Posen ohne -jede Ltnlehnung arr staatliche Jnstitirte oder städtische Bildimasauskalken zu verbreiten, stellten sich Schlvierigketten aller Art - vom passiven Widerstand bis zu offener Feindseligkeit - in den Weg. Pauly aber gelang es, durch eisernen Fleiß und nimmermüder Ausdauer, nicht zuletzt aber durch fast fanatische Begeisterung für seinen Beruf, die Ergebnisse der medizmischon Forschung der ärztlichen. Praxis nutzbar zu machen. So erklärte er mutig der alten ärztlichen Kunst den Krieg, die sich damit begnügte, an Krcmkheitsshmptomen herumznknrieren, und inecfte in den Aerzten unserer Stadt das diagnostische Bedürfnis, den Wimsch, einen Einblick zu gewinnen in. den inneren Zusammenhang Pathologischer Vorgänge im menschlichen Körper. Er vermied dabeidoch stets die Klippe, an der heute mancher „wissenschaftliche" Arzt scheitert: er behielt den leider heute immer seltener werdenden „ärztlichen Blick", weil er den kranken Menschen nicht heransnahrn aus allen seinen Verbindungen, um ihn seiinen Retorten '.urd- Reagenzien zu überantworten, wndern ihn stets im ZusammenhalW» mit all den Fcheru betrachtete, die ihn irvit Familie, Umgebung, Stellung, Beruf verbinden und zur Klärung des Krantheitsbildes oft rnchrbeitragen alsein scharfes-RmckMnbild. So konnte -er stets neben dem ärztlichen. Helfer der - treueste Berater derer sein, die sich ihm anvertrautelr, und gerade in diesen Beziehung hat er bis zuletzt manchen nnt moderner Wissenschaft gesättigten-Arzt .übertixoffen und das Bertvanen. der Bevölkerung zu ärztlichem Können erheblich gemehrt. Mit diesenr Vertrauen als Rüstzeug konnte er dann eine Seite ärztlicher Kunst volWünrlich machen, die er selbst als junger Sanitätsoffizier 1870/71 lieben! -gelernt hatte: die Chirurgie. Man nach sich gegenwärtig halten, daß bis zur Ausführung wichtiger chirrvrgifchev Eingriffe durch Pauly hier in Posen die Eltern ihre Kinder lieber im 'di'ph'th'erischen Erstickungsanfall sterben als vorn Doktor „schneiden" ließen und daß vor Paulys Zeit fast jeder eingeklemmte Bruch >am Darmbrand zugrunde ging. Keine Klinik mit „allem Komfort der Neuzeit", kein Krankenhaus stand ihm dabei zur Verfügung. Kein Stab von Assistenten- und Schwestern; ein Zimmer seiner eigenen Wohnung, in der er sein Leben aushauchte, mußte meist die von ihm operierten Fälle aufnehmen. Als er dann, viel später, als er es gewünscht rrnd verdient hatte, Leiter der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses wurde, da bildete sein Operationssaal lange Zeit den Bersailurvlungspunkt der Posener Zivil¬ und Militärärzte, die von -ihm, dem 'ebenso Lehrwie Lernfrohen, dankbar eine Fülle praktischer Anlegungen entgegenn ah men. Darüber hinaus aber machte er das Krankenhaus zu einer Heimstätte aller Mühseligen und Beladenen. Die „soziale Fürsorge" w,ar Paülys Lieblingsgedanke, als er mit der ihm eigenen Selbsterkenntnis von seiner clsirurgischen Tätigkeit zurücktrat llnd den Vertretern der modernen Chirurgie den Platz räumte. Wenn wir heute nicht mehr wie in früheren Zeiten in den Straßen Posens verkrüppelten Erwachsenen und hüftlahmen Kindern in großer Zahl begegnen, so sind es wiederum Paulys Bemühungen um Einrichtung eines mediko-mechanischen Instituts, denen wir diesen Fortschritt verdanken. Alle Kreise und alle Lebensalter kannten und verehrten Pauly wie keinen anderen Arzt seither; er loar volkstümlich im besten Sinne des Wortes mit allen seinen Eigenarten. Zwar sind schon Jahre dahrngegangen, seit er den letzten Kranken beraten konnte, und nicht mehr wie früher kennt buchstäblich jedes Kind in Posens Straßen seinen früh ergrauten Kopf; wir aber, die wir die Früchte seiner Arbeit mitreisen sahen und von ihm Anregung imd Belehrung, oder Heilung und Linderung empfingen - wir werden ihn nie vergessen. R. U. Breslau, 10. November. Am 5. November waren *25 Jahre verflossen, seit Professor Dr. Ni. B r a n it in sein Lehramt am Jüdisch-theologischen Seminar irr Breslau einge führt lvorden war, und die Verehrer nnd Freunde, die er sich in dieser langen Zeit erworben hatte, wollten es sich nicht verwehren lassen, diesen Tag als ein Fest noch mitten, in der harten Kriegszeit zu feiern-. So kam es, daß an deur schönen Sonntag vormittags Scharen von Gästen unablässig in das Haus des Jubilars strömten und ihnr Glückwünsche, Blumen irnd Spenden aller Art, unter denen eine große kostbare Silberschale als Gabe des K u r a t o r i ir m s der F r a e n ck e l s ch en St ist n n gen hervor ragte, iit reicher Fülle darbrachten. Die ersten, die da kamen, waren die Vertreter der Körperschaften, die an der Feier am nächsten beteiligt waren.: das Lehrerkoll e g i u nt n n b d i e H ö r e r s ch a f t des S e m i ita r s und das K n r a t o r i u m d c r F r a e n ck e l s ch e u S -t i f t u n g e n, deren Sprecher, Professor Dr. L e v h, Tr. Schis t an und Stadrat M a r ck, künstlerisch ausgestattete Adressen! als dauernde Merkzei-chelt des Tankes für segens- und erfolgreiches Wirkert überreichten. Mit ehrenden Worten wird in diesen Adressen des ruhlnvollelr Forschers gedacht, der als der ebenbürtigie Schüler und Nachfolger seines unsterblichen Lehrers, des Professors Graetz, dessen Amt invorbi'ldlicher Weise w-eit-erführte und fein Werk fortsetzte, i-nsbesoudere Wertvolles leistend für die Erforschung der Geschichte der Juden irr Schlesien, des treuen Lehrers, der seinen Schülern als väterlicher Berater .zur Seite steht und sie zu glanbensstarten und glaubelfsfrohen. deutschen Rabbinern erzieht, gleich ihm für das Heil des Vaterlandes und der Religionsgem-einschaft lvirkend, des edlen Atmutes., der in weiten Kreisen Verständnis für Religion, Geschichte und Bedeutirng des Judentums weckt und alle Bestrebungen fördert, die ihnt gut und heilsam erscheinen. Wie sehr dies stets der Fall war, zeigte eine vierte Adresse, dargebracht von der I s r a e l t t i s ch e n K o ch f ch u l e, bewies ferner der Gruß, den Dr. Stellhaus i.m Namen der in

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