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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-17 · Heft 46 (17.11.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 46 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 46 ( Berlin, 17. November 1916 Vellage jnt „SWgemetnen Zeitung deK Judentum-". karrrspondrnzm mV Aachrichtrn. SkUtschlsnL E. R. Berlin, 12. November, lieber die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung ist folgendes zu berichten. Nach einer kurzen geschäftlichen Mitteilung wies der Vorsitzende, Direktor Dr. Minden, darauf hin, daß zum drittenmal seit Ausbruch des Krieges bei der Seelenseier am Versöhnungstage auch der gefallenen Heldensöhne unseres Vaterlandes gedacht wurde. Von allen Kanzeln in den jüdischen Gotteshäusern — führte er aus — wurde verkündet, daß unser Versöhnungstag das Vorspiel des großen Völkerfriedens sei. Es scheint zwar nicht, daß wir uns diesem Ideale nähern. Wir wanken aber nicht in unserer Zuversicht, daß wir zu einem siegreichen Ende kommen werden. — Der Gemeindevorstand gibt bekannt, daß er wieder eine Million Kriegsanleihe gezeichnet habe. Es sind bis jetzt im ganzen sechs Millionen achtmalhunderttausend Mark gezeichnet. — Im Namen der Versammlung hat Herr Dr. Minden Herrn Geheimen Justizrat Professor Dr. Albert Mosse zum siebzigsten Geburtstage gratuliert, ebenso Herrn Geheimen Negierungsrat I. Pieck, der Gemeindeältester-Stellvertreter ist. Der Vorsitzende bringt nun ein Schreiben des Herrn Max Levinger zur Verlesung, in welchem dieser mitteilt, daß in seiner Vaterstadt Koblenz schon im Anfang der fünfziger Jahre eine Orgel in der Synagoge.eingeführt war. Koblenz ist also Berlin voraus gewesen. — folgende Zuwendungen sind.zu vermerken: Von Herrn Oskar Ti etz 3000 Mark an die Waisenkommission zur Errichtung eines Oskar-und- Betty«Ti'etz-Stiftungsfonds. Bon Frau Professor Jda P h i t i p p s o u 3704 Mark an die Armenkommission zur Errichtung einer Martin-und- Jda - PH i lip Pson - St i st n n g für Arme. Tie Eheleute Professor Tr. Heinrich Grabow e r haben zur Verstärkung der Julius-und-Johanna-Baßwitz- Stiftung znr Errichtung eines besonderen Legats für das Krankenhaus 5000 Mark gespendet, desgleichen 1233 Mark für Grabeserhaltung. Zuwendungen Verschiedener zur Vermehrung des Stistungskapitals der Nanny-Julius-und-Rosalie-Boehm-Stiftung 12 000 Mark. Zuwendung der Eheleute Berl Aken de zur Verstärkung der Anna-Berl- Mende-Stiftung für Künstler 5000 Mark. Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Holz berichtet über die Zuwendung des Herrn Emil Pincus von 4000 Mark zur Errichtung einer Albert-Pincus-Stiftung. Die Zinsen sollen znr Unterstützung Hinterbliebener im Kriege Gefallener verwendet werden. Er hofft, daß der Segen, der den Armen aus der Stiftung erwachsen wird, Herrn Pincus Trost bringen werde, und wünschte ihm, daß er noch lange Jahre in bester Gesundheit im Dienste der Gemeinde wirken möge. Sichtlich gerührt dankte Herr Pincus für diesen Wunsch und gelobte, sich weiter wie bisher nach besten Kräften den Gemeindeangelegenheiten widmen zu wollen. Frau Franziska Ginsberg und Neffen und Nichten des Herrn Gustav Sachs haben zur Verstärkung der Gustav--und-Adel'e- Sachs-Stiftung bei der Armenkommission 800 Mark gespendet. Von einem Ungenannten ist für die Synagoge Kottbuser User ein Thoraschmuck (2 Kronen, 1 Schild, 1 Jad) überreicht worden. — In Verw-altungskommilsionen wurden folgende Mitglieder der Versammlung abgeordnet: In die Festgottesdienstkommission Herr Aron Hirsch, in die Subventionskommission Herr Emil E o h n, in die Zentralstelle für Wohltätigkeitsanstalten Herr Emil P i n c u s, in die Veranlagungskommission Herr Siegfried Sachs, in die Ehrenbeamtenkommission Herr Oskar Löwenberg, in die Festgottesdienstkommission wegen Amtsniederlegung des Vorgängers Herr Dr. Alfred Lewandowski. — Bei der Entgegennahme des Rechnungsabschlusses der Synagoge Levetzvwstraße beantragt Herr Siegfried Sachs, die zweiten Kantoren als Hilfskräfte im Bureaudienst zu verwenden, um die Knappheit von Beamten zu beheben und den Kantoren eine Möglichkeit zur Besserung ihrer Einkommensverhältnisfe zu gewähren. Herr Syndikus L i l i e n t h a l erklärte, daß bereits zwei Kantoren neben ihrem Berufe im Gemeindedienst arbeiten, daß aber gegen eine Generalisierung dieser Maßnahmen technische Bedenken sprechen. Bei dem Rechnungsabschluß der Schulverwaltrmg betont Herr Emil Cohn, daß, soweit es auch sonst geboten, beim Erteilen des Religionsunterrichts keinerlei Sparsamkeit angebracht sei. Es muffe für religiöse Dinge noch viel mehr geschehen, damit uns das heilige Erbe der Väter erhalten bleibe. Für solche Zwecke dürften Stiftungen sehr willkommen sein. Ein verstorbenes Mitglied unserer Gemeinde habe in großzügiger Weise einen Anfang gemacht, seine Gattin setze das Werk fort. — Bewilligt werden folgmde Ausgaben: Zur Anschaffung. von Gebetbüchern der Synagoge Fasanenstraße 275 Mark, zur Anschaffung von 60 Exemplaren des Sachsschen Gebetbuches 228 Mark, zur Anschaffung von drei Thorarollen 450 Mark, zur Anschaffung von Gebetbüchern der Neuen Synagoge 125 Mark, zur Anschaffung von Kartothektasten 605 Mark 60 Pfennig. --- Subventionen werden gewährt: dem Israelitischen Frauenheim und Kinderheim in Bad Nauheim für 1916 150 Mark, der David Herzogschen Freitischstistung für 1917 800 Mark. — In die gemischte Deputation zur Beratung über die Verwertung des Krankenhausgrundstückes Auguststraße 14/16 wurde gewählt Herr Kommerzienrat GersonSimon, in die gemischte Deputation zur Beratung über die Revision des Gemeindestatuts Herr Tr. L e v y , in die gemischte Deputation zur Beratung über die Vornahme von Amtshandlungen durch die Rabbiner subventionierter Gemeinden Herr Löwenberg, in die gemischte Deputation zur Beratung über ein anderseitiges Verfahren bei Vergebung der Plätze in den Synagogen und Betsälen Herr Siegfried Sachs, in die gemischte Deputation zur Beratung über die Frage der Umwandlung der Knabenschule und der Mädchenschule in öffentliche Mittelschulen Herr Dr. G i n s b e r g. Berlin, 14. November. Kürzlich fand die 2. Generalversammlung des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Pal ä st ina unter dem Vorsitz von Frau Professor Marburg statt. Trotz der beschränkten Propagandamöglichkeiten ist es dem Verbände gelungen, seine Arbeit in Palästina weiterzusühren. Die Spitzenateliers in Jerusalem wie die Jassaer Ateliers waren imstande, eine Anzahl Mädchen dauernd zu beschäftigen und ihnen dadurch die Unterstützung ihrer Familien zu ermöglichen. Der Verkauf in Europa hat natürlich nachgelassen: gegen 16 843 M. vom Jahre 1914 stehen nur 6700 M. im Jahre 1915. Tie Farm des Verbandes arbeitet, wenn auch unter größten Einschränkungen, weiter. Einmalige Ueberweisungen wurden an das Krankenhaus in Jaffa und an das Waisenhaus in Jasfa gemacht; das Haifaer Krankenhaus mußte wegen der Einberufung seines Leiters, Herrn Dr. Auerbach, geschlossen werden. C/V Berlin, 14. November. Die M i t g l i e de r der W o h l - tätigkeitszentrale der Berliner Kaufmannschaft, F l o t t w e l l st r a ß e 4, haben kürzlich in einer V e r s a m m l u n g zu der in diesem Jahre sehr brennenden Frage der Weihnachtssürsorge durch die Kaufmannschaft Stellung genommen. Es wird allseitig anerkannt, daß die Not der Bevölkerung infolge der geringen Kaufkraft des Geldes einer Abhilfe besonders dringend bedarf. Anderseits machen die Verhältnisse es aber der Kaufmannschaft unmöglich, wie in Friedenszeiten durch Schenkung von Waren bei diesem Liebeswerk behilflich zu sein. Fast alle für die Bedürftigen in Betracht kommenden Nahrungsmittel unterliegen der Lebensm i t t e l k a x t e; Web-, W i r k- und S t r i ck w a r e n sind nach, den neuesten, wesentlich verschärften Bedingungen ausschließlich gegen Bezugsschein zu erhalten. Zudem sind die Waren in den Geschäften-derartig knapp, daß es für die Geschäftsinhaber so gut wie ausgeschlossen ist, auf ihre eigenen Kosten, selbst gegen die Vorlegung der Bezugsscheine, Waren zur Verfügung stellen 31t können. Die Mitglieder der Wöhltätigkeitszentrale, zu denen die angesehensten Häuser aller Geschäftszweige sowohl des Großwie des Kleinhandels gehören, haben daher folgenden Beschluß gefaßt: 1. Das Verschenken von Waren ohne Bezugsschein ist ausgeschlossen; 2. ein Verschenken von Waren an Wohlfahrtsorganisationen gegen Vorlegung von Bezugsscheinen wird mit Rücksicht auf die Warenknappheit nur ganz ausnahmsweise eintreten können: 3. die Kaufmannschaft wird daher im Gegensatz zu früheren Jahren im wesentlichen darauf angewiesen sein, nicht Waren, sondern Geld zu spenden. Die Wohltätigkeitszentrale selbst hat gleichzeitig an ihre Mitglieder die dringende Bitte gerichtet, Geld zu spenden, soweit es in ihren Kräften steht. Den V e r e i n e n ist ans Herz zu legen, daß sie nicht dieses Geld ihren

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