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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-17 · Heft 46 (17.11.1916) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 46 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
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neuem sich aufraffend, gegen Vespasian, Titus, Trajan, Hadrian bestanden, so daß das weltbezwingende Rom, wie seine eigenen Geschichtschreiber bekennen, seine berühmtesten Feldherren und seine stärksten Legionen gegen dieses doch so kleine Volk ins Treffen zu führen sich genötigt sah sollten diese merkwürdigen Kriege nicht ebenfalls lautes Zeugnis dafür ablegen, daß dieser Stamm, wie selten einer, das Wesen in sich hatte, mutvoll einzustehen und zu kämpfen für eine Idee? Nur granitene Naturen, wie der Dichter der Humanität, wie der Dichterphilosoph des „Uebermenschen", konnten ein Verständnis haben für die Beharrlichkeit und Widerstandskraft des Judentums, das den Kampf für sein geistiges Gut [feit 2000 Jahren kämpft. Mag man über die Zukunft des Judentums denken wie man will, das Genie der Treue und der Energie wird man ihm nicht versagen können. Wenn demnach der zersetzende Verstand der Juden sie befähigt, die Dinge scharf zu beurteilen, so bestimmt sie wieder die in ihnen lebende Geistesrichtung für Autorität und gesetzlich Bestehendes, die Stützen der gesellschaftlichen Ordnung zu sein. Sir Woche. Berlin, den 14. November 1916. ie vergangene Woche hat uns drei Ereignisse beschert, die wert sind, hier erwähnt zu werden. Das erste ist die Rede des deutschen Reichskanzlers, die in dem parlamentarischen Allsschuß -des Deutschen Reichstages gehalten worden ist. Er beweist darin, daß nicht Deutschland schuld an dem Kriege trage, sondern Rußlands Mobilmachung sowie die Versprechungen, -die von den Westmächten Rußland gegeben worden waren, daß ferner die Verletzung der Neutralität Belgiens keineswegs die Ursache einer Beteiligung Englands am Weltkriege sei, und erklärt ferner viele Aussagen des englischen Ministers Lord Grey als der Wahrheit nicht entsprechend. Er schloß mit den Worten: Nicht im Schatten des preußischen Militarismus hat die Welt vor dem Kriege gelebt, sondern im Schatten der Eintreis u n g s p o l i t i k, die Deutschland Niederhalten sollte. Gegen diese Politik, mag sie diplomatisch als Einkreisung, militärisch als Vernichtungskrieg, wirtschaftlich als Weltboykotr in die Erscheinung treten, haben wir von Anfang an in der Verteidigung gestanden. Das deutsche Volk führt diesen Krieg als Verte i d i g n n g s k r i e g , zur Sicherung seines nationalen Daseins und seiner freien Fortentwicklung. Niemals ist etwas anderes von uns behauptet, etwas anderes g e w oll t worden. Wie ließe sich auch sonst diese Entfaltung von Riesenkräften, dieser unerschöpfliche, zum letzten entschlossene Opfermut erklären, der unerhört in aller Menschengeschichte ist? Ais der Hartnäckigkeit des feindlichen Kriegswillens, dem das Aufgebot militärischer und materieller Hilfskräfte aus aller Welt dienstbar gemacht wird, hat sich unsere Widerstandskraft zu immer härterer Entschlossenheit gestählt. Was England noch an Kräften einsetzen mag - - mich Englands Machtgebot hat seine Grenzen , es ist bestimmt, an unserem Lebenswillen zu scheitern. Dieser Wille ist unbezwingbar und unverwüstlich. Wann unseren Feinden die Erkenntnis davon konunen wird, das warten wir in der Zuversicht ab, daß sie kommen muß. Das zweite Ereignis ist die P r ä s i d e n t e n w a h l i n Amerika. Nachdem in den ersten Tagen die Nachricht verbreitet war, daß der Kandidat der Republikaner Hughes gewählt worden sei, wird jetzt die Wiederwahl Wilsons als sicher gemeldet. Eine besondere Freude würden wir als Deutsche auch über die erste Wahl nicht empfinden, da auch Herr Hughes nichts weniger als ein ausgesprochener Freund der Deutschen ist; die Wiederwahl des alten Präsidenten nehmen wir mit Ruhe an. Eine Aenderung in der Politik ist kaum anzunehmen; eine direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten am Kriege wider uns ist schwerlich zu erwarten, ebensowenig freilich eine Aenderung der bisher bestandenen Auffassung der Neutralität seitens Amerikas, die darin gipfelt, die uns feindlichen Mächte mit Munition und Kriegsmaterial aller Art zu versorgen, Als Juden dürfen wir vertrauen, daß Herr Wilson auch ferner dem Grundsatz der Gleichberechtigung treu bleibt, den er bisher bechahrt hÄ. Auch unter seiner Präsidentschaft ist ein Jude zum Gesandtött der Vereinigten Staaten ernannt, ein anderer zum obersten Richter befördert worden, und es äst zu erwarten, daß Amerika seinen alten Ruhm beibehalten wird, den Juden den ihnen gebührenden Rang in den hohen Staatsärntern zu bewahren. Nur möchte man wünschen, daß Amerika seine gewichtige Stimme erhebe, um auch in Rußland den armen geknechteten Juden eine menschenwürdige Stellung zu verschaffen. - Das dritte Ereignis ist die Erteilung des Noüel- Literatur-Preises an den französischen Schriftsteller Romain Rolland. Manchem möchte dieses Ereignis als gleichgültig oder der Erwähnung nicht wert erscheinen; es gewinnt indes hohe Bedeutung, wenn man bedenkt, daß Romain Rolland, dessen großer Roman auch in diesen Blättern gewürdigt worden ist, da er mancherlei über Juden enthält, einer der wenigen, wenn nicht der einzige bedeutende französische Schriftsteller ist, der nach anfänglicher Absage gegen die Deutschen sich in ziemlich vernünftiger Weise über die Kriegsfrage erklärt und gegen die künftige Befehdung des deutschen Geistes Stellung genommen hat und darum von den vielen Heißspornen unter seinen Landsleuten in Acht und Bann getan worden ist. * Wiederum ist ein neuer Bericht des F e l d g e i st - l i ch e n Rabbiner Dr. B a eck im „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" erschienen. Die Berichte — denn es sind eigentlich drei —, die hier zusammengefaßt' werden, deren sinnige und tiefgründige Art in diesen Blättern schon so oft hervorgehoben worden ist, sprechen von den Feldgottesdiesten an den hohen Feiertagen und schließen mit dem Satz: Worin kommen diese Strahlen des Feiertages, denen auch jenes Wort des alten Denkers gesprochen ist, daß sie klingen und singen, diese »Stimmung, die den Tag heraushebt aus der Reihe der Tage? Wenn Menschen sich selbst finden und einander finden, dann ist es immer eine leuchtende Stunde, dann ist ein Feiertag gegeben, auch hier draußen, auch im hölzernen Hause, auf das der Regen schlägt. So schön diese Schilderungen auch sind, so können sie aus Raummangel diesmal nicht vollständig abgedruckt werden. Ich begnüge mich damit, an dieser Stelle den ersten Abschnitt mitzuteilen, der über die Konferenz der Rabbiner an der Ostfront handelt. Er hat folgenden Wortlaut: Diese Tagungen mit ihrem Austausch der Erfahrungen und der gegenseitigen Belehrung, die dieser bringt, geben den Rabbinern im Felde die Möglichkeit, die Arbeit aller einheitlich zu gestalten. Für die Feldgeistlichen der anderen Bekenntnisse ist von vornherein dieser Zusammenhang damit gewährleistet, daß die .gesamte Militärseelsorge durch den Feldpropst, den evangelischen und den katholischen, geordnet und geleitet wird. Verhältnismäßig früh wurde dann in den einzelnen Bereichen des Feldheeres die gemeinsame Tätigkeit der Pfarrer dadurch noch besonders erleichtert, daß einer von ihnen als sogenannter „Referent" bestinunt und damit betraut wurde, alles Erforderliche für die Teilung der Aufgaben und ihr Jneinandergreifen in die Wege zu führen. Aber auch hier hatte sich schon bald das Bedürfnis nach Zusammenkünften in weiterem und engerem Kreise herausgestellt; das mündliche Wort und die persönliche Fühlung können stärker und anregender wirken als alle schriftlichen Darlegungen. Den jüdischen Feldgeistlichen fehlte jene dienstliche Zusammenfassung, ihnen fehlte selbst der Referent. Zwischen den einzelnen Kollegen lag zudem ein verhältnismäßig weiter Weg: im Osten, nach der Zeit gemessen die er verlangt, ein noch weiterer als im Westen, und eine nachbarliche Beziehung war daher kaum möglich. So wurden die Konferenzen, di.e mit ihrer. Aussprache und

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