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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-10 · Heft 45 (10.11.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 45 (10.11.1916)
Date
1916-11-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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feinfühlendem Verständnis gestillt habe, all daS wurde in einer kunstgefchnihten, in hebräischer Sprache abgefaßten Adresse, die zur Verlesung kam, dankend anerkannt. Als äußeres Zeichen der Liebe widmeten „Die Brüder aus der Gefangenschaft" einen von einem gefangenen berühmten jüdischen Künstler herrlich geschnitzten Thoraschrank. Schweren Herzens und tränenden Auges verabschiedeten sich die einzelnen, denn jedem war Herr Dr. Zlocisti viel." W. Posen, 3. November. Der jüdische Turnverein Posen hatte — als erste seiner größeren Veranstaltungen in der Kriegszeit — seine Mitglieder zu einem Fünfuhrtee im Hotel Friedrichshos geladen, welcher Einladung auch eine große Zahl von Gästen Folge geleistet hat. Vor überfülltem Saale hielt namens des Vorstandes Herr Referendar Dr. L e l e v e r die Begrüßungsansprache, in welcher er zunächst der vielen Vereinsmitglieder gedachte, welche zurzeit in schweren Kämpfen in Feindesland stehen, insbesondere auch derer, die in unserem großen Kriege den Heldentod fürs Vaterland gefunden. Die Veranstaltung habe den Zweck, einem weiteren Kreise vor Augen zu führen, daß die von den jetzt draußen kämpfenden Turnbrüdern begonnene Erziehungsarbeit in ihrem Sinne weitergeführt werde. Neben auf den Ernst der Gegenwart gestimmten gesanglichen und musikalischen Darbietungen seitens einiger besonders begabter Mitglieder und Freunde des Vereins erweckten namentlich die turnerischen Vorführungen einer Jungmannsriege am Barren sowie auch das Auftreten einer Abteilung des Wanderbundes mit ihren Lautenliedern das besondere Interesse und den lebhaften Beifall der Anwesenden. Die in allen Teilen wohlgelungene Veranstaltung fand nach Dankesworten des Vorsitzenden ihr Ende. B. Beutherr 3. November. Mehr als vier Jahrzehnte hat der Kultusbeamte der hiesigen Synagogengemeinde Herr Abraham Adler bis zu seinem 82. Lebensjahre in vorbildlicher Pflichttreue sein Amt versehen. Aus Anlaß seiner am 1. d. M. erfolgten Versetzung in den Ruhestand hat ihm der Vorstand sein volles Diensteinkommen als Ruhegehalt bewilligt, von sonstigen Ehrungen wegen des Ernstes der Zeit jedoch Abstand genommen. Herr Adler hat zu Beginn und während des Weltkrieges fünf wohlerzogene Söhne ins Feld geschickt, von denen zwei in kurzer Aufeinanderfolge — einer mit dem Eisernen Kreuz dekoriert — den Heldentod erlitten haben. Die besten Wünsche der Gesamtgemeinde für sein ferneres Wohlergehen begleiten Herrn Adler nach Breslau, wohin er seinen Wohnsitz verlegt hat. er. Breslau, 3. November. Die Ortsgruppe Breslau des „Jüdischen Frauenbundes" hat in der Zeit ihres Bestehens auf dem Gebiete der Wohltätigkeit, Not und Elend lindernd, Notständen vorbeugend, Arbeitsmöglichkeiten schaffend u. a. m., insbesondere während des Weltkrieges Hervorragendes geleistet. Getragen von der Ueberzeugung, daß der Krieg, der so viele blühende Menschen zum Opfer fordert, gebietet, das Leben der Jugend zu erhalten, hat eine Anzahl von Vorstandsdamen der Ortsgruppe Breslau des „Jüdischen Frauenbundes", vereint mit Gesinnungsgenossinnen, die sich im Dienste der Nächstenliebe schon vielfach bewährt haben, jüngst ein Kleinkinderheim begründet und mit diesem die Reihe der mannigfaltigen Wohltätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen unserer Glaubensgemeinschaft in segensvollster Weise bereichert. Da es nicht möglich war, städtische jüdische Kost- Linder in jüdischen Familien unterzubringen, die Verwaltungsbehörden jedoch verlangen, daß jedes Kind möglichst innerhalb seiner Glaubensgemeinschaft auswachse, hat sich diese Neugründung als um so notwendiger erwiesen, da die bestehenden jüdischen Erziehungsanstalten vorschulpslichtige Kinder nicht aufnehmen. In Uebereinstimmung mit der städtischen Armendirektion und unter großherziger Unterstützung des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde ist das Kleinkindecheim, das städtische jüdische Kostkinder und andere verlassene, verwaiste oder vernachlässigte Kinder, deren Väter im Kriege gefallen, deren Mütter in Arbeit oder Stellung sind und denen es an Liebe lind Pflege im geschätzten Heim gebricht, in gesunder Umgebung, in sorgsamer und liebevoller Pflege zu gesunden und fröhlichen Menschen erziehen und für Schule und Leben ausrüsten soll, am 1. September eröffnet worden. Ein Aufruf an unsere begüterten Glaubensgenossen, diese bisher schon empfundene Lücke auszufüllen, ist nicht ungehört verhallt. Größere und kleinere Zuwendungen von Vereinigungen und Privatpersonen wie zahlreiche jährliche Beiträge haben den Aufbau ermöglicht und werden in der Folge, voraussichtlich wachsend, dafür bürgen, daß das Heim erhalten und erweitert werden kann; auch Ausstattungsgegenstände, Wäsche, Betten usw. sind in reicher Fülle gespendet worden. Das Heim, ein Gartengrundstück in guter, gesunder Gegend, ist für 20 Kinder vorgesehen und beherbergt bereits 10 Pfleglinge. Ebenso zweckmäßig als schön, allen Anforderungen der Hygiene entsprechend eingerichtet, unter Leitung einer tatkräftigen, liebevollen Arztwitwe und unter Aufsicht eines bekannten Kinderarztes stehend, ist es nach dem Urteil der Aufsichtsdame über die städtischen Kostkinder das beste Kleinkinderheim unserer Stadt. J. A. Nürnberg, 3. November. Das Eiserne Kreuzer» hielten: Unteroffizier Heinrich K o h n, Sohn des Kaufmanns Max Kohn. Fritz Schw ed, Gefreiter im 19. bayerischen Infanterieregiment, Sohn des Kaufmanns Max Schwed. Gefreiter Simon Fichtelberger, Teilhaber der Firma Weikersheimer u. Fichtelberger. Artillerieunteroffizier Max Lauinger, Sohn der Frau Luch Lauinger. Rechtspraktikant Gg. Mathias, Unteroffizier beim rheinischen Feldartillerieregiment Nr. 44, Sohn des Kaufmanns Siegfried Mathias. Assistenzarzt Dr. Sigmund H a ch t. Kriegsfreiwilliger Theo Seemann, Sohn des Kaufmanns Salomon Seemann, Neustadt a. Arsch. — Das bayerische Militärverdien st kreuz zweiter Klasse erhielten: Offizierstellvertreter Julius Bamberger vom 8. bayerischen Feldartillerieregiment, Sohn des Kaufmann Max Bamberger. Ofsizierstellvertreter Fritz Ehrmann, Sohn des Spezialarztes Dr. Ehrmann. — Fürth. Das Eiserne Kreuz erhielten: Artillerieunteroffizier Fritz R e i ch m a n n, Sohn des Ledergroßhändlers Max Reichmann. Artillerieunteroffizier Lothar Krackenberger, Sohn des Fabrikbesitzers Hermann Krackenberger. Das Militärverdien st kreuz dritter Klasse mit Krone und Schwertern erhielt: Lothar Krackenberger vom 6. bayerischen Feldartillerieregiment, Kaufmann in Fürth. £2 Frankfurt a. M., 3. November. Im Begriffe nach zweijähriger Trennung wieder ins Heilige Land zurückzukehren, ist es mir tiefempfundenes Bedürfnis, vor meinem Scheiden allen warmherzigen Zionssreunden Dank zu sagen für ihre menschenfreundliche Mitwirkung an dem großen Hilsswerk, welches Tausende von Familien vor Hunger, Krankheit und Not jeder Art geschützt hat. Diese Hilfsbereitschaft der deutschen Judenheit, die in so schwerer Zeit in rührender Hingebung spendete und wieder spendete, ist ein unverwelkliches Ruhmesblatt, dessen volle Würdigung erst der Zukunft Vorbehalten bleibt. Was die Herren Rabbiner und ihre Verbände, die Herren Vorsteher, Lehrer, Gemeindesekretäre sowie Tausende von einzelnen Spendern, insbesondere aber eine stattliche Reihe hochsinniger Männer in einzelnen Gemeinden von Fall zu Fall durch persönliche Bemühungen für unsere unglücklichen Brüder und Schwestern im Heiligen Lande geleistet, ist ein Triumph des jüdischen Herzens, das sich hier in seiner ganzen Großzügigkeit bewährt hat. Ich nehme dieses herzerhebende Bewußtsein mit in das Land unserer Väter. Es wird mir Vertrauen und Mut sichern für die schweren Ausgaben, für die sorgenvolle Mühe und Arbeit, die mich im Heiligen Lande erwarten und die im Angesichte so unbeschreiblich großer Not nur im Vertrauen auf die nimmer erlahmende Gebesreudigkeit der europäischen Brüder in Angriff genommen werden können. Nach altjüdischem Väterbrauch verleiht die teilnehmende Bruderliebe einer solchen Reise ins Heilige Land das Gepräge von Schlichus Mizwoh. Gern will ich als Schliach Mizwoh, als Sendbote der deutschen Judenheit, an den Stätten höchsten menschlichen Leidens im Aufträge der edlen Spender die Anweisungen zur Auszahlung ihrer Gaben persönlich überreichen, wenn diese rechtzeitig an den bekannten Zahlstellen der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung (den Kassen der Deutschen Bank, den Gaboim oder dem Postscheckkonto Nr. 9553 Frankfurt a. M.) entrichtet werden. Mit innigstem Dank für das Vergangene und mit den herzlichsten Segenswünschen für alle Zukunft nehme ich Abschied von allen hochherzigen Spendern, mit dem Bewußtsein, daß sie dem in so hingebungsvoller Opferfreudigkeit begonnenen Werk jüdischer Bruderliebe gewiß auch für die Zukunft ihre tätigen Sympathien nicht versagen werden. Möge in dieser nie versiegenden brüderlichen Teilnahme an dem tränenreichen Schicksal unserer Brüder und Schwestern im Heiligen Lande auch dem deutschen Vaterlande und seinen treuen Bundesgenossen unbefleckter Ruhm und reicher Friedenssegen erblühen. „Fördert den Frieden, das Heil Jerusalems, es wird wohl ergehen deinen Freunden!" Rabbiner I. H o r o v i c z.

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