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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-10 · Heft 45 (10.11.1916) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 45 (10.11.1916)
Date
1916-11-10
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
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1914 170 Personen (Männer, Frauen und Kinder) aus dem Judentum austraten, verminderte sich diese Zahl im Jahre 1915 auf 124 Personen. Diesen Zahlen seien die der Aufnahme ins Judentum gegenübergestellt. 1913: 92, 1914: 104, 1915: 56; die Verringerung ist erklärlich dadurch, daß infolge des Krieges die Zahl der Eheschließungen eine geringere geworden ist. Von ganz außerordentlichem Werte sind die Ausführungen über die Kriegshilsskommission. Für die fünf Kriegsanleihen sind vom Vorstand der Gemeinde 6 300 000 Mark übernommen worden. Die Hauptabteilung für- Kriegshilfe hat an Barunterstützungen 259 635,50 Mark gezahlt, außerdem an Soldaten -zur einmaligen Unterstützung 30 046,80 Mark. Von der Frauenabteilung wurden 13 620 Personen mit Lebensmitteln unterstützt. Au Unterstützungen und Löhnen wurden 78 817,03 Mark gezahlt. Von dieser Frauenabteilung wurde außerdem Frauen Arbeit gegeben, die 445 Frauen die Summe von 30668,39 Mark an Löhnen verschaffte. Die gleichfalls von der Frauenabteilung ins Leben gerufene Bürgerküche hat 63 000 Portionen verteilt. Es ist natürlich unmöglich, all die Männer und Frauen zu nennen, die im Ehrendienste der Gemeinde tätig sind, nur so viel mag hier gesagt werden, daß sie eine ungeheure Arbeit leisten, daß sie ebenso wie die bezahlten Beamten ihre Pflicht in vollem Maße tun, daß sie gerade in diesen schweren Zeiten für hie durch den Krieg Einberufenen doppelt tätig sein müssen. Es ist nur zu wünschen, daß der edle jüdische Geist, der in dieser Wirksamkeit zum Ausdruck kommt, immer erhalten bleibe. Das kann gewiß ohne Parteispaltungen und ohne gehässiges Gezanke geschehen. Daher ist zu hoffen, daß sich diesmal die Wahl in Friede und Ruhe vollziehe, so daß die Verwaltung der Gemeinde in den Händen der bewährten Männer bleibe, die immer nur die Sache im Auge hatten, nie ihre eigene Person und nicht kleinliche Sonderzwecke verfolgten. Der fleißigen Zusammenstellung des Herrn Benas Levy, aus der die vorstehenden Notizen und Zahlen entnommen sind, einer Zusammenstellung, die durch ihre schlichte Ruhe und Objektivität wohltut und die ein Zeugnis von großer Umsicht und voller Beherrschung des Stoffes ablegt, sei hiermit aufrichtiger Dank abgestattet. L. G. Bericht über die Feier ber jübilchen tzerbltkelte im Lamptzebiet an der Somme. Von Feldrabbiner Dr. Salomonski. urch besondere Anordnung Sr. Exzellenz des Herrn Oberbefehlshabers erging drei Wochen vor Beginn des jüdischen Neujahrsfestes eine Verfügung an alle unterstellten Truppen über den Zeitpunkt der diesjährigen Herbstseiertage, den für die Andacht ausgewählten Ort und die von großem Wohlwollen zeugenden Grundsätze, welche bei der Kampf- und Dienstbefreiung zu beobachten waren. Infolgedessen liefen die Anmeldungen der einzelnen Formationen pünktlich ein, und eine Woche vor dem Feste hatte ich bereits mit 1400 Kameraden zu rechnen. Diese Zahl hat sich schließlich auf 1600 erhöht. Ich hatte rechtzeitig mit den erforderlichen Vorbereitungen begonnen und zunächst nach Mietung eines Klaviers einen Chor gebildet, der einen Monat lang zweimal wöchentlich die herkömmlichen Gesänge unter meiner Leitung einübte. Das erforderliche Notenmaterial und sonstige Ritualien lieferte in dankenswerter Weise der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, zahlreiche Andachtsbücher sandten der Verband der Deutschen Juden, die Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, die auch durch eine größere Wurstsendung der guten Sache diente. Gebetmäntel stellte zur Verfügung Herr Rabbiner Dr. Munk (Berlin), Geldspenden sandten der Rabbinevverband in Deutschland und aus meiner Heimatgemeinde Frankfurt a. O. die dortige Hardenberg-Loge und drei andere Wohltäter, deren Namen ich nicht erwähne, weil ich weiß, daß dies ihrer Absicht entspricht. Edle Gaben und Beihilfen waren freiwillig eingegangen, und diese edle Gesinnung erfüllt mich mit besonderem Dank. Zur Deckung der Unkosten konnte ich auch frühere Spenden verwenden, die aus meistens traurigem Anlaß aus der Heimat bei mir eingegangen waren. Für die Abhaltung der vorgesehenen sechs Gottesdienste stellte die Heeresbehörde ein großes Theatergebäude zur Verfügung und sorgte auch für Einrichtung eines Feuerlöschdienstes. Zur Speisung der Mannschaften wurde ein großes Fabrikgebäude angewiesen, mit elektrischer Beleuchtung versehen und mit Tischen und Bänken ausgestattet, die mit sechs großen Lastkraftwagen aus ziemlicher Entfernung herangeschasft wurden. Diese Einrichtungsgegenstände und die Lichtanlage sollten, wie sich das bei der gewohnten Planmäßigkeit unserer Heeresbehörde fast von selbst versteht, natürlich später noch anderen Zwecken dienen. Für die Unterkunft der 1600 Soldaten wurden Massenquartiere bereitgestellt, in denen lediglich der Morgenkaffee ausgeschenkt wurde, da ich die rituelle Verpflegung mit Genehmigung der Heeresverwaltung übernommen hatte. Einen großen Teil der erforderlichen Naturalien, die für den einzelnen Mann an den drei Festtagen beim Empfang seiner Truppe in Wegfall kamen, lieferte die Intendantur. Die rituelle Besorgung des Fleisches lag in zuverlässiger Hand, große Mengen von Geschirr ließ ich leihweise heranschassen. Dazu kamen vier große Feldküchen, Holz und Kohlen und als Bereiter der Speisen drei Köche, sieben Arbeitsfrauen und als Speisenträger eine große Zahl bereitwilliger Kameraden. An dieser Stelle sei einer fleißigen Helferin, der Schwester Thea, herzlichst gedankt. Große Plakate wiesen den eintreffenden Soldaten den Weg zur Meldestelle und zum Andachtsraum. Beim Eintritt empfing jeder eine Eßmarke und einen Personalzettel. Nach Schluß jeder Andacht erfolgte in militärischer Ordnung die Führung zum Speisesaal, in dem gleichzeitig immer 350 Mann beköstigt werden konnten, so daß in fünf Gruppen bei einer Dauer von 2)4 Stunden jede Mahlzeit beendigt war. Es gab mit Ausnahme des Versöhnungstages nur warme Speisen (Suppe, Gemüse, Fleisch, Kartoffeln). An Brot, Bier, Zigarrren und Kaffee herrschte kein Mangel. Die zahlreichen Offiziere und Aerzte, die an besonderer Tafel speisten, erhielten die gleiche Kost. Die gesamte Verpflegung war unentgeltlich. Für den Bezug eines Gruppenbildes der Festteilnehmer wurde lediglich die Selbstkostengebühr (von 30 Pfennig) erhoben und Hierdurch der Heereskasse eine nicht geringe Summe in Nickelgeld durch Umwechseln zugeführt. Vor Beginn des Versöhnungstages wurde den Soldaten im Theaterraum ein Imbiß, aus Wurst, Brot und Bier bestehend, gereicht, da viele Kameraden erst im letzten Augenblick eintrafen und nach Schluß des Festes empfing jeder sein verpacktes Fleisch, weil nicht wenige sich sofort zu ihrer Dienststellung zu begeben hatten. Auch für die geistige Nahrung wurde gesorgt. Große Stöße von Armeezeitungen und religiösen Schriften, jüdischen Wochenblättern aller Richtungen, Feldgebetbüchern und Feldpredigten, belehrenden und unterhaltenden Büchern lagen auf und wurden mit besonderer Freude von unseren Feldgrauen enrpfangen. Die Andachten selbst verliefen würdig und feierlich. Sie wurden nach dem herkömmlichen Ritus abgehalten. Im Mittelpunkte eines jeden Gottesdienstes standen Predigt und Kaisergebet und am Versöhnungstage noch die Seelenfeier, in der wir namentlich vieler Heimgegangenen Somme-Kämpfer

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