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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-10 · Heft 45 (10.11.1916) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 45 (10.11.1916)
Date
1916-11-10
Page
Seite 534 (sequence 6)
Language
German
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von 1870/71 beim Auditoriat in Nancy tätig, wo er viele Verwaltungsgeschäfte und die Oberaufsicht über das Gefängnis zu besorgen hatte. Am 1. April 1871 traf er wieder in Berlin ein. Nach Absolvierung seiner Examina war er bis zum Jahre 1874 bei der Justiz, bis 1898 als einer der wenigen dazu berufenen Israeliten bei der Eisenbahnverwaltung tätig. Die letztere Wirksamkeit führte ihn an verschiedene Orte; seit dem Jahre 1888 wirkte er zehn Jahre in Altona, wo er auch eine Zeitlang Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde war. Er stieg zum Regierungsrat auf und erhielt später-den Titel eines Geheimen Regierungsrat. Von größeren Reisen, die er unternahm, hat er eine in dem unterrichtenden Büchlein: „Von Hamburg nach San Francisco", Berlin 1892, anmutig und unterhaltend beschrieben. Im Jahre 1898 trat Pieck aus dem Staatsdienste aus und übersiedelte nach Berlin, wo er als Direktor der Allgemeinen lokalen Straßenbahn bis 1906 tätig war. Seit dem genannten Jahre ist er nur ehrenhalber tätig, als Handelsrichter und, wie erwähnt, seit dem Jahre 1910 als Aeltestenstellvertreter der Jüdischen Gemeinde. Durch seine vielseitige Erfahrung, seinen weiten Blick, seine juristischen Kenntnisse wirkt er in dem genannten Kollegium segensreich und hat sich durch sein konziliantes Wesen Freunde und Anerkennung erworben. Möge es dem verdienten Manne beschieden sein, noch lange Zeit zum Segen der Gemeinde zu wirken. L. G. Pus der Berliner Gemeinde. ^^^ieRepräsentantenwahlen stehen vor der Tür; sie finden gegen Ende dieses Monats statt. An der Stelle des lebhaften Kampfes, der bei dieser Gelegenheit alle drei Jahre in Berlin zu toben Pflegte, ist, eine Folge des Weltkrieges, Ruhe eingetreten; der Burgfriede soll gewahrt werden, indem, wie wir hören, durch ein Kompromiß die liberale Partei ihren Besitzstand möglichst beibehält und den Konservativen die ihnen gebührenden * Plätze einräumt. Trotz dieser Vereinbarung, die die Zustimmung der leitenden Kreise erhalten hat, sollte kein Liberaler unterlassen, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen, teils deswegen, weil man nicht wissen kann, ob die Gegner — nicht die ehrlichen Konservativen, die ein gegebenes Wort heilig zu halten verstehen, sondern die Wühler — nicht doch Machinationen unternehmen werden, um für sich einen Teilsieg zu erringen, teils, und besonders aus dem Grunde, weil jeder sich sagen muß:' „Die Wahl ist ein bedeutsames Recht, aber zugleich eine heilige Pflicht." Darum muß jeder liberale Mann am Wahltage an seinem Platze sein, und wie er nicht versäumen wird, auch die der Gegen- Geh. Regierungsrat Julius Pieck feierte am t. llovember seinen?o. Geburtstag. Partei zugehörigen Kandidaten zu wählen, so muß er in erster Linie darauf bedacht sein, den alten erprobten Kämpen seine Stimme zu geben, die durch das Kompromiß nominiert sind. Daß die bisherigen Vertreter der Gemeinde: Vorstand und Repräsentanten, daß auch all die zahlreichen Kommissionen der Gemeinde in der abgelausenen dreijährigen Periode völlig ihre Pflicht getan haben, zeigt ein soeben erschienenes Büchlein von Benas LevyJ in objektiver und lehrreicher Zusammenstellung. Das Büchlein gibt in elf Abschnitten Bericht von dieser Tätigkeit. Die Abschnitte führen die Titel: 1. Vorstand, 2. Repräsentanten, 3. Nekrologe, 4. Wichtige Beschlüsse der Repräsentanten 1914/16, 5. Rabbiner, Kantoren und Gottesdienste, 6. Der Haushaltsetat der Gemeinde für 1915, 7. Der Kassenabschluß der Gemeinde für 1913/14, 8. Bemerkenswerte Ereignisse in der Gemeinde, 9. Die Austritte aus der Gemeinde und aus dem Judentum, 10. Die Verwaltungskommissionen der Gemeinde (es sind nicht weniger als 30), 11. Bestimmungen über die Wahl der Repräsentanten. Es ist selbstverständlich unmöglich, alle diese wichtigen Mitteilungen an dieser Stelle zu wiederholen. Wir begnügen uns daher mit einem kurzen Auszuge. Es sei hervorgehoben, das; der Haushaltsetat der Jüdischen Gemeinde für 1916 in Einnahme und Ausgabe mit 6 410 642,25 Mark für 1916 abschließt, daß davon von den Steuerzahlern 3 997 881,69 Mark erhoben werden müssen. Die Steuerquote hatte bisher 0,7 °/° betragen, sie mußte am 27. November 1915 aus 0,9 °/° erhöht werden; es ist nicht ausgeschloffen, daß für das neue Etatsjahr trotz aller Sparsamkeit wiederum eine Erhöhung wird stattfinden müssen. Die Ausgaben beziehen sich auf: 1. Kultus- und Ritualangelegenheiten, 2. Schule und Bibliothekswesen, 3. Armenwesen, 4. Wohltätigkeitsanstalten, Waisenhäuser, Krankenhaus, 5. Vermögensverwaltung, 6. Allgemeine Verwaltung, Gehälter und Pensionen. Es mag hervorgehoben werden, daß die für Schul- und Bibliothekswesen verwendete Summe etwa eine halbe Million Mark beträgt und daß für die Synagogen, nach Abzug der für die Vermietung eingehenden Beträge, die Summe von 885 447 Mark jährlich ausgewendet wird. Mit diesen zehn Synagogen und den an den hohen Feiertagen veranstalteten Hauptgottesdiensten ist für 33 467 Gemeindemitglieder Platz geschaffen. Sehr interessant ist auch der Abschnitt, der die Austritte aus dem Judentum zusammenstellt. Während 1913 197, y „Mitteilungen über die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin." Herausgegeben vom Vorstand des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, 1916. Verlag M. Poppelauer, Berlin C2.

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