Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- Seite 510 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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510 küniglichrr fiat Schanüor ftlkxanüer in Lagrrb (firoatirn). Von Professor Tr. G. Schwär z. je Juden in Kroatien und Slawonien bilden kaum ein Prozent der Gesamtbevölkerung (zirka 30 000 Seelen), und auch zu dieser geringen Zahl hat die Einwanderung in den letzten 25 Jahren ein Beträchtliches beigetragen. Trotzdem fällt ihnen im sozialen und volkswirtschaftlichen Leben infolge ihrer Intelligenz und reger Handelstätigkeit und nicht zuletzt infolge ihrer humanitären Wirksamkeit eine ansehnliche Rolle zu. Von den Männern, die im sozialen Leben unseres Landes Großes, Hervorragendes, Bleibendes und Dauerhaftes geschaffen haben und sich darum ungeteilter Hochachtung und allgemeiner Wertschätzung erfreuen, verdient auch an dieser Stelle königlicher Rat S ch a n d o r A l e x a n d e r gewürdigt zu werden. Seine soziale Tätigkeit begann er im Merkur-Verein der HandelSangestellten, dem er nunmehr ein Vierteljahrhundert angehört, teils als Kassierer, später als Vizepräsident, bald als Präsident, endlich als lebenslänglicher Ehrenpräsident. Unter seiner Leitung entwickelte sich dieser zum Schutze und zur Förderung der Interessen der Handelsangestellten gegründete Verein zu einer das ganze Land umfassenden, mächtigen, auch aus fester finanzieller Grundlage ruhenden Vereinigung, die nicht nur die materiellen Interessen ihrer Mitglieder förderte, das Ansehen des Standes hob und ihm mancherlei Erleichterungen verschaffte, sondern durch Gründung von Bildungs- und Fachkursen zur Erweiterung der Intelligenz und des kaufmännischen Wissens der Angestellten wesentlich beigetragen hat. Der „Fonds Franz Joses I. zur Unterstützung kranker und bedürftiger Mitglieder des Merkur-Vereins", die eigene Krankenkasse des Vereins und der Pensionssonds zeugen von seinem ausgeprägten humanitären Sinne, der sich auch in reger Beteiligung an anderen sozialen Institutionen unserer Hauptstadt kundgibt. Von diesen erwähne ich nur die Volksküche und den Verein zur Ausspeisung armer Schulkinder. Diese allseitige edle Wirksamkeit wurde auch an allerhöchster Stelle anerkannt, indem Alexander, dem ersten Juden in Kroatien, der Titel eines königlichen Rates verliehen wurde. Zur vollen Blüte entwickelte sich die soziale Wirksamkeit Alexanders seit Ausbruch des Krieges. Wie überall, wurde auch hier eine „Kriegsfürsorge für die Familien der Mobilisierten" gegründet. Die Seele dieser Institution ist S cha n d o r A l e x a n d e r. 'Seine Umsicht und kaufmännische Tüchtigkeit hat es zuwege gebracht, daß die „Kriegsfürsorge" trotz der fortwährend zunehmenden Preissteigerung der Lebensmittel, chre Sorge auf immer mehr Familien ausdehnt. 5000 Rationen werden da täglich verteilt. > Den Segen dieser Institution genießen auch andere arme Familien, an die täglich etwa 30 000 Laibe Brot unter dem festgesetzten Höchstpreis verabreicht werden. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich damit, daß er die Anschaffung der Lebensmittel für die größten Wohltätigkeitsvereine zentralisierte, darunter für die Spitäler des „Roten Kreuzes" und für die Kriegsfürsorge der israelitischen Gemeinde, über die ich wie auch Wer andere damit zusammenhängende Erscheinungen bei anderer Gelegenheit ausführlich berichten will. Ohne diese wahrhaft großartige Idee wäre die Wirksamkeit dieser Vereine infolge der wachsenden Teuerung der Lebensmittel arg gefährdet gewesen. Man berechnet das bisherige Ersparnis dieser Vereine durch die Zentralisation 'der Lebensmittelbeschaffung auf eine yt Million Kronen. Es gibt in unserer Hauptstadt kaum einen Wohltätigkeitsverein, in dessen Leitung Alexander nicht hervorragenden Anteil nehmen würde. Ein solcher Mann, ausgerüstet mit der schönsten, schon von Rabbi Jochanan ben Jakkaj gerühmten höchsten Eigenschaft des „lev tov" guten Herzens, muß auch ein guter Jude sein. In Wahrheit ist A l e x a n d e r Präsident der Chewra Kaddischa unserer Gemeinde, als Nachfolger seines Vaters, der, dem Sohne als Vorbild, mit seinem schlichten Wesen eine seltene Herzensgüte und das eifrige Bestreben, überall zu Helsen, in sich vereinigt hatte. Er ist ferner Mitglied des Vorstandes unserer Gemeinde und versieht überhaupt eine Fülle von Ehrenstellen; doch saßt er keine nur als Ehre auf, sondern als ein Feld rastloser und unermüdlicher Tätigkeit, und überall ist sein Mitwirken das Unterpfand und die Bürgschaft des Gedeihens und des Erfolges. Trotz dieser vielseitigen Inanspruchnahme, wozu die noch umfangreiche kaufmännische Tätigkeit Alexanders zu rechnen ist, findet er Muße und Zeit für jedermann, der seine Hilfe, Unterstützung und Förderung angeht. Für jedermann hat er nicht nur freundliche Worte und verständnisvolles Entgegenkommen, sondern wirkliche, tatkräftige Hilfe. Die Feier des 50. Geburtstages bot die willkommene Gelegenheit, den Kranz der Anerkennung diesem wackeren Wohltäter darzureichen. Der Merkur-Verein gab eine mit dem Bilde des Jubilars geschmückte Festschrift heraus, in der die Spitzen unseres öffentlichen Lebens die Verdienste Alexanders würdigten, voran im Namen der Landesregierung Zepic (Zfepitsch), der Sektionsches für Volkswirtschaft, dann der Bürgermeister Holjac, der Präsident der israelitischen Gemeinde Dr. S i e b e n f ch e i n und andere. Von den zahlreichen schriftlichen Gratulationen ist hervorzuheben diejenige Sr. Exzellenz des Banus, des Chefs der Landesregierung: „Anläßlich Ihres 50. Geburtstages ist es mir besonders angenehm, Sie herzlichst begrüßen zu können. Ich wünsche von Herzen, daß Sie noch unzählige Geburtstage in bester Gesundheit im Interesse jener öffentlichen, landwirtschaftlichen und humanitären Ziele, für welche Sie mit so unermüdlicher Hingebung verdienstvoll wirken, feiern können. Mit besonderer Achtung Dr. I. v. Skerlecz." Unter den Gratulanten befand sich auch der Erzbischof Bauer. Die Deputation der Kriegsfürsorge überreichte dem Jubilar «in von Professor Sche nva künstlerisch ausgeführtes Festdiplom in einem Rahmen aus patiniertem Silber. Schandor Alexander bewahrheitet in seinem Leben und Wirken die höchste ethische Lehre unserer Thora: „Liebe den Nächsten wie dich selbst." Er gereicht unserer Gemeinde und dem Judentum zum Stolz und zur Zierde. Nblchikd von jMäftina1. Von Heinrich Jork-Steiner. un es gilt, von Palästina Abschied nehmen, quillt die Seele von Empfindungen über, die sich vergeblich bemühen, die Bedeutung dieser seltsamen Wandertage zu erschöpfen. Diese Unzulänglichkeit Zeitigt ein Schmerzgefühl, das uns andeutet, daß wir in all jenen Stunden der Suche nach Unterkunft, in der Verdrießlichkeit wegen mangelhafter Verpflegung, in dem Aerger über die Aufdringlichkeit, mit der die Fremden hier behelligt werden, etwas versäumt haben, was nie wieder einzuholen ist. Der Reichtum von Rom, seine Fülle von Erscheinungen, Kulturreste so vieler bedeutender Epochen, sie sprechen zum Verstände. Je ausgebildeter der Intellekt, je reicher das Wissen vom Wesen der *) Der obenstehende Artikel, dem „Pester Lloyd" entnommen, gibt ein interessantes Stimmungsbild und wird gewiß vielen unserer Leser willkommen sein. Die Redaktion.