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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-27 · Heft 43 (27.10.1916) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 43 (27.10.1916)
Date
1916-10-27
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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508 der Verfasser beharrlich die Schulhäupter Gävn statt Gaon nennt. Alles in allem muß man nach dem Gesagten das Buch ablehnen. Eine Vermittlung gesicherter Forschungsergebnisse ist es nicht: es erfüllt seine Aufgabe nicht, denn es trägt ein ver- '.eichnetes Bild von der Geschichte des jüdischen Volks in eine der Sachkenntnis und Kritik entbehrende Oeffentlichkeit. Der Sammlung ist durch die Einfügung einer so gearteten Darstellung kein Dienst erwiesen. Dir Mache. Berlin, den 24. Oktober 1916. er erste Teil des abgelaufenen Zeitabschnittes trug den Charakter der Ruhe; nur gegen Ende der verflossenen Woche brach ein neuer großer Ansturm im Westen los, der glücklich abgeschlagen wurde. „Zwischen den Schlachten" hat jenen ersten Abschnitt der militärische Berichterstatter eines großen Blattes genannt. Dieses Wort ist allerdings nur dann gerechtfertigt, wenn man unter Schlachten Riesenunternehmungen begreift, wie sie während des gegenwärtigen Krieges leider nicht zu den Seltenheiten gehören. An Kämpfen dagegen, die blutig und ergebnisreich genug sind, hat es auch in der vergangenen, verhältnismäßig ruhigen Woche nicht gefehlt. Nur hat sich dadurch die allgemeine Sachlage gar nicht, die besonderen Verhältnisse haben sich wenig geändert; von einer Entscheidung sind wir nach wie vor weit entfernt, nachdem die Gerüchte über einen Separatfrieden von verschiedenen autoritativen Seiten aus zum Schweigen gebracht worden sind. Selbst Rußland, von dessen Kriegsmüdigkeit man immer am lautesten gesprochen, hat entschieden erklärt, daß es entschlossen sei, „den Krieg bis zu Ende zu führen". Daher gilt es für die Braven an allen unseren Fronten weiter zu kämpfen, um sich zum endgültigen Siege vorzubereiten und für die, die nun Zuhausebleiben verurteilt sind, weiter zu harren und zu hoffen und mit Würde und Ruhe das Aufgeladene zu tragen und das Weitere zu Hoffell. Gegen die R u m ä n e n sind herrliche Erfolge erzielt worden. Obgleich der Herbst im Kalender steht, ist der Winter eingerückt, und wenn auch die Hoffnung auf sonnige Herbsttage noch nicht allfgegeben zu werden braucht —- alle müssen sich vorbereiten auf eine schwere Zeit: die in ihrem Berufe Zu- > rückgebliebenen auf eine Epoche, in der es gilt, sparsam mit dem Vorhandenen zu wirtschaften; die bewundernswerten heroischen Kämpfer, an denen nichts gespart werden kann und soll, aus die doppelt schweren Lasten und Leiden in einer widerwärtigen Jahreszeit, die ja nicht wie in früheren Epochen ruhig in Winterquartieren verbracht werden kann. Unterdessen ist von neueren diplomatischen Verwicklungen nichts laut geworden, nur das unglückliche Griechenland ist vollständig in den Händen seiner Feinde, und der König dieses Landes, der bis zuletzt den Pflichten striktester Neutralität nachzukommen entschlossen war, ist völlig geknebelt durch seine angeblichen Freunde: sie, die die gerechtfertigte, durch andere begangene Verletzung der Neutralität als Verbrechen brandzumarken versucht hatten. Mit der Tätigkeit der U n t e r s e e b o o t e ist es stiller, aber nicht ganz still geworden, vielmehr ist eine reiche Beute voll englischen, französischen und russischen Schiffen, namentlich auch Truppentransportdampfern, ihnen an verschiedenen Stellen, vor allem im Nördlichen Eismeer, zuteil geworden. Durch diese erhöhte Wirksamkeit und dlrrch die hoffentlich in nicht allzu langer Zeit eintretende Vereisung der Schiffszufahrtswege nach Rußland ist zu erwarten, daß dieses mächtige Reich von Zufuhren an Munition lind Geschützen für lange Zeit abgeschnitten lvird. * Der Deutsche Reichst a g setzt in wenigen Plenarsitzungen in um so häufigeren Verhandlungen seines Ausschusses die Beratungen fort. Sie bewegen sich weniger auf dem Gebiete der äußeren als auf dem der inneren Politik lind haben von allgemeinen interessanten Gegenständen im wesentlichen die Teuerung, die bessere Versorgung mit Lebensmitteln und die Zensur berührt. Aus diese Debatten einzugehen, ist nicht unseres Amtes, dagegen halten wir es für unsere Pflicht, in diesem Zusammenhänge auf einen merkwürdigen Vorgang hinzuweisen. In dem parlamentarischen Ausschuß ist auf Betreiben der nationalliberalen Partei der Beschluß gefaßt worden, eine Zähllrng nach dem Glaubensbekenntnisse vorzunehmen von denjenigen Heerespflichtigen, die in den Einkaufsgesellschaften und ähnlichen Betrieben beschäftigt sind. Ob dieser zum Beschluß erhobene Antrag auf Anregung des Abg. S t r e s e m a n n gestellt worden ist, mag gleichgültig sein — die Zeitungen behaupteten es, der betreffende Abgeordnete stellt es in Abrede. Wichtiger ist, ob dieser Antrag eine antisemitische Tendenz verfolgt. Die liberalen Zeitungen behaupten das mit Entschiedenheit, um so mehr, als der Antrag von den Konservativen mit Freuden begrüßt wurde. Die Liberalen meinen, es solle mit einer solchen Untersuchung und Zählung jüdisch eDrückeb erg er ei erwiesen werden; die Nationalliberalen dagegen erklären, ihr Antrag verfolge den Zweck, die Juden von dem ihnen gemachten Vorwurfe zu befreien. In jedem Falle freut es uns, bei dieser Gelegenheit folgende tapfere Erklärung des sozialdemokratischen Abgeordneten Scheidemann mitzuteilen, die der „Vorwärts" abdruckt: „Durch Beschluß der Bndgetkommission des Reichstags vom 19. Oktober, die in den Kriegsgesellschaften beschäftigten Personen nach ihrer Religion feststellen zu lassen, erscheint mir als ein so ungeheuerlicher Verstoß gegen alles g n t e Herkommen und gegen die Grundsätze.eines konfessionell neutralen S t a a t s w e s e n s, daß ich nicht verfehlen möchte, auch außerhalb des Reichstages an jeder mir erreichbaren Stelle a u f s schärf st e V e r tu a h r u n g gegen ihn einzulegen. Den Staat geht das religiöse oder nichtreligiöse Bekenntnis seiner Bürger nicht das allergeringste an. Nach meiner Auffassung hätte jeder Staatsbürger das Recht, sich die zudringliche Frage nach seiner Konfession entschieden zu v e r - > bitte n und sie unter Umständen auch unbeantwortet zu lassen. Wenn die in den Kriegsgesellschasten beschäftigten Personen ohne Unterschied der Konfession die Angabe ihres Bekenntnisses einfach v e r w e i g e r n würden, so wäre das eigentlich nur selbstverständlich, nnd es würde ihnen die Sympathie aller anständig denkenden Men scheu eintragen. Ter Beschluß der Budgetkommission lvird nun freilich damit begründet, daß durch die Erhebung „eine weit im Volke verbreitete Meinung" widerlegt werden soll, wonach in den Kriegsgesellschaften besonders viel „j ü d i s ch e Drückeberger" säßen. Wenn in den Kriegsgesellschaften Drückeberger sitzen, so soll man sie an die Front schicken! Ob sie Juden oder Christen sind, ist total gleichgültig. Ter Beschluß der Budgettommissiou ist aber auch lvirklich nicht als Maßnahme zum Schutze der Juden gegen antisemitische Hetze gedacht, vielmehr kommt er den, Gedankengän-gen der Herren, denen die sogenannte Judenfrage das A nnd O echtdeutscher Politik ist, in der weitherzigsten Weise entgegen. Daß er überhaupt gefaßt lverden tonnte (trotzdem die Regierung sich dagegen verwahrte. T. Red. des „Vorwärts"), ist ein interessantes Symptom. Schon jetzt zeigt sich ganz deutlich, daß nach dem Kriege zwei große Richtungen um die Herrschaft im Innern kämpfen lverden: eine entschieden s r e i h e i t l i che R i ch t u n g , die in der Hauptsache von dem modernen, freien und vorurteilslosen Geist der Arbeiterklasse getragen sein lvird, und eine reaktßo n ä r d e m ago g isch - n .« tionnli ft ischeRicht u n g, die dann naturgemäß auch a n t i - s e m i t i s ch sein muß nnd deren ausgesprochen judenfeindliche Färbilng sich jetzt scholl bemerkbar nracht. Jlll Kampf gegen politische v *

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