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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-18 · Heft 42 (18.10.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 42 (18.10.1916)
Date
1916-10-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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beziehen. Don solchen Gesichtspunkten haben die meisten Redner bei der Aufstellung ihrer Themen sich diesmal leiten lassen. Indem wir die folgende Auswahl den Vereinen zur Verfügung stellen, geben nur uns gern der Hoffnung hin, daß die hiermit erteilten Anregungen freundliche Würdigung finden, die Tätigkeit der Vereine trotz aller Hemmnisse sich fortan wieder heben und mit Gottes Hilfe bald unter dem ersehnten Zeichen des Friedens stehen möge." Die Rednerliste steht auch diesmal den jüdischen Logen und Jugendvereinen zur Verfügung und ist, soweit der Vorrat reicht, durch das Sekretariat des Verbandes, Berlin-Pankow, Florastraße 58, kostenlos zu beziehen. ### Berlin, 16. Oktober. Ter Verein für jüdische G e s ch i ch t e u n d L i t e r a t u r , der im kommenden Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zurückblickt, nimmt zum drittenmal während des gewaltigen Völkerringens seine friedliche Arbeit auf. Er ist auch diesmal bestrebt, die im Vordergrund des allgemeinen Interesses stehenden Fragen zur Besprechung zu bringen, insbesondere Aufklärung über einige der wichtigsten jüdischen Probleme zu bieten, die mit den weltgeschichtlichen Umwälzungen in innigem Zusammenhänge stehen. Die Festsetzung der Vorträge für den Winter 1916/17 ist eine der letzten Arbeiten seines nach Vollendung des siebzigsten Lebensjahres am 2. August d.J. verstorbenen Vorsitzenden Prof. Dr. Martin Philipps o n. Das soeben zur Versendung gelangende Verzeichnis kündigt folgende Vorträge an: Donnerstag, 16. Oktober 1916: Prof. Dr. L u d w i g Stein (Berlin): „Die Weltanschauung des Islam". Donnerstag 9.November 1916: Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Ludwig Geiger (Berlin): „Leopold Zunz". Mittwoch (Bußtag), 22. November 1916: Schriftsteller J ulius Bab (Berlin): „Die Juden und der deutsche Geist". Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Donnerstag, 7. Dezember 1916: Chordirigent Arno Nadel (Berlin): „Das jüdische Volkslied" unter Mitwirkung von Fräulein Bertha Swertlin, Herrn Leo Weißnmnn und einen: Männerquartett. Donnerstag, 11. Januar 1916: Rabbiner Dr. Max Eschelbach er (Düsseldorf): „Die Bedeutung des Willens in der jüdischen Geschichte". Donnerstag, 25. Januar 1917: Prof. Dr.-Jng. Alfred Grotte (Posen): „Aelteste und alte synagogale Kunst in Deutschland und in den östlichen Kriegsgebieten". Mit Lichtbildern. Donnerstag, 8. Februar 1917: Tr. Bernhard Kahn (Berlin), Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden: „Die Bedeutung der Ostjuden für die Gesamtjudenheit". Donnerstag, 22. Februar 1917: Rechtsanwalt M. Lewinski (Berlin): „Die religiöse Idee in ihrer Bedeutung für das Leben". Zweiter populär-wissenschaftlicher Vortrag: Donnerstag, 15. März 1917: Chefredakteur I. Landau (Berlin): „Das altjüdische Haus". — Die Vorträge finden wie bisher im Oberlichtsaal der „Philharmonie", Bernburger Straße 23, statt und beginnen pünktlich 8X> Uhr. Berlin, 16. Oktober. Das jüdische V o l k s b i l d u n g s - und N n t e r h a l t u n g s h e i m (Toynbee-Halle), das während des ersten Kriegsjahres seine Kräfte und Mittel zur Unterhaltung einer großen Kriegsspeiseanstalt aufgewendet hatte, in der an bedürftige Männer und Frauen ohne Unterschied der Konfession über 100 000 Portionen ausgeteilt wurden, soll in diesem Winter wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu geführt werden. Es sollen vorläufig an zwei Abenden der Woche (Mittwoch und Sonnabend) und, falls genügendes Interesse ist, auch an weiteren Abenden wieder volkstümliche belehrende Vorträge aus allen Wissensgebieten gehalten werden, denen sich musikalische und deklamatorische Vorträge, die dem Ernst und der Stimmung der Zeit Rechnung tragen, anschließen. Die Eröffnung ist auf Mittwoch, den 1. November, festgesetzt. Zoppot, 11. Oktober. Am 2 5. vorigen Monats verschied nach kurzem Krankenlager der Lehrer a. D. Simon Friedlaender, Mitglied der Repräsenkantenversnmnrlung der hiesigen Synagogeugeuninde. Herr Simon Friedlaender war Zögling des Berliner Lehrerseminars, wirkte als Lehrer kurze Zeit in Labischin und Rawitsch und 40 Jahre an der öffentlichen jüdischen Schule in Wronke. Vor sechs Jahren trat er in den wohlverdienten Ruhestand und übersiedelte nach Zoppot. Am Rüsttage des Neujahrsfestes wurde er 31t Grabe getragen. Im Trauerhause hielt Rabbiner Tr. Kaelter aus Danzig eine ergreifende Rede, in der er die Verdienste und Tugenden des ausgezeichneten Lehrers würdigte und tröstende Worte an die Gattin und die Kinder des Verewigten richtete. Am Grabe sprach Herr Kantor Oswald (Zoppot) die üblichen Toteugebete. Das Andenken des Gerechten gereicht zum Segen! — Liegnitz, 11. Oktober. In der Nacht zum 4. d. M. verstarb nach kurzem Krankenlager Stadtrat Anton Socha czewski, Präsident der Handeskammer, Ritter des Roten Adlerordens vierter Klaffe, im Alter von 67 Jahren. Seit 17. April 1899 war er Magistratsmitglied, seit 1891 Stadtverordneter. In diesen wie auch in anderen Ehrenämtern, zu denen ihn das Vertrauen der Bürgerschaft berufen, namentlich aber! als langjähriger Dezernent des Theaters und der Gasanstalt, hat er, wie ihm die städtischen Behörden Nachrufen, unserer Stadt in rastloser Arbeit ersprießliche und uneigennützige Dienste geleistet. In der Magistratssitzung widmete der Oberbürgermeister den: Verstorbenen warme Worte der Anerkennung für sein verdienstvolles Wirken. Er sollte am 5. d. M. für eine neue Wahlperiode ins Amt eingeführt werden. Zwei Söhne, der ältere, Dr. Walter Sochaczewski, als Stabsarzt, stehen im Felde. Am 8. Oktober fand die Trauerfeier statt. Zuerst versammelten sich im Sitzungssaale der Handelskammer, 9)4 Uhr, die Mitglieder, Abgesandte anderer Kammern des Bezirks mit den Söhnen zu einer Gedächtnisfeier. Der stellvertretende Kammerpräsident Bankdirektor S-elle hielt die Gedenkrede. Namens des Ausschusses der Handelskammern im Regierungsbezirk Liegnitz widmete Fabrikbesitzer G r i e ß d 0 r f (Görlitz) einen herzlichen Nachruf. Dann gelangte ein Beileidsschreiben des früheren Regierungspräsidenten, Wirklichen Geheimen- Oberregierungsrats Freiherrn v. Seherr-Thoß (Lorzendorf), zur Verlesung, der seiner herzlichen Anteilnahme an dem viel zu frühen .Heimgange dieses vortrefflichen Mannes Ausdruck gab, dessen ehrenwerte, sympathische Persönlichkeit und dessen große Verdienste um Handel und Wandel seiner Heimat ihm stets in dankbarer Erinnerung bleiben würden. In der Synagoge, deren Inneres auf Kosten der Stadt von der Parkverwaltnng mit Blumen und anderen lebenden Gewächsen stimmungsvoll ausgeschmückt war, war vor deren Altar der schwarzverhangene Sarg, von brennenden Kerzen umgeben, anfgebahrt. Dem Trauergottesdienst wohnten Vertreter der staatlichen und der städtischen Behörden, der Körperschaften und Vereine, denen der Verstorbene angehört hatte, bei: Oberbürgermeister C Harb 0 n n i e r mit dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung, die Handelskammer, Geheimer Regierungsrat Kreplin, Negierungsrat v. S ch u l z - H aus m a n n, Geheimer Justizrat W i tz m a n n, Postdirektor Mann, Bankdirektor Meyer, Landschaftsdirektor Scherze r 11. v. a. Nach Gesang des Kantors S 0 m m erseld hielt Rabbiner Dr. Peritz die tiefergreisende Trauerrede, in der er die menschlichen Vorzüge und Tugenden des Dahingeschiedenen in rühmenden Worten schilderte. Auf den Gesang des Synagogenchors folgte der Vortrag des Liedes „Es ist bestimmt in Gottes Rat" durch die Wagner-Sängerin Frau Frieda Langendorf (Berlin), eine Verwandte des Verstorbenen. Unter Geleit des zahlreichen Trauergefolges wurde der Sarg nach dem israelitischen Friedhofe übergeführt, wo die Beerdigung unter dem üblichen Ritual stattfand. I. A. Nürnberg, 11. Oktober. Herr Direktor Moritz Gombrich kann mit dem heutigen Tage auf eine fünfzigjährige Tätigkeit als Lehrer an der Real- und Handelsschule, die seinen Namen trägt. Zurückblicken und übt heute noch in ungebrochener geistiger Frische und Regsamkeit sein Lehramt ans, nachdem der Krieg große Lücken innerhalb der Lehrerschaft erzeugt hak. Die Schule ist, seitdem der Genannte die Leitung übernommen hat, aus kleinen Anfängen zu großer Blüte und zu hohen: Ansehen gelangt. Was Direktor G 0 m b r i ch, der das Amt des 2. Vorsitzenden der hiesigen Kultnsgemeinde und des 1. Vorsitzenden des Vereins für die Interessen des liberalen Judentums bekleidet, für das Judentum innerhalb und außerhalb der hiesigen Gemeinde geleistet hat und iroch leistet, ist in diesem Blatte vor einiger Zeit anläßlich seines 70. Geburtstäges entsprechend gewürdigt worden. Möge es dem allverehrten, schaffensfreudigen Manne noch recht lange vergönnt sein, zum -Segen der Allgemeinheit wie der Jugend und des Judentums ebenso tatkräftig wie bisher zu wirken. — Brannfchweig, 10. Oktober. Herr Dr. Paul Ri eg er hat die landesherrliche Bestätigung erhalten und sein Amt bereits angetreten. Am Vorabend des Neujahrsfestes wurde der neue Geistliche vom Vorstande der Jüdischen Gemeinde in der Synagoge in sein Amt eingeführt und auf dasselbe vom Vorsitzenden des Gemeindevorstandes verpflichtet. Er ergriff sodann von der Kanzel Besitz und legte in warmen, zu Herzen gehenden Worten dar, wie er sein verantwortungsvolles Amt zu führen gedenke. Mit einer Fürbitte für Kaiser und Herzog und den Sieg der deutschen Waffen schloß die

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