Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1916)
- Date
- 1916-10-18
- Page
- Seite 497 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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497 - er cntfdjieb sich doch dafür, die Hospitalsynagoge der S1 u 11 u s - f c f 11 o n ju unterstellen und die Beaufsichtigung der Synagoge gegen freie Ueberlassung der dabei befindlichen Wohnung einer bestimmten Persönlichkeit zu übertragen. Und mit dem Bestreben, die Tätigkeit zu konzentrieren, gingen ständig zugleich Versuche einher, die Organisation zu vereinfachen und damit leistungsfähiger zu machen. So wurden 1818 neue Instruktionen an die Spitalmeister erlassen. 1827 wurde eine Gemeindekommission zur Ausarbeitung einer neuen Spitalverwaltungsordnung eingesetzt, welche 1830 in Kraft trat. 1836 brachte man wieder eine Spitalordnung heraus, die sich dann allerdings im wesentlichen lange erhielt. Die Schwierigkeiten, welche dabei zu überwinden waren, und der Nutzen, welcher bei der Neueinrichtung erzielt wurde, das alles darzulegen, würde llns zu weit führen; ich verweise auch hier wiederum auf die überaus interessanten Darlegungen des Verfassers. Freilich blieb auch in der Folge die Einführung von Reformen «unvermeidlich. Das Wachstum der Stadt, die Zunahme der Bevölkerung, die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft selbst und auch die dadurch gesteigerten klini-' schen und chirurgischen Anforderungen sprengten den bisherigen Rahmen der sozialhygienischen Fürsorge. Namentlich aber war es der Krieg von 1870, der mit seinem flutartig hervorgerufenen Bedürfnis nach ärztlicher Behandlung den schon früher einmal aufgetauchten Gedanken einer Modernisierung und Erweiterung der Hospitalsräume zu neuem Leben brachte. Im Jahre 1871 wurde eine Kommission ernannt, die alle zur Erbauung eines Krankenhauses erforderlichen Maßnahmen treffen sollte. Durch eine Schenkung der Familie Königswarter von 200 000 fl., die später noch um 15 000 fl. erhöht wurden, war die Verwirklichung des Planes möglich geworden. So entstand das Königswarter-Hospital, das im Juni 1875 der Oeffentlichkeit übergeben wurde und in Anlage und Einrichtung ebenso den Bedürfnissen der Gemeinde wie den Anforderungen der Wissenschaft entsprach. Infolge der wachsenden Geltung der Hygiene und der mit den Jahren gesteigerten Inanspruchnahme des Spitals machten sich zwar später wiederholt bauliche Veränderungen notwendig. Sie bedeuteten aber immer Verbesserungen, so daß die Anstalt stets auf der Höhe ihrer Aufgabe blieb. 1886 erfuhr auch die Hospitalsordnung eine Umgestaltung, wobei besonders über die Aufnahmebedingungen der Kranken, die Finanzgebarung, die Betriebsverwaltung sowie das Aerztewesen neue Bestimmungen getroffen wurden. Auch die früher erwähnten Krankenkassen nahmen in der Folge einen beträchtlichen Aufschwung. 1826 schlossen sich die beiden Männerkrankenkassen zusammen und bildeten hinfort eine einheitliche Organisation unter dem Namen: Israelitische Männerkrankenkasse. Eine Schenkung von 100 000 fl., die Neues Rrankenhaus der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M Wirtschaftsgebäude. dieser und zugleich der Frauenkrankenkasse vorn Hause Rothschild zuteil wurde, ermöglichte es den beiden Anstalten, 1820 bzw. 1831 sich eigene Krankenhäuser zu errichten. 1845 wurde die Versorgungsanstalt für Israeliten ins Leben gerufen. Ihr Zweck ist die Verpflegung alter siecher und arbeitsunfähiger Israeliten. Seit 1889 ist die Anstalt im Besitze eines eigenen Heims. Im Jahre 1870 wurde durch Freiherrn und Freifrau Wilhelm Karl v. Rothschild die „Georgine Sara von R o t h s ch i l d s ch e Stiftung" begründet. Das Hospital, das 1878 bezogen werden konnte, gewährt unbemittelten jüdischen Kranken Aufnahme, die in den anderen am Orte bestehenden Heilanstalten unentgeltlich keine Unterkunft zu finden vermögen. 1886 wurde von Freifrau Mathilde v. Rothschild das Israelitische Kinder Hospital zur unentgeltlichen Aufnahme kranker, mittelloser israelitischer Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren gegründet. Durch die Schenkung einer wohltätigen Dame, Frau Gumpertz, wurde 1892 der Ankauf eines eigenen Hauses und darin die Installierung des G u m P e r tz s ch e n Sieche n h a u s e s ermöglicht. Es sollte zur Verpflegung von solchen Kranken israelitischer Konfession dienen, die entweder unheilbar sind oder durch die Art ihres Leidens eine so lange Verpflegung erfordern, daß diese ihnen in einern Hospital nicht gut geleistet werden kann. Durch Angliederung der Minka v. Goldsch m i d t-R o t hschildschen Stiftung waren die Mittel gegeben, für die weiblichen Pfleglinge ein eigenes Heim zu errichten. Noch viele andere milde Stiftungen, die im Dienst der Krankenfürsorge stehen, besitzt die Jüdische Gemeinde Frankfurts, von denen ich im folgenden nur Notiz nehmen möchte, und auch das ganz unvollständig, ohne ihnen eine Würdigung zuteil werden zu lassen: so der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, der sich zur Ausgabe gemacht hat, jüdische Mädchen auszubilden und zur Krankenpflege ohne Unterschied der Konfession zu verwenden; die 1866 begründete Stiftung für gebrechliche oder verwahrloste Kinder mit dem Zwecke, bedürftigen israelitischen Kindern, die mit körperlichen, geistigen oder sittlichen Gebrechen behaftet sind, Unterhalt, Kleidung und Erziehung oder sonst geeignete Beihilfe, unter anderem auch eine entsprechende Unterkunft und ärztliche Behandlung, zu gewähren und sie arbeits- «und erwerbsfähig zu machen; der Verein Bikkur Eh o lim, der armen Kranken Nahrungsmittel, Medikamente, Verbandstoffe, Brillen und orthopädische Behandlung gewährt. Die Nähe der Bade- und Kurorte des Taunus brachte schon vor vielen Jahren die jüdischen Wohltäter Frankfurts auf den Gedanken, sie durch Schaffung besonderer Anstalten auch für arme kranke Juden nutzbar zu machen. So entstanden nach und nach die zum Teil außerordentlich segensreich wirkenden Institutionen in Soden, Nauheim, Hofheim a. T. und Oberstedten bei Homburg v. d. H.