Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1916)
- Date
- 1916-10-18
- Page
- Seite 495 (sequence 3)
- Language
- German
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495 wenn man damit vergleicht, mit welchen ungeheueren Anstrengungen und zugleich höherem Zinsfüße die wider uns vereinten Mächte nur ihre Gelder aufzubringen vermögen. Die andere Nachricht, die wir mit Freude begrüßen, ist die glückliche Fahrt, die ein deutsches Unterseeboot, „II 53", von Wilhelmshaven nach Amerika zurückgelegt hat. Es ist bereits wieder auf der Heimreise begriffen. Möge dem wackeren Führer des Schisses, Rose, eine glückliche Heimkehr beschieden sein. Handelte es sich auch bei dieser Fahrt nicht um Uebersendung kostbarer Ladung, sondern, wie es scheint, new um Depeschen für den deutschen Gesandten in Amerika, so gewährt diese Fahrt doch die Ueberzeugung, daß es möglich ist, trotz der Blockade, die England vollständig durchgesührt zu haben wähnt, eine Verbindung zwischen Deutschland und Amerika herzustellen. Es wird weiter geineldet, daß England gegen das Anlaufen eines amerikanischen Hafens durch das ll-Boot Protest eingelegt hat; es ist Amerikas Sache, diesen Protest gebührend zu beantworten. Dies ist nun geschehen. Auch sonst haben unsere Unterseeboote auf den verschiedensten Meeren tüchtige Arbeit geleistet. Auch wenn man die übrigen Kriegereignisse betrachtet, hat man nur Anlaß zu gehobener Stimmung. Wir sind im Gegensatz zu unseren Feinden der Ansicht, daß das Bewähren der deutschen Widerstandskraft, verbunden mit kleinen Erfolgen in Ost und West, weit entfernt davon, den Krieg zu verlängern, nur die Wirkling haben könne, den Gegnern die Unmöglichkeit ihres Sieges vor Augen zu führen. Bon seiten der neutralen, sowohl der schweizerischen als der holländischen, Blätter wird jetzt das, was die Deutschen immer sagten, versichert, daß ein Durchbruch unmöglich ist, und es hat den Anschein, wie aus einzelnen Aeußerungen der feindlichen Presse hervorgeht, daß unsere Gegner endlich zu der Einsicht gelangen, daß ihr Ringen ein vergebliches und ihr Prahlen ein unbegründetes gewesen ist. Darum freuen wir ans der Einnahme von Kronstadt, durch welche die Befreiung Siebenbürgens beinahe vollzogen ist, und der kläglichen Hilferufe, welche die Blätter der Entente für Rumänien lusstoßen, da sie am besten beweisen, wie schlecht es mit der Sache dieses neuesten Bundesgenossen unserer Feinde steht. Auch die Nachrichten ans dem Westen lauten zufriedentellend; von einem Durchbruch, den die verbündeten Feinde innrer wieder versuchen, ist trotz einzelner kleiner Erfolge, die ae vermöge ihrer Uebermacht davontragen, durchaus keine stede, und auch die Bemühungen der Russen i m S ü d - 'sten und der Italiener im Süden haben keinerlei zünftiges Resultat aufzuweisen. Wenden wir. uns zu den inneren deutschen Verhältnissen, o wird es immer klarer, daß die Feinde des Reichskanzlers;it ihrer Abneigung gegen die von diesem vorgetragenen Anschauungen nicht durch die Meinung gelangen, daß dessen Wendung gegen unsere Feinde nicht energisch genug sei, iondern in Wirklichkeit bloß durch die Befürchtung, daß die gegenwärtige Reichsregierung den linksstehenden Parteien ireundlich gesinnt sei. Dies geht ziemlich deutlich hervor aus einer Besprechung, die die „Deutsche Tageszeitung" dem jüngst abgehaltenen sozialdemokratischen Friedenskongreß in Frankmrt a. M. widmete, einer Besprechting, in der es hieß, „daß die in ttnseren Tagen als innerpolitisches Kriegsziel so oft verherrlichte „völlige Durchführung der staatsbürgerlichen Gleichheit" tatsächlich nichts anderes bedeutet, als daß Juden and Sozialdemokraten, die jetzt daheim obenauf sind, atlch fernerhin und dauernd das Heft in der Hand behalten". * Zur Kennzeichnung derselben antisemitischen Stimmung sei auf die nachstehende Stelle, die sich in der „Welt am Montag" findet, hingewiesen. Notwendigkeit und Nützlichkeit der Kriege. Ein Oberleutnant Dr. Phil. Brönner hat eine Broschüre mit dem Titel „Die geistigen Gewinne des Weltkrieges" erscheinen lassen. Der antisemitische „Hammer" widmet dieser Schrift folgende Besprechung: „Gar mancher dürste der Meinung sein, daß dieses Thema zu behandeln jetzt noch verfrüht sei, und darüber Zweifel hegen, ob inan überhaupt von geistigen Gewinnen dieser Völkerschlacht sprechen kann? — Nun, im „Hammer" ist wiederholt der unbestreitbaren Tatsache Raum gegeben worden, daß der Krieg der unübertrefflichste Lehr- und Zuchtmeister der Menschheit ist. Die gleiche Auffassung hegt der geschätzte Verfasser und gibt in dieser kleinen Schrift eine kurze, aber dennoch umfassende Bilanz über die Wirkung dieses Krieges ans unser Volk im speziellen wie auch auf die anderen Völker. Es springt dabei die hohe Summe von tatsächlichen Gewinnen in die Augen. Dieselben jedermann sichtbar für die Zukunft nutzbar zn machen, das ist der Zweck dieser verdienstvollen Arbeit. Möge sie daher allseitige Beachtung finden." Wenn der Krieg der „unübertrefflichste Lehrtind Zuchtmeister der Menschheit" ist, so werden wohl alle wahren Menschenfreunde für eine regelmäßige Wiederholung des Weltkrieges in nicht allzu weiten Abständen eintreten müssen. Von den antisemitischen „Menschenfreunden" wenigstens ist das wohl sicher anzunehmen. Die lieben ja die gesamte Menschheit s o! * Unterdessen haben nach längeren Beratungen des parlamentarischen Ausschusses die öffentlichen Sitzungen des Deutschen Reichstages begonnen, die einer Aussprache über die äußere und innere Politik des Reiches gewidmet sind. Es ist nicht unsere Sache, in diese Verhandlungen des näheren einzugehen. Wir würden uns dazu nur gedrängt fühlen, wenn bei diesen Debatten die Judensrage behandelt würde, was bisher nicht geschehen ist. Unseren Standpunkt betreffend die Stellung der Parteien ztt der Politik des Reichskanzlers haben wir in der letzten Uebersicht gekennzeichnet. Heute mag es genügen, darauf hinzuweisen, daß bedeutsame Angriffe wider ihn nicht laut geworden sind. Vor allem aber muß betont werden, daß die Vertreter aller Parteien einig sind in der Verkündigung des festen Willens, den Kampf bis zrtm glücklichen Ende zu führen, und daß Meinungsverschiedenheiten höchstens darin bestehen, daß die einen eine wesentliche Vergrößerung des deutschen Gebietes als das erstrebenswerte Ziel hinstellen, während die anderen vor jeder Eroberungspolitik warnen und die Wiederherstellung derjenigen Reiche verlangen, die im Westen und Osten von ttnseren Truppen besetzt sind. * Diese Nummer erscheint unmittelbar vor Beginn der letzten festlichen Tage, die am Schluß der Reihe der „großen Feste" stehen. Dann kommt nur, dttrch die kleineren Feste: Channka ttnd Purim unterbrochen, eine lange Reihe festloser Monate, die den langen Winter erfüllen. Ueber die Bedeutung dieser Feste ist in den Leitartikeln, die aus berufenen Federn stammen, Genügendes gesagt worden; hier mag nur ein kurzes Wort hinzugefügt werden. Die großen Feste, die den Menschen zum Nachdenken über seine Stellung zu Gott, zu den Menschen und über seine Bestimmung führen sollen ttnd die einen -feierlichen Charakter tragen, schließen sinnigerweise mit einem heiteren Tage, dem „Freudenfest an der Thora". Der Mensch, der sein Sündenbekenntnis abgelegt hat und sich dadurch sowie durch die Fassung fester und heiliger Vorsätze gebessert und gereinigt glaubt, blickt nun auf mit Freude zu seinem Gotte und empfindet den lebhaftesten Dank für die Lehre, die ihm zttteil geworden. Dieses Bewußtsein soll ihn nicht stolz machen, soll ihm nicht die Empfindung einer bevorzugten Stellung gewähren, sondern sie soll nur das Band kräftigen, das zwischen ihm