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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-18 · Heft 42 (18.10.1916) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 42 (18.10.1916)
Date
1916-10-18
Page
Seite 494 (sequence 2)
Language
German
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die seinen finsteren Weg in die Fremde beleuchtete; sie führte seine Kinder mit sicherer Hand von Land zu Land und von Volk zu Volk durch eine Welt von grimmigen Feinden, die ihnen nach dem Leben trachteten; sie geleitete und erfüllte Israels Söhne und Töchter mit Mut unb Kraft, als sie, um der Schande zu entgehen oder um nicht ihrem Gott untreu zu werden, sich in Meeresfluten und Feuerslammen stürzten. „Höre Israel, was dein Herr spricht", lautete ihr ermunterndes Wort, das gleich jener Horeb-Stimme, nur dem feinsten Ohr vernehmbar, ihm entgegentönte: „Fürchte nicht, denn ich erlöse dich. Wenn du durch Ströme ziehest, sie fluten dich nicht weg; .wenn, du durch Feuer gehest, die Flamme verzehrt dich nicht. Siehe, zu Schanden und Schmach werden diejenigen, die gegen dich entbrennen; zunichte werden sie und kommen um, die dich bekriegen; du suchst sie und findest sie nicht — fürchte nichts, Wurm Jaakob!"°). An diese Worte anknüpfend bemerken unsere alten Lehrer: nDö 11 fil^in HD r6sn cr6 ‘»nt?’ *p nsa vba D’nxn iis Wie der Wurm der mächtigen Zeder nur mit dem Munde beikommt, so besiegt Israel seine Feinde nur durch die Macht seines inbrünstig gesprochenen Gebetes, das selten seine Wirkung verfehlt"). Oder ist es nicht so? War es nicht seit dem Auszug aus Aegypten bis auf den heutigen Tag das von Israel an seinen Gott gerichtete Gebet um Hilfe und Beistand, das ihm in dunkelster Leidenszeit die notige Widerstandskraft verlieh? Bildete dieses ewige Mysterium nicht die erprobteste Waffe, mittels deren es über seine unzähligen Feinde triumphierte? Wo gibt es ein zweites Volk auf Erden, das wie Israel Jahrtausende für den Fortbestand seines Volkstums gekämpft und geblutet, das wie Israel sich rühmen dürste, es allen Gewalten zum Trotz in seiner fast ursprünglichen Reinheit bewahrt zu haben? Wo ist noch ein Volk, das, in tausendjähriger Knechtschaft gejagt, verfolgt und geschlagen, doch nicht zu Zigeunern herabsank? Was dagegen ist aus seinen Bedrückern geworden? Wo sind die Aegypter, Assyrer,,Babylonier, Perser, Griechen und Römer und die vielen anderen, die Israel mit Leichtigkeit ausrotten zu können glaubten? Ich überlasse die Beantwortung dieser Fragen denjenigen, die, ausgehend von der Ansicht: JT2 D’ljn *?33 Israel habe den anderen Völkern nichts voraus, sich erkühnen, seine Auserwähltheit in Abrede zu stellen. Wir aber berufen uns auf die Ergebnisse der Geschichte, die nicht nur beweisen, daß der jüdische Stamm seit dem Tage seines Auftretens auf die historische Weltbühne von einer höheren Macht geleitet wird, sondern daß er auch von dieser Macht, unter der wir den ewigen Lenker der Menschengeschicke verstehen, mit einer Ausgabe betraut worden, die, weil sie noch immer nicht völlig gelöst ist, er lösen muß und lösen wird — vielleicht ohne seinen Willen und trotz der scheinbar unüberwindlichen Hindernisse, welche die Mächte der Finsternis unausgesetzt der Ausbreitung des sinaitischen Lichtes in den Weg stellen. Das ist der Gedanke, auf dem das Judentum gegründet ist, der unser Schrifttum durchleuchtet und unsere Feiertage zu Festtagen des Herrn gestaltet, die kein anderes Ziel verfolgen, als durch Israel, dessen Kraft sie verjüngen und stählen, die Lehre von der Einheit Gottes und der Einheit des Menschengeschlechtes zu propagieren. „Warum feiert ihr eure Feste?" fragte ein Heide den Rabbi Akiba. „Gott ließ euch doch durch seinen Propheten sagen: Eure Neumonde und Feste hasset meine Seele." „Du hättest recht," erwiderte ihm der Rabbi, „wenn es hieße: meine Neumonde und Feste. Ter Ansdruck aber *) Jesaja 41 und 43. 1#) Iälkut Schimoni z» Iesaia 41. lautet: eure Neumonde und Feste, die denen des Jerobeam gleichen. Solche Feste begehen wir nicht. Die Feste, die wir feiern, sind die Feste Gottes, durch deren Heilighaltung wir der Welt seinen Namen und sein Heil verkünden""). Die Lehren dieses großen Märtyrers des Judentums, der an einem Versöhnungstag mit dem altenRufe „Sch'maJisrael!" unter Henkershand seine reine Seele aushauchte, sind dem jüdischen Volke in Fleisch und Blut übergegangen. Wir feiern das Passahfest zur Erinnerung an die Befreiung Israels aus dem Sklavenjoch Aegyptens und lenken dabei, auch in Tagen neuer Knechtschaft, unseren Blick auf das NOS große Befreiungsfest, das in Zukunft die ganze Menschheit feiern wird. Wir begehen das Wochenfest als einen Tag, der uns mahnt, die uns offenbarte Lehre als ein kostbares Gut zu wahren und zu schützen, das bestimmt ist, das Eigentum aller Menschen zu werden. Der erste Tag des Monats' Tischri als Jahresbeginn erinnert uns an den Beginn der Menschheitsgeschichte und stärkt in uns die Zuversicht, daß früher oder später die Zeit kommen wird, in der das von den Propheten verkündete „Gottesreich" die sich bekriegenden Völker zu einer friedlichen Völkerfamilie vereinigen wird. Das gleiche Ideal schwebt uns vor am Versöhnungstage, an dem wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit nicht bloß für uns, sondern für alle Völker der Welt erflehen: „Möchten doch auch die Fernen es hören und herbeikommen, um das Joch seiner Herrschaft auf sich zu nehmen und ihm die Königskrone zu reichen""). Von ähnlichen Gefühlen sind wir am Hüttenseste durchdrungen, an dem Israel schon in alter Zeit täglich zahlreiche Opfer für das Wohl und Gedeihen der Menschheit darbrachte. Von diesen Gefühlen sind wir auch am Sch'mini azeret geleitet, an dem wir um fruchtbaren Regen beten, nicht nur für uns, sondern für alle Erdenbewohner, immer den Blick auf künftige Zeiten gerichtet, eingedenk des Wortes: T’nj?1? JÖlTÖ SiaS Der achte — das Schlußsest — ist für eine späte Zeit bereit: für die von unseren Propheten der Menschheit verkündete glückliche und friedliche Zukunft, an die unsere Väter auch in Tagen schwerer Leiden geglaubt und die auch unsere Hoffnung ist. Sie Woche. Berlin, den 15. Oktober 1616. n freudiger Stimmung darf dieser Bericht begonnen K werden. Zwei Ereignisse erfüllen uns mit starkem Hochgefühl. Das eine ist der glänzende Erfolg der fünften Kriegsanleihe: es sind, wie bereits mitgeteilt, 10 Milliarden 651 Millionen gezeichnet worden mit Ausschluß der Auslandszeichnungen und derer aus dem Felde — ein wunderbares, wohl kaum geahntes Resultat. Wunderbar, da nach einer solch außerordentlichen Anspannung, wie sie die vier ersten Kriegsanleihen darstellen, eine solch ungeheuere Summe kaum vorausgesetzt werden konnte und kaum geahnt, da selbst in unterrichteten Kreisen Mahnungen und Befürchtungen laut geworden waren, die den Erfolg in Zweifel stellten. Man darf in dem glücklichen Verlauf der Anleihe einen wirklichen Triumph der deutschen Sache, einen friedlichen Sieg begrüßen, nicht etwa bloß, weil er die Hoffnungen der Feinde zertrümmert, die sie auf unsere Erschöpfung setzten, sondern weil er für viele Monate die Mittel zur Fortsetzung des ungeheuren Ringens gewährt, die für den uns einmal aufgedrungenen Kampf nötig sind. Dieser Erfolg ist um so außerordentlicher, wenn man bedenkt, daß diese Riesensumme ausschließlich im Jnlande aufgebracht worden ist, und ") Numeri Rabba K. 21. "') Mnssafgebet für Nosch haschnnn und Jom kippur.

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