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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-18 · Heft 42 (18.10.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 42 (18.10.1916)
Date
1916-10-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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8v. Jahrgang Nr. 42 Berlin, I&. Oktober 1916 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnement s<prels» durch den Buchhandel oder die post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 NI. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps-« Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Zerusalemer Strasse 40-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „ALgem. Zeitvng der Judentums", Berlin SW, Ierusalenler Straße 4b 4), zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. TfttftPlft"' Israels Schutz und Hoffnung. Von Albert Katz, — Die LßNLJULL. Woche. — Ein Kapitel Geschichte jüdischer Krankenpflege. Von Dr. Alphons I. Sußnitzki. -- Heeresfeelsorge im Inland. — Herrn Dr. Emil Cohns Attacke gegen die „Demagogie und Anarchie" des liberalen Judentums. Von Referendar Tr. Ernst Emil Schweitzer, Breslau. — Ludwig v. Gerngros. — Feuilleton: Der Gast aus dem Heiligen Lande. Von A. Eliasberg. — Kriegsgetraut, Arbeiter, Rosenthal. Von Feldrabbiner Dr. Martin Salomonski. — Vision. Von Alfred Friedmann. — Ueberall. Von Alfred Friedmann. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Berichtigung. Der Genieiridebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Zoppot, Liegnitz, Nürnberg, Braunschweig, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mainz, Karlsbad. — Von Nah und Fern. Ursels Schutz unü Hoffnung. (Betrachtung zum S ch l u ß s e st.) Von Albert Katz. as Judentum ist reich an historischen Erinnerungen, die es in seinen alle flüchtigen Zeitströmungen überdauernden religiösen Einrichtungen, insbesondere in seinen Fest-, Fast- und sonstigen Gedenktagen, festhält, um den Geschlechtern, die gehen und kommen, eine sichere Schutzwehr zu bieten — sowohl vor den Stürmen des Hasses in den Tagen des Druckes und der Verfolgungen als auch vor den Lockungen des Verrats und des Abfalls in Zeiten der Ruhe und des Friedens. Israel wird in der Heiligen Schrift ein a u s erwähltes Volk,das des Ewigen Anteil ist"), genannt, und gerade als ein solches bedurfte und bedarf es noch immer eines ganz besonderen Schutzes, um den einmal beschrittenen Weg allen Irrungen und Hindernissen zum Trotz fortsetzen zu können. Denn nicht immer hat Israel an seine Auserwähltheit gedacht, nicht immer das Walten einer übersinnlichen Macht in seinem Geschick verspürt und in ihr den unsichtbaren Gott der Väter als seinen Herrn und Leiter durch die Geschichte der Menschheit erkannt, wie es in seiner Mitte auch gegenwärtig noch viele gibt, die sich zur Höhe dieser Anschauung nicht emporschwingen können. Von Mose bis Jesaig und noch viel später war aus dem Munde der Lehrer und Führer Israels die beschämende Klage zu vernehmen: Verstockt ist das Herz dieses Volkes; seine Ohren sind schwer und seine Augen stumpf; es sieht nicht, hört nicht und erkennt nicht den Weg, der zu seinem Heile führt'). Zeichen und Wunder mußten geschehen, Ströme von Blut und Tränen «rußten fließen, Israel mußte wiederholt die heimatliche Scholle verlassen und in ferne Länder und unter fremde Völker ivandern, bis es zu der Erkenntnis gelangte, daß das Wort seines großen Gesetzgebers: „Israel ist des Ewigen Anteil, Jakob das Los seines Besitzes"") kein Ausfluß einer über- ') Deut. 7, ß. -’) Iesaia 6, 10. '■') Deut. 32, <). reizten Phantasie, sondern das ewig wahre Wort des ewig wahren Gottes ist, der, wie der Adler sein Nest, Israel bewacht und behütet, seine schützenden Flügel ausbreitet und es hoch auf seinen Schwingen trägt'). Das von Mose kurz vor seinein Tode gesprochene Wort: „Frage deinen Vater, er wird es dir sagen, deine Alten, sie werden es dir künden"") ist ein an Israel gerichtetes Testament für alle Zeiten, denn die Geschichte war und ist seine bewährte Lehrmeisterin. Sie enthüllt ihm zwar nicht den Zweck seiner den Jahrtausenden trotzenden Existenz als Volk unter den Völkern, aber sie offenbart ihn: immer von neuem, daß fein Fortbestand einen bestimmten Zweck habe, auch wenn dieser, wie der Zweck der Welt und unseres irdischen Daseins überhaupt, ihm ein ewiges Geheimnis bleibt. Hier hilft es nicht klüger als klug zu sein, indem wir eine Erscheinung, die unserem menschlichen Verstand unbegreiflich ist, als ein Phantom bezeichnen. Mit einem geringschätzigen Achselzucken und spöttischen Lächeln über Israel als sogenanntes Werkzeug der Vorsehung, mit einem verächtlichen Abtun der Lehre von seiner Auserwähltheit als Einbildung oder gar Anmaßung seitens derjenigen, die sie , betrifft, ist sie noch nicht aus der Welt geschafft. Selbst der Apostel Paulus, der im Gegensatz zu seinem Herrn und Meister auch die Juden, die seine Lehre annahmen, vom mosaischen Gesetz entbinden zu dürfen glaubte, konnte nicht umhin zu bekennen: „Nach dem Evangelium halte ich sie (die Juden) für Feinde um euretwillen, aber nach der Wahl habe ich sie lieb um der Väter willen. Gottes Gnaden und Berufung mögen ihn nicht gereuen""). Freilich hat Israel im Laufe der Jahrtausende seiner Geschichte nicht selten an seiner Auserwähltheit gezweifelt, infolge der erlittenen Leiden mit seinem Schicksal gehadert und wie einst Hiob gesprochen: „Was ist meine Kraft, daß ich hoffe? Was mein Ziel, weshalb ich dulde?"h. Allein diese pessimistische Stimmung hielt nicht lange an, es überwand sie ebensoschnell, wie es seine Leiden überstand; ja es fühlte sich sogar oft gerade unter dem härtesten Druck stark und gehoben, eingedenk des Wortes: „Es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft""). Und diese aus den Wechselfällen seiner Geschichte gewonnene unerschütterliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft hat Israel weder gereut noch getäuscht, so daß es auch im Ausharren und Durchhalten in Zeiten tiefster Bedrängnis der leidenden Menschheit als Muster und Beispiel dienen darf. Ja, die Hoffnung auf eine bessere Zukunst, die in der Liturgie aller unserer Feste so beredt zum Ausdruck kommt, war es, die ihn: in Not und Drangsal voranzog und eine Feuersäule bildete, ') ibidem 32, 11. r“) ibidem ") Römer 11, 28. 7) Hiob 6, 11. s) Ieremiu 31, 17.

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