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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-11 · Heft 41 (11.10.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 41 (11.10.1916)
Date
1916-10-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der Betrieb nach Möglichkeit erweitert. Doch erst der Krieg brachte den Vorstand — an dessen Spitze unsere hochverdiente Sidonie Werner steht — zu dem Entschluß, seine Ferienkolonie in ein ständiges Heim für Erholungsbedürftige umzuwandeln. In erster Linie sollten nach wie vor Schulkinder berücksichtigt werden. Dann aber sollte auch den kleinen und kleinsten Geschwistern der Schulpflichtigen, jenen, die ja ebensosehr der Landluft, stärkender Bäder und kräftigender Kost bedürfen, die Wohltat eines Landaufenthalts zuteil werden. Und da, wie ihre Kinder, auch manche Mütter der Hebung der Kräfte bedürfen, nahm man mit uneingeschränkter Großzügigkeit auch sie mit hinaus zu liebevoller Verpflegung. Glücklicherweise konnte dank weitreichender Jnteressenbetätigung der Vereinsmitglreder und Gönner und praktisch bewährter Tätigkeit der Leiterin und ihrer Hilfskräfte Speise und Trank in völlig genügendem Maße während des ganzen Sommers verabfolgt werden. Wie die Verpflegung beweisen auch die jedwede Rücksicht auf Hygiene bekundenden Einrichtungen des Betriebes hausfrauliches Verstehen, Denken und Sorgen. Das Bestreben der Vorsitzenden und Leiterin des Heims, Fräulein Sidonie Werner, ist nur darauf gerichtet, daß die Pfleglinge das Heim gekräftigt und gestählt wieder verlassen. Eine mit der Kinderpflege und dem Umgang mit der Jugend besonders vertraute Schwester steht der Leiterin und ihren Helferinnen zur Seite. Die Gastfreundschaft des Humanitären Frauenvereins ließ aber auch noch andere Gäste in ihr Heim einziehen. Eine Anzahl unserer tapferen Feldgrauen hat hier einige wohlempsundene Erholungs¬ und Stärkungswochen mit voller Verpflegung verlebt. Der Humanitäre Frauenverein, der sich auch auf anderen Gebieten der Wohltätigkeit während der Kriegszeit so glänzend bewährt hat, hat auch hier mit der Entwicklung seines Erholungsheims ein segensvolles Werk sozialer Kriegsarbeit geleistet. — Dortmund, 6. Oktober. Den 70. Geburtstag beging am 27. v. M. Herr Isidor G o l d s ch m i d t, Mitglied des Vorstandes der Shnagogengemeinde und Vorsitzender des Kuratoriums für jüdische Krankenpflegerinnen, ein angesehener und ausnahmslos beliebter Mitbürger. Es erschienen Abordnungen der Synagogengemeinde (Vorstand und Repräsentanten), der Getreidebörse, der Märkischen Loge, des Jüdischen Frauenvereins, des Kuratoriums für jüdische Krankenpflegerinnen und anderer Vereine und Körperschaften, um ihre Glückwünsche darzubringen. Die Handelskammer sandte ein Glückwunschschreiben. Wir wünschen Herrn Goldschmidt. einen langen und sonnigen Lebensabend, den er nach einem arbeitsreichen Leben verdient. F. K. Nürnberg, 6. Oktober. Die Bestattung des verstorbenen Herrn Geh. Kommerzienrats Ludwig Ritter v. Gerngros, Ehrenbürgers der Stadt Nürnberg, erfolgte gestern nachmittag in der Verbrennungsanstalt auf dem Westsriedhof. Der Trauerfeier wohnten außer den Verwandten des Verstorbenen u. a. bei: Herr Regierungsprästdent Exzellenz Dr. v. B l a u l, Herr Generalmajor S t e i n d e l, der aus dem Urlaub eigens zu diesem Zwecke zurückkehrte, Herr Oberbürgermeister Dr. Goßler, Herr Eisenbahnpräsident K a l ck b r e n n e r, Herr Bezirksamtmann Regierungsrat v. Axthelm, Herr Bürgermeister Hofrat Bräutigam, Herr 1. Vorstand des Gemeindekollegiums Dorn / Herr Rechtsrat Tr. Merkel, Herr Oberbaurat Weber, viele Mitglieder des Magistrats und des Gemeindekollegiums sowie zahlreiche persönliche und Politische Freunde des Verstorbenen. Se. Majestät der König hatte einen Kranz geschickt, der während der Bestattungsseierlichkeiten eintraf. Herr Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a l, der die Trauerrede hielt, Pries die edlen Charaktereigenschaften des Dahingegangenen, vor allem seine Schaffensfreude und Willenskraft, seine Hochherzigkeit und Mildtätigkeit, seinen Familien- und Freundschaftssinn. Er rühmte die Wohltätigkeit des edlen Toten aus allen Gebieten der sozialen Fürsorge, insbesondere zugunsten der Stadt Nürnberg, und der Kunst und Wissenschaft und hob hervor, daß diese Wohltätigkeit sich nicht auf die Bannmeile der Stadt Nürnberg beschränkte, sondern über die Grenzen der Stadt hinaus aus große Teile Bayerns und des übrigen Deutschlands sich erstreckte und sein hohes Ansehen sowie die in großer Zahl ihm zuteil gewordenen Anerkennungen begründete. Der Redner verwies hierbei vor allem auf die dem Verstorbenen vom König und von der Stadt Nürnberg verliehenen Auszeichnungen, die seinen Lebensabend verklärten. Nach der Leichenrede wurden elf Kränze an der Bahre niedergelegt. Namens der Stadt Nürnberg tat dies Herr Oberbürgermeister Dr. Geßler, der die Verdienste des Verstorbenen um die Stadt kurz zusammenfaßte und die Versicherung abgab, daß fein Andenken in Nürnberg unauslöschlich bleiben werde. Dann sprach unter Niederlegung eines Kranzes der Vertreter der Beamten der Stadt Nürnberg und gab nochmals der tiefen Dankbarkeit der städtischen Beamten und Bediensteten für die ihnen zugewendete Stiftung, deren Höhe seinerzeit allgemeines Aufsehen erregt habe, Ausdruck. Herr Direktor v. B e z o l d als Vertreter des Germanischen Museums erinnerte daran, daß der Verstorbene durch seine Zuwendungen die Grundlage zu dem in der Entstehung begriffenen Erweiterungsbau des Museums geschaffen habe. Im Namen der Fortschrittlichen Volkspartei pries Herr Magistratsrat Häberlein die warmherzige Förderung und Hilfe, welche der Verblichene der Partei angedeihen ließ, sowie die glühende Liebe zu Volk und Vaterland, die ihn beseelte. Zum Schluß sprach ein Vertreter der Stadtgemeinde Baiersdorf. So gestaltete first die Trauerferer: M einem beredten Zeugnis für die Liebe und Hochschätzung, deren Herr Geh. Kommerzienrat Ludwig Ritter v. G e r n g r o s in allen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft und weit über das Weichbild Nürnbergs hinaus dank seines Edelmutes sich erfreute. 2XV föetofca, 6. Oktober. Vom Kultusvorstand der Shnagogengemeinde Geroda geht uns nachstehende Abschrift mit dem Ersuchen zu, dieselbe als Bericht zu veröffentlichen: „Im Felde, 16. September 1916. Abschrift. An das hochwohllöbliche Bürgermeisteramt Geroda. Es ist mir ein dringendes Bedürfnis, der Gemeinde Geroda mitzuteilen, welch schmerzlichen, unersetzlichen Verlust die Batterie durch den Heldentod des Kanoniers Max Strauß, eines Mitgliedes ihrer Gemeinde, erlitten hat. Ich fühle mich um so eher dazu verpflichtet, Indem ich dem Helden noch den letzten Liebesdienst erweisen kann, indem ich der gesamten Gemeinde klarlege, wie stolz sie auf ihren Angehörigen sein darf. Max Strauß war einer der unerschrockensten, tapfersten Leute meiner Batterie. Er war ein ganzer Mann, furchtlos und treu wie Gold, ein Mann mit hochanständigem Charakter, mit einwandfreier Gesinnung, mit kindlich anhänglichem Gemüt, ein Musterbeispiel für die ganze Batterie in bezug auf strengste Pflichterfüllung, auf tadellose kameradschaftliche Führung. So steht er noch vor mir, so habe ich ihn gern gehabt, so habe ich ihm vertraut als einen: meiner Besten, so werde ich ihn in treuer Erinnerung behalten, dankbar für das, was er mir, meiner Batterie und damit demganzen Vaterlande geleistet hat. Schon manchem habe ich den letzten Gruß und Dank nachgerusen, noch nie aber ist mir der Abschied, das Bewußtsein der endgültigen Trennung so schwer gefallen. Er starb, mir mehr als Kanonier. Er empfing den Schicksalsstreich, als er während eines schweren französischen Angriffs der stark unter Feuer liegenden Batterie die nötige Munition über freies Gelände herantrug., und so die Feuerkraft ausrechterhielt. Er gab uns allen, Offizieren wie Mannschaften, nochmals ein Beispiel deutschen Mutes; dann ging er von uns und ließ uns mit blutendem Herzen zurück. Seine Verdienste wurden auch von. höherer Seite anerkannt. Er ist der einzige Angehörige der Batterie, der gleichzeitig zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse und zum Bayerischen Militärverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. Ersteres ist seinen Angehörigen bereits zugegangen, das Besitzzeug,ms zum letzteren wird demnächst zugeleitet werden können. Sie aber, hochverehrter Herr Bürgermeister, bitte ich, der Gemeinde Geroda Kenntnis geben zu wollen, welchen Verlust sie erlitten hat. Möge die Erinnerung an Max Strauß in Geroda sortleben als die eines tüchtigen, edlen, lieben Menschen. Mögen die jungen Männer ihrer Gemeinde an seinem Beispiel lernen die Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, den rücksichtslosen Einsatz für unsere große, heilige Sache, treueste Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug, gez. Hollidth, Hauptmann und Batteriechef." — Würzburg, 6. Oktober. Die Zuweisung von rituellem Fett beantragten die israelitische Kultusgemeinde und der Distriktsrabbiner. Sie wollen eine Ausscheidung des rituellen Fettes (Herzbeutelfett und Darmfett), damit die orthodoxen Juden in der Lage seien, Fett nach den Vorschriften ihrer Religion genießen zu können. Rechtsrat Körbel hat Erhebungen angestellt, wie in. anderen Städten diese Frage behandelt wird. Es kam über den Antrag zu einem Beschluß in der Weise, daß eine Bevorzugung nicht eintritt und die Verhältniszahl der jüdischen zur christlichen Bevölkerung sowie die Berücksichtigung des Ausschmelzverhältnissts gewahrt

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