Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1916)
- Date
- 1916-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SO. Jahrgang Nr. 41 Berlin, II Oktober 1916 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de- Judentum-". korrrlponden?m und Aachrichttn. SMchland. ©erlitt, 9. Oktober. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums kündigt für das Wintersemester 1916/17 folgende Vorlesungen an: Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Dalmud bab., Ketubbot K. XU, 6 Stunden. 2. Talmud jer., Megilla K. II, 1 Stunde. 3. Mischne Thora, 13. Buch, 2 Stunden. 4. Orah hajjim. Hit. Sabbat, 1 Stunde. 5. Jore De*a. Hil. Schehita, 2 Stunden. 6. Eben ha'ezer, Hil. Gittin, 1 Stunde. Herr Dr. El bogen wird lesen: 1. Ausgewählte Psalmen, 2 Stunden. 2. Bibel mit alten Kommentaren, 2 Stunden. 3. Die Juden in Deutschland seit 1750, 2 Stunden. 4. Erklärung historischer Quellenschriften, 2 Stunden. 5. Zur Literatur der Juden in Spanien, 1 Stunde. Herr Dr. Tä übler wird lesen: 1. Weltgeschichte und Jüdische Geschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2 Stunden. 2. Die Bücher der Könige als Geschichtsquelle, 2 Stunden. 3. Hebungen zur Vorgeschichte der Judenemanzipation in Preußen, 2 Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Die literarische Behandlung der Judenfrage seit dem 18. Jahrhundert in ihrer Rückwirkung auf Politik und Gesetzgebung in Preußen (Abendvorlesung), 2 Stunden. Herr Dr. Hochfeld wird lesen: Methodik des systematischen Religionsunterrichts (Fortsetzung), 2 Stunden. Das Mitglied des Kuratoriums Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen wird lesen: 1. Griechische Philosophie, 1 Stunde. 2. Uebungen: a) über Platons Jdeenlehre, 2 Stunden, b) Maimonides, More I, 2 Stunden. — Herr Dr. B ae ck ist zurzeit im Felde. In der Präparandie werden wie bisher Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehaltew werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzen Brett bekanntgemacht werden. Die Festsetzung der Stunden wird erst bei der Eröffnung des Wintersemesters erfolgen. Alle Vorlesungen und Hebungen' sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Wintersemesters erfolgt Dienstag, den 24. Oktober, 11 Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt beim derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Dr. Elbogen, am Dienstag, den 24. Oktober, 12 Uhr, Donnerstag, den 26. Oktober, und Montag, den 30. Oktober, 11—12 Uhr, im Sprechzimmer der Lehranstalt, Artilleriestraße 14. Außerdem ist Herr Dr. Elbogen stets nach seinen Vorlesungen zu sprechen. g/a Berlin, 9. Oktober. Am 1. d. M. fand, wie bereits mitgeteilt, in den B a r u ch A u e r b a ch s ch e n W a i s e n e r z i e h u n g s - an st alten die M schied sfeier für den aus dem Amte scheidenden Direktor Professor Tr. A. Strelitz und die Uebergabe des Direktorats an den neuen Leiter der Anstalten, den bisherigen Oberlehrer an der Herder-Schule in Charlottenburg Dr. G u st a v A l t m a n n statt. Vom Vorstand der Anstalten waren neben dem Ehrenvorsitzenden Kommerzienrat E manuel Lohn stein erschienen die Herren Professor Dr. Felix Lieber mann, Bankdirektor Mankiew i c z, Kommerzienrat v. Wassermann, Regierungsrat Dr. Rathenau; die Ehrendamen Frau Konsul Flora F r a e n k e l, Frau Professor Dr. Caecilie Liebermann, Frau Kommerzienrat Else Israel; vom Wohltäterausschuß Herr Hugo Heilmann und zahlreiche Gäste. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Generalkonsul Eugen Landau, sprach dem aus seinem Amte zurücktretenden Direktor den Dank des Vorstandes aus für seine mehr als dreißigjährige segensreiche Tätigkeit im Interesse der Anstalten, die besonders in der Fürsorge für die aus dem Hause schon entlassenen Zöglinge sich als ungemein fördernd erwiesen hat. Die Zöglinge der Knaben- und der Mädchenanstalt sowie der aus früheren Zöglingen gebildete B -a r u ch - A u e r b a ch - V e r e i n brachten Erinnerungsgaben dar. Frau Konsul Flora Fraenkel widmete namens der Ehrendamen der Gattin des Direktors, Frau Professor Dr. Betty Strelitz, Worte dankender Anerkennung für ihre opservolle Tätigkeit im Dienste der Anstalten und für ihre stille, gemütvolle Anteilnahme am Wohlergehen aller Zöglinge. — Es folgte nach der Entgegnung von Pros. Dr. A. Strelitz die Einführung des neuen Leiters der Anstalten in sein Amt durch Herrn Generalkonsul Eugen L a n d a u. In seiner Ansprache betonte Dr. A l t m a n n , er sei sich seiner in schwerer Zeit übernommenen schwierigen Ausgabe wohl bewußt; Erziehung sei ein hochwertiger Faktor für den Fortschritt der Gesittung. Deshalb hob er die Grundsätze heraus, die seine erziehliche Arbeit.bestimmen sollen. Sie sind nicht neu und gipfeln in dem Streben nach der Ausbildung zur sittlichen Persönlichkeit; sie haben sich längst mit Erfolg als richtig bewährt. Dessen zum Zeugnis dient die Treue und Tapferkeit all der Jünglinge, die unseren zahlreichen Feinden opfermütig die Stirn na Kampfe bieten, die Hingabe all der Frauen, die nach dem Maße ihrer Kräfte dem Vaterlande dienen. Dann wandte er sich an die Jugend und knüpfte an ein Wort Goethes an, das den Gehorsam als das schicklichste Gebot für die Jugend Preist, den Gehorsam, der es weiß, wie er zu eigenem Vorteil geübt wird. Vornehmlich der jüdischen Jugend gebührt es, solchen Gehorsam gegen ihre Lehrer zu üben, den die „Sprüche der Väter" dem Gehorsam gegen Gottes Gebot gleichsetzen. Gerade die Verbindung von deutscher Art und Bildung mit der jüdischen Auffassung sittlicher Pflichten soll in der Erziehung unserer Jugend zur Betätigung im Dienste der Gesamtheit wirksam werden, aus daß sie durch ihre Leistung sich Achtung erringe. Mit dem Worte des Psalmdichters, das den Segen des Ewigen auf unserer Hände Werk herabsteht, schloß die wirkungsvolle Darlegung. Gesangsvorträge des Anstaltschors unter der Leitung des Kapellmeisters Albert K e l l e r m a n n umrahmten die Feier. E. M. Berlin, 9. Oktober. Auf eine 25jährige Tätigkeit als Organist im Dienste der Jüdischen Gemeinde zu Berlin kann P r o - f e s s o r Hermann Teck e r t zurückblicken. Professor Teckert, der im 61. Lebensjahre steht, trat 1891 sein Amt bei der Jüdischen Gemeinde als Organist der neuerbauten Synagoge Lindenstraße an,* an der er bis zum Jahre 1910 wirkte. Seit 1911 ist Professor Deckert an die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße versetzt worden, an der er noch heute tätig ist. Der Professorentitel wurde Deckert 1907 verliehen. Am 27. September, dem Jubiläumstage, überbrachte der Vorsitzende der Festgottesdienstkommission, Vorstandsmitglied Willibald L o e w e n t h a l, dem Jubilar die Glückwünsche und eine Ehrengabe; der Vorstand der Neuen Synagoge ließ durch einen Vertreter eine wertvolle Palme überreichen. H. Aus der Provinz Posen, 6. Oktober. Durch Allerhöchste Kabinettsorder sind mit der Roten-Kreuz-Medaille ausgezeichnet worden: Frau Rabbiner Regina Jacobson geb. Hirsch in Gnesen; Frau Kaufmann Fanny Lesser in Wronke; Frau Sanitätsrat Rosa M e y e r in Gnesen; Tischler in Gostyn. — Posen. Herr Kaufmann Rudolf Petersdorff, durch seinen Wohltätigkeitssinn allgemein bekannt, spendete die Bewirtung für 200 Kriegsverwundete. — Aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens stiftete die Firma Sigismund Marcus in Pinne 3000 Mark zu Kriegswohtfahrtszwecken. — Unter großer Ehrbezeugung wurde hier Herr Rabbiner Israel L a s s o w s k i zur letzten Ruhe bestattet. Derselbe ist im Alter von 70 Jahren gestorben und hat viele Jahre hindurch treu und gewissenhaft seines Amtes in der Synagogengemeinde Kruschwitz gewaltet. — Herr Rentier Hermann K r o n e r ist hier im Greisenalter von 89 Jahren gestorben. — Eiserne Kreuze zweiter Klasse haben erhalten: Vizewachtmeister Walter Jaffe>, Sohn, des Großkaufmanns Herrn Wolfs Jaffe in Posen (der ältere Bruder, Dr. Fritz Jaffa, besitzt diese Auszeichnung schon seit 1914); Unteroffizier I. K i w i, Sohn der Frau Rentiere Bertha Kiwi in Obornik; Gefreiter Hans Fr änkel im 32. Armierungsbatailton. M. Hamburg, 6. Oktober Der H u in anitäre Jsraelitische Fr auenv e r e i n konnte während der Kriegszeit auf eine stark vermehrte Verwendung seines in Segeberg belegenen Kinderheims zurückblicken. Vor einer Anzahl von Jahren als Ferienkolonie für etwa 24 Kinder eingerichtet, wurde im Laufe der Zeit