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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-11 · Heft 41 (11.10.1916) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 41 (11.10.1916)
Date
1916-10-11
Page
Seite 492 (sequence 12)
Language
German
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langen geschichtlichen Auseinandersetzungen erspart, die im Grunde nichts anderes als ausgedehnte Abschriften aus leicht zugänglichen Quellen sind. Es würde sich nicht lohnen, von diesem Buche in unserer Zeitung zu sprechen, wenn nicht gelegentlich auch von Juden die Rede wäre. Freilich schöne Jüdinnen sind nur überaus selten die Opfer seiner Liebeslust, aber bisweiten kommen jüdische Wucherer vor, die grausam gefoppt, ja elend gestraft werden. Gegen den Schluß des ganzen Werkes (Bd. III, S. 388 ff.) wird von dem polnischen Juden Dobrusky gesprochen, wohl einem Nachkömmling der sogenannten Frankisten; in demselben Bande kommen ein paar Erwähnungen Börnes vor: ein Besuch bei dem Frankfurter Publizisten wird nicht eben sehr charakteristisch geschildert; das von Fröhlich herausgegebene Offenbacher Blatt ist eine freilich sehr minderwertige Nachahmung von Börnes „Wage". (Bei der Gelegenheit mag auch erwähnt werden, daß auch Besuche unseres Verfassers bei Goethe, beim Grafen Fiesko und eine Audienz bei Napoleon geschildert werden, überall mit der ersichtlichen Herabsetzung großer Männer, in der sich der alte Satz bewährt, daß es für den Kammerdiener keinen Helden gibt.) Historisch nicht unwichtig ist ferner eine Notiz (Bd. III, S. 399) über einen Hep - Hep - Skandal in Frankfurt, Ende des zweiten oder Anfang des dritten Jahrzehnts, wobei der Verfasser eine den Juden günstige Nolle gespielt haben will. Zum Schluß mögen zwei Anekdoten mitgeteilt werden, die der Verfasser 1815 in Berlin gehört haben will. Sie sind, soweit mir erinnerlich, unbekannt und für die Charakteristik des geistreichen, aber boshaften und nicht eben judensreundlichen späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. charakteristisch. Sie finden sich Bd. III, S. 236 und lauten folgendermaßen: „Als Hardenbergs Geburtstag war, sandte der König den Kronprinzen zu demselben, ihm in seinem Namen Glück zu wünschen und zu sogen, er möge sich irgendeine Gnade ausbitten. Der Kronprinz fuhr zu dem Fürst-Kanzler und richtete den ihm von seinem Vater gewordenen Auftrag aus, worauf Hardenberg erwiderte: „Mein Gott, Jhro Majestät haben mich schon so oft mit Gnaden überhäuft, daß ich in der Tat nichts mehr zu erbitten wüßte." — „Doch, mein Fürst, es fehlt Ihnen noch eines." — „Das ich nicht wüßte, Hoheit." - „Ja, ja, ganz gewiß." -- „Und was meinen Eure Hoheit?" — „Bitten Sie meinen Vater, daß er Sie zum König der Juden machen solle, da Sie doch eine so große Vorliebe für dieses Volk haben." — Hardenberg fand sich beleidigt und bat, sich zurückziehen zu dürfen. Er teilte den Vorfall dem König mit, und der Kronprinz erhielt 24 Stunden Arrest. — Eine andere Anekdote betraf den Staatsrat v. Kleewitz, den der Kronprinz ebenfalls nicht leiden mochte, weil er die Juden, wie man sagte, aus besonderen Gründen begünstigte. — Eines Abends sagte er zu demselben in einer Assemblee: „Herr Staatsrat, ich will Ihnen eine zweisilbige Scharade zu erraten geben: das Erste frißt das Vieh, das Zweite besaßen Sie, und das Ganze sind Sie" (Kleewitz). Es ist jedoch möglich, daß auch diese Anekdote auf den wenig beliebten Staatsrat ein müßiger Kops erfand nnd dem Kronprinzen in den Mund legte. Ich kann das Buch in keiner Weise empfehlen, muß sogar die Leserinnen und die jugendlichen Leser aufs allerentschiedenste vor dieser Lektüre warnen; gereifte Männer können aus den drei allzu dicken Bänden manches lernen, wenn sie nur das Goethesche Motto beherzigen wollen: „Sei ein Mann und folge mir nicht nach." * L. G. — Das Buch von den polnischen Juden. Herausg-egeben von S. I. A g n v n und Ahron E l i a s b e r g. Jüdischer Verlag. Berlin 1916. Wenn man in unserer bewegten Kriegszeit ein Buch vor sich hat mit dem Titel „Das Buch von den polnischen Juden", glaubt man zunächst an eine politische Behandlung dieses zeitgemäßen Themas, das ja als eins der schwerwiegendsten in Gegenwart und Zukunft schon so viele Menschenköpfe beschäftigt hat. Aber das Buch bietet mehr als das. Es gibt einen Einblick in die jüdische Seele und insbesondere in die polnisch-jüdische Seele, wie wir ihn selten so fesselnd und belehrend gefunden haben. Zum Teil erzählt es im Tone der alten Chroniken von der Königin Estherka von Polen, von der Wahl des Gaon Rabbi Scharrl zum König von Polen, wie der junge Graf Potocki Jude wurde und den Märtyrertod erlitt, u. dgl. m.; zum 492 - l Teil bringt es interessante kleine Erzählungen aus der Feder unserer ' hervorragendsten jüdischen Schriftsteller, wie Agnon, Buber, Schalom Asch, Nahum Sokolow, Perez, Frischmann u. a., unter denen wir als eine der schönsten und poesievollsten die Geschichte vom Wilnaer Balhalessel von Jakob Dienefohn hervorheben möchten. Den Schluß bilden hübsche Schnurren, Anekdoten, Geistergeschichten, Sprichwörter und sonstiges Merkwürdige aus dein polnisch-jüdischen Leben. Das Buch ist mit einer Anzahl kunstvoller Abbildungen geschmückt: Radierungen von Struck, Gemälden von Fabian, Hirszenberg, Gottlieb, Bildern von Schalom Asch, Perez, Nahum Sokolow u. a. Die Herausgeber schreiben in einem „Nachvort": „Das vorliegende Buch will die polnischen Juden aus ihrer Eigenart heraus verstehen lehren. . Die Kultur eines Volkes findet ihren vollkommensten Ausdruck in seinen geistigen Schöpfungen, in seiner Dichtung, in seinen Märchen und Legenden, in seinem Witz, in seinen Sprichwörtern, in seinen Rechtssatzungen und Dertragsurkunden. Aus diesem unmittelbaren Schassen des Volkes, gleichsam aus dem Urquell der Volksseele, haben wir zu schöpfen gesucht und glauben dabei ein Material zusammengetragen zu haben, das ein wahres und anschauliches Bild von den polnischen Juden gibt." Die Herausgeber haben mit diesem Buche einen trefflichen Beitrag zum Verständnis der polnischen Juden geliefert. Wir können es bestens empfehlen. Sanitätsrat Dr. Scherbel (Lisfa). Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Frontberichte eines Neutralen. Vom schweizerischen Major Tanner. III. Ostwärts. Mit Bildern des Verfassers. Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin. Jüdisches Wörterbuch. Mit besonderer Berücksichtigung der gegenwärtig in Polen üblichen Ausdrücke, von D. Dr. Hermann L. Strack, Professor der Theologie in Berlin, Geheimer Konsistorialrat. Leipzig, 1. C. Hinrichssche Buchhandlnng 1916. Tie Brücken zum Sieg, Kriegsgedichte von Rudolf Presber. Mit Zeichnungen von Lutz Ehrenberger. Verlag Tr. Eyster n. Co. (G. m. b. H.) in Berlin SW.. Nord und Süd. 41. Jahrgang, Band 159. Heft 505. Oktober 1916. Jüdischer Nationalkalender auf das Jahr 5677, 1916—1917, 2. Jahrgang. Heransgegeben von Otto Abeles und. Ludwig Bato. Wien 1916. Verlag „Jüdische Zeitung". Tr. Anton Me, ein Kämpfer für Fortschritt und Recht, von Jos. Feiner, mit einem Bilde Dr. Mes. Alfred Janssen, Hamburg 1916. Sprrchsaal. B o ch u m , Ende September 1916. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Das Allsschreiben der Stellung eines Rabbiners seitens der 'Synagogengemeinde Bielefeld in einer der letzten Nummern der „Allgemeine Zeitllng des Judentums" gibt mir Veranlassung, daraus hinzuweisen, daß meines Wissens hier zum erstenmal eine altpreußische Synagogengemeinde ansspricht, daß grundsätzlich die Anstellung ihres nelien Rabbiners auf Lebenszeit erfolgt, und sich nur vorbehält, dem Definitivum ein Provisorium von zwei Jahren vorangehen zu Lassen. Zum erstenmal lvird hier einem alten Wunsche des Rabbinerstandes Rechnung getragen, daß die Synagogengemeinden ihre Geistlichen nach denselben Grundsätzen anstellen, die für die Geistlichen der christlichen Bekenntnisse von jeher in Geltung sind. Wir Juden wollen mit Recht die Gleichberechtigung auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens durchgeführt sehen, wollen auch, daß unsere Geistlichen im gesellschaftlichen und öffentlichen Leben die gleiche Wertung und Stellung finden wie die christlichen Geistlichen, denen sie auch hinsichtlich ihrer Vorbildung gewiß nicht nachstehen. Da müßte diese Gleichstellung vor allem von unseren Gemeinden selbst durchgeführt und nicht hier und da das Definitivum wie eine besondere Gnade (womöglich beim 25jährigen Amtsjubiläum) gewährt werden. Die Gemeinde Bielefeld gibt durch ihr auch in anderer Hinsicht würdiges Ausschreiben ein treffliches Beispiel. Mögen andere Gemeinden folget!. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. David.

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