Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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80.Jahrgang Nr. 40 Berlin, 6. Oktober 1916 Der Gemeindebote. »tflajt zur „SUllgemtlntn Zeitung drK Judentums" Korrrl-Lnvm?m und Aachrichtrn. Srutschlsnd. E. R. Berlin, 3. Oktober. In der Sitzung der Zöepräfentantenversaunnlung vom 24. v. M. begrüßte der Vorsitzende Direktor Tr. M i n d e n zunächst den als Mitglied der Versammlung einbernsenen Geheimen Sanitätsrat Dr. Benno H 0 l z und gedachte dann in herzlichen Worten des verstorbenen Mitgliedes Justizrat Dr. Ignaz Cohn: „Vierzehn Jahre habe er seines Amtes gewaltet. In einer Zeit der Erregung der Geister vermissen wir ihn schmerzlich. Er war stets geneigt, aus die Meinung anderer zu hören und den Frieden herzustellen. Wir werden ihm ein dauerndes Gedenken bewahren." Der Vorsitzende spricht sodann über die Bedeutung der vor 50 Jahren in der Oranienburger Straße errichteten neuer: Synagoge, ein Ereignis, das den Ueberlebendon noch lebhaft vor Augen steht, und hebt den Einfluß der Orgel auf die Entwicklung des Kultus hervor. „Zwar war bereits 11 Jahre vorher das große Gotteshaus der Jüdischen Resormgemeinde drüben in der Johannisstraße, roelches mit einer Orgel versehen war, geweiht worden. Aber sie war aus P r i v a t m i t t e l rr errichtet. Hier aber wurde zum erstenmal in Berlin, ja nieines Wissens überhaupt in Preußen, vielleicht sogar auf der ganzen Erde, von den offiziellen Gemeindebehörden eine Orgelsynagoge aus den Gemeindegeldern erbaut. Möge auch in der vor acht Tagen eingeweihten Synagoge Kottbuser Ufer der Gottesdienst so eingerichtet werden, daß alle Besucher ihre Befriedigung finden." — Herr Siegfried Brün n hat 50 000 Mark zu einer Siegfried-nnd-Emn:a-Brünn-Wohltätigkeitsstiftung bei der Armenkommission gespendet. Die Zinsen von 30 000 Mark sollen für den Fonds für verschämte Arme, die Ertrage von 20 000 Mark zur Aufnahme unbemittelter Personen ins Genesungsheim Lehnitz verwendet.werden. Herr Rentner Gustav Kappel hat der Armenkommission 3000 Mark zur Verteilung an Arme überwiesen. Herr Rentier Samuel Friedländer und Frau Justizrat S ch 0 e p s überwiesen 2800 Mark für dauernde Pflege zweier Gräber; Frau Henriette M e n d e l geb. Lachmann Wirtschaftsgegenstände für die Alterversorgungsanstalt; Frau Hedwig Ladendorff geb. Herz 3000 Mark zur Pflege zweier Gräber: Frau Emma H i r s ch b e r g geb. Moses 15 000 Mark für die Altersversorgungsanstalt und 3000 Mark zur Pflege des Hirschbergschen Erbbegräbnisses auf dem Friedhofe Schönhauser Allee, 3000 Mark für das Krankenhaus; Familie Gustav S a ch s 500 Mark zur Verstärkung der Gustav-und-Adele-Sachs-Stiftung: Herr Hans Z a mo r h und Frau Margarete L e i ch t e n t r i t t geb. Zamory je 2000 Gulden ungarischer Goldrente je zur Hälfte Armenkommission und Fonds für verschämte Arme; Herr Siegmund M 0 s e v i u s 6413 Mark zur Erhaltung von Gräbern auf dem Friedhofe zu Weißensee. Die Kinder des Ehepaars Wreschner steuerten 2000 Mark für die Armenkommission zur Verteilung der Zinsen an Arme. - - Auf eine Eingabe verschiedener Vorstände der Synagogenvereine Berlins und der Vororte, die Suspendierung der Wahlen betreffend, antwortete Herr Konnnerzienrat Eisner, daß dies gesetzlich nicht tunlich sei, außerdem sei bereits Mangel an Repräsentantenstellvertretern eingetreten. In einem Antwortschreiben des Gemeindevorstandes betreffend Einsichtnahme in die Akten des Gemeindevorstandes durch die Mitglieder der Repräfentantenversammlung, heißt es: Nach 8 46 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 ist die Ne- Prüsentantenversammlung nur berechtigt, die Akten cinzusehen, nicht aber deren Einreichung zu verlangen. Gegen diese Auffassung wendet sich der Referent Herr Prof. Türk und verliest einen Antrag des Ausschusses III: Die Reprüsentanteuversaunnlung überweist die Vorlage einem Ausschuß von drei Personen mit dem Auftrag, die strittigen Fragen zu prüfen, die erforderlichen Akten, insbesondere über das Zustandekommen der Geschäftsordnungen von: 18. November 1860 und vom 28. Mai 1889, durch jedes der Mitglieder einzeln oder durch den Ausschuß insgesamt einzusehen und über das Ergebnis der Verhandlungen schriftlichen Bericht zu erstatten. Bei to Kenntnisnahme der Antwort des Gemeindevorstandes auf die Resolution der Versammlung, betreffend ihre Mitwirkung bei der Festsetzung der Steuerquote, beantragt Herr Tr. Levy im Namen des Ausschusses III die Frage der Mitwirkung der Versammlung bei Festsetzung der Steuerquote einem dreigliedrigen Ausschuß zum Zwecke eingehender Prüfung der vorhandenen Unterlagen zu überweisen. Nachdem noch Herr Sylldikus Lilienthal einiges klargelegt, werden beide Anträge angenommen. — Betreffend Abänderung des Barmizwohgebetes war bereits früher auf Anregung der Versammlung eine Kommission, bestehend aus dem Vorsitzenden des Gemeindevorstandes als Vorsitzender und den Rabbinern Dr. Eschelbacher, Dr. Warschauer, Dr. Berglnanu und Dr. Baeck zur Beratung eingesetzt. Die Kommission hat beschlossen, daß zunächst eine Vorberatung der ihr angehörenden Rabbiner stattfinden soll. Da mm Herr Dr. Baeck im Felde, Herr Dr. Eschelbacher erkrankt ist, so muß die Erledigung der Sache vertagt werden, namentlich mit Rücksicht auf die Abwesenheit des Herrn Dr. Baeck, welcher ein ganz ausführliches Gutachten zu der Frage abgegeben hat. Herr Prof. Kali s ch e r bemerkt, die Abänderung sei so klein, daß sie in einer halben Stunde erledigt werden könnte; er bittet zwei andere Rabbiner in die Kommission zu wählen. Falls das Gutachten des Herrn Dr. Baeck eine völlige Umgestaltung des Gebetes enthalten sollte, so wäre es sehr erfreulich. Es sei aber den Repräsentanten nie vorgelegt worden. Von seiten des Vorstandes bemerkt Herr Kommerzienrat E i s n e r: Eine Verheimlichung des Gutachtens des Herrn Dr. Baeck sei nicht beabsichtigt. Wenn aber der Wunsch einer sofortigen Erledigung ausgesprochen wird, so habe der Vorstand nichts dagegen. — Cs sind Einsprüche gegen die Wählerliste eingegangen, welche von: 15. August bis 15. September zur Einsichtnahme für die Wähler offen gelegen hat. Der Vorstand bittet die Versammlung, über diese bis zum 15. Oktober entscheiden zu wollen. Darüber referiert Herr Tietz mit dem Bemerken, daß er die Einsprüche noch genauer durchsetzen wolle. — Es folgen dann Wahlen. In die Armenkommission werden die Herren Wolf Heilbrunn und Max Hoffm aiin gewählt. Zum ersten Schriftführer Herr Prof. Türk, zu dessen Stellvertreter Herr Oskar Löwe n b e r g. In den Ausschuß I Herr Geheimrat Holz, in den Ausschuß II die Herren Dr. Levy und Oskar Löwenberg. - Sämtlichen Rechnungsabschlüssen wird Entlastung erteilt. - Tie letzten Vorlagen betreffen Subventionen. Es werden bewilligt dem Synagogenverein Lippmann-Tauß für die Zeit 1916 9800 Mark. Tie Reforrngemeinde bittet, ihr die bisherige Subvention wieder zu bewilligen und außerdem einen weiteren Zuschuß von 3000 Mark. Es liegt dort die Notwendigkeit vor, an Stelle des verstorbenen Herrn Tr. Levin einen neuen Prediger anzustellen. Ein solcher außerordentlich geeigneter Prediger, zurzeit in einer anderer: Stadt, ist in Aussicht. Es entspricht der Billigkeit, daß einerseits dem neue:: Prediger kein geringeres Gehalt als in seiner bisherigen Stellung gewährt wird, anderseits die Herren Dr. Jelski und Dr. Lehman:: ihn: im Gehalt gleichgestellt werden. Die Versammlung gewährt für 1916 die bisherige Subvention von 20 000 Mark und einen Zuschuß von 3000 Mark. Der Neligionsverein Gesundbrunnen erhält für das Jahr 1916 die bisherige Subvention in Höhe von 8700 Mark und einen Betrag von 37,50 Mark monatlich zur Fortbezahlung eines Viertels des Gehaltes an den einberufenen Kantor während der Dauer seiner Einberufung. Der Neligionsverein Obawas Scholaum erhält für das Jahr 1916 eine Subvention von 10 600 Mark, davon 600 Mark zur Erhöhung des Nabbittergehaltes und 50 Mark zur Weiterzahlung an den einberufenen Lehrer für die Dauer seiner Einberufung. Der Verband der Deutschen Juden als Beitrag zu dem ersten Ansrüstungsgeld für zwei Feldrabbiner 320,46 Mark. Die jüdische Brüdergemeinde in Neukölln für 1916 zur Fortzahlung des Gehalts an einen einberufenen Lehrer 960 Mark. Ter Rabbinerverband in Deutschland einmalig zur Speisung jüdischer Soldaten an den hohen Feiertagen 1500 Mark. Der Hilfsverein für kranke russische Israeliten in Königsberg i. Pr. zur Pflege leide::der Glaubensgenossen einmalig 500 Mark. Das Israelitische Hospital Marienbad für 1916 100 Mark. E. M. Berlin, 3. Oktober. Am Mittwoch, den 27. September, begi::g die Synagoge Lindenstraße m einfacher Feier, die in: Rahineu des Nenjahrvorabendgottesdienstes stattfand, die 2 5. Wiederkehr ihres Einweihungstages. Die Gemeindebehörden, welche bei der Feier vertreten waren, hatten Herrn Rabbiner Dr. Blnmenthal mit der Festpredigt betraut. Herr Dr. Blumenthal erinnerte an die Männer,