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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-06 · Heft 40 (6.10.1916) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
Seite 480 (sequence 12)
Language
German
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480 Was ] i c gedacht, geschrieben und gesungen. Was insgeheim sie dem Papier vertraut, Das anfznfpüren fühlt' ich mich -gedrungen. Was leis' gehaucht sie, ich verkünd't es laut. Bon Anbeginn der neuen Morgenröte Bis zu der Gegenwart versch-loss'ner Pfort' Turchpilgert' ich die Zeiten — aber Goethe Hielt fest mich durch Gedanken und durch Wort. Ihm weiht' ich mich als Diener treu ergeben, Drang ein, verborg'ne Winkel zu erspäh'n; Auch mancher kleinen wrlderregtes Leben Sucht' treu ich, wie es wirklich war zu sehn. Der Dienst am Wort hieß nicht am Wort mich kleben, Er führt' mich in den Geist der Zeiten ein, Ließ mich die Keim' und Früchte miterleben. Die hoch uns stellten in der Völker Reih'n. Tenn alles Große, was seit fünfzig Jahren, Seit Preußens Aufstieg unserm Volke ward, Hab' ich, mit blonden und mit grauen Haaren, Bewundert als urdeutschen Wesens Art. Alldeutschlands Freuden waren meine Freuden, Und Deutschlands Leid preßt auch mir Klagen aus, Mir schnürt die Brust das schrille Kriegssturmlauten, Deutschlands Triumph bracht' Glanz auch in mein Haus. Und wenn die Feinde allwärts uns berennen, Tie ganze Welt bekämpft den deutschen Sinn, Ich schwanke nicht, will stolz mich Deutscher nennen, Dem Schicksal Dank, daß ich ein Deutscher bin. Witzelten. Im 34. Auktionskatalog von K. E. Hen-rici in Berlin, der den Titel führt „.Kupferstiche Chodowiecki, Handzeichnnngen", interessiert uns am meisten die nüttlere Partie: das nngemein reichhaltige Verzeichnis der Chvdowieckischen Blätter eines Berliner Künstlers, für den ich eine außerordentliche, übrigens von vielen geteilte Vorliebe besitze. Dieses Verzeichnis gewährt einen förmlichen Katalog der Literatur jener Zeit und läßt bedauern, daß der Künstler, der so unendlich viele Bauern, Bürger, Bölkertypen, christliche Prediger und Bolksgestalten gezeichnet, sich mit jüdischen Dingen so gut wie gar nicht beschäftigt hat. Es ist nngemein charakteristisch, daß unter allen diesen Hunderten von Blättern nicht ein einziges nufbewahrt ist, das uns die Züge des großen Berliner Weltweisen Moses Mendelssohn wiedergibt oder zur Illustrierung eines seiner Bücher bestimmt ist. Ausfallend genug ist ferner, daß polnische Juden, denen der Künstler doch gewiß im damaligen Berlin begegnete, ihn so wenig oder gar nicht gereizt haben. Um so interessanter ist es, daß unter Chodowieckis Werken als Nr. 481 das P o r t r a t v o n M o s e s Wessely als das einzige einem Inden gewidmete Porträt erwähnt wird. Vielleicht findet sich ein Gönner, der dieses als sehr breitrandig bezeichnete Blatt erwirbt und der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde in Berlin stiftet. Freilich ist der Termin der Auktion bereits am 5. Oktober. L. G. Literarische Mitteilungen. — E NI i l Berger, „Das P r o b l e m der Erkenntnis in der R e l i g i o n s p h i l o s o p h i e I e h u d a H a l e v i s Berlin, Blayer u. Müller, 1916. Berger unternimmt es, die leitenden Gedanken aus dem Knsari, dem religionsphilosophischen Werke des auch von Heine als gottbegnadeten Dichter verherrlichten Jehnda Hälevi, in einem System zusammenzufassen. Denn die religionsphilosvphischen Lehren Jehnda Halevis sind im Knsari nicht in einem geschlossenen System dargesteltt, sondern werden in dialogischer, an Plato erinnernder Form zerstreut entwickelt. Unter dem historischen Hintergründe der Bekehrung des Ehasarenkonigs zum Judentum läßt er die griechische Philosophie, dann auch die Angriffe, die von Ehristen, Mohammedanern und Karäern gegen das Judentum erhoben werden, durch die jüdische Lehre besiegt werden. Berger hat mm unter kritischer Berücksichtigung der vorhandenen Arbeiten über Halevis Philosophie von David Neumark und Julius Guttmann in fünf Kapiteln die leitenden Ideen im Kusari dargestellt. Die beiden ersten Kapitel „Die Religionsanschauung Jehnda Halevis" und „Partikularismus und Universalismus" handeln von der eigentüuilichen, durch Individualität und Umgebung bedingten Betrachtungsweise Halevis. Im dritten Kapitel wird, ausgehend von dem israelitischen Volke als Träger der Offenbarung, das wissenschaftliche Weltbild Halevis gezeichnet in seinem Verhältnisse zur Natnrlehre, Metaphysik und Erkcnntnislehre. Das vierte Kapitel handelt von der Wirklichkeit der Offenbarung durch die Schilderung der Prophetie und der Kriterien für die Manifestation Gottes. In dem fünften, dem Schlußkapitel, vollends wird der religionsphilosophische Charakter des Kusari unter Hinlveis der Entbehrlichkeit der spekulativen Begründung des Glaubens zu losen gesucht, daß die Reinheit des Glaubens ohne Forschung als die höchste Stufe anzusehen sei, während im Kusari der Philosophie nur eine regulierende Aufgabe zufällt. A l z e y. D r. Julius L e w i t. Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Zur Vorgeschichte der Judenemanzipation in Nassau. Von Tr. Adolf Kober, Stadt- und Bezirksrabbiner in Wiesbaden. Sonderabdruck aus der Festschrift zum 70. Geburtstag Martin Philippsons. Breslau, Buchdruckerei A. Favorke, 1916. B o m Fa h n e n e i d. Bon Dr. Friedrich E v e r l i u g. Berlin 1916, Verlag von Georg Bath. Paul Eberh ar dt: Bon der Möglichkeit und der Notwendigkeit der reinen Religion. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha 1916. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien. Philosophischhistorische Klasse. Sitzungsberichte. 181. Band., 1. Abhandlung: Hebräische Grabsteine aus dem 13. bis 15. Jahrhundert in Wien und Umgebung. Bon Dr. Bernhard Wachstein. Mit sieben Textabbildungen und vier Tafeln. Vorgelegt in der Sitzung am 1. Dezember 1915. Wien 1916. In Kommission bei Alfred Hölder, k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Der Osten. Monatsschrift für ostdeutsche Literatur und Kultur, im Aufträge des Vereins Breslauer Dichterschnle 'herausgegeben von Carl Silberseld. Jnniheft 1916, 42. Jahrgang. Preis 30 Pfennig. Verlag von H. Fleischniann, Breslau I, Reus-chestrahe 62 . Aland. Schwedische Stimmen über die militärpolitische Bedeutung der finnischen Inselgruppe. Uebersetzt und eingeleitet von Wilhelm Häbermann. Verlag von Dnncker & Humblot, München und Leipzig, 1916. Akonatsschrift ftrr Geschichte und Wissenschaft des Judentums, begründet von Z. Frankel. Herausgegeben von Prof. Dr. M. Braun. 60. Jahrgang, Heft 7/8. Briese der Liebe aus drei Jahrhunderten deutscher Vergangenheit. Auswahl und zeitgeschichtliche Lebensbilder von Charlotte Westermann. Gbenhaustn-München und Leipzig, verlegt bei Wilhelm Langewiesche- Brandt. Agada-Sammlung von I. Lewner. Für die Jugend ausgewählt, übersetzt und mit Zusätzen versehen von B. Gottschalk. Zweiter Band: Bon Mose bis Samuel. Berlin, Verlag von M. Poppelauer, 1916. Deutsch, Polnisch oder Jiddisch? Beobachtungen und Urkunden zur Ostjudensrage von Germano-Judäus. Berlins 57, E. A. Schwetschke & Sohn. Von Heimat und Glauben. Kriegsbetrachtungen von Großherzogl. Rabbiner Dr. Bruno Italiener in Darmstadt, z.Z. Feldrabbiner beim Oberkommando der 7. Armee. H. C. Schlapp, Hosbuchhandlung, Darmstadt, 1916. Spinozas Briefwechsel und andere Dokumente. Ausgewählt und übertragen von I. Bluwstein. 1916. Im Insel-Verlag zu Leipzig. König David. Schauspiel von Reinhard Johannes Sorge. 1916. S. Fischer Verlag, Berlin.

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