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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-06 · Heft 40 (6.10.1916) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
Seite 478 (sequence 10)
Language
German
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478 gekommen, sv bnfi ev fiel) tfoiuHiflt fnl), sie aus Rom auszuweiseu. Doch setzt, wo sic zurückgekommeu sind und sich unter dem Schutze der Augustn (Pvppaea) sicher fühlen, belästigen sie die Christen »>n sv mehr. Zwar ist noch kein Edikt gegen diese ertilsseil, aber die Inden klagen sie beim Siadtpräfettcu an, das; sie Binder schlachten, einen Esel anbetcn und sich zu einer Religion bekennen, die vom Senate nicht anerkannt ist. Sic schlagen sie sogar und überfallen ihre Bethäuser so wütend, daß sich die Christen vor ihnen verbergen müssen." Woher Sientiewicz oder sein Gewährsmann all dieses genommen hat, weiß ich nicht. Sienkiewicz hat erns die Illden in Rom ilnter der Herrschaft Neros, Frau Orzeszkv unter der Vespasians gezeigt, ein älterer Polnischer Dichter Joseph Kraszewski (1812 bis 1885) führt uns wieder zu Tiberius zurück. Die Handlung seines Romans „ C a P r e a e u n d R o m " geht nicht, wie der Titel angibt, auf diesen zwei Schauplätzen vor sich, sondern größtenteils nur auf der schönen und viel, vielleicht mehr als sie verdient, gepriesenen Insel Capri, unweit der Hauptstadt des ehemaligen, vielleicht auch zukünftigen, Königreichs Neapel, zum Teil auch in der Hafenstadt Puzzuoli (Puteoli) vor sich. Sucht Sienkiewicz unser Interesse für das junge Christentum, Orzeszkv für das alte Judentum zu erwecken, so finden bei Kraszewski Heiden, Juden und Christen gleichmäßige Berücksichtigung. Treuer als die zwei Genannten folgt er seinen Ouellen, den antiken Autoren, und erspart llns die Mühe des Aussuchens derselben, da er sie genau angibt, mitunter wörtlich zitiert. Die Schicksale der Juden bilden aber nicht den Hauptinhalt des Romans, in dem vielmehr ausführlich und wahrheitsgetreu die Vorgänge und die Korruption in Rom, wo sich, wie in Sodom, nicht einmal einige Tugendhafte oder Gerechte finden, geschildert werden. Auf der genannten Insel, wo Tiberius sein schändliches, mit Grausamkeit und widernatürlichem sexuellen Genuß ausgefülltes Leben führte, lebt eine Judenfamilie, bestehend aus Jllda, seiner schönen Frau Rachel und seinem kleinen Bruder Rüben. Sie waren aus Rom mit einigen tausend anderen Juden verbannt und nach einer wüsten ungesunden Insel"') eingeschifst worden. Zum Wasserholen mit einigen anderen auf Capri bestimmt und auf der unbewohnten Insel gelandet, entflohen sie und verbargen sich in deren Innern. Dort restaurierten sie eine ruinierte Hütte, in der sie ohne Verkehr mit anderen lebten. Aber die Menschenjäger des Tiberius fanden zufällig den kleinen hübschen Rüben, brachten ihn dem Kaiser, der ihn zu seinem Lustknaben machte, nicht Ganymed, aber Hypatos nannte und zum Dienst der Heidengötter zwang. Aus Aberglauben opferte er dann den schönen Iudeuknaben nicht einmal einem römischen Gotte, sondern dem aus dem Orient importierten Mithra. Der Geopferte hat seine Schwägerin Rahel geliebt, ohne es ihr zu gestehen. Diese, welche vielleicht die Liebe des Knaben ahnte, trauert an seinem Grabe und verflucht den Tiberius, worauf dieser sie töten läßt. Zwei Jahre später gelingt es dem Juda nach Neapel zu entfliehen, wo er bei dem recht hartherzigen und habsüchtigen, aber doch ehrlichen, beinahe zum Heiden gewordenen reichen Hananios eine Anstellung findet als — Aufseher seiner im Kerker (Ergastulum) eines baufälligen Landhauses untergebrachten Arbeitssklaven. Juda behandelt sie mit Mitleid und verbessert ihre Lage. Ein mit christlicher Tendenz schreibender Erzähler hätte ■7) „Es wäre kein Schade» (eile damnum), wen» sie dort, infolge des ungesunden Klimas, zugrunde gingen", sagt der berühmte römische Historiker -und Verleumder der Juden Tacitus (Ammlcn II, 85), trotz seines sine irä el studio. hier wahrscheinlich eine Episode von der Bekehrung dieser Sklaven eingeschaltet. Aber Juda, will sagen Kraszewski, ist kein Proselytenmacher. Nllr in losem Zusammenhang mit der Hauptfabel des Romans steht der jüdische Arzt und Goldschmied Elias. Dank hoher Protektion war ihm nach Vertreibung der anderen Illden gestattet worden, in Rom zu bleiben, und er war nahe daran, ein Götzendiener zu werden, als ihn der Tod seines Sohnes zum jüdischen Glauben zurückführte. Er wird zur Kurierung des kranken Tiberius nach Capri berufen, vor dem er sich als Jude bekennt und als solchen gibt er sich auch dem Ruben-Hypatos z>c erkennen. Im weiteren Fortgang des Romans treten die Juden in den Hintergrund und ihre Stelle nimmt das junge Christentum ein. Die Schicksale seiner Bekenner, ihre Missionstätigkeit und die Verfolgungen, die sie erleiden, werden ebenso wie der Brand Roms nnd die sonstigen Vorgänge in der ewigen Stadt bis zum Tode Neros ausführlich erzählt, in ziemlich trockener Weise nach den historischen Werken der Heiden und den bekannten christlichen Legenden, bis zu der bekannten, von der Begegnung des Petrus mit Jesus, die Sienkiewicz den Titel und vielleicht auch die Anregung zu seinem Roman „Quo vadis" gegeben hat. Doch darf nicht verschwiegen werdeil, daß dieser interessanter lind lebensvoller zu erzählen und zu schildern weiß als der ältere Erzähler. Ich hätte noch einige Werke erwähnen können, die ich vor vielen Jahren gelesen habe, aber ich konnte sie mir jetzt nicht verschaffen und erinnere mich nur undeutlich ihres Inhalts. Von anderen kann ich kaum mehr als den Titel angeben. Zwei von ihnen habe ich vor ungefähr einem halben Jahrhundert von einer wandernden Theatergesellschaft aufführen gesehen. Von deren Inhalt ist rnir nur so viel erinnerlich, daß das eine — „Die Juden" — (nicht zu verwechseln mit dem oben behandelten gleichnamigen Kraszewskis) ein ernstes, judenfreundliches Stück, das andere „korek zapiecz etowany“ (Der versiegelte Beer) eine die Illden verspottende Posse war. Die Verfasser beider sind mir jetzt nicht mehr, waren mir vielleicht auch damals nicht bekannt. Endlich wurde hier im vergangenen Winter als demnächst zlir Aufführung aus der „Neuen Wiener Bühne" gelangend, ein Stück „Die Juden" von Tschirikin angekündigt: es ist aber bis jetzt, aus mir nicht bekannten Ursachen, nicht aufgeführt lvvrden. Auch habe ich es mir weder gedruckt noch im Mamiskript verschaffen können. Die Theaterdirektion konnte, der Theateragent, an den sie mich wies und zu dessen von mir entlegenen Wohllung ich auf unbequemer Stiege, drei Stock hoch, Hinaufstieg, wollte mir kein Exemplar geben, Habsal sibi. Erkenntnis. Von Ludwig Geige r.1) 1. Mein Vater, war ein Mann, selbstsicher, festgefügt, Doch ohne Stolz, feind jedem falschen Schein, Der ohne 'Scheu das freche Laster rügt' Und nur der Tugend wollte dienstbar sein. *■) Die nachfolgenden Gedichte sind einem Gedichtzyklus entnommen, der aus sieben Gedichten besteht. Kummer 1, 2 und 7 sind hier nicht abgedruckt, weil sie sich ihres rein privaten Charakters wegen nicht zur Veröffentlichung eignen; die übrigen darf ich wohl wagen, al-? Allsdruck eines Lebensbekenntnisses den Lesern dieser Zeitung vorzulegen.

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