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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-06 · Heft 40 (6.10.1916) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
Seite 477 (sequence 9)
Language
German
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477 - Gernsheims hingerissen, und man merkte es ihm an, das; diese ' Beifallskundgebungen ihn besonders erfreuten, denn sie kamen von seiner Vaterstadt Worms, an der er mit allen Fasern seines Herzens hing. — Anläßlich seines 75. Geburtstags habe ich im Verein mit einem Freimde beim Vorstand den Antrag eingebracht, die musikalischen Ausführungen im Herbste mit einem Gernsheim-Abend zu beginnen. Der Antrag fand einstimmige freudige Aufnahme, und auch Gernsheim, den ich davon unterrichtete, war sehr erfreut; leider hat der unglückselige Krieg, der wenige Monate nach dem Beschlüsse begann, auch diese gut beabsichtigte Ehrung vereitelt. Seine letzte Mitteilung behandelte den „Judenbischof Gernsheim" von hier. Er interessierte sich dafür zu erfahren, ob auch er mit dem „letzten Judenbischof" verwandt sei. Zufällig erfuhr ich vor einigen Wochen von einem Bekannten, daß er schwer leidend sei, eine schlimme Nachricht bei einem so hohen Alter. So ist er nun dahingegangen, ein Fürst im Reiche der Töne, ein anspruchsloser, bescheidener Mensch, der, was man ihm in heutiger Zeit nicht hoch genug anrechnen konnte, immer ein treuer Sohn des Judentums geblieben ist. Mchard WEenltein dessen Bild wir unseren Lesern vorsühren, feierte am 7. September in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Er gehört zu den angesehensten Architekten Berlins und genießt mit seiner Gattin großes Ansehen und außerordentliche Beliebtheit in den vornehmsten Kreisen der Gesellschaft. Wir rechnen ihn mit Freude und Stolz zu den Unseren, denn er gehört unserer Gemeinschaft an, ohne sonderlich in ihr hervorzutreten. Wir wünschen dem frischen Siebziger noch lange Zeit ungetrübtes und gesegnetes Schassen. Ueber sein Leben entnehmen wir einem Breslauer Blatte nachstehende Notizen, die er selbst als authentisch bezeichnet: Geh. BauratProf. Dr. RichardWolffenstein, der geschätzte Berliner Architekt, feierte am 7. September in noch ungeminderter Schaffenskraft seinen 70. Geburtstag. 1846 als Sohn des Färbereibesitzers W. geboren und nach dessen frühzeitigem Tode von seinem kunstsinnigen Stiefvater Würtzburg erzogen, begann er 1864 feine bauliche Tätigkeit beim Ratsmaurermeister Karchow, nachdem er die Friedrich-Werdersche Realschule absolviert hatte. Nach den Studienjahren 1866 bis 1869 aus der Bauakademie arbeitete er in den Ateliers von v. d. Hude und von Mörner. Skizzen, die er 1880 von einer zweijährigen Studienreise heimbrachte, fanden solche Beachtung, daß sie feine Berufung als Lehrer an das Kunstgewerbemuseum veranlaßten. Die mit einem zweiten Preise ausgezeichnete Konkurrenzarbeit zum deutschen Reichstagsgebäude, welche er in Gemeinschaft mit Prof. Cremer fertigte, gab die Anregung zu einer dauernden Verbindung mit diesem Fachgenossen. Mit ihm zusammen schuf er eine große Zahl Geh. Baurat Prof. Dr. wolffenstein in Berlin. hervorragender Bauten, welche mit der baulichen Entwicklung der deutschen Reichshanptstadt in den letzten 30 Jahren aufs innigste verknüpft sind. Cremer und Wolffenstein sind die Erbauer der Kaiser-Wilhelm-Akademic für Militärärzte, Handelshochschule, Handelskammer, Propftei St. Hedwig, vieler hervorragender Synagogen in Berlin, Dessau, Königsberg, Posen usw. Lebhaften Anteil hatten sie ferner an der Entwicklung des Geschäfts- und Warenhausbaues. Ihre zahlreichen Bauten auf diesem Gebiet sowie ihre vielen städtischen Wohnhäuser und malerisch anmutigen Villenbauten in vielen Städten zeugen von der Ausdehnung einer mannigfaltigen und erfolgreichen künstlerischen Betätigung. Der Jubilar, welcher sich um die Interessen der Privatarchitektenschaft ein großes Verdienst erworben hat, wurde zum Doktor und Professor, 1907 zum Baurat, 1912 zum Geh. Baurat ernannt und ist seit 1915 Mitglied der Akademie des Bauwesens, seit acht Jahren Stadtverordneter in Charlottenburg. polnische und russische Dichter und Lr?äh1er über Juden. Von Dr.Mareus Landau, Wien. (Schluß.) enryke Sienkiewicz, geboren 1846imGouverucment Siedler des Königreichs Polen, hat mit seinem 1895 erschienenen erbaulichen Roman „Quo vadis“, den er nach einer christlichen Legende, von der man erst auf dessen dreihundertster Seite die Erklärling dieses Titels findet, seinen ein Jahrzehnt früher erschienenen lebensvollen patriotischen Roman „OKniam i mieczem“ („Mit Feuer und Schwert"), ja nicht einmal den ihm inhaltlich nahestehenden „Taras Bnlba" Gogols erreicht. Sienkiewicz ist ein geschickterer und berühmterer Erzähler als Elise Orzeszko, aber sein letzter Roman ist nicht besser, vielleicht nicht einmal so gilt lvie der ihre. Und so könnte mmt, da der seinige mehrere Jahre später geschrieben wurde, sich versucht fühlen, von Nachahmung zu reden. Seine Lydia entspricht der Namensträgerin ihres Romans, sein Vinicius ihrem Artemidorus, das Gemetzel im Amphitheater den Vorgängen im Zirkus Vespasians, lind so ließen sich mehrere andere Aehnlichkeiten Nachweisen, aber es ist hier nicht der Ort dazu. Großartig ist wohl seine Schilderung des Brandes von Rom, aber ich widerstehe der Verführung, sie hier mit der weitläufigeren im „Nero" des Italieners Boito, dessen Drama ich bei seinem Erscheinen ziemlich scharf in der „Wiener Abendpost" vom 5. Juni 1901 kritisiert habe, oder mit meiner rein historischen Schilderung in der „Vossischen Zeitung" vom 23. Mai 1903 zu vergleichen. Aber was ich zu rügen nicht unterlassen kann, ist des Polen Gehässigkeit gegen die Juden. Da fehlt keine der altbekannten Verleumdungen: „Die Juden haben in der letzten Zeit angefangen, die Christen grausam zu verfolgen. Schon zur Zeit des Claudius sind solche Bewegungen vor- M

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