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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-27 · Heft 39 (27.9.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 39 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 verbunden mit den satten Farben der Glasfenster, eine warme Wirkung Hervorrust. Der Bau, im ersten Kriegsjahre begonnen, ist in ernster, schwerer Zeit vollendet worden. Möge er einer langen Reihe kommender Generationen eine Stätte der Andacht werden, von der die Gotteslehre in die Herzen und Häuser unserer Glaubensgenossen strahlt. Ob. Berlin, 25. September. Immer weitere Kreise unserer Glaubensgenossen finden sich, die ihre Kinder dem landwirtschaftlichen Berufe zuführen wollen. Schwierigkeiten macht es aber manchem Bater, für seinen Sohn die Stelle ausfindig zu machen, wo er diesem Berufe zugeführt und ausgebildet werden kann; mancher Bater mußte so seinen und seines Kindes Lieblingswunsch aufgeben. Daher wird es einen größeren Kreis interessieren, wenn ich von meiner Ferienwanderung durch die Ostpriegnih berichte. Ermattet von einer Fußwanderung in der Sonnenglut kehrte ich in der Ostpriegnitz auf Rittergut Königsberg ein, wo mir ein Labetrunk und Einladung gewährt wurde. Ich war nun überrascht, in dem Besitzer einen Glaubensgenossen zu finden, der auf seinem herrlichen Landsitz, nur zwei Stunden von Berlin, mir sein Lieblingsthema entwickelte: „die jüdische Jugend in erhöhtem Maße für die Landwirtschaft zu gewinne n". Seine Gedanken hat mein Wirt schon seit längerer Zeit in die Tat umgesetzt. Bei ihm finden jüdische junge Leute, die es Ernst mit ihrem Berus als Landwirt nehmen, liebevolle Aufnahme. Diese muß aber auch von praktischem Erfolge sein, denn was ich auf jenem mäßig großen Besitz vorfand, überrascht und erfreut jeden Landwirt. Ein Laboratorium für Saatzucht mit von der Deutschen Laudwirtschaftsgesellschaft anerkannten Saatsorten, schöne Rasseberden, landwirtschaftliche Maschinen neuester Svsteme, sogar eine aus Gütern noch seltene Erscheinung fand ich dort erprobt — eine Regenanlaae. Wertvoller als all dieses erschien es mir aber, daß die Zöglinge jenes Musterbetriebes voll Lob und Anerkennung über die ihnen zuteil werdende Ausbildung waren. Erfreut über das Gesehene und mit dem Wunsche, viele solcher Lehrberren Sinter unseren Glaubensgenossen für die Zukunft erstellen m sollen, verließ ich das gastliche Rittergut Königsberg in der Ostpriegnitz. W. Posen, 22. September. 'Herr Stadtrat Arthur Kronthal von hier hat im Austrage des Herrn Ob-ervräsidenten der Provinz Posen in seiner Eigenschaft -als TerritorialdeleErter des Provinzialverein? vom Roten Kreuz für die kämvsenden Truppen im Westen einen Waren mit Liebesgaben geleitet. Am 12. August hatte Herr Kronthal die Fahrt anaetreteu. Nach einer beschwerlichen Reise ist er wohlbehalten glücklich zirrückgekehrt und überbrachte den Dank der Empiänger als liebendes Gedenken in der Heimat. — Herr Hartwig Kantorowicz, Aktiengesellschaft zu Posen, stellt infolge des abgelaufenen Geschäftsjahres Zehntausend Mark für Kriegszwecke zur Verfügung. Diese Wohltat erinnert an das Masseroeben nach biblischen Grundsätzen. — Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse am schioarr-werßen Bande haben erhalten: Augenarzt Sani'tätsrat Dr. Oskar P i n k u s, leitender Arzt des Festimaslazaretts 7 und der Korpsauaenstation, und der Chefarzt des Festimaslazaretts 10. Sanitätsrat Dr. Leopold E a r o in Posen. — Zum Handelsrichter wurde ernannt Herr Baukd-irekior Janatz Goldschmidt, w i eder - eruannt Herr Kaufmann Georg Iasfö, zum stellvertretenden Handelsrichter Herr Kaufmann Adolf Simon (Posen). r. Breslau, 22. September. Das Israelitische Mädchenheim beging, wie schon mitgeteilt, in Anbetracht der Zeitverhältnisse die Feier seines fünfundzwanzigiährigen Bestehens in ebenso ernster als würdiger Weise. Einer Anregung des verewigten Waisenhausinspektors Silber stein .zufolge aus der Lessing-Loae hervorgegangen, wurde diese Schöpfung im September 1891 ins Leben gerufen. um den mit Ablauf der Schulzeit mr§ dem Waisenhause entlassenen jungen Mädchen bei ibrem Eintritt in die Berufstätigkeit eine Heimstätte zu schaffen. Allmählich ausgebaut, gewährte das Israelitische Mädchenheim nicht nür hiesigen jungen Mädchen, die das Elternhaus entbehren, Unterkunft, sondern auch zahlreichen weniger bemittelten jungen Mädchen aus den Provinzen Schlesien und Posen, so daß durchschnittlich jährlich 25 Zöglinge Aufnahme finden konnten. Die Leitung des jungen Instituts übernahm bei dessen Begründung Frau Helene F r e u n d geb. Henschel, die unentwegt in fünfundzwau-zigjähriger segensreicher Wirksamkeit in vorbildlicher Weise ihres nicht leichten verantwortungsvollen Amtes gewaltet hat. Nicht nur Unterkunft batten die jeweiligen Zöglinge gefunden-; vermöge ihrer großartigen Eigenschaften von Charakter, Verstand und Gemüt nahm sich Frau Freund der ihrer Obhut und Fürsorge unterstellten jungen Mädchen mit hingebungsvoller Aufopferung an, wurde deren Erzieherin und Beraterin und blieb dies, auch wenn die jungen Mädchen längst das Heinr verlassen hatten. Der Vorstand und zahlreiche Gönner des Instituts hatten sich vormittags in dessen Festraum eingefunden. Der derzeitige Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Köbner, gedachte des verewigten Waisenhausinspektors Silberstein und gab ein kurzes Bild der Entwicklung des Heims. Inanerkennendster Weise würdigte er die Verdienste der hochgeschätzten Leiterin und überreichte ihr namens des Vorstandes, begleitet von warmen Wünschen, eine Ehrengabe. Hierauf überbrachte der derzeitige Präsident der Lessing-Loge, Herr Arthur Tischler, deren Glückwünsche und gedachte neben dem Manne, dem das Heim sein Entstehen dankt, auch der verewigten Herren Emil Sachs und Justizrat Ollendorsf. Bewegten Herzens dankte Frau Freund für die ihr erwiesenen Ehrungen, nachdem ein ehemaliger Zögling des Heims eine Adresse verlesen hatte. In den Festräumen des Waisenhauses wurde die verehrte Jubilarin von den derzeitigen Zöglingen des Instituts durch einen Prolog, dem ein Festspiel folgte, gefeiert. Auch der braven Dienerin, die seit einem Vierteljahrhundert Frau Freund zur Seite steht, wurde ehrend erwähnt. M. Hamburg, 22. September. Das Repräsentantenkollegiurn der Deutsch-Israelitischen Gemeinde tagte im Gemeindeburean unter dem Vorsitz des Herrn I. L i p P - man n. Dem Kollegium lagen zur Genehmigung die neuen Satzungen für das Armenwesen vor. In der Generaldebatte regte Herr Dr. Lanzkron an, ob es nicht zweckmäßig sei, schon jetzt in eine Beratung darüber einzutreten, ob und wie dem nach dem Kriege in verstärktem Maße zu erwartenden Zustrom von Wanderarmen nach den großen Städten begegnet werden könne. Es sei doch ziemlich sicher, daß nach Friedensschluß sich die Zuwanderung von armen Glaubensgenossen, namentlich aus Rußland und Polen, nach den großen Gemeinden bedeutend vermehren werde. Er, Redner, möchte nun die Frage aufwerfen, ob es sich nicht emvfehle, für diese durch den Krieg verarmten und vertriebenen Flüchtlinge auch in Hamburg eine Arbeitsstätte zu errichten, sei es aus Privatmitteln mit Unterstützung der Gemeinde, sei es von der Gemeinde selbst. Jedenfalls würde durch die Errichtung solcher Arbeitsstätten ein Zwiefaches erreicht werden. Erstlich würde der Haushaltungsplan der Armenkommission dadurch bedeutend entlastet, und zweitens würde den Armen Gelegenheit zur Arbeit gegeben werden. Herr Laskar weist als Vorstandsmitglied des Israelitischen Unterstützungsvereins für Obdachlose darauf bin, daß seit der ersten Konferenz zur Bekämpfung der Wanderbettelei in Breslau, an der er als Vertreter des Vereins teilgenommen, man sich stets mit der von Herrn Dr. Lanzkron angeregten Frage beschäftigt habe. In verschiedenen Gemeinden, in Köln, Hannover, Weißensee, beständen solche Einrichtungen, wie sie der Vorredner anaeregi habe, die teils gute, teils keine guten Ergebnisse gezeitigt haben. Ob sich derartige Einrichtungen auch für Hamburg empfehlen, lasse sich so ohne weiteres nicht beantworten. Jedenfalls werde man die Angelegenheit im Auge behalten. Aus den mit einigen Abänderungen genehmigten Satzungen des Armenwesens sei hervorgehoben: Das gesamte Stadtgebiet wird in Bezirke eingeteilt, die je einem Pfleger unterstehen. Es ist darauf zu achten, daß kein Bezirkspfleger mehr als zwanzig Pfleglinge erhält. Die Tätigkeit der Bezirkspfleger besteht nicht nur in der Unterstützung des Pfleglings, sondern er soll ihm auch als Freund und Berater zur Seite stehen. Einmalige größere Unterstützungen bis zum Höchstbetrage von 150 Mark können solchen Personen, welche bisher keinem Pfleger überwiesen sind, von dem Vorsitzenden allein aus dem zu seiner Verfügung stehenden Dispositionsfonds bewilligt und dürfen in besonders verschwiegenen Fällen ohne Namensnennung gebucht werden. Es folgen dann noch Anweisungen für die Siechen-, Waisen-, Fremden- und Krankenpflegen, die alle von demselben humanen Geist getragen sind, der sich in der ganzen Geschäftsordnung bemerkbar macht. Sehr erfreulich wirkte die Abrechnung für das Jahr 1915. Diese schließt mit einem Fehlbeträge von 24 000 Mark ab, gegenüber einem solchen von 57 000 Mark im Jahre 1914, und ist um 23 500 Mark geringer, als im Voranschläge vorgesehen. Die Abrechnung wird einer dreigliedrigen Kommission, bestehend aus den Herren Laskar, Dr. Lanzkron und Mathiason, zur

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