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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-27 · Heft 39 (27.9.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 39 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 39 Berlin, 11. September 1916 Der Oemetndeüote. «rll«sr zur „Allgcmetnen Lettung tac# Judentums". ürirgsanlrtliriridinungm trrt Qrr Kolt. Vielen wird es am bequemsten erscheinen, die Zeichnung auf die Kriegsanleihe am Postschalter vorzunehmen. Aus diesem Grunde, dann aber auch, weil es ja nicht an jedem Orte im Reich ein Bankgeschäft, eine Sparkasse, eine Lebensversicherungsgesellschaft oder eine Kreditgenossenschaft geben kann, ist dev gesamte Berkehrsapparat der Post in den Dienst der fünften Kriegsanleihe gestellt worden. Postanstalten oder Postagenturen gibt es fast überall, in der Siadt und auf dem Lande, so daß es keine Mühe macht, sich einen Postzeichnungsschein zu besorgen, um durch Beteiligung an der Kriegsanleihe dem Vaterlande und fich selbst zu dienen. Zudem wird in den Landbestellbezirken und in Orten bis zu 20 000 Einwohnern allen Personen, die als Zeichner in Frage kommen, der Zeichnungsschein ins Haus gebracht. Die Ausfertigung der Zeichnungsscheine ist so einfach, daß sie jedermann ohne weiteres fertigbringt. Man schreibt den Betrag der Kriegsanleihe auf, die man zeichnen will, fügt Name, Stand und Wohnung hinzu und gibt den so ausgefertigten Zeichnungsschein entweder am Schalter ab oder steckt ihn (mit einem unfrankierten an die Post gerichteten Briefumschlag versehen) in den nächsten Briefkasten. Zweierlei ist bei der Postzeichnung zu beachten: 1. Die Post nimmt nur Zeichnungen auf die sttnfprozentige Reichsanleihe an (Stücke sowohl als auch Schuldbucheintragungen), nicht aber auf die 434 Prozentigen Reichs» schahanweisungen. 2. Bei der Post muß der gezeichnete und zugeteilte Betrag der Kriegsanleihe spätestens am 18. Oktober bezahlt sein. Zulässig ist es, vom 30. September ab die Zahlung zu leisten, und zwar werden allen denen, die an diesem Tage das Geld abliefern, 5 Prozent Stückzinsen auf ein halbes Jahr, also 234 Prozent, vergütet, und dies aus dem Grunde, weil der Zinsenlauf der fünfprozentigen Reichsanleihe erst am 1. April 1917 beginnt. Wer nach dem 30. September bei der Post Zahlung leistet oder am letzten für die Postzeichnung vorgesehenen Zahlungstermin, also am 18. Oktober, erhält für 162 Tage Zinsen — 2% Prozent vergütet. Hat jemand 100 Mark Reichsanleihe gezeichnet und zngeteilt erhalten, so würde er mithin am 30. September 95,50 Mark (den Zeichnungspreis von 98 Mark gekürzt um 2,50 Mark), am 18. Oktober 95,75 Mark (den Zeichnungspreis gekürzt um 2,25 Mark) einzuzahlen haben. Mit diesem Betrage hat der Postzeichnec die Zahlkarte, die ihm durch die Post zugestellt wird, auszufüllen. Hat jemand 1000 Mark gezeichnet, so müßte er 955 Mark oder 957,50 Mark bezahlen. Der Zeichnungspreis von 98 Mark ermäßigt sich bei Schuldbucheintragungen um 20 Pfennig für 100 Mark, so daß, wenn jemand 100 Mark zur Eintragung in das Schuldbuch gezeichnet hat, von ihm am 30. September (98 Mark — 0,20 Mark — 2,50 Mark) 95,30 Mark oder am 18. Oktober 95,55 Mark zu erlegen wären. Die Zeichnung auf Schnldbucheintragungen ist allen denen dringend zu empfehlen, die das Geld, das sie für die Kriegsanleihe aufgewendet haben, nicht so bald wieder für andere Zwecke brauchen, mit anderen Worten: die Kriegsanleihe längere Zeit behalten wollen. Wer Reichsanleihe ins Reichsschuldbuch eintragen läßt, ist der Mühe enthoben, seinen Anleihebesitz an einer sicheren Stelle unterzubringen; die Zinsen werden ihm durch die Verwaltung des Reichsschuldbuches sortlau send kostenlos überwiesen, und sollte er das Geld, das er in der Kriegsanleihe angelegt hat, flüssig machen müssen, so braucht er nur bei dem Reichsschuldbuch den Antrag zu stellen, ihm die Kriegsanleihestücke auszufertigen. Diese kann er dann durch jede Bank oder jedes Bankgeschäft verkaufen lassen. Vor dem Oktober 1917 würde allerdings eine Ausfertigung von Anleihestücken nicht erfolgen, weil die Vergünstigung von 20 Pfennig für 100 Mark auf Schuldbucheintragungen unter der Voraussetzung gewährt wird, daß die Anleihe mindestens bis zürn 15 Oktober 1917 im Reichsschuldbuch eingetragen bleibt. Auf z«r Zeichnung! korrrlPonden?rn und Aschrichten. DeulschlanL C. M. B. Berlin, 25. September. Die am Ufer des Landwehrkanals gelegene neue Synagoge, über deren Einweihung wir in der vorigen Nummer berichtet haben, gereicht diesem Stadtteil zur Zierde; der Baumeister hak -es vorzüglich verstanden, seinen Bau der örtlichen Umgebung anzupassen. Der Entwurf stammt von dem Gemeindebaumeister Regierungsbaumeister a. D. A l e r a n d e r B e e r in Charlottonburg, der auch mit der Leitung des Bauesbetraut war. Die Bauaussicht führte eine von der Gemeinde eingesetzte K o m m ission unter dem Vorsitz des Aeltesten Seligsohn; die Einweihungsfeier war von einem besonderen Ausschuß unter Leitung des stellvertretenden Gemeindeältesten Willibald Loewenthal vorbereitet; den Vorsitz im Gemeindevorstand führte während der Bauzeit dessen gegenwärtiger Vorsitzender, Kommerzienrat E i s n e r. Wie für die Gestaltung eines jeden Neubaues der Zweck, für den er errichtet ist, richtunggebend ist, so mußte auch bei diesem Neubau der Plan den Spezialanforderungen, die die Gemeinde stellte, entsprechen. Es galt, einen großen Versammlungsraum — die Hauptsynagoge, die Wochentagssynagoge, Trausaal, Sitzungsräume und Dienstwohnungen zu einem Ganzen zu vereinigen. Dieser Ausgabe ist der Baumeister vorzüglich gerecht geworden. Die Gebäudegruppe zerfällt ihrer Zweckbestimmung nach in drei große Baumassen: ein Hauptgebäude -irr Form einer Basilika, ein nach rechts an gegliedertes Wohngebäude und ein linker Seitenflügel mit der Wochentagssynagoge und einem Saal für Jugendgottesdienst. Der Architekt hat die Verwendung der herkömmlichen Formen für Synagogenbauten bewußt vermieden: mit neuen und schönen Mitteln sind jedoch Zweck und Eigenart des Baues zum Ausdruck gebracht worden. Dem eigentlichen Shnaaoaen.bau derleiht ein gewaltiger, in dorischem Stil gehaltener Säulenvorbau klassizistischen Charakter. Ein Schild mit dem Davidsstern verkündet die Bestimmung des Hauses. Durch die Pfeilergetragene Vorhalle, welche die Garderoben, enthält, gelangt man in die Männerabteilung der Hauptsynagoge, die etwa 900 Plätze faßt. Dem Eingang gegenüber öffnet sich eine Art Apsis, in der sich hinter dem Vorbetertisch die Heilige Lade mit dem darüberliegenden Ehorraum und dem für eine Orgel vorgesehenen Raum befindet. Der Chor-raum bietet Platz, für 60 Sänger. Das Allerheiligste bildet den geistigen Hauptinhalt des Raumes und trägt deshalb den Hauptschmuck. Es ist aus poliertem Muschelkalk aufgebaut; reiche ornamentale Friese umrahmen die Tür der Heiligen Lade, über der in Bronze getriebene Becken mit den Wasserkannen der Leviten in die Wand eingelassen sind, lieber die ganze Länge des Aufbaues laufen Spruchbänder in kräftigen hebräischen Quadratbuchstaben, deren Gold dem Stein eine eigene Wärme verleiht. Für den Prediger ist eine richtige Kanzel geschaffen worden, die von einer schweren Halbsäule gestützt wird. Der Raum ist von einer reich kassettierten Holzdecke überspannt, die Fenster sind in Form und Verglasung dem Basilikacharakter der großen Halle angepaßt. In der Westwand befinden sich über der zweiten Empore zwei runde Fenster, die -im blauen Felde den siebenarmigen Leuchter zeigen. Das gleiche Motiv -ist abwechselnd mit dein Bilde des Brandopseraltars und dem des Wagens mit den alten Tempelgeräten zu einem Fries vereinigt, der in kräftigen braunen Tönen in der Höhe der -ersten Empore die Wände schmückt. In den Gewölbebogen der Seitenschiffe kehrt als Deckenbemalung das Kassettenmuster der Hallen decke wieder. Tie Bemalung ist sparsam gehalten und deshalb um so wirkungsvoller. Zwölf große zehnarmige Kronleuchter erhellen den Raum. Zwei Emporen bieten für 900 Frauensitze Platz. Bon den beiden Seitenflügeln enthält der eine die Wochentagssynagoge, einen einfachen Raum mit einem schlichten Tihoraschrein inbraunem Eichenholz mit Platz für 36 Beter, sowie -einen Raum für Jugendgottesdienst, der andere die Wohnung für den Kastellan und Sitzungsräume. Als besonders gelungen ist noch der Trausaal hervorzuheben, dessen zartlila Ausmalung,

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