Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1916)
- Date
- 1916-09-27
- Page
- Seite 468 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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468 Aus Dämmerung und Dunkel den Weg nicht zurück. Doch unssei die Stimme des Schofars hienieden Ein Bote des Heiles und künde uns Frieden. Die Zeit bleibt uns heilig, und heiliger Schauer Turchzittert die Seele, durchflutet das Herz. Wir beugen das Knie vor der klaglosen Trauer, Vor rinnenden Tränen, vor schweigendem Schmerz. Um alle, die ewig nun tragen die Narben, Tie ihnen verblieben nach blutigem Streit, Um alle, die freudig fürs Vaterland starben. Sei heilig und ehrfurchtgebietend die Zeit. Aus Blut und aus Tränen soll heut' uns erblühen Ein opferbereites, begeistertes Glühen. Gelsenkirchen. S. K a tz. Kokchhalchanoh! ©chon sinkt der Abend nieder. Bald decket Nacht die Welt, Es strömen die frommen Scharen Zum Tempel, lichterhellt. Zum Tempel, zum Gotteshause, Zum Herrn dort in der Höh' Trägt jeder heut' sein Herz hin, Voll Kummer und voll Weh. Man fühlt sich klein und nichtig, Bar allen Glanzes Spur, Man möcht' sich einzig flüchten Ans Herz des Vaters nur. Am Neujahrsfeste spüren Das Wehen wir der Zeit, Wie ist die Zukunft dunkel. Die Gegenwart voll Leid! Noch wütet, wild und schaurig Des Weltenkrieges Brand, Aus tausend Wunden blutet Das deutsche Volk und Land. Und jeder von uns weinet Wohl eig'nem Glücke nach, Um so viel teure Leben, Um Wohlstand, der zerbrach. Um Höchstes, Edles, Schönes, Das nur der Friede zeugt, Um Menschlichkeit und Güte, Von Neid und Haß verscheucht. — Ter Orgel Stimmen brausen; „Ein neues Jahr beginnt," Andächtig lauscht die Menge Den Klängen, ernst und lind. Und wie die Töne schweben Im hehren Weihelied, Fühlt jeder, wie ihn Tröstung Beseligend durchzieht. Ter greise Prediger betend Die Hände nun erhebt, Er spricht so warm, so innig. Wie nie, so lang' er lebt. Er sagt, daß Gott verzeichnet Heut' in das Schicksalsbuch Das Los der ganzen Menschheit Zum Wohle oder Fluch. Er sagt, wie seit Aeonen Der Herr uns Schutz verhieß. Wie er in Not und Trübsal Die Seinen nie verließ, Wie er die Feinde fällte. So oft sie auch gedroht. Und uns zu Sieg und Freiheit Geführt aus Druck und Not. — Am Neujahrsfeste spüren Das Wehen wir der Zeit, Ist auch die Zukunft dunkel. Die Gegenwart voll Leid: Er, der Geschicke Walter, Er, allen Dunkels Licht, Er, aller Welt Erhalter, Der Herr verläßt uns nicht! Jenny Bergmann. Mchrrrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Gustav Freytag als Patriot und Politiker. Von Dr. Adolf K o h u t. Berlin, Verlagsbuchhandlung Alfred Schall, Verein der Bücherfreunde. Albert Steffen: Der Auszug aus Aegypten, Die Manichäer. Zwei Dramen. S. Fischer Verlag, Berlin. An Bord. Kriegserlebnisse bei der schwimmenden und fliegenden Wehrmacht Deutschlands. Von Anton Fendrich. 21./30. Tausend. 1916. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. Juden und C h r i st l i ch s o z i a l e. Ein Vorschlag von A. M e i ß n e r. Wien 1916, A. Mejstrik Verlag. Verzeichnis jüdischer Kriegsschristen, Zusammengestellt von Lollis L a m m. Zweites Heft, 1916. Verlag von Louis Lamm, Berlin C 2. Von deutscher Zukunft, 1. Stück: Deutschtum und I u d e n t u m. Von Hermann Cohen. 9. und 10. Tausend. Mit einem kritischen Nachwort als Vorwort. Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen. 1916. Prof. Dr. Ludwig Fraenkel: Das amtliche Rußland und die Juden zu Anfang des Weltkrieges 1914. Eine authentische Sammlung wichtiger Dokumente. Erschienen in „N o r d und S ü d", September 1916. Sprechfaul. Die Rabbiner Oberschlesiens versenden folgenden Aufruf: An unsere Gemeindemitglieder! Von maßgebender Seite, der wir gern Gehör schenken, ist das Ersuchen all uns gerichtet worden, nachfolgende Anregung zur Kenntnis unserer Synagogengemeinden bringen zu wollen: Die hohen Feiertage stehen vor der Tür. Nach altem Brauche sind diese in unseren Fanlilien durch feierliche Festmahlzeiten ausgezeichnet. In unserer ernsten Kriegszeit aber, in welcher alle Teile des deutschen Volkes Mitarbeiten an dem großen Werke des Vaterlandes und ihren Opfermut erweisen durch Bedürfnislosigkeit und Einschränkung, ist es nun geboten, unsere Feiertage äußerlich so schlicht und einfach als irgend möglich zu begehen. Dringend notwendig i st es, besonders b e n Geflügel st and zu schonen, um die schwierige u n d w i ch t i g e V e r s o r g u n g u n s e r e r Bevölkerung mit E i e r n nicht z u gefährden. Wir geben diese Anregung gern weiter, geleitet von der Ueberzeugung, daß in imseren Gemeinden jeder im vaterländischen Interesse gern bereit sein wird, auch an den Festtagen den Verbrauch an Lebensmitteln tunlichst einzuschränken. Unsere religiösen Feste werden darum an Würde, innerer Größe und Erhabenheit nichts einbüßen. Ja unsere Kinder sollen es erfahren und sollen es lernen, daß wir gerade an unseren heiligen, ehrfurchtgebietenden Tagen die hohe Pflicht der Entsagung und Einschränkung zum Heile des Vaterlandes gern auf uns nehmen. Haben ja die deutschen Juden, wie es selbstverständlich ist, in schwerer Kriegszeit sich als treue Kinder des Vaterlandes erwiesen und die gleichen Opfer wie ihre andersgläubigen Mitbürger in Begeisterung und Treue gebracht. Möge der opferlvillige Heldengeist unserer Väter, der in uns wieder lebendig geworden ist, uns den richtigen Weg zeigen und uns stark machen. Möge das konunende Jahr unserem Vaterlande den ersehnten, ehrenvollen Frieden bringen. Wir entbieten zu Roschhaschonoh unseren Gemeinden in allen ihren Teilen den Segen Gottes. Im Elul 5676. Die Rabbiner Obers ch l e s i e n s.