Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der Nepräsentautenversammlung der jüdischen Gemeinde, ries dem dahingeschiedenen Kollegen die letzten Grüße der Versammlung nach. Gr führte aus: „Die Arbeit in einer kirchlicher: Verwaltung unterscheidet sich von anderen öffentlichen Verwaltungen dadurch, daß bei allen Entscheidungen immer eine Saite mitklingt, die das Innerste irnd Verhüllteste berührt, was ein Menschenherz bewegt, das Band, welches von der Zeitlichkeit zur Unendlichkeit führt. In der Verwaltung einer jüdischen Gemeinde kommt außer der Beachtung der Landesgesetze und Zeitverhältnisse noch Hinz:: die fortwährende Rücksichtnahme auf eine jahrtausendealte und unter ganz anderen Verhältnissen entstandene Gesetzgebung, die wegen ihres unmittelbar göttlichen Ursprungs den Anspruch auf unveränderliche und unverrückbare Geltung erhebt. Derartige Ausgaben erfordern Männer, die fest ans ihrem eigenen Standpunkt stehen, aber auch für den Standpunkt anderer Verständnis «und Duldung besitzen. Ein solcher Mann war der Dahingeschiedene, der uns so jung entrissen lvurde. Wir hätten seine Kraft noch sehr gebraucht für die schweren Aufgaben allgemeiner Art, loelche in jetzt kommenden Zeiten an unsere Gemeinde herantreten werden. Der Kranz, den die Versammlung an seiner Bahre niederlegt, soll ein Symbol sein für die Krone, welche unseren Vorfahren als die höchste von allez: galt: die Krone des gute:'. Namens. Dieser gute Name wird ihn: bei uns erhalten bleiben." — Kantor Stabinski von der Synagoge R y k e st r a ß e trug hieraus das El-mole-Rachamim-Gebet vor. Unter den Klängen des Liedes: „Ruhe sanft in kühler Erde", das der Chor der Synagoge Nhkestraße sang, wurde der Sarg dann in das neu angelegte Erbbegräbnis überführt und dem Schoße der Erde übergeben. Januach beschalom! c/3> Berlin, 19. September. Am Freitag, Yen 15. d. M., erfolgte die Beisetzung des Pros e s s o r s F r i e d r i ch G e r n s - h e i m aus dem Friedhofe in Weißensee. An der Beisetzungsfeier nahmen viele bekannte Künstler und Gelehrte teil; die Körperschaften, denen der Verstorbene angehörte, hatten Vertreter entsandt. Die Akademie der Künste vertraten die Professoren A m ersdorfer, Barth und Krebs; vom Institut für Kirchenmusik war Professor Thiel, von der Königlichen Hochschule für Musik Professor Schmidt erschienen. Zwei Chargierte der Königlichen Hochschule für Musik hielten in vollem Wichs die Ehrenwache an der Bahre ihres toten Lehrers. Die Feier begann mit einen: Vortrag des Chores der Synagoge Lützowstraße. In der Trauerrede feierte Rabbiner Dr. W e i ß e den Verstorbenen als einen bedeutende:: Künstler, den seine Werke überdauern werden. A l e x a n d e r S ch n st e r trug Gernsheims Cellosolo „Elohenu" vor. Mit den: Chorliede „Harre in Frieden" schloß die Trauerfeier. 22 Berlin, 19. September. Seitens der Jüdischen Gemeinde zu Berlin werden Kurse unterhalten, durch loelche Lehrerinnen und Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Kurse dauern drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit findet eine Abschlußprüfung statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen aus dem Julius Bleichröderschen Legat einige Stipendien zur Verfügung. Das Wintersemester beginnt am Donnerstag, den 12. Oktober d. I. Meldungen nimmt der Leiter der Kurse, Herr Rektor Dr. S p a n i e r, h: der Mädchenschule, Kaiserstraße 29/30, entgegen, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. ^2 Ratibor, 15. September. Am 3. d. M. hielt hier der Oberschlesische Rabbinerverband unter den: Vorsitze von Dr. Kopfstein (Beuchen O.-S.) seine zweite Hauptversammlung in diesem Jahre ab. Im Mittelpunkt der Beratung standen die Fragen, welche das Verhältnis des „Rabbinerverbandes in Deutschland" zun: „Verband der deutschen Juden" betreffen, und man gelangte einmütig zu den: Beschlüsse, die Beziehungen tunlichst so zu gestalten, daß die Selbständigkeit des Rabbinerverbandes gewahrt werde. Es spiegelte sich in dieser Sitzung das Bild wider, das durch die letzte Generalversammlung des Rabbinerverbandes gezeitigt worden war. Mit der Vertretung des Oberschlesischen Rabbiner- Verbandes bei der Sitzung des Zentralausschusses des Rabbiner- Verbandes lvurde Dr. Gradenwitz (Tarnowitz O.-S.) betraut. — Im Verlause der weiteren Verhandlungen lvurde beschlossen, die Tätigkeit der Rabbiner in den Bezirksgemeinden (Revision der Religionsschulen, Abhalten von Predigten) einer Neuregelung zu unterwerfen. — Von großem Interesse waren die Verhandlungen über die Frage der Militärseelsorge. Die leitenden Gesichtspunkte waren gegeben durch das umfaffenbe Referat des Vorsitzenden über Seelsorge in: allgemeinen. An die Ausführungen des Referenten, der aus der Fülle seiner Erfahrungen als Seelsorger schöpfen konnte, schloß sich eine Diskussion an über die Fragen des Svldatengvttesdienstes und der Seelsorge bei Strafgefangenen. 22 Frankfurt a. M., 15. September. Aus den: Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums E. V." wird uns geschrieben: Tie Reichsfleischstelle hat an die Landeszentralbehörden sämtlicher Bundesstaaten, in Preußen an die Negierungspräsidenten, folgendes Rundschreiben unter 6. 1113/26 gerichtet: „Die jüdischen Herbstseiertage fallen in diesem Jahre Ende September und im Oktober in drei Wochen ans einen Donnerstag und Freitag und in einer Woche auf Sonnabend (beginnend Freitag nachmittag). Wem: die rituellen Haushaltungen in den Stand gesetzt werden sollen, in diesen Wochen Fleisch zu erwerben, wäre es notwendig, daß die Festsetzung der Schacht- und Fleischverkausstage wie folgt stattfinden würden: In der Woche vom 2 5. (Montag) bis 30. September (Svnnabend) Schächttag: 2 5. September, Verkanfstag: 26. September; vom 2. (Montag) bis 7. Oktober (Svnnabend) Schächttag: 4. Oktober, Verkausstag: 5. Oktober: vom 9. (Montag) bis 14. Oktober (Sonnabend) Schächttag: 9. Oktober, Verkaufstag: 10. Oktober; vom 16. (Montag) bis 21. Oktober (Sonnabend) Schächttag: 16. Oktober, Verkaufstag: 17. Oktober. Wir ersuchen ergebenst, die Komuumalverbände auf diese Verhältnisse aufmerksam zu machen und sie anzulveisen, diesen Wünschen, wenn irgend möglich, Rechnung zu tragen." Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hmgewiesen, daß unsere Berliner Versandstelle (H. Freirich, Oranienburger Straße 59) für ausgesprochene Notfälle und unter bestimmten, von der Behörde festgesetzten Bedingungen rituelle Wurstwaren, die aus dem neutralen Auslande eingeführt wurden, den Interessenten zur Verfügung stellt. Von jflöff und fern. Bei der zweiten .Kriegsregatta des Verbandes der deutschen Jugendrudervereine, die au: 10. September in Grünau stattfand, hat die Jugendabteilung des jüdischen Ruderklubs „Jvria" zwei erste Preise gewonnen. Die Sportpresse hebt allgeinein die guten Leistungen des Vereins hervor. — Der Ulan Alexander B e r g l a s , Sohn des Herrn S. Verglas, Würzburger Straße 20, welcher vier Personen unter eigener Lebensgefahr von: sicheren Tvde des Ertrinkens errettete, wurde für diese Tat uüt der Rettungsmedaille am Bande ausgezeichnet. -- Ter Mitinhaber der Firma Jacob n. Valentin, Heinrich V a l e n t i n , beging an: 20. d. S1U. seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar begründete im Jahre 1877 gemeinsam mit den: 1912 verstorbenen Geheimen Kommerzienrat Emil I a c o b das bekannte Berliner Speditionshaus. -- Eine Tranerfeier für den auf den: Untergrundbahnhof Hausvvgteiplatz tödlich verunglückten Professor Dr. Georg S a l v ::: v u vereinte am vergangenen Freitag im Krematorium in der Gerichtstraße eine große Zahl von Leidtragenden, namentlich ans den Kreisen der Aerzteschaft. Prediger Dr. Lehmann von der Jüdischen Reformgemeinde hielt die Gedächtnisrede. — In K onitz (Westpr.) nnrrde soeben Herr Kausrnann L e w i n zum Stadtrat gewählt. Herr L., der auch den: Synagogenvorstand angehört, ist der e r st e jüdische Stadtrat seit Bestehen der Konitzer Gemeinde. Das beweist, wie sich die Verhältnisse seit I 96 0 geändert haben. — Bei der au: königlichen Realgymnasium zu Bromberg unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Geheimen Regiernngsrat Kummervw abgehaltenen Abiturientenprüfung erlangte Fräulein Hertha Spiro ans Hohensalza das Reifezeugnis der Anstalt. Das Israelitische Mädchenheim in Breslau beging a:n 17. d. M. das 25jährige Jubiläum seines Bestehens. Mit diesem ist auch dasjenige der Leiterin der Anstalt, Frau H e l e n e F r e u n d geb. Henschel, verbunden, die sich seit dessen Begründung in hervorragendster Weise betätigt hat. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer. Da durch die Kriegsereignisse eine große Anzahl Frauen Erholung und Badekur in Nauheim bedarf, lvird das Israelitische Frauenheim in Bad Nauheim auch lvührend des Winters unbemittelte jüdische Frauen und Mädchen gegen Vergütung der Selbstkosten verpflegen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz iu Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.