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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-22 · Heft 38 (22.9.1916) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 38 (22.9.1916)
Date
1916-09-22
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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in Ihrer Gemeinde beigetragen haben; wenigstens ist das, was ich geschrieben, der Ausdruck meiner Gesinnung. Mit großer Hochachtung verharre ich E. W. Berlin, am 2. April 1844. ergebenster 3. Zunz an Trier. Auf demselben Blatt, das die Abschriften des Brieses von Rothschild und des Briefes an Rothschild enthält, die erstere von der Hand der Frau Adelheid, die letztere von Zunz selbst, ist auch der Brief an Salomon Trier in hebräischer Kursivschrift mitgeteilt (gleichfalls von Zunz' Hand). Nach einerlängeren hebräischen Adresse lautet dies Schreiben: „Ew. Ehrwürden Umlaufschreiben nebst den erschienenen Gutachten über Mizwoth Miloh ist mir vor wenigen Wochen zugekommen und ersah ich daraus sowie auch aus den Mitteilungen des Herrn Freiherrn von Rothschild, daß Sie mich mit dem Aufträge beehren, über die leider nur zu bekannten Vorfälle in Ihrer Gemeinde eine Meinung abzugeben. Obwohl, wo so viele unterrichtete Männer bereits gesprochen, wenig Neues zu sagen ist, habe ich dennoch gehorcht und in beifolgendem Gutachten versucht, den Gesichtspunkt klarzumachen, ans welchem das Geschehene und das zu Tuende zu betrachten sein dürfte. Möchten meine Worte Ihrem edlen Eifer sichtbar werden und der Geist der Mäßigung Ihre Schritte lenken! Findet die Abtrünnigkeit weltlichen Beifall, so kommt Trost lind Hilfe von dem, der gesprochen: lau Meastirn welau gealtim lechallaussom l’hofer brisi itoin'). Genehmigen Sie die Versicherung der Hochachtung, mit der ich verharre Ihr ergebenster". Das Gutachten von Zunz ist nicht von ihm selbst, sondern, da es in Frankfurt a. M. 1844 gedruckt lvurde, offenbar von Rothschild zum Druck befördert worden. Aus dem Buche Zunz kann man folgende bestimmte Daten entnehmen: „25. März 1844 Aufforderung aus Frankfurt a. M. wegen der Beschiwidung, mein Gutachten 2. April." Zunz erhielt dafür, wie er an seinen Freund, den Inspektor Ehrenberg, am 3. Mai 1844 schrieb, von Rothschild 50 Taler. Der Meldung fügte er die charakteristischen Worte hinzu: „das heiße ich die Wissenschaft Dr. Leopold Zunz in seinem 90. Jahre. 4) Die am Schluß dieses Schreibens stehende hebräische Stelle lautet: „Ich habe sie nicht verworfen und nicht verachtet, un: sie zu vertilge» und nur zu vernichten meinen Bund mit ihnen." Die unmittelbar vorhergehende Stelle in Zunz' Brief „Weltlichen Beifall" bezieht sich wahrscheinlich auf das Verhalten des Frankfurter Senats, von dcui oben im Texte die Rede war. unterstützen". Bei seiner Reise nach Frankflwt, Herbst 1844, war Zunz einmal bei Rothschild eingeladen. In seinem Briefe vom 4. Oktober 1844 bemerkt er: „daß Rothschild in Frankfurt sowohl mich als meine Frau mit Auszeichnung behandelt und mir ein namhaftes Geschenk gemacht." Dieses Gutachten, von dem Zunz einmal erwähnt, daß große Stücke daraus im „Berliner Wochenblatt" 1857 abgedruckt seien, wurde in den „GesammeltenSchriften", Berlin 1876, Bd. II, S. 191 bis 203, mit dem Datum des 2. April 1844 wiederholt. Es behandelt im wesentlichen die theoretische Frage, ob die Beschneidung ein gebotener religiöser Akt sei, berührt ausführlich das Vorgehen der Reformer, geht aber auf das Praktische nur mit dem Satze ein, „da Fälle der Art bisher nicht vorgekommen," wozu die Anmerkung: „Es heißt, vor etwa 35 Jahren habe ein jüdischer Hausvater in Berlin seinen Sohn unbeschnitten gelassen; die Sache soll erst nach einigen Jahren, nachdem derselbe mit seiner Familie zum Christentum übergegangen, ruchbar geworden sein." Vermutlich erlangte Zunz diese Kunde von seinem alten Freunde Gnmpertz. Im Briefbuch nämlich, in dem der Brief an Rothschild nicht mitgeteilt ist, wird ein Schreiben an R. S. Gnmpertz, 21. März 1844, verzeichnet, und zwar in folgender Weise: „Ob ihm ein Fall bekannt, daß ein hiesiger jüdischer Hausvater seinen Sohn, ohne ihn der christlichen Kirche zuzuführen, nicht hat beschneiden lassen? Und wer und wann? Und was die Rabbiner dazu gesagt? Man hat mich selbst darum gefragt." Die Antwort von Gnmpertz ist nicht bekannt. Es ist voll Gelehrsamkeit und Schärfe, Prächtig geschrieben wie alles, was von Zunz herrührt, das Zeugnis eines lichten hohen Geistes und wird doch niemandem gefallen. Den Orthodoxen nicht, weil es entschieden abrät, den Bannstrahl gegen diejenigen zu schleudern, die ihre Kinder der Beschneidung entziehen. Den Liberalen nicht, weil es mit der größten Entschiedenheit gegen die Frankfurter Reformfrennde Front macht und der Beschneidung einen größeren Wert einräumt, als die Liberalen es taten. Dies geht daraus hervor, daß Abraham Geiger an Zunz am 19. März 1845 folgendes schrieb-'): „Ich war mit dem Reformverein nicht einverstanden...; statt auf besonnenem Wege für die Gesamtheit nicht in so raschen Sprüngen zu wirken, griff er mit der Beschneidung dasjenige an, was immer noch als Grundnerv des Judentums ■"’) „Abrahams Geigers Leben in Briefen", Berlin 1878, S. 181 ff.

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