Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1916)
- Date
- 1916-09-15
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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438 nichts zu wünschen übrig lassen, aber ich bin ein so völlig einseitiger und in alle schweren Vorurteile des Hasses verlorener Jude, daß ich vergesse, usw. Bei solchem vorn Haß erfüllten Geiste sei keine echte Wissenschaft möglich, usw. Dann allerlei Geschwätz über die spätere Poesie, wo er mich ausschreibt, und druckt ganze Stellen aus „Maarib" ab. Und dann aus einem Einbanddeckel in Wolfenbüttel eine Strophe aus üblichen Gebeten (ib. S. *219), fiit ihn böhmische Dörfer, die er mit überflüssigen Anmerkungen versieht. Von dem reichen Material meiner Beilagen „Shnagogale Poesie" hat er keine Ahnung. Er hat drei gedruckte Antworten erhalten, die zu schwach sind. Die rneinige wollte der „Hamburger Korrespondent" nicht aufnehmen." Dann fährt Zunz fort: „Beschichte des Volkes Israel', 3. Ausgabe, 1864, Band I, S. 246." Diese Zusammengehörigkeit (der Chronik mit Esra) hat auch Zunz erkannt, wie ich erst jetzt bei der zweiten Ausgabe bemerken kann. Band III, S. 589, angeführt. „Die gottesdienstlichen Vorträge", S. 130 ff. Vgl. oben Bertheau." In dem Abschnitt „Bertheau" wird auf eine Aeußerung des genannten Gelehrten hingewiesen: „Daß Ewald unabhängig von Zunz gesunden, daß die Chronik und Esra eins sei." Zunz fügt hinzu: „Nachdem ich ihnen Amerika entdeckt habe, konnten sie auch hinfinden." Mir scheint es wichtig, dieses merkwürdige Dokument jetzt nach beinahe (>() Jahren zum erstenmal bekanntzumachen. Es zeugt von einer solchen Kühnheit der Polemik und einer solchen Furchtlosigkeit, daß es sich wohl lohnt, ein derartiges Aktenstück der Vergessenheit zu entreißen. Die Erklärung lautet folgendermaßen: Z u u z an Ewal d. Ein Wort zur Verständigung. Als Herrn Professor Ewald unlängst ein hebräisch beschriebenes Pergamentblatt gezeigt wurde, fand er sich veranlaßt, über diese Merkwürdigkeit der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen einen in den „Nachrichten" (1860, Nr. 21) abgedruckten Bericht abzustatten, welcher mit meinen Werken in weiter keinem Zusammenhänge steht, als daß er einiges von dem, was ich über die spätere hebräische Poesie vorgetragen, verunstaltet. Nichtsdestoweniger wird dieser Aufsatz gleich beim Beginn dazu benutzt, in einer überflüssigen Anmerkung die Welt zu belehren, daß meine „Shnagogale Poesie" samt „Ritus" nichts mit echter Wissenschaft gemein habe. Ich selber heiße für ihn „Ein völlig einseitiger Jude, der in die schweren Vorurteile des Hasses verloren ist". Das ist der Dank dieses von Liebe überfließenden Zunftmeisters für das, was er aus meinen Schriften gelernt und verhunzt als das Seinige zu Markte trägt. Damit bei Erwähnung eines die jüdische Wissenschaft berührenden Gegenstandes niemand auf den Einfall komme, hier sei es wohl besser, von Zunz als von Ewald Auskunft zu verlangen, wird Zunz gleich bei der Schwelle einseitig, unwissenschaftlich, vorurteilsvoll geschimpft und ihm „Jude!" nachgeschrien. Dafür, daß der Herr Professor mir meinen Mangel an arabischer Gelehrsamkeit nachsieht, will ich ihm den seinigen an hebräischer, rabbinischer, aramäischer und phönizischer Kenntnis Nachsehen, vierfach das Gute vergeltend. Jedoch kann ich über den Bericht selber keinen Liebesmantel hängen, so sehr seine Blößen ihn auch nötig haben. Woher die Wissenschaftliche Gesellschaft bewogen worden, gerade Herrn Ewald über jenes Thema für urteilsfähig zu halten, ist mir unbekannt; jetzt wird es ihr wohl bekannt werden, daß sie von jedem jüdischen Kantor würde Gescheiteres gehört haben. Ich spreche ihm gänzlich den Beruf ab, über Werke, welche jüdische Wissenschaft und Literatur behandeln, abzuurteilen; einem in die Vorurteile des Judenhasses verlorenen, alles von Juden Geleistete hochmütig verachtenden, von ihrer Wissenschaft nichts verstehenden Akademiker erkenne ich vollends kein Urteil über mich zu. Herr Ewald ist für alle seine Behauptungen den Beweis schuldig geblieben. Die Unwissenheit, welche, obschon von unverständlichem Wortschwall verdeckt, in dem Bericht sich offenbart, wird nur noch von der Anmaßung übertrosfen, mit welcher die unverdaulichen Dinge dargereicht werden. Was in meinen „Gottesdienstlichen Vorträgen" (1832) und in meiner „Synagogalen Poesie" (1855) längst erläutert ist, wird mit untrüglicher, aber langweiliger Weisheit zu einem Gericht bereitet, daß einen das Papier dauert. Die besagten Blätter sind nichts weiter als Blätter aus einem Machsor oder handschriftlichem Gebetbuche, die das festtägliche Abendgebet enthalten, welches aus dem alten täglichen, und dem jüngeren, poetischen Maarib besteht. Die beiden S. 219 abgedruckten Strophen sind die ersten aus dem „Maarib" für den achten Tag. der zweite aus dem für den ersten Tag des Hüttensestes, beide in hundert Ausgaben gedruckt und samt der Uebersetzung in den Festgebeten (Berlin 1856, T. 5, S. 214, T. 6, S. 18) zu lesen. Das tägliche Abendgebet aber war schon in: „Gebete der Juden" (Berlin 1799, S. 262 ff.) zu finden. Mit jüdischer Wissenschaft steht es demnach noch heute, wie ich . es vor fünfzehn Jahren , in dem Buche „Zur. Geschichte und Literatur" geschildert habe. Ueber Werke, die in den zünftigen Doktrinen ihren Verfassern den akademischen Rang verliehen hätten, wird von dem ersten besten Zunstgenossen das Urteil gesprochen; er braucht die Berechtigung dazu nicht nachzuweisen. Wir nünorum gantium werden mit drei Reihen abgefertigt — ein Verfahren des Dünkels, das auch in anderen Kreisen sichtbar wird, denen auf der menschlichen Stufenleiter ein deutsch-christlicher Eckensteher höher erscheint als Jehuda halevi oder Moses Mendelssohn. Habe ich auch Angriffe elender Skribenten niemals beachtet, so erkläre ich doch in vorliegendem Falle, damit mein Stillschweigen nicht gemißdeutet werde, fernerhin auch der einseitige Jude bleiben zu wollen; einseitig wie alle, die für Unterdrückte gekämpft und für Wahrheit gestritten. Dein Herrn Ewald überlasse ich seine echte Wissenschaft sine ira, den Mäusen seinen Bericht sine studio. Berlin, im Oktober 1860. Kölnische und russische Dichter und LrMler über Juden. Von Dr. Marcus Landau, Wien. (Fortsetzung.) inen großen Triumph feiert aber Iankiel bei der. Hoch? zeit Zvsias mit dem jungen Herrn Thaddäus, der Hauptperson des Epos. . Wie man von einer berühmten Tänzerin sagte, sie tanze den Faust, so könnte man von Iankiel sagen, er spielte die Geschichte Polens im letzten Jahrzehnt des achtzehnten Jahrhunderts: « Dr. Leopold Zun? o Jahre alt.