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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-15 · Heft 37 (15.9.1916) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 37 (15.9.1916)
Date
1916-09-15
Page
Seite 437 (sequence 5)
Language
German
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437 — der Vertragsbestimmungen handeln werde. Wie sie dies Versprechen ausgeführt hat, mag aus den hier gegebenen Mitteilungen erkannt werden. Sollte es, wie wir zuversichtlich hoffen, den Verbündeten gelingen, diesen Schurkeiistaat niederzuringen und die Hunderttausende von Juden von ihren Peinigern zu befreien, so würde ein Aufjubeln der Juden der gesamten Welt ertönen, denn auch die Juden in den uns heute feindlichen Ländern können unmöglich diesem verderbten Lande den Sieg wünschen. $ Der „Aurore" entnehmen wir, daß in New Jork eine neue Wochenschrift „The American Jewish Chronicle" zu erscheinen beginnt, und daß eine hebräische Monatsschrift unter dem Titel „Schachrut" begründet worden ist. Dasselbe Blatt weiß zu berichten, daß in Holland sich ein Komitee zur Unterstützung bedürftiger Juden gebildet hat. Auch die holländische Regierung hat sich mit erheblichen Mitteln an der Aufbringung der nötigen Mittel beteiligt. Lin ungedruckter Auklstz von Leopold Lun?. Mitgeteilt von Ludwig Geiger, n den Briefen von Leopold Zunz an M. Jsler findet M sich ein Brief vom 27. September 1860, aus dem hervorgeht, daß der Hamburger Gelehrte dem von ihm hochgeehrten Berliner Freunde Mitteilung davon gemacht hat, daß in den „Nachrichten der Königlichen Gelehrten-Gesellschaft in Göttingen" ein heftiger Ausfall Heinrich Ewalds gegen Zunz stehe. Zum Verständnis des Folgenden ist es notwendig, daran zu erinnern, daß Georg Heinrich August Ewald, geboren 1803, gestorben 1875, als einer der größten Gelehrten des 19. Jahrhunderts gilt. Er war schon 1827 zum außerordentlichen Professor ernannt, wurde 1831 Ordinarius und hat sich durch große Werke, besonders seine „Geschichte des Volkes Israel", und durch unzählige Aufsätze in gelehrten Zeitschriften einen großen Namen erworben. Dabei war er ein unabhängiger Mann, der in politischen Kämpfen, 1837 und 1848, Zeugnis entschiedenen Freisinns gab. Allerdings war er von dem schlimmsten Autoritätsdünkel erfüllt und sprach mit grenzenloser Verachtung von den Leistungen anderer, die auf seinem Gebiete erschienen. Ewald ist nicht eigentlich zu den Judenfeinden zu rechnen, da er sowohl in persönlichem Verkehr als auch in seiner literarischen Tätigkeit Juden zu schätzen und anzuerkennen wußte, doch gehörte er zu den gerade in den vergangenen Jahrzehnten häufigen christlichen Gelehrten, die der eigentlichen Wissenschaft des Judentums keine Berechtigung zugestehen wollten. So bedeutend er auch als Hebraist war, so verstand er doch vom Rabbinischen und Talmudischen wenig oder nichts und gab sich durch diese Unkenntnis bedauerliche Blößen, die er durch Hochmut verdecken wollte. Zeugnis davon ist der angeführte Artikel in den „Nachrichten der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaft in Göttingen" in dem er ein bekanntes und häufig gedrucktes Gebet, das er nicht kannte, als einen neuen Fund ausposaunte und bei dieser Gelegenheit einen ganz unmotivierten Ausfall gegen Zunz versuchte, mit dem er bisher in keine oder nur oberflächliche Berührung gekommen war. Einen solchen Angriff, der nicht bloß die Person Zunz, sondern die von ihm vertretene Wissenschaft und seine Glaubensgenossenschast schwer verletzte, wollte Zunz nicht auf sich sitzen lassen?) Er schrieb daher an seinen Hamburger Freund in dem genannten Briefe, daß er das Göttinger Blatt vor einigen Tagen zu Gesicht bekommen habe, und fuhr fort: „Ich habe mich aber über Ewalds Unwissenheit gar nicht gewundert. *) Schon einmal 1853 hatte sich Zunz sehr erregt gegen Ewald gezeigt wegen einer von diesem bei einer Orientalistenversammlung gehaltenen Rede. Er hatte deswegen an Profestor Fleischer geschrieben, doch ist von dem, Briefe nichts weiter bekannt. da die deutschen Gelehrten, selbst wenn sie Professoren 1mg. liebr. sind, von jüdischer Literatur noch weniger wissen als von mongolischer, was bereits in meinem „Zur Geschichte" gedruckt steht. . . Auf das unverschämte Urteil Ewalds schweige ich nicht, nur weiß ich nicht, wohin mich wenden; eine politische Zeitung gefällt mir nicht, eine jüdische mag ich nicht; die „Nachrichten" werden meine Entgegnung entweder zurückweisen oder zugleich mit Ewalds Kohl besudeln. Gibt es in Hamburg ein geeignetes Organ? Etwa die „Bibliographie", die Hosfmann herausgibt? Wenn Sie ein solches wüßten, täten Sie eine Mizwah, es der Oeffentlichkeit zu befördern, wenn ich es Ihnen werde eingeschickt haben. Vielleicht wissen Sie einen Rat." Auf diese Anfrage antwortete Jsler folgendes: 6. Oktober 1860. Von hiesigen Blättern, in die Sie eine Entgegnung schicken könnten, weiß ich Ihnen nur den „Hamburger Korrespondenten" zu nennen... Er hat eine literarische Partie und könnte somit sich dazu eignen: er hat außerdem den Vorteil, in Hannover verbreitet zu sein, so daß anzunehmen ist, daß Ewald ihn zu Gesicht bekommt. Auf der anderen Seite aber hat er einiges Rischus. Der Redakteur Runkel will nicht für einen Juden angesehen werden und ein anderer Redakteur laboriert an einiger Idiosynkrasie gegen unser Volk. Dennoch glaube ich ziemlich sicher, daß es mir gelingen wird, einem nur nicht zu langen Aufsatz Aufnahme zu verschaffen, denn sie sind im ganzen anständig und nehmen wirklich Anteil an Wissenschaft und Gelehrsamkeit. Wollen Sie mir daher Ihre Entgegnung anvertrauen, so werde ich das Meinige tun. Von anderen Blättern wüßte ich kaum eines zu nennen, das zu diesem Zweck zu empfehlen wäre. Die „Augsburger Allgemeine Zeitung" hat meine Auslassung gegen Ludmilla Assiyg allerdings mit großer Bereitwilligkeit ausgenommen; allein das war ein anderes Interesse. In Ihrem Falle würde sie es schwerlich ohne Jnsertionsgebühr tun. Die theologischen Blättersind mir nicht genau bekannt: Ewald ist jetzt so berüchtigt, daß ich glauben möchte, mehr als eines von ihnen wird Ihnen mit Freude seine Spalten öffnen. In Braunschweig soll Oppert ihn scharf angegriffen haben, doch weiß ich nichts Genaues darüber." Unter den Brief hat Zunz geschrieben: „Beantwortet 8. Oktober nebst ,Ein Wort/." Zunz dankte am 8. Oktober für die Mitteilung, überschickte seinen Aufsatz, erbat sorgfältige Korrektur, erklärte sich zur Erstattung der Kosten bereit und fuhr fort: „Dr. Oppert hat mir selber einiges mitgeteilt, was er Ewald gesagt; ob etwas gedruckt ist, weiß ich nicht." Fast umgehend, 11. Oktober, mußte Jsler seinem Freunde mitteilen, daß seine Bemühungen erfolglos gewesen seien. An die „Bibliographische Zeitschrift" von I. L. Hossmann hatte sich Jsler nicht gewandt, wahrscheinlich weil die genannte Zeitschrift nur sehr geringe Verbreitung besaß. Der „Hamburger Korrespondent" hatte die Aufnahme des Aufsatzes abgelehnt, weil die Erklärung sich für das Blatt nicht eigne, da dadurch eine Polemik heraufbeschworen würde, die ein politisches Blatt nicht bringen dürfe. Jsler gibt daher den Rat, den Artikel in der „Zeitschrift der Deutsch-morgenländischen Gesellschaft" oder in der „Steinschneiderschen Bibliographie" zu veröffentlichen. Beides ist nicht geschehen. Zunz muß den Versuch gemacht haben, den Aufsatz in der erstgenannten Zeitschrift unterzubringen, aber ohne Erfolg. Er stand daher davon ab, ihn zu veröffentlichen, verwahrte ihn aber sorgfältig unter seinen Papieren. In seinem Verzeichnis der ungedruckten Schriften erwähnt Zunz diese Erklärung nicht. Dagegen hat er in der Zusammenstellung der Männer, die über ihn sprachen, unter „Ewald" folgendes verzeichnet: „Ewald, „Göttinger Nachrichten" 1860, Nr. 21, S. 213, daß meine Werke

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